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Der Bundesrat hat die Entlastungsprämie gestoppt / picture alliance/dpa | Carsten Koall

Entlastungsprämie - Schwarz-rote Wohltaten auf fremde Rechnung

Die 1000-Euro-Entlastungsprämie ist im Bundesrat überraschend durchgefallen. Unterm Strich ist das positiv. Doch der Grund für das Scheitern ist interessanter als der Fakt selbst. Er zeigt: Die Bundesregierung hat einfach nichts dazugelernt.

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Carsten Korfmacher leitet das Ressort Kapital bei Cicero.

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Der Bundesrat hat am Freitag überraschend der von der Bundesregierung geplanten steuerfreien Entlastungsprämie die Zustimmung verweigert. Ursprünglich sollten Arbeitgeber ihren Beschäftigten bis zum 30. Juni 2027 freiwillig bis zu 1000 Euro steuerfrei auszahlen können. Begründet wurde das Vorhaben mit den wirtschaftlichen Belastungen infolge des Iran-Kriegs und insbesondere mit steigenden Energiepreisen.

Doch mehrere Länder blockierten das Gesetz. Ihr Hauptvorwurf: Die Steuerausfälle würden überwiegend von Ländern und Kommunen getragen, während die vorgesehene Gegenfinanzierung über höhere Tabaksteuern allein dem Bund zugutekomme. „Die Kosten bleiben dann am Ende bei den Ländern und Kommunen hängen“, sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) kritisierte, dass der Bund „für eine Gegenfinanzierung gesorgt“ habe, „aber nur bei sich“.

Toxischer Modus Operandi

Insgesamt gehe es laut Dressel um Steuermindereinnahmen von 2,8 Milliarden Euro, die zu zwei Dritteln von Ländern und Kommunen zu stemmen seien. Der Bund solle zumindest die Kosten der Kommunen tragen, die sich auf rund 700 Millionen Euro belaufen. Hintergrund: Auch ein „steuerfreies Zusatzeinkommen“ führt zu Steuerausfällen, weil auszahlende Unternehmen die Prämie als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen können. Dadurch sinkt im Anschluss ihr steuerpflichtiger Gewinn.

Die Tatsache, dass die Entlastungsprämie vorerst gestoppt wurde, ist eine gute Nachricht. Nicht, weil die hart arbeitende Arbeitnehmerschaft im Land keine Entlastung verdient hätte, sondern weil sich das politische Berlin an einen toxischen Modus Operandi gewöhnt hat, den es unbedingt zu durchbrechen gilt. Dieser MO besteht aus drei Schritten. Erstens: Man redet jede noch so kleine Unannehmlichkeit zur demokratiegefährdenden Staatskrise hoch. Zweitens: Man beantwortet die Krise gönnerhaft mit immer neuen Sozialtransfers, Boni, Zuschüssen oder Sonderzahlungen.

Wer zahlt die Kapelle?

Und drittens: Weil die Staatskassen leer sind, stülpt man die Kosten irgendwem anders über. Das können, wie in diesem Fall, Unternehmen und die Kommunen sein. Das können, wie im Fall der gigantischen Sonderschuldenpakete, die zynisch als „Sondervermögen“ bezeichnet werden, die zukünftigen Generationen an deutschen Steuerzahlern sein. Oder es sind Arbeitnehmer, die ein bisschen mehr als der Durchschnitt verdienen und sich in den Augen insbesondere der SPD damit gleich das Label „Superreiche“ mitverdient haben. Irgendein Dummer findet sich schon, der die Kapelle zahlen muss, zu dessen Musik die Bundesregierung fröhlich ihr Tanzbein schwingt.

Dabei ergibt die Entlastungsprämie, die dem Vernehmen nach auf eine Initiative von Rolf Bösinger (SPD), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, zurückgeht, ordnungspolitisch überhaupt keinen Sinn. Denn das eigentliche Problem Deutschlands ist nicht, dass den Bürgern in regelmäßigen Abständen ein staatlich ausgeschütteter Bonus fehlt. Das eigentliche Problem ist, dass Arbeit, Energie und unternehmerische Tätigkeit in diesem Land strukturell immer teurer werden. Wollte die Bundesregierung die Bürger ernsthaft entlasten, dann muss sie dort ansetzen, wo Belastungen dauerhaft entstehen: bei den Energiekosten, bei den Lohnnebenkosten, bei der ausufernden Bürokratie und bei einem Sozialstaat, dessen Ausgaben seit Jahren schneller wachsen als die Wirtschaft. Für jeden einzelnen Punkt gibt es viele kluge Vorschläge, die wir hier im Detail nicht ausführen müssen. Doch sie alle haben eines gemein: Sie führen dazu, dass sich der Staat selbst beschränken muss und die Regierenden weniger Geld verteilen können. Und nichts fürchten Politiker so sehr wie die Einschränkung ihrer „Gestaltungsmöglichkeiten“.

Ordnungspolitisch brandgefährlich

Tatsächlich ist eine Entlastungsprämie nicht nur nicht zielführend, sondern sogar brandgefährlich: Denn sie erweckt bloß den Anschein entschiedenen politischen Handelns und verstärkt zugleich ein Staatsverständnis, das Bürger und Unternehmen immer stärker daran gewöhnt, bei jeder Krise nach dem nächsten Transfer oder der nächsten Subvention zu verlangen. Eine funktionierende soziale Marktwirtschaft lebt aber nicht davon, dass der Staat in immer kürzeren Abständen neue Kompensationen verteilt. Sie lebt davon, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, unter denen Bürger und Unternehmen aus eigener Kraft Wohlstand schaffen können.

Somit ist die Entlastungsprämie nichts anderes als das Eingeständnis, dass die Bundesregierung entweder nicht willens oder nicht in der Lage ist, die strukturellen Probleme des Landes zu lösen. Stattdessen scheint sie sich damit abgefunden zu haben, den Niedergang der deutschen Wirtschaft weiter wohlgeordnet zu verwalten und höchstens noch symptomatisch aktiv zu werden. Das kann, das darf nicht der Anspruch einer Bundesregierung sein. Nicht nach fast einem Jahrzehnt Stagnation. Nicht in einer der schwersten deutschen Wirtschaftskrisen seit dem Zweiten Weltkrieg.

Wie geht es nun weiter?

Endgültig vom Tisch ist die Entlastungsprämie aber noch nicht. Die Bundesregierung kann dazu nun den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat anrufen, um einen Kompromiss zu finden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Debatte um Energieentlastungen nun im Koalitionsstreit um die Einkommensteuer ihre Fortsetzung findet. Die SPD will niedrige und mittlere Einkommen entlasten und dafür die Steuern für Einkommen oberhalb des Durchschnitts erhöhen. Die Union wiederum will alle Einkommensgruppen entlasten.

Die Wahrscheinlichkeit für echte Reformpakete ist allerdings gering. Je näher die anstehenden ostdeutschen Landtagswahlen rücken, desto größer wird der Zwang, parteipolitisch zu punkten. Und je weiter Union und SPD auseinanderdriften, desto mehr schrumpft auch der kleinste gemeinsame Nenner, der als Basis für Strukturreformen dienen kann. Am wahrscheinlichsten sind, wie so oft in den letzten Jahren, teuer erkaufte Minimalkompromisse.

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Achim Koester | Fr., 8. Mai 2026 - 16:21

zahlen können, die hätte sich auf einige Staatsbedienstete beschränkt. Insofern ist das alles reine Spiegelfechterei, sowohl von Regierungs- wie auch Bundesratsseite. Wir Bürger werden wieder einmal für dumm verkauft.

Urban Will | Fr., 8. Mai 2026 - 17:01

das Ausland lästert über uns. Der Kanzler ist ein Getriebener. Keinen Tag war er diesem Amt gewachsen.
Es wird langsam unerträglich.
Merz sollte sein Ego endlich hinter das Wohl des Landes zurückstellen. Noch könnte er sich einigermaßen ehrenvoll zurückziehen, in einigen Wochen wird er wie ein räudiger Hund vom Hof gejagt.
Wenn er schon niemanden aus seinem politischen Umfeld an sich heran zu lassen scheint, so frage ich mich, was ihm seine Familie sagt.
Denen muss doch auffallen, welch klägliche Rolle dieser Mensch nur noch spielt.

Diese Frage, was seine Familie sagt, stelle ich mir auch jeden Tag, lieber Herr Will! Wenn ich seine Frau wäre, würde ich mich schämen. Ja, und ich würde ihm „die Leviten lesen“. Das passiert wohl nicht. Oder aber er ist so beratungsresistent, wie ja wohl gegenüber seinen Leuten in der Partei. Unglaublich: Letzter (bzw. vorletzter im ganz neuen vor Spahn) im Beliebtheitsranking im Land. Und, man mag es kaum glauben, unbeliebtester Politiker auf der ganzen Welt. Obwohl ich das nicht so recht glauben mag. Wer oder wie will man das messen? Sei es drum. Man hat nicht das Gefühl, dass ihn dieses miese Ranking stört. Oder glaubt das wer???

Urban Will | Sa., 9. Mai 2026 - 09:06

Antwort auf von Achim Koester

es wird nicht mehr lange dauern, dann werden die Fraktion oder Teile von ihr die Reißleine ziehen. Auch wenn ich kein Insider bin, aber das sagt mir mein Gefühl. Die sind ja nicht dumm und sehen genau, dass sie die weitere Kanzlerschaft dieses Nichtskönners mit dem Untergang „bezahlen“. Drei Jahre noch diesen Irrsinn plus vielleicht ein Kubicki, der doch weit über 5 kommt plus eine weiter steigende AfD, dann sind die irgendwo bei 10-15.
Warum soll es in Deutschland anders laufen als so ziemlich überall in Europa, wo alte bürgerlich-konservative Parteien verschwanden?
Daher stelle ich mir das „vom Hof jagen“ so vor, dass ein mächtiger Parlamentarier, so etwa von Stetten, der das vorläufige Ende dieser Koalition eh schon laut aussprach, zu Fritzchen hingeht und sagt: ab heute hast du keinen Rückhalt mehr bei uns.
Dann muss er gehen, dann hat er keine Wahl mehr. Dann ist er der räudige Hund.
Wie es dann weitergeht, wird man sehen.

Heidemarie Heim | Fr., 8. Mai 2026 - 17:51

Die AfD lädt zur nächsten "Popcorn-Session" ein🍿!
Und Angela die Erste lässt sich ihre Worte"Er,sie,es können es nicht!" in Stein meisseln!;)
Ganz schön undankbar angesichts der zahlreichen Orden,die sie von ihren Verehrern aus der Union bekam!Und was die Chuzpe unseres durch Dr.Dr.Merz persönlich so "sensiblen" Herr unserer Finanzen angeht,so musste auch dieser heute Lehrgeld bezahlen mittels der Erkenntnis,"Das Frechheit zwar oft jedoch nicht immer siegt!"Diese Koalition legt es wirklich darauf an,den Rekord bzgl. Zufriedenheits-Index der gebeutelten Bürger in nie dagewesener Weise zu unterbieten."Liebling!Ich hab' die Partei geschrumpft!"
MfG

Angelika Sehnert | Fr., 8. Mai 2026 - 19:57

Man ist nur noch sprachlos angesichts der Stümperei in Berlin. Es manifestiert sich auf erschreckender Weise, dass man innerhalb der Regierung offenbar jeden Kontakt zum richtigen Leben verloren hat. Man will einfach nicht wahrhaben, dass mittlerweile viele Betriebe ums nackte Überleben kämpfen, nicht weil ihre Produkt nicht gut wären, nein, weil die Kosten, vor allem die Energiekosten, der Dschungel an Bürokratie, ihnen die Luft abschnürt. Was nützt die Abschreibungsfähigkeit der Prämie als Betriebskosten, wenn die Liquidität einfach nicht da ist? Die ganze wirtschaftliche Malaise ist tausendfach beschrieben, sattsam bekannt, aber die ideologischen, wirtschaftsfeindlichen Barrieren, hinter denen sich die SPD eingemauert hat, sind unüberwindbar. Merz und seinem Kanzleramtsminister fehlt es außerdem an Regierungserfahrung, an handwerklichem Können, an Durchsetzungskraft und vor allem an Mut das Richtige auch gegen Widerstände zu tun.
Welch ein Trauerspiel!

soistes | Fr., 8. Mai 2026 - 20:50

sollen Sie doch das ganze aus Ihrem gesamten Parteivermögen bezahlen. Wer hat uns verraten?

Abtreten & rauf auf die Harley Davidson & raus aus unserem Land. Haben fertig, Flasche leer

Ingo Frank | Fr., 8. Mai 2026 - 20:51

Was wird denn nun aus der Tabacksteuer die der Bund für seinen kleinen Teil der „AG Wohltat in Höhe von 1000 €“ für sich eingeplant hat ?
Dürfen sich die Raucher freuen oder stecks der rote Kassenwart, für die Finanzierung seiner und seiner Partei der Vorstellung „seiner
Demokratie“ letztendlich ein ?
MfG a d Erfurter Republik

Glauben Sie lieber Herr Frank,dass der Bund auch nur einen müden Euro dieser schon eingeplanten 13-15 Milliarden des der Sucht geschuldeten Steuergeschenks der Paffer (Tabaksteuer+MwS ergeben rund 70% des Preises)ähnlich dem Benzin an den Verbraucher oder an die Länder zurück gibt?Oder was viel mehr begründet wäre,an die gesetzlichen Krankenkassen,deren Beitragszahler er für sich, sprich seine alleinige Aufgabe
bezahlen lässt?Falls ja,was ich nicht glaube,das Sie es glauben;),lassen Sie uns doch gemeinsam dem neuen Breitensport in der Hölle,dem Eiskunstlauf,welcher demnächst dort eingeführt werden soll frönen 😈;).Denn dieses Ereignis tritt wahrscheinlich eher ein😂.LG