- Atommüll als Dauerproblem
Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat gezeigt, was ideologisch motivierte Brandmauern bewirken. Der deutsche Weg zu einem Endlager für radioaktive Abfälle weist Parallelen auf. Das alternativlose Beharren auf einen einmal festgelegten Endlagerpfad ist längst nicht mehr zu rechtfertigen.
Die Strategie der maßgeblich von Jürgen Trittin geprägten Anti-Atom-Politik der Grünen war es stets, die Endlagerung des Atommülls als schier unlösbares Problem darzustellen, denn es war und ist immer noch eines ihrer wichtigsten Argumente gegen die Nutzung der Kernenergie. Schaut man auf den aktuellen Stand, hat sich 25 Jahre nach Abschluss des Atomausstiegsvertrags daran nicht viel geändert. Finalisiert wurde der Atomausstieg 2014 in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag mit den Energieversorgern. Darin geregelt sind sowohl die Laufzeiten der Kernkraftwerke als auch die Verantwortung und Kostentragung für die Stilllegung und den Rückbau der deutschen Kernkraftwerke sowie für die Endlagerung der nuklearen Abfälle. Die Betreiber der Kernkraftwerke sind für die gesamte Abwicklung und Finanzierung der Bereiche Stilllegung, Rückbau und die fachgerechte Verpackung der radioaktiven Abfälle zuständig. Für die Durchführung und Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung steht der Bund in der Verantwortung. Die von den Betreibern während der Betriebszeit gemäß Atomgesetz gebildeten Rücklagen für die Zwischen- und Endlagerung in Höhe von 24,1 Milliarden Euro wurden dem Bund von den Betreibern zur Verfügung gestellt und zum 1. Juli 2017 in den Staatsfonds KENFO übertragen.
Wie der Staat bisher mit seiner Verantwortung für die Endlagersuche umgegangen ist, hat Apollo News im Juli 2025 enthüllt. In einem Brief der Mitarbeiter des zuständigen Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) an den Bundesumweltminister Carsten Schneider heißt es: „Die Standortauswahl für ein Endlager entwickelt sich zu einer öffentlichen Lachnummer. Nach inzwischen jahrelangen Diskussionen um Terminpläne gibt es nach wie vor keinen ernsthaften Weg der erfolgreichen Umsetzung. Stattdessen werden erhebliche finanzielle Mittel für die sogenannte Öffentlichkeitsbeteiligung aufgewendet.“
Der Beweis, dass Endlagerung kein unlösbares Problem ist, wird von Finnland und Schweden erbracht. Das finnische Endlager Onkalo geht nach einem positiv abgeschlossenen Probebetrieb 2026 in den regulären Betrieb. Das schwedische Endlager in Östhammar ist seit 2025 im Bau. Besonders anzumerken ist, dass sich beide Standortgemeinden in einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren im Wettbewerb als Standort für das Endlager beworben hatten.
Alternativen zur Endlagerung werden immer attraktiver
Christoph von Branconi, Vorstand Global Energy Solutions e.V., hat in einem Aufsatz in der aktuellen Atomwirtschaft unter dem Titel „Wege aus dem Endlager-Dilemma“ sowohl den Stand der deutschen Endlagersuche dargestellt als auch Alternativen zur Endlagerung untersucht. Alternativen zur Endlagerung werden insbesondere aufgrund der Zeiträume, die vom BASE aktuell genannt werden, immer attraktiver. Das Amt nennt als Ziel, den Standortauswahlprozess so zu optimieren, dass ein Standort idealerweise bis 2050 festgelegt werden kann. Nach Angaben der Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ) würden anschließend der Bau des Endlagers und die Einlagerung aller Behälter mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Das bedeutet: Deutschland befindet sich längst nicht mehr in einer kurzen Übergangsphase bis zur Endlagerung, sondern in einer langen Periode verlängerter Zwischenlagerung.
Gleichzeitig gibt es aus Wissenschaft, Technologie, Politik und internationalem Vergleich eine zunehmende Zahl von Stimmen, die auf prüfungswerte Alternativpfade hinweisen – etwa eine endlagerrelevante Vorbehandlung und spätere Transmutation oder die Wiederaufarbeitung und Verwendung des aufgearbeiteten Brennstoffs in schnellen Reaktoren. Diese können den Hauptbestandteil der in Castorbehältern zwischengelagerten abgebrannten Brennstäbe Uran-238 wesentlich besser energetisch nutzen als heutige Leichtwasserreaktoren. In schnellen Reaktoren lässt sich daraus zusätzlich spaltbares Plutonium erzeugen. Nach einem Review von Forschern der University of Manchester könnten solche Systeme die Reichweite vorhandener Uranressourcen auf Tausende Jahre verlängern. Auch auf die Dimension eines Endlagers hätten diese Alternativpfade enorme Auswirkungen. Radioaktiver Abfall strahlt nicht nur, er erzeugt beim Zerfall auch Wärme. Deshalb müssen die Behälter in einem Endlager mit ausreichend Abstand gelagert werden. Besonders viel Wärme liefern zunächst Cäsium-137 und Strontium-90. Werden diese Stoffe vorher abgetrennt, könnte der übrige hochradioaktive Abfall dichter gelagert werden – und das Endlager bräuchte weniger Platz.
Ist Deutschland wirtschaftlich in der Lage, nur auf den bestehenden Pfad zu setzen?
Diese Alternativpfade begründen noch keinen Technologiesprung. Aber sie begründen sehr wohl, dass der heutige Pfad nicht mehr als die einzig denkbare Zukunft behandelt werden kann, ohne wenigstens zu prüfen, ob Korrekturen sinnvoll sein könnten. Je länger Zwischenlagerung, Standortsuche, Endlagerbau und Einlagerung dauern, desto wichtiger wird die Frage, ob der eingeschlagene Pfad auf lange Sicht tatsächlich der wirtschaftlich robusteste bleibt:
• Ist der geltende deutsche Referenzpfad – verlängerte Zwischenlagerung, spätere Konditionierung und Verpackung sowie geologische Endlagerung in Deutschland – fachlich weiterhin tragfähig, wenn sich die Zeithorizonte der Endlagersuche deutlich verlängern?
• Reicht es aus, den deutschen Pfad nur technisch fortzuschreiben, oder muss parallel geprüft werden, ob bestimmte Alternativen das spätere Endlagerinventar und damit den Entsorgungsaufwand verringern könnten?
• Ist Deutschland wirtschaftlich in der Lage, über Jahrzehnte nur auf den bestehenden Pfad zu setzen, ohne alternative Kosten- und Entlastungspfade wenigstens geordnet zu prüfen?
Der sogenannte Atommüll kann als Brennstoff genutzt werden
Aus diesen Fragen folgt noch nicht, dass Deutschland jetzt auf Wiederaufarbeitung und neue Reaktorsysteme umschwenken sollte. Aber daraus folgt sehr wohl, dass die Nicht-Prüfung solcher Optionen mit wachsender Zeit schwerer zu rechtfertigen ist.
Genau deshalb braucht es jetzt eine geordnete Prüfung und Bewertung von Alternativen, statt diese entweder ideologisch zu verwerfen, politisch zu überhöhen oder vorschnell auszuschließen. Diese Prüfung sollte mit einer gemeinsamen Logik in einem geordneten Rechtsrahmen stattfinden, in dem insbesondere Technologiereife und Kosten von Alternativen dem derzeitigen Referenzpfad Zwischen- und Endlagerung gegenübergestellt und bewertet werden. Der Aufsatz von Christoph von Branconi schließt mit den Worten: „Genau das wäre der sachgerechte und politisch belastbare Weg aus dem Endlager-Dilemma.“
Deutschland hat sich verpflichtet, seinen Atommüll sicher zu entsorgen. Neue Technologien wie die der Molten-Salt-Reaktoren können dabei helfen. Der sogenannte Atommüll, der zu 95,5 Prozent aus dem Wertstoff Uran 238 besteht, kann in diesen Reaktoren als Brennstoff genutzt und damit entsorgt werden. Nun mögen all diese Technologien der neuen Reaktorgeneration erst in der Phase der Planung oder des Experimentierens sein, aber wie kann sich ein Land wie Deutschland leisten, bei dieser Entwicklung aus ideologischen oder angeblich irreversiblen Gründen nicht dabei zu sein, insbesondere wenn dadurch das Endlagerproblem um Größenordnungen minimiert werden könnte?
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Mit Ratio kommt man nicht dagegen an, was jahrzehntelange Panikmache bewirkt hat. Auch die neuen Technologien, wie Dual Fluid bewirken kein Umdenken bei den ideologisch geprägten Gegnern. Der Satz „follow the science“ gilt da nicht.
Dass der Atomausstieg gerade von einer Physikerin als Bundeskanzlerin in einer Kurzschlussreaktion auf Fukushima vorangetrieben wurde, habe ich nie verstanden. Die Atomkraft war immer eine Technologie zur Energiegewinnung, die vor allem Potential hatte, aber auch entwicklungsfähig ist. Jetzt wäre es unsere Chance, diesen Fehler mit der energetischen Nutzung der zwischengelagerten Brennstäbe etwas auszumerzen ;-). Aber mit den Grünen wird das sicherlich nichts.
Wer sonst? CDU? FDP? SPD? Die Linke? Ich frage mit einem großen Grinsen.
Das war keine Kurzschlussreaktion sondern Machtkalkül. Habe schon gelesen, dass der Anstoß zu diesem Blödsinn aus Bayern kam: Wie sollen wir denn unter diesen Bedingungen die nächste Wahl gewinnen? Keine Ahnung, ob das stimmt. Fakt ist aber, dass dieser Coup den Grünen erheblich die Petersilie verhagelt und der F. Merkel die Kanzlerschaft erhalten hat.
Nicht nur mit den Grünen, sondern mit allen linken Parteien (und da schließe ich die CDU ein) ist ein Wiederereinstieg in die Kernenergie unmöglich, nicht aus technischen, sondern ausschließlich aus ideologischen Gründen. Eher fließt das Wasser bergauf.
Interessant zu beobachten, wie hoch die Anforderungen an Rückbau, Entsorgung und Endlagerung für Atomare anlagen und Restmüll für die Konzerne ausgelegt und definierte wird. Wie verhält es sich denn bei den Windkraftanlagen? Frage für einen Freund.
