Die regulierende Hand des Staates
Die regulierende Hand des Staates / Image erstellt mit ChatGPT 5.5

Freiheit im Kreuzfeuer - „Libertäre haben mit Linken mehr gemein als mit Rechten“

Als Teil des globalen Atlas-Netzwerks steht die liberale Vorfeldorganisation Prometheus oft in der Kritik. Im Interview spricht Mitgründer Clemens Schneider über Lobbyismus-Vorwürfe, die Nähe Libertärer zu rechten Milieus – und den Kern freiheitlichen Denkens selbst.

Autoreninfo

Carsten Korfmacher leitet das Ressort Kapital bei Cicero.

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Herr Schneider, in den vergangenen Jahren ist ein Bruch im freiheitlichen Lager immer offensichtlicher geworden. Insbesondere Libertäre fühlen sich immer häufiger vom konservativen Spektrum angezogen. Bilden Liberalismus und Konservatismus eine natürlich Symbiose?

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Markus Michaelis | Fr., 22. Mai 2026 - 16:20

Mein Meschenbild ist etwas anders.

Gerade Linke (und anscheinend Libertäre?) haben danach ein Menschenbild, dass es DEN Fortschritt gibt, DIE Emanzipation - klar, auch, aber es wurde aus meiner Sicht weit in diese Richtung übertrieben und gerade nicht mehr akzeptiert, dass der Mensch sich in einem sehr freien Raum bewegt, in dem nicht so klar ist, wo vorne und wo hinten ist. Blinder "Fortschritt" führt zum Pressen von Menschen in Normen, die irgendwer als Fortschritt setzt.

Der Konservative hat das verstanden, setzt nicht auf "billige" Wahrheiten und Normen und weiß, dass gerade weil Mensch und Gesellschaft sehr offen sind, das also ziemlich viel und das Gegenteil auch möglich wäre, je nach Zusammenhängen und Einbettung, man Dinge lieber Schritt für Schritt aus dem Bestehenden entwickelt, anstatt andauernd in Revolutionen die jetzt endlich ganz wahre , letzte, bessere Menschheit auszurufen.

Menschen entscheiden sich für gemeinsam Wege - was dann daran besser ist, wird man sehen.

Noch ein Nachtrag: und insbesondere akzeptiert der Konservative, dass verschiedene Gruppen verschiedene Entscheidungen über ihre Richtung und Werte treffen, dass es also "Wir und Die" gibt. Das ist nie statisch, nie absolut festgelegt, nichts davon ist absolut besser, aber der Konservative akzeptiert, dass es andere Gruppen gibt, die sich eben aus ihren Bedingungen heraus "konservativ" weiterentwickeln wollen, was mit den eigenen Entscheidungen und gerade gültigen Werten überhaupt nicht zusammenpassen muss.

Bernhard Kaiser | Fr., 22. Mai 2026 - 22:37

"Aber wenn ihnen dann jemand einen starken Staat anbietet, um Zuwanderung zu erschweren oder traditionelle Familienbilder durchzusetzen, finden sie das plötzlich attraktiv“ … Der Libertäre will staatlich gesteuerte Zuwanderung und links-sozialistische Ideologisierung und staatliche Indoktrinierung der Privatsphäre (Familie, Kindererziehung etc.) verhindern, also genau das GEGENTEIL von einem starken Staat … "starker Staat“ bedeutet Kollektivismus und Sozialismus, das Gegenteil von Libertarismus !

Ja, da hatte ich auch so meine Zweifel beim Lesen. Das Positive im Menschen sehen, an jeden Menschen glauben, das ist gut, setzt sicher viel Energien frei. Ich finde es toll, dass es auch solche Strömungen gibt, aber mir kommt das als ganz große Weltanschauung auch etwas dünn vor. Das geht irgendwie davon aus, dass der große Rahmen schon irgendwie steht, und dann kann ja jeder frei rumtoben, wie er will. Und im Grundansatz wollen alle Menschen sich immer auf eine Art austoben, die am Ende allen zugute kommt.

Meinem Weltbild nach gibt es einige wesentliche Fragen darüber hinaus, weil der Mensch eben nicht nur so gestrickt ist. Menschen können für sich und die Gesellschaft sehr verschiedene Vorstellungen haben, die alle auf ihre Art gut sind, aber nicht zusammenpassen. Menschen haben auch von Natur aus nicht einfach nur Antriebe, die von alleine zu einem Ganzen beitragen, das funktioniert und das alle super finden.

soistes | Sa., 23. Mai 2026 - 06:39

Entweder er macht was daraus oder auch halt nicht.

Der Staat hat sich auf seine Kernaufgaben zu konzentrieren. Mehr braucht er für mich nicht tun.

Diese Staatsgläubigkeit in unserer Zeit, ist maßlos übertrieben. Die Leistungsverweigerung ist hierbei auch noch zum Teil gnadenlos zu spüren. Die "Reise nach Jerusalem" ist für mich akzeptabel.

Ich stimme mit dem Interviewten nicht in allen Dingen überein, aber manche Dinge sind überlegenswert.

Angelika Sehnert | Sa., 23. Mai 2026 - 08:11

Das Interview lässt mich etwas ratlos zurück. Schneider bezeichnet das, was er anbietet, indirekt als Ideologie,wie die Ökobewegung und die Neue Rechte. Mentalität verändern riecht für mich nach Indoktrination, genau wie es die Ökobewegung mit ihrem politischen Arm, den Grünen, gemacht hat und die Neue Rechte versucht: die Mentalität der Bevölkerung verändern.
Auch die historische Begründung des Liberalismus und die Abwertung des Konservatismus scheint mit nicht ganz richtig zu sein, nach der Lektüre von Clark, Frühling der Revolution.
Die Lebensrealität der Menschen, die sich nicht mit diesen akademischen Glasperlenspielen beschäftigen können, bestimmt ihre Mentalität. Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
Aufklärung und hervorragende Bildung, das sind die wichtigsten Mittel um Menschen zu befähigen, das Beste aus sich machen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Beide Begriffe, urliberale Anliegen, kommen im Interview gar nicht vor. Was will Prometheus eigentlich?

Angelika Sehnert | Sa., 23. Mai 2026 - 08:25

Was die mythologische Figur Prometheus wollte und wie es endete wissen wir. Aber was will diese Stiftung?
Es ist in einem demokratischen System von grundlegender Bedeutung,dass ein politisches Team gewinnt und zwar das Beste! Davon sind wir Lichtjahre entfernt. Wäre es nicht eminent wichtig hier wieder als liberale Player aufzutreten? Nicht mit abstrakten Forderungen wie: „Probier‘ dich aus, schaffe etwas Schönes“. Wer dem Liberalismus wieder Geltung verschaffen will muss die Politik und über die Politik den Staat ändern. Der ist in der Tat bevormundend und einengend geworden- in fast allen Lebensbereichen. Dafür bräuchte es eine Denkfabrik, die mit konkreten Vorschlägen , Forderungen, bis hin zu Kostenaufstellung nach außen auftritt,etwa für eine grundlegende Reform des Bildungswesens. Der Liberalismus hat es gerade sehr schwer, weil niemand mehr weiß, wofür er steht. Dafür ist das Personal der FDP, die für mich immer der politische Arm des Liberalismus sein soll, verantwortlich.

Peter William | So., 24. Mai 2026 - 10:50

ist meines Erachtens die politische Strömung des das im Moment geltende zu bewahren (lat. conservare), kann also nicht losgelöst von Zeitgeist und Epoche betrachtet werden. Der Konservatismus der CDU der 1950er war ein ganz anderer als der "Konservativen" der heutigen Zeit, wem das erklärt werden muss...

Von daher kann Konservatismus im großen und ganzen, per definition, nicht progressiv sein!

Ist halt wieder die Frage, wofür steht links? Für progressiv, für eine eher internationalistische Ausrichtung der Politik? Progressiv in welcher Hinsicht, gesellschaftlich oder wissenschaftlich oder technisch oder oder oder???

Peter William | So., 24. Mai 2026 - 10:54

Antwort auf von Peter William

ein liberaler oder libertärer Zeitgeist vorherrscht, so werden die Konservativen diesen verteidigen und beibehalten wollen. Die Überschrift des Artikels ist nonsense.

Dagmar Lubig | So., 24. Mai 2026 - 11:01

als philosphische Lehre, die gesteht jedem Menschen als höchsten Wert das Selbstbestimmungsrecht und eigenes unbedingtes Privateigentum , sie fordert die Beschränkung der staatlicher Eingriffe auf ein minimum, lehnt Umverteilung ab, und befürwortet freie Märkte.

Fazit: Um so linker eine Person politisch steht, um so mehr enfernt sich sie von der Lehre des Libertalismus (Liberalismus)!!!

Wie konnte es passieren, dass neuerdings den Linken eine libertalistische Haltung ANGEDICHTET wird??
Tja, leider gibt es "Kräfte" die in voller Absicht an der Verdummung des Volkes mit tun.