- Die Pyrrhussiege der Energiewende
Rekordanteile erneuerbarer Energien, aber zu welchem Preis? Die Bilanz der deutschen Energiewende: enorme Investitionen, steigende Kosten für Steuerzahler und Stromkunden, wachsende Importabhängigkeit und ungelöste Systemprobleme wie Dunkelflauten und Netzausbau.
König Pyrrhus von Epirus trug in seinen Kriegen gegen die Römer zwar Siege davon, verlor aber so viele Männer, dass er nach einer Schlacht gesagt haben soll: „Noch einen solchen Sieg, und wir sind verloren!“ Ähnlich sieht es mit den „Erfolgen“ der Energiewende aus.
Laut Statistischem Bundesamt erreicht Deutschland neue Rekorde in Sachen erneuerbare Energien, verkündete die Branche stolz. Demnach stammten im dritten Quartal 2025 erstmals fast zwei Drittel des Stroms aus Wind, Sonne, Biogas und Laufwasser. Insgesamt entfielen 62,7 Prozent der in Deutschland erzeugten Energie auf erneuerbare Quellen.
Zum Glück müssen für diesen Sieg anders als bei König Pyrrhus keine Krieger mehr auf dem Schlachtfeld sterben, dafür muss aber jede Menge Geld investiert werden. Für die Investitionen muss sowohl der Stromkunde als auch der Steuerzahler herhalten.
Blenden wir einmal mit den Energy Charts der Fraunhofer Gesellschaft 15 Jahre zurück. Im Jahr 2010 waren noch 21,4 Gigawatt Kernkraft am Netz. Daneben 79,4 Gigawatt Fossile Kraftwerke. Diese erzeugten zusammen 85,3 Prozent des benötigten Stroms. Die installierte Leistung der Erneuerbaren betrug 48,4 Gigawatt. Diese erzeugten aber nur 14,7 Prozent des Stroms. Im Jahr 2010 war Deutschland noch Nettoexporteur und verbuchte bis zur Abschaltung der letzten Kernkraftwerke jährliche Einnahmen von über 2,5 Milliarden Euro.
Die Stromerzeugung über die letzten fünf Jahre war im wesentlichen wetterabhängig
Im Jahr 2025 sind noch 77,5 Gigawatt Fossile Kraftwerke am Netz und erzeugen immer noch 43,3 Prozent des benötigten Stroms. Die installierte Leistung der Erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen wurde dagegen mit 183,8 Gigawatt fast vervierfacht. Trotz der Vervierfachung decken diese nur 56,7 Prozent des Strombedarfs. Hinzu kommen 77 Terawattstunden aus dem Ausland, zum größten Teil Atomstrom. Seit der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke ist Deutschland Nettoimporteur und muss jährlich 2,4 Milliarden an Stromversorger im Ausland zahlen.
Bemerkenswert bei diesem Vergleich ist die Entwicklung der Erneuerbaren in den letzten fünf Jahren. Die installierte Leistung der Onshore-Windkraft wurde seit 2020 um 14 Gigawatt ausgebaut. Trotz dieser Ausbausteigerung von 25 Prozent wurde 2025 von den Onshore-Windkraftanlagen nicht mehr Strom als im Jahr 2020 erzeugt. Die Stromerzeugung über die letzten fünf Jahre war im wesentlichen wetterabhängig. Wer jetzt also immer noch auf den weiteren Ausbau der Onshore-Windkraft drängt, verkennt die Fakten: Es gibt keinerlei Korrelation mehr zwischen Ausbau und Stromerzeugung. Das Potential, das die Natur bietet, wird bereits mit den vorhandenen Anlagen ausgeschöpft.
Auch die Entwicklung beim Ausbau der Photovoltaik lässt einen gewissen Sättigungsgrad erkennen. Durch die Verdoppelung der installierten Leistung in den letzten fünf Jahren wurde nur 50 Prozent mehr Strom erzeugt.
Die bedingungslose EEG-Förderung der regenerativen Energieerzeugung muss beendet werden
Erwartungsgemäß konnte das Grundproblem der Energiewende durch noch so viel Ausbau der Regenerativen nicht gelöst werden: die Stromversorgung bei Dunkelflaute. Dagegen hat insbesondere der Ausbau der Photovoltaik das Problem der Hellbrise weiter verstärkt. Das zeigt sich auch in diesem Jahr wieder bei den Ausgleichszahlungen an die Übertragungsnetzbetreiber. Auch für 2025 sind wieder 18 Milliarden Euro vom Staat oder besser vom Steuerzahler an die Übertragungsnetzbetreiber zu überweisen. Denn die Netzbetreiber sind nach wie vor verpflichtet, den regenerativen Strom zu den gesetzlich festgelegten EEG-Entgelten abzunehmen – ob er nun gebraucht wird oder nicht, ist vollkommen irrelevant. Sind die Preise an der Börse niedriger oder sogar negativ, entstehen Verluste, für die der Steuerzahler haftet und nicht der Erzeuger des regenerativen Stroms. Gleiches trifft auf die durch Windräder und Solaranlagen ausgelösten Netzausbaukosten zu – bisher 500 Milliarden Euro –, die nicht von den Verursachern, sondern von der Allgemeinheit über Netzentgelte zu tragen sind. In unserer Gesellschaft wird oft und gern über Steuergerechtigkeit gesprochen. Das EEG bleibt bei dieser Diskussion bis jetzt außen vor, obwohl es schwerfällt, ein sozial noch ungerechteres Modell zu finden.
Als Konsequenz aus diesem energiewirtschaftlichen Rückblick kann eigentlich nur folgen, dass die bedingungslose EEG-Förderung der regenerativen Energieerzeugung beendet wird. Warum sollten Kapazitäten, die wir nicht brauchen, und Technologien, die längst wirtschaftlich sind, noch gefördert werden? Der weitere Ausbau der regenerativen Erzeugung sollte sich nach den real vorhandenen Möglichkeiten der Speicherung und der Netzintegration ausrichten und nicht an Wunschvorstellungen. Die Erzeuger von regenerativem Strom können nicht länger von den Netzbetreibern EEG-Gelder erhalten, die am Markt nicht erzielbar sind. Statt auf einen nicht mehr finanzierbaren und terminlich aus den Fugen geratenen Netzausbau zu setzen, mit dem fluktuierender Windkraftstrom über hunderte Kilometer von Nord nach Süd transportiert werden soll, müssen regionale Lösungen in der real vorhandenen Netzinfrastruktur gefunden werden.
Mit wasserstofffähigen Gaskraftwerken wird das nächste energiewirtschaftliche Milliardengrab geschaffen
König Pyrrhus erkannte richtig: Einen weiteren Sieg können wir uns nicht leisten. Die Energiewende bewegt sich allerdings mit Riesenschritten auf das nächste Schlachtfeld zu: den Bau von wasserstofffähigen Gaskraftwerken. Geplant waren 20, gefordert 40 und von der EU erlaubt schließlich zwölf Kraftwerke, für die es kein Geschäftsmodel gibt. Getarnt als Kapazitätsmarkt wird hier das nächste energiewirtschaftliche Milliardengrab geschaffen: ein Markt, der Kapazitäten in Form von Gaskraftwerken vorhält, die dann bei Dunkelflaute einspringen sollen. Die ganzjährigen Vorhaltungskosten dieser Kraftwerke – denn wer weiß schon, wann die nächste Dunkelflaute droht – sind dann wieder von allen Stromkunden zu tragen. Dass diese Kraftwerke dann noch mit Wasserstoff betrieben werden sollen, macht diese zu wahren Energievernichtungsmaschinen.
Bei den Vertretern der Energiewende wird in letzter Zeit immer wieder gerne auf den Ausbau der Regenerativen Stromerzeugung in China hingewiesen. Es ist zwar richtig, dass China in den letzten Jahren die regenerativen Energien stark ausgebaut hat – 20 Prozent des Stroms stammen mittlerweile aus Wind- und Solaranlagen –, aber in einem Netz mit einer stabilen Grundlastversorgung vorwiegend aus Kohle (60 Prozent), Wasserkraft (15 Prozent) und Kernenergie (5 Prozent). Die chinesische Energieversorgung ist im Gegensatz zur deutschen technologieoffen und frei von jeder Ideologie. Beim Versuch, die Grundlastversorgung über regenerative Energieträger zu sichern, wird China dem deutschen Beispiel aber bestimmt nicht folgen.
Dies ist nicht mein erster Aufsatz über die Energiewende und den Kernenergieausstieg. Da auch nach dem Regierungswechsel die Energiewende mit mehr oder weniger kleinen Abstrichen weiterverfolgt wird, stelle ich mir zunehmend die Frage, was bei uns falschläuft und warum. Vielleicht ist die Erklärung auf anderen Feldern zu suchen. Es ist ja nicht so, dass zum Beispiel „Technologieoffenheit“ in Deutschland ein Fremdwort wäre. Aber anstatt die Technologieoffenheit für alle Gebiete und nicht nur für das „Verbrennerverbot“ zu fordern, versagen wir der Energieversorgung mit dem Atomausstieg aus nicht nachvollziehbaren ideologischen Gründen die Technologieoffenheit.
Wie oft kann sich ein Industrieland wie Deutschland noch einen Pyrrhussieg gegen die Vernunft leisten?
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Sinnfreie Ideologie und Zynismus pur der politisch Verantwortlichen ruiniert dieses Land und das Leben der Bürger. Angefangen hat das mit Merkel und ihrem grün-linken Wahn. Und Merz macht genauso weiter, die grün-roten ohnehin.. Die ganze Welt sieht zu und kann nicht fassen, was hier vor aller Augen und voller Borniertheit geschieht. Dieses Land ruiniert sich selbst und die Täter sitzen in der Regierung, in den NGOs und in der EU. Wir brauchen Putin nicht, das erledigen unsere Regierungen alles alleine. Bitte bleiben Sie dran, Herr Gräber, gemeinsam mit den vielen Experten und den wenigen echten Journalisten, die dieses Irrsinn nicht noch schönreden. Dieser EEG-Vernichtungsfeldzug muss gestoppt werden.
Wenn trotz Zubau an „erneuerbaren Energien“ keine Ergebnissteigerung herauskommt, ist das dann nicht ein Beweis dafür, dass niemand die Energie erneuert, dass sie nur einmal vorhanden ist und nach einer Umwandlung in Strom ist sie weg. Kann das dann noch „klimaneutral“ sein?
Auch mit der Speicherung ist das so eine Sache. Der Großspeicher in Grundremmingen, der gerade gebaut wird, hat nach Fertigstellung dieselbe „Leistung“ wie das ehemalige KKW, aber leider nur für weniger als 1 Minute.
Kann es sein, dass die „erneuerbaren Energien“ ein großes Märchen sind und nur hohe Kosten verursachen? Die Erzeugungsleistung muss gleich mehrfach installiert werden, dafür hat sie aber eine geringe Lebensdauer. Ob sie dann auch wirklich klimafreundlich ist, bleibt die große Frage. Was ich so lese ist eher das Gegenteil der Fall, Solarfelder erhitzen die Luft und Windräder bremsen den kühlenden Wind. Ist da das CO2 wirklich schädlicher?
Sie haben vollkommen Recht mit Ihrem Kommentar, aber Sie sind der sprichwörtliche Rufer in der Wüste. Wissenschaftler (echte) und emeritierte Professoren wie z.B. H-W Sinn, Fritz Vahrenholt und Gerd Ganteför haben, wohlweislich erst, nachdem sie im Ruhestand nicht mehr von Staatsaufträgen mit vorherbestimmtem Ergebnis abhängig waren, gewagt, das Lügengebäude "menschgemachter Klimawandel" rechnerisch zu widerlegen und ad absurdum zu führen.
Die von Ihnen genannten haben vor allem wirtschaftliche Faktoren angeführt, genau wie Herr Gräber.
Aber wie beim Geschlecht die Biologie haben die grünen Ideologen bei der Energiewende die Physik verleugnet.
Hilft es dem Klimawandel wirklich, wenn riesige Solarfelder in Spanien um die Mittagszeit mit Oberflächentemperaturen zwischen 60°C und 100°C die Umgebung aufheizen und so zu immer neuen Temperaturrekorden führen? Wenn Windräder jede Kühlung durch Seewinde verringern?
Das ist Physik, aber man hört davon nichts, keine Diskussion!
den Philosophen, Politologen und anderen Geisteswissenschaftern und berufslosen Berufspolitikern eben nicht …..🙈
Wen wundern da die die beschriebenen Ergebnisse und die daraus resultierenden Fakten …..
Ach ja, der Oberschlaumeier aus Bayern setzt sich wie ich heute gelesen habe, für den Wiedereinstig in die Atomkraft ein ….. warum ließ er zu, das letzte bayrische AKW erst jüngst zu sprengen ?
MfG a d Erfurter Republik
Absatz gestellt haben, haben Sie sich sicherlich selbst längst gegeben, aber sich nicht getraut, sie auch hinzuschreiben.
Was läuft falsch in Deutschland?
Seit Jahrzehnten wird Politik gegen das Volk von einer Clique gemacht, die längst keine Mehrheit mehr hat.
Zu Beginn gab es diese Mehrheit zwar, aber auch nur, weil ein komplett ideologisch verseuchter ÖRR diesen energiepolitischen Wahnsinn besungen hat und die Deutschen nun mal in großer Zahl dazu neigen, zu glauben, was man ihnen vorsetzt.
Oder aus Feigheit und Opportunismus so tun, als würden sie glauben.
Seit der Lügenbaron Merz übernahm, gibt es aber keine Mehrheit mehr für diesen politischen Selbstmord. Nun aber verhindert die Brandmauer, dass korrigiert wird. Diese bröckelt so langsam, aber der Altparteien-Komplott wird sich zur Not komplett zusammen tun, um sie weiterhin aufrecht zu erhalten. Es braucht leider noch viel Geduld, bis sich etwas ändert. Pyrrhus muss nochmal in die Schlacht. Dann „isch over“.
Sie haben Recht und ja ich hatte ursprünglich das Wort Brandmauer im Text verwendet. Ich wollte dann aber doch in meinem technisch Duktus bleiben und nicht diesen fürchterlichen politischen Begriff verwenden, der für ein pluralistisches aufgeklärtes Land das wir sein wollen eine Schande ist.
Das Ganze hat mit mangelhafter naturwissenschaftlicher Bildung in Politik und Medien zu tun. Da gibt es "Experten", die ständig Größen wie kW und kWh verwechseln. Dieser Bildungsabsturz begann nach meiner Erinnerung an den Schulen vor etwa 30 Jahren, es wird Generationen dauern, bis dieses Ausmaß an Nichtwissen und Klugscheißen wieder eingehegt werden kann. Schlechte Aussichten für die nächsten Jahrzehnte mit den derzeitigen "Entscheidern".
dass zwei Dumme einen Gescheiten überstimmen können.
Das hat die Ampel gezeigt, wie auch der Koalitionspartner SPD in personae Bärbel Bas+ Lars Klingbeil
Jeder Elektroingenieur oder Physikstudent mit Vordiplom könnte das ganze Konzept zerpflücken. Man kann ein Land mit einem Primärenergieverbrauch von ca. 10 Petajoule nicht mit Wind und Sonne versorgen. Man kann die Gesetze der Physik nicht aufheben.
Volkswirtschaftlich war das Ganze von Anfang an Unsinn, vor allem die völlig unrealistischen zeitlichen Vorgaben. Der Niedergang Deutschlands wurde von einer laut- und meinungsstarken Minderheit ohne jeden technischen und wirtschaftlichen Sachverstand in die Wege geleitet. Flankiert wurde das Ganze von apokalyptischen Horrorszenarien, genannt Klimakatastrophe. Auch hier wurde unterdrückt, dass längst nicht alles so klar ist,wie von den Apokalyptikern behauptet. Seltsamerweise haben alle, die es eigentlich hätten besser wissen müssen, mitgemacht.
Klimawandel war schon immer ein Evolutions- und Innovationtreiber. Die Chance hat das Land verpasst. Windmühle sind eine Technologie aus dem Mittelalter, nur mit unglaublichem Ressourcenverbrauch.
