Digitalisierung - „Ignoranz können wir uns nicht mehr leisten“

Die Revolution, in der wir uns bereits befinden, ist nicht nur digital – sie ist eine „sozialdigitale Revolution“, schreibt SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel in seinem neuen Buch. Sie führt zu neuen ethischen Fragen, die wir diskutieren müssen. Ein Buchauszug

Roboter Pepper steht bei der Messe Altenpflege 2018. Er ist 1,20 Meter groß, hat kugelrunde Augen und bewegt sich auf Rollen freundlich auf die Menschen zu. Roboter Pepper könnte bald in deutschen Pflegeheimen zum Einsatz kommen und Bewohner mit Musik und Pantomime unterhalten oder zu Bewegungs-Übungen anleiten. Derzeit soll der von Informatikern der Universität Siegen programmierte kleine Kerl eine gesellschaftliche Diskussion über den Einsatz von Robotern in der Pflege anregen.
Welche Aufgaben sollen Roboter in Zukunft übernehmen dürfen? / picture alliance

Autoreninfo

Thorsten Schäfer-Gümbel ist stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, Vorsitzender der SPD in Hessen und der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag. Er beschäftigt sich bereits seit dem Studium mit dem technischen Wandel und beteiligt sich mit seinem aktuellen Buch an der wichtigen politischen Debatte zur Digitalisierung. Foto: Pietro Sutera

So erreichen Sie Thorsten Schäfer-Gümbel:

Thorsten Schäfer-Gümbel

Wenn wir vom Wandel durch die sozialdigitale Revolution sprechen, denken wir häufig zuerst an Themen wie Arbeit, Bildung und Demokratie. Was dabei jedoch oft zu kurz kommt, sind die ethischen Fragen, die sich stellen und bei denen es zudem nicht immer leicht ist, eindeutige Antworten zu finden. Dafür krempelt die Digitalisierung zu vieles um, hinterfragt das Menschenbild eines jeden und macht sich daran, unser Selbstverständnis neu zu definieren. Umso fataler wäre es allerdings, zurückzuschrecken und sich gar nicht erst an Antworten zu versuchen. Agieren und nicht reagieren, darum muss es uns gehen, vor allem wenn die Pendel der Argumente in den Debatten weit in die Extreme ausschlagen.

Die Zukunft der Pflege ist auch so ein kontroverses Thema. „Es ist unwürdig, Menschen von Robotern pflegen zu lassen“, sagen die einen – „Wir sind auf die Maschinen angewiesen“, halten die anderen dagegen. Ich glaube, dass beides richtig ist, warne aber davor, auch hier den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. Zunächst brauchen wir einen Fahrplan, um den dramatischen Fachkräftemangel zu verringern. 270 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in den kommenden 15 Jahren in der Pflege fehlen, um die Bedarfe unserer Gesellschaft zu decken. Wir müssen diesen Sektor dringend ideell und materiell aufwerten. Im gleichen Zuge, wie Industriearbeit an Wert verliert, muss es attraktiver und lukrativer werden, für andere Menschen zu sorgen.

Zwischen Alltagshelfer und Zuwendungsroboter

Ist diese immens große Aufgabe auf den Weg gebracht und der Weg in die Zukunft klarer umrissen, wird deutlich, wie und was Maschinen in der Pflege beitragen können. Die bisher existierenden Prototypen, die Namen wie „Help Mate“, „Robear“, „Care-O-Bot“ oder „Hobbit“ tragen, bringen Medikamente, helfen beim Umbetten und Aufrichten und verfügen zum Teil über natürlichsprachliche Fähigkeiten, um Patienten zu unterhalten. Es gibt teilautonome Pflegewagen, die Utensilien bereithalten, den Verbrauch dokumentieren und – als Butler umfunktioniert – Snacks, Getränke, Zeitschriften und mehr direkt ans Bett liefern. Solche ergänzenden, unterstützenden Tätigkeiten kann ich mir gut in der breiten Anwendung in privaten Wohnungen und Seniorenheimen vorstellen, ganz ähnlich, wie sich viele Familien andere digitale Helfer wie Rasenmäher- oder Saugroboter ins Haus holen, denen sie dann nicht selten einen Namen geben. Die technische Umsetzung halte ich bei diesen Anwendungen wie auch beim autonomen Fahren für unbedenklich – vorausgesetzt, es gelten die höchsten Maßstäbe.

Dass autonome Roboter einmal die Pflege ganz übernehmen, halte ich bestenfalls für einen Teil eines Science-Fiction-Romans. Therapeutische, emotionale Maschinen wie das Modell „Paro“ sehe ich kritisch: Es stammt aus Japan und wurde einer Robbe nachempfunden, mit antibakteriellem Fell und kindlichen Kulleraugen – vor allem demente Menschen soll es trösten und beruhigen, „Paro“ zu streicheln und in den Arm zu nehmen. Bei solchen sogenannten „Zuwendungsrobotern“, denen womöglich noch ein Charakter programmiert wurde, ist für mich die Grenze erreicht. Maschinen sollten keine menschlichen Züge tragen, sondern als künstlich erkennbar bleiben. Andererseits kann ich die Vorteile nachvollziehen, die Roboter Menschen bieten, die bei der Körper- und Intimpflege Scham vor fremden Pflegerinnen und Pflegern empfinden. Sollte es gelingen, Maschinen mit den nötigen Fertigkeiten auszustatten, hielte ich das zumindest für abwägenswert. Fakt ist ja: Nicht selten hetzt das gestresste Personal im Minutentakt von einem Zimmer zum nächsten, um Patienten zu versorgen, zu reinigen und zu duschen.

Darf ein Roboter mich pflegen?

Grundsätzliche Vorschriften darüber, ob „Paro“ oder vergleichbare Maschinen in der deutschen Pflege eingesetzt werden sollten, maße ich mir deshalb an dieser Stelle nicht an. Für ratsam hielte ich es, wenn alle Menschen ihre persönlichen Präferenzen vorab – und vielleicht begleitet durch die jeweilige Krankenkasse – schriftlich festhalten. Was darf ein algorithmisch gesteuertes oder assistierendes Pflegesystem, und was geht zu weit? Meine Frau und ich haben vor ein paar Jahren in einer Sterbeverfügung präzise festgelegt, welche lebenserhaltenden Maßnahmen wir in welchem Fall wünschen und wann die Ärzte und Ärztinnen die Geräte abschalten sollen. Wir haben das gemacht, um für den Ernstfall gewappnet zu sein und um unsere Angehörigen von diesen zum Teil sehr schwierigen Fragen zu erlösen, die zu massiven Spannungen und Herausforderungen in einer Familie führen können. Ähnlich könnte man in der digitalen Pflege verfahren, um ein Höchstmaß an Selbstbestimmung zu ermöglichen.

Pflegeroboter sind erst am Anfang ihrer Entwicklung. Vorschnelle Urteile zu ihrem Einsatz verbieten sich deshalb. Was wir brauchen, sind weitere Untersuchungen zur Akzeptanz der fortschreitenden Entgrenzung von Mensch und Maschine sowie Zwischenschritte im Forschungslabor und bei Diskussionsrunden. Parallel dazu sollten die Vorreiter der digitalen Pflege flächendeckend eingesetzt werden: der Notrufknopf an der Klospülung; die mit Sensoren bestückten Fußmatten, die im Dunkeln automatisch ein Licht einschalten, sobald jemand nachts aufsteht; die seniorengerechte Haustechnik, die per zentralem Touchscreen die Rollläden hoch- und runterfährt und das Licht oder – bei Besuch – die Kamera vor der Haustür einschaltet. Kommt es darüber hinaus durch die weitere Digitalisierung zu einem Zeitgewinn und einer Humanisierung der Arbeit, muss man das begrüßen. Zu groß sind momentan die Kranken- und Fehlzeiten des Personals, die Fluktuation und die körperlichen Schäden, die die Pflegerinnen und Pfleger durch das täglich dutzendfache Heben, Lagern und Umbetten von Bettlägerigen davontragen.

Es braucht eine öffentliche Debatte

Fürs autonome Fahren gilt die schrittweise Annäherung genauso. Es ist zweckdienlicher, die Möglichkeiten moderner Fahrassistenzsysteme auszureizen, bevor wir weiter – womöglich illusorische – Bilder von Autos zeichnen, die einem sämtliche Aufgaben abnehmen und selbst von Kindern bedient werden können. Es gibt noch zahlreiche vielversprechende Lösungen, die in der Lage sind, eine Brücke zu schlagen: etwa Sensoren, die verhindern, dass man zu dicht auffährt. Gerade nach schweren Lkw- und Busunfällen ist das immer wieder ein Thema in der Öffentlichkeit. Solche Systeme sollten gesetzlich zur Vorschrift gemacht werden, um weitere Unfälle zu verhindern. Das betriebswirtschaftliche Argument der zu hohen Kosten, das in dem Zusammenhang genannt wird, kann ich nicht nachvollziehen. In Neuwagen könnten solche Systeme längst zur Standardausstattung gehören.

Und während wir so daran arbeiten, die Zahl der Menschen zu reduzieren, die durch unsere Mobilität krank werden, sich verletzen oder sterben – wozu im Übrigen ganz erheblich auch Lärm, Feinstaub und Abgase beitragen –, sollten wir parallel dazu beginnen, Wünsche an die bevorstehende Verkehrswende zu formulieren. Der Ethikrat der Bundesregierung hat im Sommer 2017 eine erste Stellungnahme zum autonomen Fahren veröffentlicht. Darin wird unter anderem festgehalten, dass das automatisierte und vernetzte Fahren ethisch geboten ist, wenn die Systeme weniger Unfälle verursachen als menschliche Fahrer, es also eine positive Risikobilanz gibt. Eine weitere Aussage des Berichts lautet, dass Sachschaden vor Personenschaden geht und in Gefahrensituationen der Schutz menschlichen Lebens immer höchste Priorität hat. Die Resonanz auf den Bericht in der Öffentlichkeit war gering. Eine Debatte über den Zusammenhang von Rechenmaschinen, menschlichen Fehlern, Humanität, Rechtsstaatlichkeit und unserem Schicksal gab es nicht. Unwissenheit – oder gar Ignoranz – können wir uns aber nicht mehr leisten. Deshalb benötigen wir viele und prominente Orte, an denen diese Debatte stattfinden kann, wie zum Beispiel Parlamente, öffentlich-rechtliche Medien, Unternehmen, Verbände, Institutionen, Organisationen bis hin zu Parteien – und nicht zuletzt auch in den Familien.

 

CoverDieser Text ist ein Auszug aus Thorsten Schäfer-Gümbels Buch „Die sozialdigitale Revolution – Wie die SPD Deutschlands Zukunft gestalten kann“, das am 11. April im Murmann Verlag erscheint. 200 Seiten, 20 Euro.

 

 

 

 

 

Bernd Maier-Leppla | Mi, 11. April 2018 - 10:57

Das ist das schöne an den Sozialdemokraten. Sie sind zwar, wenn es um die "Digitalisierung" geht nahezu komplett ahnungslos, aber im prägen von völlig nichtssagenden Begriffen sind sie schon mal richtig innovativ. Wie immer geht man in Deutschland den zweiten Schritt vor dem ersten. Bevor die Voraussetzungen für eine positive flächendeckende "Digitalisierung" überhaupt erst mal geschaffen werden, macht man sich erst mal Gedanken über "ethische" Probleme, die ohnehin so nie auftreten werden, aber vorsorglich schon mal artikuliert werden. Kann man diese Leute noch ernst nehmen?

Claudia Westphal | Mi, 11. April 2018 - 11:40

Vorab: Jeder, der Bücher schreibt, sollte sie überall promoten dürfen. Das Ziel ist, eine größtmögliche Leserschaft zu erreichen. Das ist legitim.

Was mich wirklich ärgert, ist, dass das Thema Digitalisierung nicht nur nicht neu ist, sondern von den führenden Parteien im letzten Wahlkampf ignoriert bzw. auf den Level "Wir brauchen schnelles Internet" reduziert wurde.

Die Oxford Studie zur Zukunft der Arbeit gibt es bereits seit 2013. Hier nachlesbar: https://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Empl…. Ich höre nichts in der Parteiendiskussion, was diese absehbaren Veränderungen z.B. mit unserem Bildungssystem macht, das unsere Kinder auf jobs konditioniert, die es so nicht mehr geben wird. Die Mischung aus Armee und Industrieproduktion war gestern - und was ist morgen? Diejenigen mit einem IQ von 120plus werden kein Problem haben, aber was ist mit den anderen, den Arbeitern, Bus- und Taxifahrern etc? Alle in die Pflege? 1000 Zeichen reichen nicht.

Wenn man sich die Zusammensetzung unserer heutigen Grundschulklassen ansieht und die Zuwanderungspläne aller Bundestagsparteien außer der AfD berücksichtigt, wird sich die Aufgabe so nicht mehr stellen. Die Anzahl digitalisierter Arbeitsplätze wird in 10+ Jahren in Deutschland kaum größer sein als in den Herkunftsländern der Zuwanderer. Über Industrie4.0 und ähnliche hochtrabende Projekte braucht sich dann hierzulande niemand mehr einen Kopf zu machen.

Claudia Westphal | Mi, 11. April 2018 - 12:05

Jo Kaeser äußerte sich im Februar in der FAZ über das Ausmaß der Digitalisierung allein bei Siemens, hier nachlesbar: https://bit.ly/2sEesp1. Bereits in 2015 hat in China eine Firma die erste unbemannte Produktionsstätte geschaffen, alle Arbeiter entlassen und durch Roboter ersetzt. https://bit.ly/2va8Ggc.

Heißt im Klartext: Die Zukunft hat schon längst begonnen. Die jetzigen Schulkinder werden keine regelmäßigen Jobs mehr bekommen, auch wenn sie alle mit Tablets, Smartphones, PC und sonstigem umgehen können. Die Jobwelt an sich wird anders sein und durch selbstständiges (i.S. von Selbstständigkeit), dezentrales und v.a. unregelmäßiges Arbeiten gekennzeichnet sein. Was macht das mit einer Gesellschaft, die den Wert des Menschen über Arbeit definiert und denjenigen stigmatisiert, der keine hat? Wer organisiert den notwendigen Kulturwandel?

Das Buch hätte vor Jahren sicherlich einen Nerv getroffen. Jetzt versucht es einen Stein anzustoßen, der schon lange viel zu schnell rollt.

Heidrun Schuppan | Mi, 11. April 2018 - 13:46

In reply to by Claudia Westphal

dass das, was Julia Friedrich einmal im "Presseclub" sinngemäß sagte, dass junge Menschen, die von ihren (reichen) Eltern eine ETW geschenkt bekommen, auch mal Zeiten mit prekären Jobs überstehen können. Für die, die nicht nur das Proletariat in der Arbeitswelt darstellen, sondern auch noch vielleicht ohne Dach über dem Kopf (Wohnungslose in D: Tendenz steigend) da stehen, wird es ganz schlimm. Da freut man sich doch über die - weiter sinkende - Rente und die - weiter steigenden - Krankenkassenbeiträge.

Marianne Bernstein | Mi, 11. April 2018 - 12:16

Wenn Roboter den Wohlstand des Landes erarbeiten, dann können sich Menschen anderen Tätigkeiten widmen. Auch die Demographie ist dann nicht mehr das Thema!
Dazu bedarf es aber einer Gesellschaft, die es schafft den von Robotern erarbeiteten Reichtum allen zugänglich zu machen und nicht nur den Roboterbesitzern.

soll denn die zur Erarbeitung des Reichtums geeigneten Roboter bauen? Und wer soll das bezahlen, wenn immer mehr Netto-Steuerzahler aus dem Land getrieben werden?
Die Demografie ist sehr wohl ein Thema, wenn die Anzahl der innovativen und produktiven Köpfe ständig abnimmt.

Gerhard Hein | Mi, 11. April 2018 - 15:05

Dem Titel stimme ich zu. Allerdings sollte erst mal bewiesen werden, dass man fähig ist, aktuelle Probleme zu lösen. Das Pflegeproblem später mit Robotern lösen zu wollen, lässt auf
grobe Unkenntnis der menschliche Bedürfnisse
schließen.
Vielleicht schafft Herr Schäfer-Gümbel eines Tages die Politiker-Kaste ab. Alle Wähler können
einem Roboter per Knopfdruck ihren Willen mitteilen, sodass er nach Mehrheitslage tätig wird und Gesetze verabschiedet.
Künstliche Intelligenz wird sicher die Fehlbarkeit
des menschlichen Gehirns ersetzen.

wolfgang spremberg | Mi, 11. April 2018 - 15:29

hat die Groko zu der auch die sPd gehört kein (zu wenig) Geld für eine vernünftige, menschliche Pflege. Menschenverachtend überlässt man hilfsbedürftige Menschen ihrem Schicksal und die Pflegekräfte arbeiten sich unter schwersten Bedingungen auf die Altersarmut zu. "Dafür" haben sPd & Co. kein Geld des Steuerzahlers vorgesehen. Das Thema kann noch mindestens 4 Jahre warten.
In der Zukunft werden Millionen von potentiellen Arbeitnehmern ein Problem haben einen ordentlichen Arbeitsplatz zu bekommen. Dies ist kein deutsches oder europäisches Problem, das ist ein weltweites Problem für Menschen die auf Arbeit für ihren Lebensunterhalt angewiesen sind.
Die sPd bietet aber schon für beide Problemfelder eine, nein, die Lösung an : Zuwanderung......Migrationszuwanderung ohne Obergrenze. Zur Umsetzung dieser "Lösung" hat die sPd viele Unterstützer. Ich gehöre nicht dazu.

Wieso nicht? Hier gibt es wohl alle Arten von Wählern, und das ist gut so. Die AfD hat hier gleichwohl, vergleichsweise, wohl ein leichtes Übergewicht, nicht wirklich ihrer politischen Bedeutung entsprechend.

wolfgang spremberg | Mi, 11. April 2018 - 17:39

In reply to by Gerhard Lenz

könnte auch von der Kraft von Argumenten abhängen.
Die Argumente der sPd warum man angesichts finanzieller Engpässe bei der Pflege, Altersarmut, Kinderarmut etc. und einer sich abzeichnenden noch größeren Arbeitslosigkeit durch Industrie 4.0 auf fast (?) unbegrenzte Armutseinwanderung setzt würden mich auch interessieren. Die sPd war da schon mal weiter. Den Genossen noch einmal ein "linker Genosse" nämlich ex NDR Intendant Martin Neuffer "Die Reichen werden Todeszäune ziehen". zur Lektüre (5 Minuten) empfohlen. Damals (1983) war ich auch noch sPd Wähler. Ich bin übrigens meinen Überzeugungen weitgehend treu geblieben....

Jürgen Althoff | Mi, 11. April 2018 - 19:35

In reply to by Gerhard Lenz

wir brauchen auch hier eine Quote, entsprechend dem letzten Wahlergebnis oder der aktuellen Umfrage, vorzugsweise von SPD-nahen Instituten durchgeführt.
Könnte es sein, dass AfD-Mitglieder interessierter sind als z.B. die Genossen des Herrn Schäfer-Gümbel, die seit 1998 mit einer Unterbrechung von 2005-2009 den Bundeswirtschaftsminister gestellt haben, aber für das (nicht) Geleistete nicht verantwortlich sein wollen?

Gerhard Lenz | Mo, 16. April 2018 - 17:04

In reply to by Jürgen Althoff

Könnte es sein, daß die AfD einfach mehr Gesprächsstoff liefert? Sacharbeit sorgt dagegen in der Regel für weniger Schlagzeilen.

Gerhard Lenz | Mi, 11. April 2018 - 15:48

Zumindest bei der FDP schien es vor der letzten Bundestagswahl die dringlichste Forderung überhaupt zu sein. "Digitalisierung in die Schulen", und überhaupt, so auch Angela Merkel, müsse jedermann alsbald Zugang zum schnellsten Internet überhaupt haben.
Und dann? Der Ausbau, sowie die sich ausbreitenden digitalen Systeme werden für einen relativen Beschäftigungsschub sorgen, aber in welchem Umfang? Muss nur jeder Zugang zum schnellen Internet haben, und schon sind ihm Arbeit, ein festes und akzeptables Einkommen, eine höhere Lebensqualität sicher...
Ist das so? Natürlich ist es schön, wenn selbst im hintersten Fleck der Republik der Interessierte höchste Digitalqualität geniessen kann. Aber ob sich dadurch seine Lebensumstände automatisch ändern, zum Besseren, versteht sich? Wohl kaum.

Gerhard Lenz | Mi, 11. April 2018 - 15:52

Hat also die fortschreitende Informationstechnologie dem Menschen wirklich im versprochenen Ausmaß genutzt? Sicher: Viele langweilige, monotone und krankmachenden Tätigkeiten werden heute von schlauen Maschinen ausgeführt. Nicht selten jedoch ist der, der plötzlich nicht mehr gebraucht wird, ins soziale Abseits abgerutscht. Das Internet sollte mal mehr Demokratie bringen. Stattdessen hat es zur Verrohung der politischen Auseinandersetzung geführt.
Wie immer gilt: Wachstum alleine, auch digitales, nutzt nur wenigen. Ich vermisse in der ganzen Diskussion, wozu die flächendeckende Digitalisierung denn nun führen soll. Dass sie in den Schulen stattfinden muss, steht ausser Frage. Aber ansonsten?

Peter Lieser | Mi, 11. April 2018 - 16:35

Es wird in der Politik immer vollmundig von Digitalisierung gesprochen. Noch vor kurzem befand Frau Merkel in der Abhör-Affaire das Internet wäre für uns alle Neuland. Solange Politiker, Bit für ein Bier aus Felsquellwasser gebraut halten, sieht es ziemlich düster aus. Bezeichnend war ein Aufruf unserer Gemeindeverwaltung, ausgemusterte PC's der Schule zu spenden bzw. zur Verfügung zu stellen.
Motto : Mit altem EDV Schrott (zurück ) in die Zukunft..........

Bernd Wollmann | Mi, 11. April 2018 - 18:16

In reply to by Peter Lieser

Stellen sie sich mal vor, die Gemeindeverwaltung hätte dazu aufgerufen alte PC‘s und Handys für Flüchtlinge zu spenden. Die grün-roten Merkelgutmenschen wären entrüstet darüber gewesen, dass man denen unseren Schrott zumuten will. Auch wäre für Fr. Merkel verantwortungsbewusstes Handeln
für unser Land Neuland, nicht nur das Internet!

Michael Bodef | Mi, 11. April 2018 - 16:45

Die SPD möchte in Hessen im Herbst gewählt werden..- warum, und wofür auch immer... Dieser Artikel sagt mir nur, man weiss eigentlich nicht, was man dafür machen soll.. Im Übrigen sollten sich zu diesem Thema Menschen auslassen, die verstehen, worum es geht, und interessante Aspekt zur Diskussion stellen können. Es ist bei der SPD mittlerweile so, wie bei der FAZ - man kann sie nicht mehr hören und lesen.. Beide strahlen Beliebigkeit und Austauschbarkeit aus.., ohne erkennbare Position, Seele und handwerkliches Können. Bei der dahinsiechenden SPD ist mir das egal, nur, bei der FAZ ist das schlimm.. Alle meine Bekannten haben mittlerweile ihr Abbonnement gekündigt.., aber es reicht leider nicht wirklich, nur ausländische Online Zeitungen zu abbonnieren. Vielleicht könnte eine Schweizer Verlagsgruppe hier in Deutschland eine Tageszeitung starten, als Alternative zu dem unsäglichen rot/grüne Meinungsgewäsch, inkl PC- Gelabere - mit "echten Informationen statt zu fast 100% "Meinungen"..

und werde es nicht tun.
Bei den Sozial-Liberaleren nachgefragt, die Frankfurter Rundschau kann doch nicht wirklich so schlimm sein?
Früher habe ich sie mir auch nach Dresden schicken lassen, bin dann erst in Berlin zur Berliner Zeitung, dann auch mal Tagesspiegel gewechselt.
Heute muss der Cicero reichen und was man so mitbekommt. der standard-online.at hat zwar auch "Schlagseite", aber er informiert sehr gut, wenn man es denn liest, wie es für einen selbst wichtig ist.
Aber der schreibt hauptsächlich über Österreich.
Irgendwie schläft man so auch besser.

Dirk Klostermann | Mi, 11. April 2018 - 18:37

Ich suche schon lange und bin bis heute nicht fündig geworden. Es gibt keinen Spitzenpolitiker mit digitaler Kompetenz. Deshalb frage ich mich, ob Thorsten Schäfer-Gümbel über Nacht die Erleuchtung gekommen ist? Wo lässt er schreiben? Und: Was er schreiben lässt; hat er das auch verstanden. Was hat die GroKo in den vergangenen Jahren in Sachen Digitalisierung unternommen? Antwort: So gut wie nichts. Deutschland ist digital abgehängt im internationalen Vergleich. Da nützt kein Buch von Schäfer-Gümbel, keine Funkloch-APP von Andreas Scheuer (die es übrigens schon länger gibt), kein Kultur-Gaming und kein Lufttaxi von Frau Digital-Bär. Die ganzen medialen Verrenkungen unserer Spitzenpolitiker sind nicht viel mehr als der Versuch von Politnullen, wieder einmal eine Schlagzeile zu ergattern. - BLUB sonst nichts.

hat die ganze Wahrheit gesagt. Die etablierten Parteien machen sich nur noch lächerlich. Und jetzt noch das internationale Affentheater. Trump will schießen, die FDP auch mal richtig ballern, Merkel ziert sich noch.

Robert Müller | Mi, 11. April 2018 - 19:27

Ja, so ist das: Andere machen die Digitalisierung, wir diskutieren sie.

Stefan Schlegel | Do, 12. April 2018 - 06:05

Wenn ich mir den Lebenslauf von Herrn Schäfer-Gümbel auf WIKIPEDIA ansehe und lese: "...im Jahr 1989 studierte Schäfer-Gümbel zunächst Agrarwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wechselte dann zu den Politikwissenschaften, in denen er das Studium 1997 mit dem Magister Artium abschloss." Beruflich oft als wissenschaftlicher Mitarbeiter unterwegs und mit einer promovierten Historikerin verheiratet. Aber heute kann ja jeder Experte hinter seinen Namen schreiben, irgendwer wird das schon glauben.

Michael Ludwig | Do, 12. April 2018 - 06:13

Sie und die gesamte SPD haben nichts, aber auch gar nichts begriffen.Die SPD ist seit 10 Jahren in der Regierungsverantwortung und jetzt? Wir müssten, wir sollten, wir könnten. Das zum einen.
Wenn Sie mal aus Ihrem Elfenbeinturm zumindest mal einen halben Fuß heraussetzen würden, würden Sie merken, dass die Leuten ein ganz anderes Thema zur Verzweiflung bringt. Jeder der noch seine 7 Sinne zusammen hat weiß, dass die Kosten der illegalen Massenimmigration uns bei der geringsten wirtschaftlichen Delle um die Ohren fliegen. Aber nein, der Eisberg ist auf der Titanic schon zu sehen, und wir unterhalten uns in einem Stuhlkreis ob wir die Kabinen mit neuen leistungsfähigeren Rundfunkaperaten ausstatten.
Das Ende kennt jeder.

Cecilia Mohn | Do, 12. April 2018 - 09:37

Ein echtes Problem. "You are my creator - but I am your master" Mary Shelley , 1818. die D. Frisst wieder mehr Energie als jetzt schon verbraucht wird. Sie wird Monster kreieren, die wir nicht mehr beherrschen können. Das herrschende System muss abgelöst werden. Einen anderen Weg sehe ich nicht. Wie das geschehen soll, kann ich im Moment auch nicht sagen. Die Digitalisierung erleichtert nichts - sie verkompliziert die einfachsten Vorgänge und entfremdet den Menschen von sich selbst- man sollte das Kapital von Marx lesen um zu verstehen auf welche Barbarei das hinausläuft. Und ich bin nicht! Für den Kommunismus, um das mal klarzustellen. Man kann von Marx lernen ohne Kommunist zu sein.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 12. April 2018 - 15:15

In reply to by Cecilia Mohn

Keine Frage, dass wir überlegen müssen, ich denke aber eher in Richtung Eigengewächse und Datenschutz.
Ich halte Marx in seinem Entfremdungsbegriff für einen ziemlichen Romantiker, für seine Zeit wohl aber verständlich.
Weiter dagegen m.E. Frau Flora Thompson, die ihn wohl auch gelesen hat.
Und auch weiter Peter Sloterdijk mit seinem Interview, das er der NZZ gab.
Es gibt Leute, für die ist Elektronik das Normalste von der Welt. Es kann Kommunikation höchstens beeinflussen, aber nicht grundlegend ändern.

Fred Feinbein | Do, 12. April 2018 - 13:21

Da bleibt der SPD-Politiker wieder mal nur an der Oberfläche. Nette Themen von Menschrobotern und autonomen Autos. Dabei müssen die Menschen, viel wichtiger, die Herrschaft über ihre "digitale Persönlichkeit" behalten und teilweise erst schaffen. Platt gesagt: "Es ist nicht wichtig ob wir autonom fahrende Autos haben. Wichtiger ist was mit den Daten wie Route, Geschwindigkeit, Anzahl mitfahrender Personen und Stops an welchen Orten, passiert. Wem diese gehören und was er damit machen darf. Auch mit den Kamerabildern die Pflegeroboter macht! Da hat sich die SPD doch mit Herrn Maas jede Menge Ignoranz geleistet.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Um die Freischaltung kümmert sich die kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.