Zerbröckelnde amerikanische Flagge
Die amerikanische Vormachtstellung in der Welt bröckelt / picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde

Finanz-Insider warnt vor System-Kollaps durch Trump - „Ein Raubüberfall in Maßanzügen“

Trumps Wirtschaftspolitik verändert die geldpolitische Grundordnung der Welt. Aus der Finanzindustrie ist kaum Kritik zu hören – doch unter Insidern wächst die Angst vor einem Zusammenbruch des gesamten Systems. Ein Londoner Investmentbanker berichtet.

John Kersten

Autoreninfo

John Kersten ist als Schwede in Deutschland aufgewachsen und arbeitet seit über 20 Jahren im Investmentbanking in London. Er war unter anderem bei Goldman Sachs, JP Morgan, HSBC, der Deutschen Bank und zuletzt als Managing Director bei der Commerzbank tätig. Sein Schwerpunkt liegt im Interbanken-Anleihenhandel.

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Die Vereinigten Staaten verspielen derzeit unter Präsident Donald Trump jene strategischen Vorteile, die sie sich über Jahrzehnte erarbeitet haben. Und nirgendwo wird diese Entwicklung schneller sichtbar als an den Kapitalmärkten. Dort spiegeln sich Veränderungen in Glaubwürdigkeit, politischer Kohärenz und internationalem Ansehen meist als erstes wider, häufig lange bevor ihre politischen Folgen vollständig absehbar sind. Von erratischer Handelspolitik bis zum Verlust institutioneller Verlässlichkeit könnte Trumps zweite Amtszeit als der Anfang vom Ende der amerikanischen Finanzdominanz in die Geschichte eingehen. Über diese Möglichkeit wurde schon früher spekuliert. Doch diesmal senden die Märkte deutlichere und dringlichere Signale. Dies ist keine politisch gefärbte Warnung. Es ist eine Realität, die längst eingepreist wird.

Seit über zwanzig Jahren arbeite ich in London, einem der bedeutendsten Finanzzentren der Welt, gemeinsam mit New York, Hong Kong und Singapur. Mein fachlicher Schwerpunkt liegt auf dem Handel mit Anleihen und deren Derivaten, jenem Marktsegment, das neben dem Aktienmarkt am direktesten auf wirtschaftspolitische Entwicklungen reagiert. Trumps Politik wird hier zur messbaren Realität. Was für viele abstrakte Begriffe sind, wie Liquiditätsströme, geopolitische Spannungen, Marktmikrostruktur oder makroökonomische Paradigmenwechsel, ist für mich Beruf. Mit wachsender Verantwortung verschieben sich die Perspektiven – vom Handelstisch zur Systembetrachtung. 

Amerika zerlegt die Ordnung, die es einst erfand

Ich schreibe diese Zeilen daher weder aus einem akademischen Elfenbeinturm noch mit politischer Färbung, sondern aus der vordersten Linie eines Systems, das – bei aller teils berechtigter Kritik – einen der tragenden Pfeiler unseres Wohlstands bildet. Ich habe gesehen, wie es funktioniert. Und wie es gelegentlich scheitert. Genau das droht derzeit. Strategisch markiert die Präsidentschaft Trumps einen gravierenden Wendepunkt in der Nachkriegsordnung. Sie demontiert Allianzen, delegitimiert Institutionen und untergräbt jene internationalen Normen, auf denen die amerikanisch geprägte Weltordnung seit 1945 ruht. 

Doch die Entwicklungen, die wir heute beobachten, sind keine vorübergehende Anomalie, sondern ein verstärkter Ausdruck eines tieferen strukturellen Wandels, der sich schon seit geraumer Zeit abzeichnet. Die relative globale ökonomische Bedeutung der USA nimmt aus einer Vielzahl von Gründen ab. Aus Sicht der Kapitalmärkte und der geopolitischen Ordnung gilt dennoch: Auch wenn Trump diese Entwicklung nicht ausgelöst hat, so ist er durch seine konfrontative Handelspolitik und den Rückzug aus internationalen Abkommen zweifellos ein Katalysator.

Trump lässt die USA verzichtbar erscheinen

Was in Washington unter normalen Umständen als apokalyptisch empfunden würde, wirkt in weiten Teilen der Welt wie ein längst überfälliger Ausgleich. Über Jahrzehnte hinweg funktionierte die Nachkriegsordnung unter dem Mantel des Multilateralismus. De facto jedoch zementierte die amerikanische Führung ihre Dominanz in finanziellen, militärischen und institutionellen Fragen. Der Dollar als Weltleitwährung, das US-Vetorecht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, die Bretton-Woods-Institutionen: Das waren keine global verhandelten Kompromisse, sondern strategische Machtsicherungen, verpackt in der Sprache der Kooperation. Amerikanische Führung war nie neutral. Sie war Architektin und Schiedsrichterin eines Systems, das darauf ausgelegt war, sich selbst zu perpetuieren. Die Ironie? Trump behauptet, die Welt habe Amerika ausgenutzt – dabei war es Amerika, das die Spielregeln schrieb, die Plätze verteilte und als reichstes Land der Welt am stärksten davon profitierte.

Was Trump bewirkt – ob aus ideologischem Furor, kalkulierter Ignoranz oder einer Mischung aus beidem – ist die Aushöhlung jenes Fundaments, auf dem die Legitimität amerikanischer Führung bislang ruhte. Er verlässt Abkommen, verspottet Verbündete und reduziert Diplomatie zur Bühne persönlicher Eitelkeiten. Damit vollzieht er, wovon Amerikas Widersacher bislang nur träumen konnten: Er lässt die Vereinigten Staaten inkompetent, erratisch, unzuverlässig und letztlich verzichtbar erscheinen.

Demontage der globalen Institutionen

Wenn es einen roten Faden in Trumps zweiter Amtszeit gibt, dann ist es die systematische Demontage jener globalen Institutionen, die die Vereinigten Staaten in den vergangenen acht Jahrzehnten maßgeblich mit aufgebaut haben. Die Rhetorik erinnert an seine erste Amtszeit. Doch Ausführung und Koordination wirken nun gezielter, entschlossener und deutlich intensiver. Im Januar 2025 erneuerte Trump seine Bemühungen, die Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einzustellen; im Februar suspendierte er das Personal der US-Entwicklungsagentur USAID, um kurz darauf per Exekutiv-Order die US-Beiträge an mehrere UN-nahe Organisationen überprüfen und kürzen zu lassen.

Besonders folgenreich war seine öffentliche Äußerung im selben Monat, Russland solle „tun, was es wolle“, wenn Nato-Mitglieder ihre Verteidigungsausgaben nicht erhöhen – eine Aussage, die nicht nur bei Verbündeten für Empörung sorgte, sondern auch bei amerikanischen Sicherheitsexperten auf scharfe Kritik stieß. Trumps erneuter Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen im Januar 2025 – eine Umkehr von Bidens Wiedereintritt – fiel zusammen mit der Aussetzung der US-Beiträge zum Green Climate Fund und markierte einen tiefgreifenden Wendepunkt: Allein im ersten Quartal 2025 kam es zu ESG-Abflüssen in Höhe von 6,1 Milliarden US-Dollar, der höchste jemals verzeichnete Quartalsrückgang. Parallel dazu begann der weltweit größte Vermögensverwalter, BlackRock, sich öffentlich von den UN-Initiativen zur Klimaneutralität zu distanzieren. Berichten zufolge, um sich an den innenpolitischen Kurswechsel Washingtons anzupassen und erneut Zugang zu staatlich verwalteten Mandaten in republikanisch dominierten Bundesstaaten wie Texas zu erhalten.

Zollpolitik als Selbstsabotage

Wo soll man nur anfangen bei der erratischen Zollpolitik der Trump-Regierung? Man gewinnt den Eindruck, als würden selbst die grundlegendsten volks- und betriebswirtschaftlichen Erkenntnisse in Trumps Umfeld gar nicht ankommen – oder, wenn doch, gezielt ignoriert werden. Zölle sind, insbesondere gegenüber engen Verbündeten und strategischen Partnern, ein klassisches Beispiel für ökonomische Selbstbeschädigung. So prognostiziert die OECD, dass das US-Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent im Jahr 2024 auf 1,6 Prozent im Jahr 2025 und 1,5 Prozent im Jahr 2026 zurückgehen wird, sollten die vorgeschlagenen Zölle tatsächlich umgesetzt werden. 

Die Marktreaktionen folgten prompt auf Trumps Ankündigung der Zolloffensive am sogenannten Liberation Day. Innerhalb nur weniger Tage wurden über zehn Billionen Dollar an Marktwert vernichtet, und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang um 57 Basispunkte, von 3,95 Prozent auf 4,52 Prozent. Das liegt weit über den durchschnittlichen 2,5 bis 3,0 Prozent der letzten zehn Jahre. Portfolioanpassungen folgten ebenso prompt: Liquidität floss aus langlaufenden Anleihen in kurzfristige oder inflationsgeschützte Anlagepapiere. Gleichzeitig hat die Zolloffensive begonnen, globale Lieferketten zu stören und damit Produktionskosten zu erhöhen.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist eine Entwicklung, die zentrale bekannte Kapitalmarktmechanismen infrage stellt: In der Vergangenheit ging ein Rückgang des S&P 500 um mehr als zehn  Prozent in der Regel mit einer Aufwertung des handelsgewichteten US-Dollar einher. In solchen Phasen verhalten sich Investoren üblicherweise risikoscheu und ziehen Kapital aus Aktien und riskanteren Anlagen ab. Sie schichten ihr Geld in vermeintlich sichere Häfen um – traditionell vor allem eben in US-Staatsanleihen und USD als Weltleitwährung. Doch im aktuellen Zyklus fiel der Dollar, obwohl der S&P 500 fast 20 Prozent einbüßte. Gleichzeitig versteilte sich die USD-Zinskurve: Obwohl die amerikanische Zentralbank eine Leitzinssenkungen einleitete, steigen die langfristigen Zinsen.

Wie ein Raubüberfall in Maßanzügen

Diese gegenläufige Entwicklung signalisiert einen tiefgreifenden Vertrauensverlust in US-Staatsanleihen als sicheren Hafen. Langfristige Treasuries verlieren ihren Status als Fluchtwährung – ein struktureller Bruch. Zugleich steigt die US-Staatsverschuldung ungebremst und nähert sich der Marke von 37 Billionen US-Dollar. Was viele unterschätzen: Die Couponzahlungen auf diese Schuldenlast haben sich massiv erhöht von durchschnittlich etwa zwei Prozent auf gegenwärtig fast vier Prozent. Und das ist ein schleichendes, aber umso gravierenderes Belastungsszenario für die Haushalts- und Geldpolitik der USA.

Die Volatilität an den Finanzmärkten und der Realwirtschaft trifft außerdem vor allem jene, die sich am wenigsten dagegen absichern können: Kleinsparer, Rentner und all jene, deren Zukunft auf der Stabilität langfristiger Anlageentscheidungen beruht. Gleichzeitig wirft die Entlassung zentraler Mitarbeiter der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC durch Trump ernsthafte Fragen auf: Verfügt die Behörde überhaupt noch über die nötige Kapazität, um Marktmanipulationen wirksam untersuchen zu können? Die Institution ist unterfinanziert, personell ausgedünnt – und hat unter der aktuellen US-Regierung entscheidende fachliche Kompetenz eingebüßt. Aus Sicht der Investment-Community wirkt das wie ein Raubüberfall in Maßanzügen in aller Öffentlichkeit. Es ist, als hätten die Täter während einer Live-Übertragung erst die Wachen entlassen, dann den Tresor geleert und sich anschließend in einer Pressekonferenz gebrüstet: „Schaut nur, wie viel Geld wir gemacht haben!“

Die Öffentlichkeit ist ahnungslos und überfordert

Das Beunruhigendste? Es gibt kaum öffentliche Empörung und Gegenwehr, keine Alarmrufe, kein koordiniertes Aufbegehren. In der Branche wird nur mit größter Zurückhaltung gesprochen – und öffentlich äußern sich die wenigsten. Jeder scheint darauf bedacht, nicht ins politische Sperrfeuer zu geraten. Die regulatorische Infrastruktur, die eigentlich vor genau dieser Art von Marktverzerrung schützen sollte, schweigt – obwohl der vorliegende Sachverhalt alle Merkmale klassischer Marktmanipulation aufweist. Ausgehöhlt durch Budgetkürzungen und politische Eingriffe bleibt die SEC stumm angesichts einer Lage, die aus Marktperspektive einer massiven und akuten Marktstörung gleichkommt.

Und die breite Öffentlichkeit? Weitgehend ahnungslos – und angesichts der schieren Größenordnung und Abstraktheit der Zahlen verständlicherweise überfordert. Zwar äußern einzelne Ökonomen und Kommentatoren durchaus ihren Unmut, doch den Medien gelingt es bislang kaum, das enorme Ausmaß und die Systemrelevanz der Schäden greifbar zu machen. Der Markt bewertet US-Vermögenswerte nicht ausschließlich anhand ökonomischer Fundamentaldaten, sondern eben auch unter dem Gesichtspunkt institutioneller Verlässlichkeit, internationaler Führungsbereitschaft und langfristiger Stabilität. In der Folge steigen gegenwärtig die Risikoprämien – schrittweise, aber spürbar. Das allgemeine Schweigen ist gefährlich – nicht nur wegen dem, was verloren geht, sondern wegen dem, was es signalisiert: einen Markt, der nicht mehr reguliert, sondern ausgespielt wird. All dies, kombiniert mit Trumps offen zur Schau gestelltem Transaktionalismus, sendet damit ein unmissverständliches Signal: Die Vereinigten Staaten sind kein verlässlicher Garant mehr jener Weltordnung, die sie einst selbst geschaffen haben.

China oder Europa? Wer löst die USA ab?

Wo globale Führung ausbleibt, treten andere vor. Als direkte Reaktion auf Trumps erratische Diplomatie und Russlands Aggression stärkt die EU ihre Energieautonomie – durch den Ausbau erneuerbarer Energien, LNG-Importe und Bündelung von Gasbelieferungen. Ziel ist es, russische Gasimporte bis Ende 2027 vollständig zu beenden. Ab Ende 2025 sollen neue und bestehende Spotverträge nicht mehr zugelassen werden. Teile der bisherigen Lieferungen werden durch zusätzliche Pipeline-Importe aus Norwegen ersetzt. Zugleich beschleunigt die EU ihren Ausbau erneuerbarer Energien – die installierte Photovoltaikleistung soll bis 2025 verdoppelt werden, und bis 2030 sollen 42,5 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammen. Das ist mehr als ein vages Klimaziel. Es ist eine geopolitische Strategie zur Reduzierung externer Abhängigkeiten, zur Stärkung der Marktresilienz und zur langfristigen Verankerung grüner Infrastruktur. Auch im Verteidigungsbereich entwickelt sich eine europäische Reife: Initiativen wie der Europäische Verteidigungsfonds und Pesco zielen darauf ab, die Abhängigkeit vom amerikanischen Rückgrat der Nato zu verringern. Zusammen mit Macrons Forderungen nach „strategischer Autonomie“ signalisiert all dies eine Bewegung – weg von Abhängigkeit, hin zu eigenständiger Handlungsfähigkeit. 

China seinerseits baut seinen globalen Einfluss seit Jahren strategisch aus – insbesondere durch die Belt and Road Initiative (BRI) sowie über Institutionen wie die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB). Seit dem Start der BRI im Jahr 2013 hat China Schätzungen zufolge rund eine Billion US-Dollar in Infrastrukturprojekte in über 140 Ländern investiert. Allein im Jahr 2023 umfasste das chinesische Engagement etwa 44,6 Milliarden US-Dollar an Direktinvestitionen und 43,7 Milliarden US-Dollar an Bauaufträgen – größtenteils durch staatlich gestützte Finanzierung. Die Projekte decken die zentralen Infrastruktur-Sektoren ab wie Transport, Energie und Digitales – darunter auch Prestigevorhaben wie der 62 Milliarden US-Dollar teure China-Pakistan-Wirtschaftskorridor, der China direkten Zugang zum Arabischen Meer verschafft.  Parallel dazu vertieft China seine Handelsbeziehungen mit dem Globalen Süden und positioniert den Yuan zunehmend als internationale Transaktionswährung. Dabei handelt es sich nicht um Opportunismus, sondern um eine langfristig angelegte Strategie Pekings zur Reduzierung der Abhängigkeit vom US-Dollar – konkret sichtbar unter anderem in Yuan denominierten bilateralen Handelsabkommen sowie im Ausbau digitaler Zahlungsinfrastrukturen. 

Wo Amerika sich zurückzieht, bauen andere auf

Gestützt durch chinesische Investitionen tritt der Globale Süden zunehmend selbstbewusst auf. Brasiliens Führungsrolle innerhalb der BRICS sowie Südafrikas Forderungen nach einer Reform der Vereinten Nationen stehen exemplarisch für diesen Wandel. Die wachsende Forderung nach institutioneller Reform spiegelt eine zunehmende Ungeduld mit einem System wider, das als Garant westlicher Vorherrschaft empfunden wird. Diese Staaten warten nicht auf Erlaubnis. Sie fordern zu Recht ihren Platz am Tisch und schaffen parallele Strukturen wie die New Development Bank (NDB), das BRICS Contingent Reserve Arrangement (CRA) oder die Banco del Sur. Auf Ausschlüsse reagieren sie mit strategischer Gemeinschaftsbildung – etwa durch die gezielte Erweiterung der BRICS. Was lange fragmentiert war, bündelt seine Stimme.

Chinas Investitionen sind dabei nicht nur ökonomisch, sondern hochgradig strategisch. Durch Finanzierung und Bau von Infrastruktur im Globalen Süden sichert sich Peking bevorzugten Marktzugang – und verdrängt dabei amerikanische sowie andere nicht-chinesische Anbieter zunehmend an den Rand. Noch bedeutsamer ist Chinas Rolle als Normgeber in zentralen technischen und regulatorischen Fragen – von digitaler Architektur bis zur Handelslogistik. Diese Standards sind mitunter inkompatibel mit bestehenden internationalen Standards und schaffen Abhängigkeiten. In einer Welt, in der die „Kasino-Regel“ gilt – wer die Regeln macht, gewinnt –, entfalten diese Abhängigkeiten einen systemprägenden Charakter mit langfristigen Folgen, die Generationen anhalten können.

Die Weltleitwährung zu stellen, ist ein enormes Privileg

Mit abnehmender Verlässlichkeit der USA verteilt sich globale Führung neu, was nicht zwangsläufig chaotisch verlaufen muss. Richtig gestaltet, eröffnet sich vielmehr die Chance auf eine gerechtere Ausgestaltung, die nicht nur den etablierten Großmächten, sondern auch aufstrebenden Nationen Rechnung trägt. Doch das Risiko einer Fehlsteuerung ist so präsent wie nie. Reagieren die USA mit Isolationismus oder fiskalischer Verantwortungslosigkeit, wird sich ihre eigene relative Schwächung nur beschleunigen. Von geldpolitischer Seite ist die Entwicklung jedoch bereits im Gang: Trumps Steuererleichterungen und schuldengetriebene Haushaltspolitik untergraben die fiskalische Solidität, mindern die geldpolitische Steuerungsfähigkeit und schwächen die Vertrauensbasis des Dollar. Das vermutlich für alle gefährlichste Opfer: die zunehmende Fragilität der Dollar-Hegemonie. 

Zahlreiche Studien belegen die ökonomischen Vorteile, die den USA aus ihrer Leitwährungsrolle entstehen. So beziffert eine McKinsey-Analyse den jährlichen Nutzen auf etwa 0,3 bis 0,5 Prozent des BIP – rund 40 bis 70 Milliarden US-Dollar zum damaligen Zeitpunkt. Eine Untersuchung des Centre for Economic Policy Research kommt zu dem Schluss, dass dieses „exorbitante Privileg“ es den USA ermöglicht, eine rund 22 Prozent höhere Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP zu tragen – gestützt durch den sogenannten „Convenience Yield“, also die Prämie, die Investoren für die als sicher und liquide wahrgenommenen US-Staatsanleihen im Kontext ihrer Leitwährungsfunktion zu zahlen bereit sind. Die Erosion dieser Privilegien ist somit keineswegs nur symbolisch – sie hat handfeste ökonomische Konsequenzen.

Der Dollar ist das Öl im Motor des Welthandels

Eine Reservewährung ist weit mehr als nur ein reines Zahlungsmittel – sie ist ein strategischer geopolitischer Vermögenswert, der Pay-off-Vorteile bietet, Flexibilität ermöglicht und globales Gewicht verleiht. Sie ist das hochviskose Öl im Motor des Welthandels. Doch der Anteil des US-Dollars an den weltweiten Währungsreserven schrumpft kontinuierlich – von 66 Prozent vor einem Jahrzehnt auf aktuell 57,8 Prozent. Diese Entwicklung erklärt sich nicht allein durch veränderte wirtschaftliche Größenverhältnisse, sondern auch durch eine bewusste Diversifizierung seitens der Zentralbanken – zugunsten von Euro, Gold und anderen Währungen, die als sicherer und geopolitisch robuster wahrgenommen werden.

Japan, China und das Vereinigte Königreich zählen zu den größten Gläubigern von US-Staatsanleihen. Großbritannien hat gerade seinen Bestand auf 780 Milliarden US-Dollar erhöht. Es überholte damit China, das seine Reserven aufgrund einer schon länger andauernden US-Dollar-Diversifizierungs-Strategie auf 765,4 Mrd. US-Dollar senkte. Auch Japan hat seine Treasury-Bestände von 1,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2022 auf derzeit 1,1 Billionen US-Dollar zurückgefahren, unter anderem zur Stabilisierung der eigenen Finanzmärkte. 

US-Staatsanleihen können das Finanzsystem ins Wanken bringen

Die Hälfte aller handelbaren US-Treasuries – über 14,5 Billionen US-Dollar insgesamt – wird von Privatanlegern, Pensionskassen und staatlichen Vermögensverwaltern gehalten. In diesen Anlegerkreisen gelten US-Staatsanleihen traditionell als sichere, risikofreie Anlageklasse. Institutionelle Investoren sind zudem verpflichtet, ihr Risikoprofil regelmäßig zu überprüfen. Bereits geringfügige Umschichtungen von zwei bis drei Prozent des gehaltenen Bestands – damit rund 290 bis 430 Milliarden US-Dollar – können angesichts durchschnittlicher Tagesvolumina von etwa 600 bis 900 Milliarden US-Dollar schon ausreichen, um Zinsniveau und Liquidität an den Börsen maßgeblich zu beeinflussen.

Solche Bewegungen wirken jedoch nicht nur marktmechanisch, sondern können auch systemische Risiken freisetzen: Steigende Renditen verteuern die Refinanzierung weltweit, belasten die bilanziellen Sicherheiten im Bankensystem und wirken unmittelbar auf globale Asset-Bewertungen. In einem Finanzsystem, das auf der Stabilität amerikanischer Staatsanleihen als risikofreier Referenzgröße basiert, kann eine abrupte Neubewertung weitreichende Kaskadeneffekte auslösen – von Liquiditätsengpässen im Interbankenmarkt bis hin zu Währungsturbulenzen in Schwellenländern. Je nach Ausmaß droht eine strukturell höhere Volatilität mit destabilisierender Wirkung auf das globale Finanzsystem.

Amerika steht ein langsamer Abstieg bevor

Wenn sich solche Marktverwerfungen zum Dauerzustand entwickeln, drohen den Vereinigten Staaten strukturell höhere Kapitalbeschaffungskosten – mit systemischen Auswirkungen auf den globalen Markt. Aber wieviel Milliliter Öl lassen sich einem laufenden Motor entziehen, bevor der Kolben frisst? Das Privileg, die Weltleitwährung zu stellen, kann schleichend verloren gehen. Doch am Ende spielt es keine Rolle, ob es der erste Tropfen war oder der letzte, der den Kolben zum Stillstand brachte. Ist er einmal festgefressen, mag der Motor zwar auf den übrigen Zylindern weiterlaufen, aber Rennen gewinnt man damit keine mehr.

Für die USA bedeuten steigende Zinsen konkret: höhere Finanzierungskosten für Haushalte, Unternehmen und Staat. Ein schwächerer Dollar verteuert Importe, treibt die Inflation und schmälert die Kaufkraft. In US-Dollar denominierte Rohstoffe wie Öl und Gold werden volatiler, Unternehmen sehen sich steigenden Absicherungskosten gegenüber. Die Schwere der Auswirkungen variiert je nach Abhängigkeit vom Dollar – treffen wird es jedoch alle. Zudem könnten die neuen ökonomischen Realitäten für die USA eine verkleinerte militärische Präsenz, sinkende Investitionen in Infrastruktur und Gesundheitsversorgung, höhere Steuern sowie zunehmende soziale Ungleichheit und innenpolitische Instabilität bedeuten. All das sind keine Anzeichen von Stabilität. Im Gegenteil: Die innenpolitische Erosion wirkt nicht nur als Folge, sondern auch als Beschleuniger des globalen Gravitas-Verlustes der USA. Beide Prozesse verstärken sich gegenseitig.

Frühere Krisen waren leichter zu beheben

Langfristig gravierender für die USA dürfte jedoch die Aussicht sein, dass sie ihre Rolle als Marktgestalter verlieren könnten und zu bloßen Marktteilnehmern werden. In einem solchen Szenario wären sie gezwungen, für internationale Transaktionen erst Fremdwährungen zu erwerben. Trumps Handeln folgt offenbar der Annahme, dass die Kosten für die Verwaltung und Regulierung des weltweit wichtigsten Marktplatzes die strategischen Vorteile überwiegen. Doch diese Annahme ist empirisch kaum belegbar – und widerspricht der offenkundigen Tatsache: Die Vereinigten Staaten wurden zum wohlhabendsten Land der Welt durch ein System, das sie selbst maßgeblich erschaffen haben.

Für die am stärksten gefährdeten Akteure, insbesondere Schwellenländer mit hoher Dollar-Abhängigkeit, sind die Folgen ebenso ernst: Währungsschieflagen, importierte Inflation und zunehmender systemischer Druck. Die Folge: Das Risiko einer sich anbahnenden strukturellen Finanzkrise war selten größer. Und genau diese Art von Krisen sind am schwersten und am langwierigsten zu überwinden. Anders als die Dotcom-Blase von 2001, die Finanzkrise von 2008 oder die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021, die sich durch rasche, koordinierte Zentralbankmaßnahmen zumindest eindämmen ließen, waren frühere Krisen zwar tief, aber letztlich vorübergehend. Die aktuelle Gefahr liegt in einem strukturellen Vertrauensverlust – und der ist, einmal eingetreten, nur schwer umkehrbar.

Was bedeutet das für Europa?

Dieser früher oder später unvermeidliche Übergang erfordert keine Nostalgie, sondern strategisches Augenmaß und besonnenes Handeln. Der Aufstieg einer multipolaren Weltordnung ist kein Scheitern amerikanischer Führung, sondern Ausdruck globaler Reifung. Begegnen die Vereinigten Staaten diesem Moment mit Weitblick und Verantwortung, können sie gestalterisch an einem neuen Gleichgewicht mitwirken – einem, das auf geteilter Verantwortung gründet. Aus europäischer Perspektive vollzieht sich derzeit eine der folgenreichsten geoökonomischen und geopolitischen Verschiebungen seit der Gründung der EU und der Einführung des Euro. Die USA haben gezeigt, welchen strategischen Vorteil es bringt, Marktgestalter zu sein. 

Für Europa ist dieser Moment bislang noch nicht gekommen. Doch es muss vorbereitet sein. Der Euro – und die institutionelle Architektur, die ihn trägt – muss zumindest in der Lage sein, im Bedarfsfall als globale Reservewährung zu funktionieren. Die Dollar-Dominanz zu verlieren, ohne eine glaubwürdige Alternative zu haben, ist, als würde man derzeit Roulette mit den Ersparnissen der Welt spielen – während mitten im Spiel neue Zahlen aufs Rad geschrieben werden, auf die aber nur einer setzen darf. In einer Welt, in der Billionen in Sekunden verdampfen können, ist die Absicherung des Welthandels keine Option – sondern eine Notwendigkeit.

Europa muss sich bereit für Verantwortung machen

Derzeit ist der Euro für eine solche Rolle nicht gerüstet. Die fiskalische und politische Integration bleibt unvollständig, die Kapitalmärkte erfüllen noch nicht alle nötigen Liquiditätskriterien. Insgesamt mangelt es an Breite, Tiefe und Erneuerungs- und Widerstandsfähigkeit. Der chinesische Yuan ist durch seine eingeschränkte Konvertibilität limitiert, das britische Pfund geopolitisch weitgehend bedeutungslos geworden. Und der oft diskutierte „Währungskorb“ – ein aus mehreren Währungen zusammengesetztes Modell – existiert bislang nur als Konzept. Auch wenn ein solches Modell grundsätzlich gerechter erscheinen mag, dürfte seine Umsetzung deutlich komplexer sein als eine gezielte funktionale Stärkung des bestehenden Euro-Systems.

Unabhängig davon, ob die künftige Leitwährung nun aus dem Dollar, dem Euro oder einer Währungskombination besteht – eines steht fest: Für Europa sind tiefere, widerstandsfähigere Kapitalmärkte und eine stärkere institutionelle Integration längst keine „Nice to have“-Option mehr, sondern eine Notwendigkeit, ökonomisch, geopolitisch und strukturell, und darf nicht länger vertagt werden.

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Ernst-Günther Konrad | Do., 21. August 2025 - 09:22

*Er verlässt Abkommen, verspottet Verbündete und reduziert Diplomatie zur Bühne persönlicher Eitelkeiten.*
Sieht da jemand seine Felle wegschwimmen, weil da ein Präsident ist, der nicht mehr alles mitmacht und künstliche und illegale Gebilde verlässt und seinem Volk wieder die Freiheit bringt, unabhängige von solchen Organisationen zu sein?
Ich sage Ihnen was. Ich glaube Ihnen kein einziges Wort.

Lisa Werle | Do., 21. August 2025 - 15:08

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

Herr Kersten trauert seinen bisher gewohnten und lieb gewonnenen 'strategischen Vorteilen' nach - that's it. Ansonsten: Zu viele Worte, um vom eigenen Versagen, den persönlichen Fehlentscheidungen und linken Narrativen abzulenken und - wie überaus bequem - Trump als Schuldigen auszumachen. Trump hat die aktuelle Situation in den USA weder alleine noch vorrangig zu verantworten - das waren und sind die Demokraten. Ein Blick nach Kalifornien reicht. Und wer an der globalen Situstion rein gar nichts positiver gestalten kann und wird - das ist die EU oder die aktuellen versagenden Regierungen in GB, F und D. Denn die sind gemeinsam gerade auf dem Weg in den autoritären Sozialismus, weil ihnen gestalterisch nichts mehr einfällt und sie meilenweit vom Mut und der Weitsicht eines Milei entfernt sind. Und ob Sozialismus den globalen Finanzstrukturen zugute kommt, wage ich sehr zu bezweifeln. Krasser: sie wissen, dass es erneut in einer Katastrophe enden wird und tun es dennoch. Zyniker.

diesem Artikel 'ein linkes Narrativ'...? Über eine konkrete Antwort würde ich mich freuen.

Einige, die den Inhalt offensichtlich nicht reflektieren können - "zu viele Worte..." - verfallen wohl in reflexartige Abwehrreaktionen...!? 🤔

Sorry, wenn ich mich hier erdreiste Kritik zu üben... ... - nix für ungut!

[NIEMALS ABER würde ich Donald Trump selbst zu kritisieren mich hier wagen, the greatest Retter of uns alle..., nur zu Ihrer Beruhigung - sicherheitshalber]

Thomas Veit | Do., 21. August 2025 - 16:52

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

Herr Konrad. Das alte Leiden...

Man kann die moderne Finanzwirtschaft halt nicht 'mit dem Auto' erklären - das ist so!

PS: ich behaupte nicht, dass ich alles verstanden hätte oder zu diesem Thema wüsste... ...

Aber hallo, Herr Veit. Was soll das denn? Wie arrogant unterstellen Sie Herrn Konrad, den Artikel nicht verstanden zu haben. Aber Sie, der Allwissende, der 3,4,5 Kommentare zu jedem Artikel schreibt (!), haben selbstverständlich alles verstanden. Ich halte es wie Frau Werle und Herr Konrad. Der Verfasser hat Angst um seine Millionen, die er als Investmentbanker verdient hat. Der Arme! Und der böse Trump grätscht jetzt dazwischen. Vielleicht erkundigen Sie sich, Herr Veit, oder googeln, wie viele Millionen Investbanker der großen
Investbanken, wie Goldman Sachs, Morgan Stanley etc. so nach Hause bringen. Kenne mich ein wenig aus, da bei denen gearbeitet. Außerdem wohnen einige in meinem Wohnort in
Protzhäusern. Nix für ungut! 🥺

kam ich zu meinem Urteil. Ich habe nie behauptet, dass meine Urteile richtig sind. Jeder kann irren oder falsch informiert sein oder eben bewusst falsch wiedergeben.
Danke für Ihre Fürsprache. Herr Veit dürfte mit seiner Meinung in der Minderheit sein. Aber gut. Sie sei ihm gegönnt. Wir sind doch für Meinungsfreiheit, auch für Andersdenkende.
Ihnen und allen anderen Foristen ein schönes Wochenende.
P.S. @ Herr Veit - bin nicht eingeschnappt, bin auch nicht böse, jeder muss sich so aushalten, wie er ist. Nix für ungut.

offensichtlich. Sonst hätten Sie meine Einlassung zu meiner eigenen Kompetenz diesbezüglich registriert, guten Willen vorausgesetzt. Die Möglichkeit war jedenfalls gegeben...

"Der Verfasser hat Angst um seine Millionen, die er als Investmentbanker verdient hat. Der Arme! Und der böse Trump grätscht jetzt dazwischen." - genau das meine ich: Sie und Herr Konrad haben - Sorry! - Nulllkompetenz bezüglich der Inhalte dieses Artikels. Danke für diese Bestätigung...

Nachfrage: und das von Ihnen propagierte 'linke Narrativ' des Autors..., kommt da noch was...?

PS: ideologische Verblendung und Einengung gibt es wie man sehen kann allseits..., nicht nur bei rotgrünlinkswoke...; wäre ja auch 'komisch' - mMn.

Wenn der Autor "nur seine Millionen retten" wollte, wie Sie selbstsicher unterstellen, bräuchte er sich wohl kaum die Arbeit machen und einen derart ausführlichen Artikel im Cicero(!) verfassen... ... Wozu?

Er würde sich schlicht und ergreifend einfach sichere Anlagen suchen..., für seine zu rettenden Millionen, und dann wieder an den Pool legen... Fertig! 😉🤣

Thomas Veit | Do., 21. August 2025 - 10:04

"Und die breite Öffentlichkeit? Weitgehend ahnungslos – und angesichts der schieren Größenordnung und Abstraktheit der Zahlen verständlicherweise überfordert" - und auch die Sachkompetenz fehlt 'Otto-Normalo' selbstredend..., so auch mir... ...

Die Vernachlässigung der Mathematik und der Finanzmathematik an den (Hoch-)Schulen und die tief sitzende "lleistungsfeindliche inke" Verachtung der konkreten Wirtschaft, die sich in den letzten Jahrzehnten in deutschen Akademiker- und Politiker-Köpfen festgesetzt hat, hat auch bewirkt, dass die wenigen deutschen Talente in diesem Bereich, die wirklich etwas können, im Ausland Karriere machen müssen.

So hat sich das wohlige Vasallen-Gefühl der "Westbindung" zum diffusen Gefühl entwickelt, "die da oben" in den USA würden Geld- und Finanzpolitik für uns einigermaßen gut erledigen. Man gab sich - wie in der Computer-Technologie - mit der geringen Fach-Kompetenz im eigenen Land zufrieden.

Daher entscheidet sich meiner Meinung nach das Schicksal des Euro weniger in Frankfurt, Paris oder Brüssel, sondern in London. und New York.

Daher ist der letzte Absatz dieses Artikels vielleicht auch nur eine fromme Hoffnung. Ob Macron oder Merz daran etwas ändern können?

entscheidet sich auch! In London und New York bzw. Washington. Das ist es ja gerade, was der Autor mit seinem ausführlichen Artikel auch sagen will bzw. sagt. Er betont ja gerade die Wechselwirkungen globaler Finanzpolitik und weist auf mögliche Folgeentwicklungen hin wenn der bisher führende und systembestimnende und Akteur, die USA unter Trump, doch 'in's Straucheln' geraten sollte oder einfach nur wesentliche Stelkschrauben verändert.

Niemand kann wohl ernsthaft annehmen, dass Trumps Finanz- und Wirtschaftspolitik (incl. Zölle) mittel- und längerfristig OHNE irgendwelche globalen Folgen seien könnten..., das wäre naiv. Und diese Folgen werden nachhaltig und NICHT zu unserem Vorteil sein, das ist absolut logisch klar.

Ob die Folgen für die USA-Wirtschaft längerfristig schädlich oder positiv sein werden kann ICH natürlich nicht beurteilen. Insofern... ..., warten wir's ab. 😉

PS: wenn die Chinesen geschickt strategisch agieren werden vor allem sie profitieren - mMn.

Markus Michaelis | Do., 21. August 2025 - 13:33

Ich habe dazu kein Wissen, aber mehr Fragen. Der Artikel stellt die Randbedingungen glaube ich gut dar, aber die Schlussfolgerungen scheinen mir nicht so eindeutig.

Die USA (wie alle großen westlichen Volkswirtschaften) sind direkt oder indirekt über Pensions- und Sozialversprechen überschuldet. Asien steigt wirtschaftlich auf, politisch-demografisch vollzieht sich ein Wechsel in der Welt.

Zu lamentieren, wie schön es doch früher war, mit US-Führung, bringt jetzt nichts mehr - denke ich. Eine Politik mit "Weitblick und Verantwortung" könnte auch einlullend sein, und die nicht aufzuhaltende Realität nur etwas weiter aufschieben? (das ist eine Frage)

Für einen geordneten Übergang raus aus der Dollardominanz ist es bei den Schulden vielleicht zu spät. Wird es chaotisch, ist man besser autark - also vielleicht besser jetzt mit Zöllen+Chaos Abhängigkeiten zurückfahren und Autarkie stärken? Schlecht für die EU, aber für die USA könnte es auch Sinn ergeben - relativ zu andern Szenarien?

Thorwald Franke | Do., 21. August 2025 - 13:48

Der Beitrag ruht völlig auf linksliberalen Narrativen auf. Zum Beispiel, dass Trump die NATO infrage stelle. Das hat er nicht getan. Trump hat die NATO wiederbelebt durch seine Drohung, dass die NATO nur Sinn macht, wenn die Teilnehmer auch Geld für Militär aufwenden. Alle Europäer sagen auch, dass Sicherheitsgarantieren für die Ukraine nur von den USA kommen können, weil die Europäer zu schwach sind. Tja. Und dann saßen sie alle miteinander im Oval Office, und Von der Leyen wurde vor die Tür geschickt. Wo ist jetzt die Schwäche Amerikas? Ich sehe sie nicht. Ebenso die Zölle: Wenn Zölle so schlecht sind, warum hat dann niemand gemeckert, dass die EU so hohe Zölle hat? Aber kaum machen es die Amerikaner, und drücken es auch durch, weil sie Macht haben, kommt der Aufschrei: Und lustigerweise versucht man den Aufschrei zu tarnen mit den Worten: Die USA zerstören sich doch nur selbst. Es ist ein Beschwörungsversuch. Er wird nicht gelingen.

Jens Böhme | Do., 21. August 2025 - 18:48

...erkannten schon früh, dass Trumps zweite US-Präsidentschaft ein astronomisch hoher, privater Finanzdeal ist. Faktisch seine Rache gegen die renitenten Republikaner aus der ersten Amtszeit und den linken Demokraten, die ihm eine Wahl gestohlen hätten. Letztlich ist er gegen die gesamte USA. Und so benimmt er sich auch innen- und außenpolitisch, was eher an seiner unterentwickelten und primitiven Sicht zur Politik geschuldet ist. Er war, ist und bleibt nur ein Makler.