Fachkräftezuwanderungsgesetz - „Die Groko gefährdet den Wohlstand in Deutschland“

Mit ihrem Fachkräftezuwanderungsgesetz will die Große Koalition Unternehmen helfen, offene Stellen zu besetzen. Der FDP-Innenpolitiker Konstantin Kuhle zweifelt an der Wirksamkeit. Die Regierung handele viel zu zögerlich und bürokratisch – aus Angst vor der Flüchtlingsdebatte

Bauarbeiter-Fachkräftemangel
Fachkräfte fehlen in vielen Bereichen, auch im Baugewerbe / picture alliance

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Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero und die Onlineredaktion von cicero.de. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Bastian Brauns

Konstantin Kuhle ist innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Mitglied im FDP-Bundesvorstand und Generalsekretär der FDP in Niedersachsen.

Herr Kuhle, die Große Koalition will am Freitag das lange angekündigte Fachkräfteeinwanderungsgesetz im Bundestag verabschieden. Damit erfüllt sich eine Forderung Ihrer Partei, obwohl Sie selbst gar nicht in der Regierung sind. Wie froh sind Sie darüber?
Deutschland diskutiert seit Jahrzehnten über ein Einwanderungsgesetz. Über den jetzt vorgelegten Entwurf kann man sich aber kaum freuen. Viele Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft hoffen darauf, dass der Fachkräftemangel zumindest ein Stück weit abgemildert wird. Diese Hoffnung wird sich aber mit dem vorgelegten Entwurf nicht erfüllen.
 
Was passt Ihnen nicht?
Dieses Gesetz ist kein Paradigmenwechsel in der Einwanderungspolitik. Der ist aber notwendig. Was wir brauchen, ist eine völlig neue Strategie zur Anwerbung von hochqualifizierten Fachkräften aus dem außereuropäischen Ausland. Denn diese Gruppe ist bisher im Vergleich zu anderen Gruppen von Migranten verschwindend klein. Die meisten Menschen kommen derzeit im Rahmen der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit oder als Asylsuchende nach Deutschland.
 
Was hat man sich unter Fachkräften eigentlich vorzustellen?
Wir brauchen in allen Bereichen Fachkräfte, in denen Unternehmen heute nicht in der Lage sind, ihren Bedarf am heimischen oder europäischen Arbeitsmarkt zu decken. Dabei geht es um Berufe von A bis Z – von der Pflege bis hin zu IT- und Ingenieursberufen. Wir müssen diese Menschen auf möglichst unbürokratische Weise ins Land lassen und ihnen die Frage beantworten, warum sie sich im internationalen Wettbewerb ausgerechnet für eine Tätigkeit in Deutschland entscheiden sollen.
 
Warum reicht es nicht, diese Menschen bei unseren nächsten Nachbarn in der EU anzuwerben?
Weil die ganze Europäische Union unter einem verschärften demografischen Wandel leidet. Der Bedarf an Fachkräften wird auf einem alternden Kontinent immer weniger intern gelöst werden können.

Konstantin Kuhle
Konstantin Kuhle, FDP

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet vor, Deutschland könne nur wirtschaftlich erfolgreich bleiben mit einer Nettozuwanderung von 400.000 Personen im Jahr. Ist es wirklich so dramatisch?
Man muss diese Zahlen sehr ernst nehmen. Ich befürchte, die Debatte zur Begrenzung und Steuerung von Zuwanderung wird viel zu sehr in Bezug auf das Flüchtlingsrecht geführt. Klar dürfen sich die ungeordneten Zustände aus dem Jahr 2015 nicht wiederholen. Aber das darf doch nicht den Blick darauf verstellen, dass es im Bereich das Fachkräftezuwanderung einen enormen Bedarf gibt.
 
Als Innenpolitiker wissen Sie, das Thema ist ein politisches Minenfeld. Haben Sie den Eindruck, die Groko traut sich aus Angst vor fremdenfeindlichen Stimmungen zu wenig?
Die Union hatte schon in den Neunzigerjahren ein ideologisches Problem mit einem Einwanderungsgesetz. Diese Vorbehalte ziehen sich bis heute durch und führen dazu, dass innovative und kreative Ansätze nicht verfolgt werden. Der Union ist die abstrakte Warnung vor einer Einwanderung in die Sozialsysteme immer noch wichtiger als konkrete Problemlösung. Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass Ausländer mit qualifizierter Ausbildung und Berufserfahrung hier einen Arbeitsplatz finden und dass sie Steuern und Sozialabgaben zahlen.
 
Bislang konnten nur Menschen mit Hochschul- oder Berufsschulabschluss einwandern, wenn es sich um einen sogenannten Engpassberuf handelte. Die Groko will die Möglichkeit nun für alle Berufe bestehen. Das ist doch ein Wort.
Zwei positive Punkte gibt es in der Tat. Die sogenannte Positivliste von Engpassberufen wird abgeschafft, ebenso wie die Vorrangprüfung. Das heißt, zukünftig muss nicht mehr nachgewiesen werden, dass für einen bestimmten Beruf tatsächlich kein Deutscher oder EU-Ausländer in Betracht kommt. Aber die Anerkennung von Berufsabschlüssen bleibt unfassbar langwierig und bürokratisch. Ferner braucht es in den deutschen Auslandsvertretungen eine Serviceoffensive. Dort ist es heute teilweise nicht möglich, überhaupt einen Termin für die Vergabe eines Arbeitsvisums zu bekommen. Auch hier brauchen wir einen Paradigmenwechsel. Die Welt sollte wissen, dass wir einen Bedarf an Fachkräften haben und diese auch willkommen heißen.
 
Das Demografie-Problem droht aber in allen Staaten der Welt, in denen die Lebenserwartung steigt und die Geburtenrate sinkt. Das Werben um Fachkräfte wirkt wie ein globales Bäumchen-wechsel-dich-Spiel. Sollten diese Probleme nicht multilateral statt national gelöst werden?
Auf multilateraler Ebene sollten wir an der Befriedung bewaffneter Konflikte, an fairen Handelsregeln und an einer Bekämpfung des Klimawandels sowie anderer Fluchtursachen arbeiten. Doch einen globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe wird es auch weiterhin geben. Diese werden dorthin gehen, wo die besten Bedingungen herrschen. Deutschland muss sich dabei um eine starke Stellung bemühen. Es ist ja ein beliebtes Argument von rechts und links, man würde anderen Ländern damit die Fachkräfte entziehen.
 
Ist das denn so falsch?
Ja, denn der internationale Austausch von Fachkräften kann sogar zu einer Verbesserung in den Herkunftsstaaten führen. Die Menschen schicken Geld nach Hause, sorgen für einen Austausch von Wissen und Kompetenzen und lernen liberale und demokratische Gesellschaften kennen. Möglicherweise kehren sie mit einem größeren Erfahrungsschatz in ihre alte Heimat zurück – sofern Deutschland nicht ihre neue Heimat wird.
 
Von Links- und Rechtsaußen kommt auch gerne das Argument, dass es nach wie vor 2,4 Millionen Arbeitslose in Deutschland gibt. Sollten wir diese Menschen nicht zuerst qualifizieren statt anderen Ländern die Fachkräfte zu nehmen?
Leider hört man den Satz „Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ sowohl von Links- als auch von Rechtsaußen noch immer. Man muss ihm entschieden entgegentreten und auf die Fakten verweisen: Unser Wohlstand, unser Sozialsystem und unser Wirtschaftswachstum hängen enorm von qualifizierter Zuwanderung ab. Der soziale Frieden in unserem Land wird durch qualifizierte Zuwanderung nicht bedroht, sondern gestützt.
 
Und das Fachkräftezuwanderungsgesetz hilft da nicht?
Die Große Koalition gefährdet mit ihrer Zögerlichkeit und ihrem Minimalkonsens den wirtschaftlichen Wohlstand in Deutschland. Die offensichtlich notwendigen Schritte in der Einwanderungspolitik werden nicht gegangen.
 
Als FDP fordern Sie ein Punktesystem zur Einwanderun, ähnlich wie in Kanada. Warum glauben Sie, dieses Modell wäre besser?
Ein Punktesystem würde dazu führen, dass es nicht mehr viele verschiedene und bürokratische Modelle zur Erwerbseinwanderung gäbe. Anhand klarer Kriterien wie Sprache, Qualifikation oder Berufserfahrung könnte man schon im Herkunftsland ein Ranking erstellen. Gemeinsam mit den Auslandsvertretungen, den Auslandshandelskammern und den Goethe-Instituten könnte eine neue Service- und Transparenzoffensive für interessierte Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschaffen werden. So könnte jeder transparent erkennen: Lohnt sich eine Bewerbung in Deutschland oder nicht? Aus einem solchen System könnte ein echter Standortvorteil für unser Land werden.
 
Aber im Gesetzentwurf der Koalition wird das Beherrschen der deutschen Sprache doch zur klaren Voraussetzung gemacht.
Ziel muss sein, dass Menschen, die nach Deutschland kommen, sich irgendwann auch auf Deutsch verständigen können. Aber die deutsche Sprache darf für Hochqualifizierte kein Ausschlusskriterium sein. Der Vorteil eines Punktesystems bestünde darin, dass ein Bewerber einzelne Defizite, etwa bei der Sprache, mit wichtigen Fähigkeiten in anderen Bereichen ausgleichen kann, beispielsweise einer besonders gefragten Ausbildung. Dann könnte man die Sprache auch während des Aufenthalts erlernen.
 
Können Unternehmen nicht ohnehin besser entscheiden als der Staat, wen sie für qualifiziert genug halten?
Es gehört zum hoheitlichen Kernbereich staatlicher Tätigkeit, darüber zu entscheiden, wie die Kriterien für Einwanderung ausgestaltet sein sollen. Mit Blick auf die öffentliche Sicherheit oder die Funktionsfähigkeit der Sozialsysteme bestehen dafür auch heute gute Gründe. Doch wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig sind, sollte der Staat nicht mit übermäßiger Bürokratie die Aufnahme einer Arbeit verhindern. Auf viele Bürgerinnen und Bürger wirkt es so: Einerseits schafft der Staat es zu selten, Menschen ohne Bleiberecht in ihre Herkunftsländer zurück zu führen. Andererseits stellt sich die Verwaltung unnötig an, wenn es darum geht, erwünschte Zuwanderung nach Deutschland zu gestalten.
 
Der Staat verhindert durch harte Zugangsregeln aber vielleicht auch die Gefahr von Lohndumping.
Das ist ein Scheinargument. Wir haben in Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn, der bei steigenden Lebenshaltungskosten automatisch angepasst wird. Lohndumping ist wirklich nicht das Thema bei der Fachkräftezuwanderung. Hier kann keine Konkurrenzsituation entstehen.
 
Die Oppositionsparteien werden das Gesetz nicht verhindern können. Ist Ihr Kampf damit beendet oder hoffen Sie auf baldige Regierungsbeteiligung?
Ausweislich der Anhörung im Innenausschuss des Deutschen Bundestages könnten wir schon in wenigen Jahren vor einer erneuten Reform der Einwanderungspolitik stehen, weil das vorliegende Gesetz nicht weit genug geht. Sie können schon mal die Uhr danach stellen, dass wir in einem Jahr eine Evaluierung der Wirksamkeit anfragen werden.

Paul Hulot | Do, 6. Juni 2019 - 09:15

Es kann also nicht zu Lohndumping kommen weil es den gesetzlichen Mindestlohn gibt ? Wenn Ingenieure dann für 30.000 pa angestellt werden handelt es sich nicht um Lohndumping ? alles ist in Butter und der deutsche Arbeitnehmer kann sich freuen?

Elena Focht | Fr, 7. Juni 2019 - 07:07

In reply to by Paul Hulot

daran, als ich diesen Absatz gelesen habe. Dieser FDP Mensch verfängt sich in totalen Widersprüchen. Einerseits soll der Markt für alle Berufe (nicht nur mit Hochschul- oder Berufsabschluss) geöffnet werden, andererseits gefährdere die Hochqualifizierte ( also doch mit Abschlüssen) Zuwanderung nicht den sozialen Frieden.
Wir sollten uns also über den Mindestlohn freuen!!!
Halten die uns alle für dumm?!?

Bernd Schiebener | Do, 6. Juni 2019 - 09:43

Aus meinem Umfeld sehe ich eher die Notwendigkeit für ein " Auswanderungs-Verbotsgesetz für Fachkräfte" ! Wer etwas kann und die Möglichkeit hat verlässt das Land in Richtung USA, Kanada, Australien, Neuseeland usw....... von der Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte ins "gelobte Merkel Land" hört man wenig. Außer Pflegekräfte und Insektenzähler !
Wir sind schon abgehängt - merken es nur noch nicht.

gabriele bondzio | Do, 6. Juni 2019 - 09:51

als Asylsuchende/über EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit ins Land. Unsere Sozialabsicherung ist ja auch Spitze! Und wenn nicht mehr nachgewiesen werden muss, dass ein Engpass im Berufsfeld oder Vorrangprüfung gereift. Sollte sich da nichts ändern an der Schieflage.
Wieso sollten auch Hochqualifizierte nach DE kommen? Wo sie offensichtlich einer zunehmenden Proteststimmung in der Mittelschicht, auf ein Steuersystem mit enormen Abgaben und einer Bevormundungsbürokratie ausgesetzt sind. Und DE leider auch in vieler Hinsicht eine negative Entwicklung im sonstigen Umfeld hat. Wohnungen, Schule, Infrastruktur, digitale Entwicklung usw.) Ich würde da lieber aus-als einwandern. Und das tun auch viele.
So haben wir eine ungute Entwicklung, unqualifizierten Zulauf und qualifizierten Abgang. Wo das hinführt, kann sich jeder selber denken.

bringt es auf den Punkt - unqualifizierten Zugang bei qualifiziertem Abgang -
viel Zuwachs bei den Leistungsempfängern anstatt bei den Einzahlern in das Sozialversicherungssystem.

helmut armbruster | Do, 6. Juni 2019 - 09:54

Erinnern Sie sich noch an die sog. Greencard?
Hat nichts gebracht damals.
D ist für Qualifizierte offenbar uninteressant. Und das wundert nicht, wenn man die Abgabenbelastung anschaut, die auf einem Bruttoeinkommen von z.B. 5000 € pro Monat liegt. Da ist die Schweiz viel attraktiver!!! Und andere Länder ebenfalls.
Wir sind nur interessant für unqualifizierte Habenichtse. Denn was unser Sozialstaat diesen bietet ist sehr attraktiv für diese Kategorie.
Alle Sozialleistungen zusammen in deren Genuss sie hier kommen ist vermutlich x-mal mehr als sie in ihren Herkunftsländern durch Arbeit verdienen könnten.
Hier müsste man den Hebel ansetzen und natürlich auch an der hohen Abgabenbelastung für sog. Besserverdiener, denn die ist - weltweit gesehen - einmalig hoch!

Christa Wallau | Do, 6. Juni 2019 - 09:56

decken sich 1 : 1 mit dem, was Prof. Dr. Bernd Lucke 2013 bereits verlangt hat: Wir brauchen qualifizierte Einwanderung nach kanadischem Vorbild, und die Einwanderung in unsere Sozialsysteme muß unterbunden werden.
Ich kann mich nicht erinnern, daß er von irgendjemand in den Alt-Parteien oder gar von den Medien Unterstützung für seine Haltung bekommen hätte - auch nicht von der FDP. Heute scheint diese Auffassung allgemeiner Konsens bei allen Bürgern (die n i c h t links eingestellt sind) zu sein.
Mir wird immer bewußter, daß die giftige Ablehnung der neu-gegründeten AfD u. das
In-die-rechte-Ecke-Stellen von Lucke und seinen
(damals zu 100% untadeligen) Mitstreitern Deutschland um Jahre zurückgeworfen u. die AfD erst nach rechts verschoben hat.
Alle Altparteien sahen in der AfD n u r einen
Konkorrenten u. wollten ihn um j e d e n Preis
loswerden!
Diese egoistische Haltung verhindert übrigens bis heute Koalitionen, die unser Land mit Augenmaß voranbringen könnten.

Ernst-Günther Konrad | Do, 6. Juni 2019 - 10:49

Uns wurde doch erzählt, das mit der Willkommenskultur auch Fachkräfte ins Land kamen. Wo sind die? Was jeder sah, Frauen mit Kindern, Jugendliche ohne Schul- und Berufsausbildung reisten ein. Wo sollen da die Fachkräfte sein? Warum haben wir nicht mehr in Schul- und Berufsausbildung gesteckt? Warum wurde nicht schon längst ein Konzept über mehrere Jahre erstellt, dass die tatsächlichen Mengen an Fachkräften entsprechend demoskopischer Auswertung und in Zusamenarbeit mit der Wirtschaft erstellt? Warum wurde das Handwerk derart abgewertet und dem Mittelstand mit immer mehr Bürokratie und Investionshemmnissen jede Möglichkeit genommen, Jugendlich für gut bezahlte Handwerksberufe zu interessieren und zu bewerben? Warum wurde das Bíldungsniveau so abgesenkt, dass scheinbar nur noch Abi zählt, Realschüler oder Hauptschulabsolventen faktisch oft nicht brauchbar sind, weil es an Bildung eben fehlt? Das Handwerk,der Dienstleistungsberuf muss wieder Anerkennung durch gute Bezahlung
erlangen.

Hallo Herr Konrad,
auch ich habe schon öfters hier kundgetan, dass Handwerksberufe völlig abgewertet werden und unterbezahlt sind. Sie haben es nochmals sehr gut dargestellt-Danke.
Ich hätte da aber noch ein paar Fragen an Herrn K. Kuhle.
Er sagt und auch das IAB, dass wir 400.000 Personen pro Jahr brauchen! Meint er Netto Arbeitskräfte? oder insgesamt Zuwanderung (also auch mit Familie) oder kommen da noch die Familienangehörigen dazu?
Sind dies in 10 Jahren 4 Millionen Fachkräfte oder 12 Millionen Menschen (4 Personen-Haushalt)?
Weiter: lt. Artikel hätte wir (nur) 2,4 Millionen Arbeitslose und könnten die nicht Qualifiziert werden um die Lücke zu schließen?
Stattdessen als Antwort: Wir brauchen Zuwanderung! Kein Nachhaken auf die gestellte Frage!
Zu Lohndumping sagt Herr Kuhle:"Scheinargument, wir haben doch den gesetzl. Mindestlohn" Klasse Antwort!
Sagenhafte 9,19Euro pro Stunde. Da lebt es sich von der staatl. Stütze auch nicht schlechter. Er hat wohl nur knapp einen € mehr p.St.?

Frauen mit Kinder hat die Presse abgebildet, die Realität sah anders aus. Tatsächlich kann man eher sagen, dass da Wanderarbeiter gekommen sind, so wie wir auch Wanderarbeiter aus Ost- und Südosteuropa haben. Das sind meist Erntehelfer, Bauarbeiter und Haushaltshilfen. Gebraucht werden die auch, wenn es auch keine Facharbeiter sind.

Die Regierung versucht diese arabischen Wanderarbeiter nun in Einwanderer zu ändern, nur hat das zur Folge, dass viele dieser "Angebote" nur mit Zwang gemacht werden, z.B. Sprachkurse. Ebenfalls ist das Interesse an Ausbildung eher gering.

Bei echten Fachkräften dürfte das nicht anders sein.

Ich denke, dass ist wieder die übliche an-der-Realität-vorbei Politik. Gut gelöst ist nun das mit der europäischen Arbeitsmigration, das war ein Kompromiss mit den BaWü-Grünen im Bundesrat. In den 50er-Jahren war es so, dass aus Wanderarbeitern Einwanderer wurden, als die Grenzen dicht gemacht wurden. Davor konnten sie kommen, gehen und wieder kommen.

werter Herr Konrad. "Was jeder sah, Frauen mit Kindern, ..." Ich habe überwiegend junge Männer gesehen. Im problematischen Alter noch dazu und mit einer sehr unguten Einstellung zu Frauen. Damals bin ich in das Kommentieren eingestiegen. Weil ich, wie Frau Kneisel/"Der lange Marsch der jungen Männer"/, die Problematik als überaus heikel eingeschätzt habe.
Der Artikel und meine Bedenken haben in den Folgejahren zu 90% den Punkt getroffen.

Wir dürften beide recht haben. Es gab, je nach Intension der Berichterstattung und Sender, mal diese und mal jene Bilder. Je nach Grad und Inhalt in Hinblick auf das Verursachen von Mitleid und Hilfsbereitschaft. Ging es um Mitleid, standen Frauen und Kinder im Mittelpunkt der Bildberichterstattung mit entsprechenden Kommentaren. Galt es aber die Intension dahingehend zu lenekn, das da auch Fachkräfte unterwegs waren, jo, dann sahen wir die jungen kräftigen "Facharbeiter" aus Sysrien und sonstwo. Manchmal mussten ein und die selben Filmsequenzen und Bilder für unterschiedliche Argumentationszwecke herhalten. Angeblich aktuell, waren die gleichen Bilder bereits eine Woche vorher in anderem Zusammenhang benutzt worden. Fake-News halt. Alles Gute.

Günter Johannsen | Do, 6. Juni 2019 - 12:03

"Dieses Gesetz ist kein Paradigmenwechsel in der Einwanderungspolitik. Der ist aber notwendig."
Kann mit diesen "Fachkräften" in der Regierung noch ein gutes Gesetz zustande kommen???Deutschland wurde von Persönlichkeiten wie Konrad Adenauer, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Franz-Joseph Strauß und Hans-Dietrich Genscher regiert und hatte einen vorbildlichen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker. Man fragt sich doch als deutscher Demokrat mit Gefühl für Anstand und Niveau, wie konnte es passieren, dass unser Land und diese EU so tief gesunken ist? In Kirchen, Politik und Gesellschaft gibt heute leider nur noch das Mittelmaß den Ton an. Da macht auch der gegenwärtige Bundespräsident keine Ausnahme!
Die meisten der „führenden Politiker“ sollten besser in der Kreisklasse, statt auf Bundesebene spielen. Nach Kreisklasse-Spielern sieht gegenwärtig auch unser Land und die EU auf allen Ebenen aus … !

Tomas Poth | Do, 6. Juni 2019 - 12:57

Dieser Diskussion stehe ich seit langem skeptisch gegenüber, aus eigener Berufserfahrung.
Derzeit sind ca. 30tsd Ingenieure in Deutschland als arbeitslos gemeldet.
Es gibt seit Jahrzehnten eine Sockelarbeitslosigkeit in den Ingenieurberufen die über 20tsd liegt!
Haben alle die falsche Fachausrichtung studiert? Könnten sie nicht mit einem Zusatztraining für die gesuchten Fachbereiche fit gemacht werden?
Woher sollen die Facharbeiter kommen die die nötige Fachqualifikation mitbringen? Aus welchen nicht EU-Ländern, können ja nur Länder sein die ähnlich aufgestellt sind wie Deutschland?
400tsd Nettozuwanderung? Da wird Roulette gespielt, nach dem Motto einige davon werden wir fit kriegen, der Rest wandert in prekäre Arbeitsverhältnisse und die Sozialsysteme. Nach der gängigen und anerkannten 20/80%-Regel machen die prekären die 80% aus.
Es braucht keine Zuwanderung wir müssen uns nur neu aufstellen.

Bernhard K. Kopp | Do, 6. Juni 2019 - 13:15

Wenn wir wirtschaftlich schwächeren Ländern, wie Bulgarien, Rumänien, aber auch aussereuropäischen Ländern, Ärzte, Krankenschwestern und sonstige Fachkräfte abwerben, dann darf dies nicht nachweislich disruptiv für die Herkunftsländer sein. Dies ist egoistische Germany-First-Politik, die stattfindet, auch wenn sie nicht so genannt wird.

Leon Reimann | Do, 6. Juni 2019 - 15:47

Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte ist bis zu einem bestimmten Maß, das aber durchaus weit unter 400.000 und auch weit unter 200.000 liegen kann, notwendig. Die größte Sorge des Staates ist ein Rückgang steuerzahlender Bürger, die die Rentenkasse auf Niveau halten. In der Wirtschaft wird Robotik und KI viele jetzt noch manuellen Tätigkeiten ablösen.
Auf der Sorgenseite des Staates kommen in der Summe exponentiell steigende Pensionszahlungen für Beamte in einer Größenordnung hinzu, die für die Stabilität des Landes ein beträchtliches Risiko darstellt.
Der bessere Weg wäre ein sanfter Bevölkerungsrückgang auf 50-60 Millionen Menschen in Deutschland über einen Zeitraum von 50 Jahren. Gleichzeitig müsste die Attraktivität für Familien mit Kindern gesteigert werden, um eine konstante Bevölkerungszahl zu erreichen.

Bernd Muhlack | Do, 6. Juni 2019 - 16:23

Unabhängig des Inhaltes kann dieses G nur scheitern, denn es fehlt das inzw. notwendige Adjektiv, Attribut wie etwa "stark, gut, geordnet etc!
Es muss stante pede ein Korrektiv, Corrigendum eingefügt werden, etwa: Prima/Tolle-FachkräftezuwanderungsG! Nur so kann das funktionieren!
Für mich stellt sich immer wieder das Problem: was zur Hölle ist eine Fachkraft und warum sollte es in D diesbzgl. einen Mangel geben!
Nein, ich bin kein XY (das übliche eben!), jedoch sind die beiden Zeitgenossen auf dem Bild über dem Artikel aus meiner Sicht keine Fachkräfte!
Eine Armierung kann jeder nach 2 Stunden Erklärung, Zukucken: learning by doing! Ich habe das vor ewigen Zeiten einmal in den Semesterferien gemacht; nein, kein Mindestlohn, sondern Akkord!
Anmerkung: warum tragen diese "Eisenbieger" keine Helme?
Jede Fachkraft die WIR holen, fehlt in ihrer Heimat. Schalke hat seine "Fachkräfte" verkauft u wir wären in 2019 fast abgestiegen. Das ist ein Teufelskreis, nicht wahr?
noch 9 Zeichen!

Dennis Staudmann | Do, 6. Juni 2019 - 17:19

Bergriff "Fachkräfte" suggeriert, es gehe um hochqualifizierte Menschen aus dem Ausland. Schon 2015 wurde auf diese Weise für offene Grenzen geworben. Es hiess, dass nun endlich die Fachkräfte und Akademiker kommen würden, die Deutschland so dringend braucht. Ausserdem wurden vorzugsweise junge Männer interviewt, die angaben, ihr angebliches Hochschulstudium in Deutschland nur noch abschliessen zu müssen. Die Wahrheit sah wohl eher so aus, dass das Bildungsniveau der meisten Menschen damals eher gering war. Die Mär von den Fachkräften war eine bewusst gemachte Falschaussage, die man trotzdem verbreitete, um Verständnis für die Politik der offenen Grenzen zu generieren. Nachdem die Flüchtlingszahlen gesunken sind, muss nun erneut der angebliche "Fachkräftemangel" als Grund dafür dienen, einen neuen gewollten Zustrom zu begründen. Länder wie Japan, Sükorea, China lehnen Migration weitesgehend ab. Warum sind diese trotzdem immer erfolgreicher und Europa wird zunehmend abgehängt?

Jeder hier veröffentlichte Kommentar beschreibt das Dilemma sehr treffend. Allen Kommentatoren ein Dankeschön für die treffsicheren Sichtweisen und Meinungen!!!
Und endlich mal kein AfD Gejammere(mußte mal gesagt werden)
Danke, Merci, Grazie, Thank you.

Die AfD ist längst salonfähig. Das wollen die etablierten Parteien und deren Hofberichterstatter nur nicht wahrhaben, denn wie sprach Korf so messerscharf: "was nicht sein kann, das nicht sein darf!" Die merkwürdige Grundhaltung, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, ist eines Demokraten unwürdig und verhindert auch jeglichen Fortschritt. CDU/CSU, Grüne (frühere RAF-Sympathisanten?)und SPD/LINKE verpassen damit ihre Vorwärts-Entwicklung und verlieren ihren Status als freiheitliche Demokraten. Die AfD ist eine demokratische Partei und wächst heran zur neuen Volkspartei, auch wenn es der linken Moral-Elite nicht gefällt. Diese Entwicklung ist mit Diffamierung und Hetze wohl nicht mehr aufzuhalten!

dieter schimanek | Do, 6. Juni 2019 - 19:32

.......hatten wir doch bereits, erinnern sie sich nicht? Alles Ärzte und Ingenieure! Die Not an weiteren Fachkräften ist so groß, daß weder eine Bluecard noch eine Greencard benötigt werden. Die Bluecard von Schröder hat uns gelehrt, daß da sowieso keiner kommt. Wer schon einmal gesehen hat, mit welchem Affenzahn die Afrikaner Kokosnüsse von den Palmen holen, der kann verstehen, daß solche Spezialisten gebraucht werden. Nach dem Insektensterben müssen Blüten einzeln bestäubt werden. Beim derzeitigen Handwerkermangel werden wir froh sein, wenn die Mitternachtsschlosser aus Georgien hier Filialen (er)öffnen. Statt Pflegekräfte aus Fernost zu importieren, wäre es sinnvoller unsere Renter nach dort zu exportieren, das wäre billiger und sie hätten es auch im Winter warm. Ich habe noch jede Menge Verbesserungsvorschläge!
....im Staube bleibt Verstand oft liegen, die Träume aber können fliegen.....

Wolfgang Beck | Do, 6. Juni 2019 - 21:54

"Von Links- und Rechtsaußen kommt auch gerne das Argument, dass es nach wie vor 2,4 Millionen Arbeitslose in Deutschland gibt. Sollten wir diese Menschen nicht zuerst qualifizieren statt anderen Ländern die Fachkräfte zu nehmen?" Das ist eine ziemlich klar formulierte Frage. Lesen wir mal die Antwort durch - es ist ganz offensichtlich, daß Herr Kuhle dieser Frage ausweicht (- und der Interviewer merkt´s nicht). Es geht darum, Arbeitslose sollten bitte doch entsprechend qualifiziert werden, das hat er offensichtlich überhört; denn es darf vermutet werden, er ist von seiner Idee so total begeistert, daß ihm die Arbeitslosen total egal sind. "Unser Wohlstand, unser Sozialsystem und unser Wirtschaftswachstum hängen enorm von qualifizierter Zuwanderung ab. Der soziale Frieden in unserem Land wird durch qualifizierte Zuwanderung nicht bedroht, sondern gestützt." Diese Antwort enthält eindeutig eine repressive Tendenz. Na super.

Norbert Heyer | Di, 11. Juni 2019 - 06:41

Warum sollten tatsächliche Fachkräfte, die wir in unsere Arbeitswelt integrieren könnten, ausgerechnet nach Deutschland kommen? Wegen der Supergehälter? - der niedrigen Steuern? - niedriger Mieten bei großer Wohnungsauswahl? - kaum Sozialabgaben? - geringer Lebenshaltungskosten? Kein wirklich Qualifizierter wird nach Abwägung aller Fakten sich Deutschland antun. Es ist eher zu erwarten, dass hier eine neue Möglichkeit gefunden wurde, um mit fingierten Angaben ins gelobte Land einzuziehen und nach einer Schamfrist von wenigen Monaten ist der Arbeitsplatz leider nicht mehr da. Der derzeitige Höhenflug der Grünen wird verhindern, dass die große Koalition die Durchsetzung der Gesetzesvorgaben genau überprüft. Man muss sich ja das Wohlwollen dieser von fast allen Medien hochgejubelten Partei erhalten. Übrigens: Schon mit der ersten Migrantenwelle wurden uns Fachkräfte in hohem
Maße angekündigt, die jetzt nach kostenintensiven Schulungen in Hilfsjobs landen und dort die Lage verschärfen.

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