- Dekarbonisierung vertreibt die Industrie
Den Green Deal der Europäischen Union und die deutsche Energiewende verband das Versprechen, das Klima zu schützen und die Wirtschaft zu stärken. Die Zukunft der Industrie sollte CO₂-neutral sein. Eine aktuelle Studie lässt diese Träume platzen.
Immer wieder standen die Stahlarbeiter in den vergangenen Jahren im Schatten eines gewaltigen Hochofens in Duisburg-Bruckhausen vor der Zentrale von Thyssenkrupp Steel und demonstrierten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. 2022 war auf dem Gelände eine große Bühne aufgebaut, auf deren LED-Rückwand zu lesen war: „Unser Herz aus Stahl hat eine grüne Zukunft.“
Das versprachen ihnen nicht nur ihre Gewerkschaft, sondern auch der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und seine Stellvertreterin, die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). Mit zwei Milliarden Euro würden Bund und Land den Bau einer Direktreduktionsanlage (DRI) unterstützen, damit Thyssenkrupp bald Stahl klimaneutral mit grünem Wasserstoff statt mit Koks kochen könne.
Heute, vier Jahre später, stockt nicht nur der Bau der Anlage. Der Thyssenkrupp-Konkurrent ArcelorMittal gab seine DRI-Projekte bereits im vergangenen Jahr auf und verzichtete auf Subventionen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro. Am vergangenen Montag legte die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) die Studie „Das Ende der europäischen Stahlwirtschaft … oder einfach nur anders?“ vor. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass das viel beschworene Herz aus Stahl, egal ob grün oder nicht, in Deutschland keine Zukunft hat.
Mehr noch: Die Ergebnisse der Studie lassen sich wohl auch auf andere Industrien übertragen, wie PwC schon im ersten Satz des Vorworts schreibt: „Schmerzhaft müssen wir in Europa und Deutschland aktuell erkennen, dass die Dekarbonisierung schleichend zur Deindustrialisierung auf unserem Kontinent führt.“
International belegt Hightech aus Deutschland längst keine Spitzenplätze mehr
Die Autoren erklären, dass die Produktion hochwertigen Stahls, wie er in Duisburg hergestellt wird, keine Zukunft habe: Wasserstoff sei in Deutschland zu teuer und zu knapp. Die konventionelle Stahlerzeugung mit Kokskohle werde durch die politisch gewollte, immer weiter steigende CO₂-Bepreisung unbezahlbar. Wettbewerbsfähig bleibe nur noch das Einschmelzen von Stahlschrott in sogenannten Minimills, die mit Elektrolichtbogenöfen arbeiten.
Die Berater schlagen vor, die Stahlproduktion ins Ausland zu verlagern, etwa nach Indien oder in den Oman, wo neue, perspektivisch auch CO₂-neutral arbeitende Stahlwerke entstehen, die nicht nur klimafreundlich, sondern auch deutlich günstiger produzieren, als es in Deutschland jemals möglich sein wird. Deutschland und Europa sollten sich darauf konzentrieren, aus Stahl Hightech-Produkte wie Roboter, Prozessleitsysteme für Industrieanlagen und Leistungselektronik mit einem hohen Softwareanteil zu bauen.
Das klingt gut. Doch wer soll Indien und die arabischen Staaten, die massiv in Forschung und Künstliche Intelligenz investieren, davon abhalten, solche Produkte bald selbst herzustellen? International belegt Hightech aus Deutschland, wie die Entwicklung der Automobilindustrie zeigt, längst keine sicheren Spitzenplätze mehr.
Und das, was PwC über die Stahlindustrie schreibt, lässt sich auch auf andere Branchen übertragen: zum einen auf die Automobilindustrie, die ebenfalls unter hohen Energiekosten und Umweltauflagen leidet und vermutlich günstiger dort produzieren kann, wo auch der hochwertige Stahl hergestellt wird, den sie für ihre Autos benötigt.
Ersatz-Arbeitsplätze werden schneller versprochen, als sie geschaffen werden können
Aber auch die chemische Industrie steht unter Druck. Soll die Stahlindustrie, um CO₂-neutral zu werden, Koks durch Wasserstoff ersetzen, ist Wasserstoff in der Chemie die politisch gewollte und ökologisch korrekte Alternative zum dort eingesetzten Erdgas. Beides gibt es auf der Arabischen Halbinsel deutlich günstiger als in den Chemieparks in Leverkusen und Marl.
Deindustrialisierung mag bei grünen Aktivisten und vielen Politikern nicht dramatisch klingen, doch noch arbeiten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes acht Millionen Menschen im verarbeitenden Gewerbe. Ganze Städte und Regionen sind vom Erfolg der Industrie abhängig. Noch sieht es in Wolfsburg und Stuttgart nicht aus wie in Gelsenkirchen oder Duisburg. Aber Ingolstadt und Ludwigshafen, einst reiche Städte, leiden unter der Krise ehemals hochprofitabler Unternehmen wie Audi und BASF.
Die Beschäftigtenzahlen in der wissensbasierten Industrie, die PwC als Zukunftsmodell empfiehlt, dürften bedeutend geringer ausfallen. Ersatzarbeitsplätze werden von der Politik traditionell schneller versprochen, als sie am Ende geschaffen werden können.
An der Idee, Energie in Deutschland teuer und grün zu machen, berauschte sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr als eine Politikergeneration in allen Parteien. Nun werden die katastrophalen Folgen dieser Politik immer deutlicher.
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nein, nicht bei der Bahn, sondern für die Industrie, denn bis ein Umdenken in der Energiepolitik stattfindet und Strom wieder billiger wird, sind die meisten Betriebe entweder insolvent oder ins Ausland abgewandert.
Braucht’s für die in wenigen Worten zusammengefasste Erkenntnis nicht die
X-ten Analyse. Das war alles klar wie Thüringer Klosbrühe da war die Tinte unter dem grünen Wahnsinn in Deutschland und der EU noch nicht einmal trocken.
Eins verstehe ich bis heute nicht. Wo war der Sachverstand der Großindustrie, sich gegen diese Energiepolitik zu wehren? Wo, der Wiederstand gegen diese rot grünen Schwachmaten aufzustehen? Im Gegenteil, da wurde ins gleiche Horn geblasen …… und die , die schon vor Jahren meinten, die Erneuerbaren Energien konntnen erst einmal nur als Ergänzung der fossilen Energien dienen wei dir Forschung einfach noch nicht so weit ist ( Speicherung) die wurden ausgelacht & beschimpft .
Ideologie & Brechstange erzeugt keine Energie.
MfG a d Erf. Rep.
CDU hauptsächlich zu verantwortende Politik wollen Sie noch bringen?
Es wird so langsam inflationär.
Vorweg: alles,was Sie hier schreiben, Herr Laurin,wurde genau so gewollt und umgesetzt. Und gewählt.
Und wenn ich dann lesen muss, dass a l l e Parteien sich an diesem Irrsinn berauschten, dann kann ich nur sagen: entweder lebt der Autor hinter dem Mond oder er bezeichnet nur die Altparteien als „Parteien“.
Dann aber sollte er sich schleunigst mal schlau machen und wird dann feststellen, dass es noch eine Partei gab und es einzig und alleine diese war, die sich all diesem Irrsinn von Beginn an widersetzte und die, würde man sie endlich lassen, ihm sofort ein Ende bereiten würde.
Offensichtlich scheint dies von ihm aber nicht gewollt.
Und auch vom Wähler nicht, zumindest nicht von den Wahlschafen, die brav ÖRR konsumieren und für die die einzige Partei, die noch Politik für und nicht gegen sie macht, „igitt“ ist.
30 % haben verstanden, der Rest noch nicht. Inklusive wohl des Autors
Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht " grün" genug.
Doch sein "grünes" Streben
Ist ein schöner Zug.
Ich hoffe der selige B.B. und seine Erben verzeihen den Eingriff oder merken ihn nicht. Die Grünen sind eben deutsch, durch und durch. Man tut die Dinge um ihrer selbst willen und nicht auf einen Effekt hin. Wenn es um das Weltklima geht kann das Opfer nicht groß genug sein. Naturwissenschaften haben wir auf der Penne abgewählt und uns lieber "Laberfächern " zugewandt.
