Über Bürokratieabbau wird gern und viel geredet. Praktiziert wird er hingegen selten. / Karsten Petrat

Deutsche Wirtschaft - Ausgebremst

Zähe Verfahren, langsame Ämter: Deutschlands Zukunftsfähigkeit leidet unter einer ausufernden Bürokratie. Das kostet Zeit, Geld und schwächt den Standort. Wie lässt sich das ändern?

Autoreninfo

Sabine Baur ist freie Wirtschaftsjournalistin und lebt in Karlsruhe.
 

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Herbert Pohl möchte in die Tiefe gehen. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Deutschen Erdwärme, ein Unternehmen, das Energie aus dem Untergrund holen will. Entlang des Oberrheins, wo die Voraussetzungen für Geothermie-Anlagen optimal sind, plant Pohl derzeit vier Anlagen. Doch bevor sie in Betrieb gehen, werden noch Jahre vergehen. Der Unternehmer braucht viel Geduld für die langsamen Mühlen der Bürokratie.

„Die Genehmigungsverfahren sind in sich komplizierte Projekte mit einer ganzen Reihe beteiligter Behörden“, sagt Pohl. „Was wir erleben, sind Doppelarbeit, unzureichende Kommunikation und dadurch häufige Fehlerkorrekturen.“ Sein am weitesten fortgeschrittenes Projekt ist seit zwei Jahren im Genehmigungsprozess. 14 Monate dauerte es, bis die Bohrarbeiten unter Tage erlaubt wurden. Aber das ist nur der eine Teil. Alles, was über der Erde gebaut wird, muss in einem zweiten Verfahren genehmigt werden. Der Deutsche-Erdwärme-Chef rechnet nicht damit, dass er die Anlage vor dem Jahr 2024 in Betrieb nehmen kann.

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helmut armbruster | Mi, 29. Dezember 2021 - 09:02

und begegnet einem auf Schritt und Tritt, wenn man geschäftlich mit US-Amerikanern zu tun hat.
Bei ist es gerade umgekehrt.
Wir haben eine fatale Neigung alles (unnötig!) zu verkomplizieren.
Verstärkt wird dies noch durch eine besondere Beamtenmentalität, was es in dieser Ausformung auch nur bei uns gibt.
Ein deutscher Beamter denkt und tickt völlig anders als Jemand der mitten im Wirtschaftsleben steht.
Ein deutscher Beamter ist völlig betriebsblind, er lebt nur in seiner eigenen Blase, rundum abgesichert, vom Staat "alimentiert", ist er total unfähig sich in die Welt eines Unternehmers zu versetzen und will das auch gar nicht.
Und so ist es wie es ist, die Bürokratie hindert und bremst die Wirschaft.
Und wie heißt es schon so treffend beim Hauptmann von Köpenick: "Justav dat muss alles seinen Jang jejen, da kannste nischt machen"

Die große Preisfrage? Aber sicher ist dies nur alles EIN-BILDUNG. Oder AUS-Bildung?
Wäre eine Frage für Sender Jerewan.
Schreibe jetzt in eine andere Richtung weiter, damit dieser K. das Licht der Welt erblickt.

Hier soll & dies nicht nur in Deutschland gar keine Erfolgswelle auf irgend einen Gebiet entstehen. Deswegen als AGENDA im Sekundentakt durch konsequentes "WIR SCHAFFEN DAS" der Säulen der Macht International:
Verneblungstaktik
Desinformation oder Halbwahrheiten
Spaltung & Hass
Säbelrasseln
Angstnachrichten im Sekundentakt
Paniknachrichten

Jedenfalls wissen die FÄDENZIEHER in den ganz obersten Stockwerken, mit welchen Köder man welchen Fisch fängt. Nichts ist unmöglich!
Und nichts wird dem Zufall überlassen. ALLES PLAN!

Und da doch alles Paletti ist, wenn genügend Trottel wie z.B. Beamte an jeder Ecke zur Verfügung stehen. Da werden die Kriminalisten (Untertanen) auf falsche & unspektakuläre Ereignisse gelenkt, damit Egons Plan ohne Probleme oder Entdeckung in Erfüllung geht

Ernst-Günther Konrad | Mi, 29. Dezember 2021 - 09:10

Keiner mehr die Verantwortung übernehmen. Jeder hat Angst er könnte im Nachhinein für irgendetwas verantwortlich gemacht werden. Die Behörden selbst sind nicht nur personell überlastet, sondern da fehlt es an eigenem Sachverstand, so dass man sich auf externe Gutachter verlassen muss. "Wir sind Teil der Lösung, aber auch Teil des Problems, weil wir teilweise nicht wissen, wie wir effektiv mit den Behörden zusammenarbeiten können.“ Da brauchen Sie für die Zukunft einen langen Atem. Die Ampel besteht aus nur ahnungslosen Parteienvertretern, die fordern und behaupten, aber nichts selber hinbekommen. Und mit den GRÜNEN werden sich die Umweltanforderungen in allen Bereichen noch erhöhen. Zwei Vorschriften werden gestrichen, um fünf neue und kompliziertere Vorschriften zu erlassen. Da wird sich nicht viel ändern, im Gegenteil. Die Ampel wird das Land, wie von Merkel bereits sehr weit gebracht, völlig in den Stillstand führen.

Romuald Veselic | Mi, 29. Dezember 2021 - 09:46

Um Bürokratie abzubauen, muss man zuerst beim Bundestag beginnen, um diese überwuchernde Institution um 2/3 zu reduzieren, noch vor dem Silvester. Ein politischer Moloch u. Selbstversorgungsamt, das man mit dem Bau von Turm zu Babel vergleichen kann.
Die pausenlose Reglementierung/Gängelung, schafft diesen hyperbürokratischen Zustand, der v. D-Politakteuren gewünscht wird u. sich nicht nach situativer Lage + Entwicklung dazu richtet, sondern zu politischen Signalen der aktuell herrschenden Politkaste geworden ist.

Im Voraus:
An einige Besserwisser- u. Bessermenschen im Forum. Ich will nicht behelligt werden durch gutgemeinte Belehrungen. Am wenigsten von den Grünen, Lastenfahrradfahrer, Genderpogos u. sonstigen Untermieter.
Prost Brotzeit mit Weißwurst. 👶🏻🍻

Michael Kohlhaas | Mi, 29. Dezember 2021 - 09:56

... das ist der bekannte Fehlschluss bei allen diesen Erörterungen.
Es sind vielmehr die Menschen, die mit den (öffentlichen) Aufgaben - ohne persönliche Verantwortlichkeit und mit lebenslanger komfortabler Alimentation - aller meistens von Parteivertretern in den Räten und Gremien betraut worden sind. Gemauschel bei der Besetzung von Stellen bis hinab zu Reinigungskräften für Straßen und Plätze führen zu an ihrer Arbeit völlig desinteressierten Faulpelzen. Diese wieder loszuwerden: ein Ding der Unmöglichkeit.
Jeder, der in diesem Staat leistungsbezogen arbeitet und bezahlt wird, kann ein Lied davon singen.

Bernhard Marquardt | Mi, 29. Dezember 2021 - 10:04

Schutzheiliger der Deutschen, hilf!
Deutschland, ehedem das Land der Denker und Dichter.
Und bekannt für seine Ingenieurskunst.
Heute gelingt so gut wie gar nichts mehr, und wenn, mit horrender Verspätung und schwindelerregenden Kostensteigerungen.
Zumindest wenn es um Projekte der Öffentlichen Hand geht, sprich um Steuergelder.
Von Denken, geschweige denn vorausschauendem, ist weit und breit nichts zu sehen.
Dagegen scheinen die Deutschen sind mit ihrem Bürokratiewahn nicht mehr ganz dicht zu sein.
Wie viele Kommissionen zum Abbau von Bürokratie sind bereits installiert worden und erfolglos wieder verschwunden bzw. nur noch dem Selbsterhalt dienend? Bis hin zu Stoiber's „High Level Group“ der EU?
Die Bürokratie ist eine Hydra, der bereits vier neue Köpfe wachsen, wenn man es wagt, auch nur einen strenger anzusehen.
Da bedürfte es schon eines gewaltigen Hiebes.

gabriele bondzio | Mi, 29. Dezember 2021 - 11:01

Schon immer hatte eine Medaille zwei Seiten, werte Frau Baur. Ganz besonders auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien.
Besonders hier die Umweltverträglichkeit und Bezahlbarkeit von Energie in DE. Das Eine korrespondiert überhaupt nicht mit dem Anderen.

Ganz offensichtlich geraten sich Umweltschutz und Naturschutz, in einem flächenmäßig-kleinen Land, in die Haare.
Was sich früher in der längeren Dauer von Genehmigungsverfahren niederschlug.

Naturschutz war ja eine sehr grün-bestimmte Domäne, seit sie aber Umweltschutz für sich entdeckt haben, wird Naturschutz zweitrangig.
Damit ihr ernsthaftes Arrangement, über Jahre, in Zweifel zieht.
Es ist eine ganz "erstaunliche Entwicklung", dass Genehmigungsverfahren plötzlich abgekürzt werden sollen. Tiere und Biotope der Vernichtung freigegeben...und der Verbraucher zahlt und zahlt...
Die erneuerbaren Energien (z.B. Windkraft) sind nicht das vielbeschworene Gelbe vom Ei.

Ingofrank | Mi, 29. Dezember 2021 - 16:25

In „Privatwirtschaft“ und „Staatswirtschaft“ unterschieden wird.
Ich meine damit, dass einerseits Löhne & Gehälter erwirtschaftet werden und andererseits Löhne und Gehälter aus Steuermitteln alimentiert werden und wenn’s nicht reicht: Steuern rauf!
Ganz simples Beispiel: Ich wollte mit einer Behörde deren Sprechzeit 9.00 Uhr begann 08.01 telefonieren. Dank all inkl. Vertrag Handy auf laut und abgelegt und mir die Endlosschleife „unsere Anschlüsse sind ….“ genau bis 9.35 angehört. Dann war Frühstück vorbei …..
Jetzt bitte nicht lachen! Genau 1 Woche später habe ich selbiges noch einmal getan. Einziger Unterschied: 9.36 wurde ich durchgestellt.
Noch Fragen?
Ich hatte gar keine festen Pausenzeiten in meinem Job und Überstunden waren inklusive. So sah die Sache aus. Tja, und wer war mein AG? privat od. Staatlich?
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Bernd Muhlack | Mi, 29. Dezember 2021 - 16:48

Ich erwähnte es bereits:
Wir wohnen neben einem mittelständischen Unternehmen, weltweit tätig; etwa 250 Mitarbeiter.
Bei Neubau-/Umbaumaßnahem sind wir der einzige verfahrensrechtlich relevante anzuhörende Anrainer.
Wir haben noch nie widersprochen; warum auch?
Vor etwa 10 Jahren stellte man uns noch übersichtliche Akten zu.
Inzw. haben diese Anträge locker den Umfang eines Quelle-Katalogs!
Wer soll das lesen, versteht das?

Das Unternehmen muss quasi alles über sein Tun u Lassen offenbaren - gar die Anzahl der Toiletten!
Welche kranken Hirne denken sich so etwas aus?

Einige Häuser weiter nistet solch ein Gaga-Öko: wir sollten sofort Widerspruch einlegen!
Er grüßt uns nicht, hat mit allen Streit.
Solche Zeitgenossen sind Deutschlands Zukunft!

Was ich damals als Referendar bei Behörden erlebt habe, spottet jeder Beschreibung.
Und qua Corona sind die Behörden sowieso fast alle unzugänglich!

Es gibt Ausnahmen, wirklich gute L.eute.
Vor allem bei den Finanzämtern!
Ehrlich, kein Joke!

M. Wolke | Mi, 29. Dezember 2021 - 19:12

Sehr guter Artikel mit guter Beschreibung einer speziellen Symptomatik.

Die Größe des Bundestags; dass 50% der jungen Menschen eine Anstellung im öffentlichen (Beamten) Dienst anstreben; dass an den Universitäten Meinungs-Diversität maximal zurückgedrängt wird - das sind weitere Symptome eines allgegenwärtigen Niedergangs des ehemaligen Landes der Dichter und Denker ... und Macher.

Norbert Heyer | Do, 30. Dezember 2021 - 11:34

Wie oft wurde darüber gesprochen, Verwaltungsakte schneller zu gestalten, es geschah immer das Gegenteil. Neue Brücken für die überall maroden Bauwerke brauchen mit Planung 10 Jahre und länger. Seit vier Jahren ist ein Teilstück der Emscher-Sanierung nicht fertiggestellt - hier wurde angeblich eine seltene Vogelart gesichtet, seit 15 Jahren plant meine Stadt die Fortführung einer Straßenbahn-Linie bis zu einem Einkaufscenter. Von meiner Arbeitszeit ging ein gewaltiger Anteil ab mit dem Ausfüllen von Formularen für das Statistische Landesamt, jede Unfallmeldung erforderte einen großen Zeitaufwand, Verdienstbescheinigungen mussten bis zu 3 Monate zurück ausgestellt werden. Steuererklärungen sollten schon vor Jahren auf einen Bierdeckel passen, stattdessen gibt es jetzt zusätzliche Formulare für Zinserträge. Meine Autos sind immer schnell an- oder umgemeldet worden, ein Freund arbeitet dort. Es ist immer gut, jemanden bei den Behörden zu kennen, ansonsten wird man gnadenlos vorgeführt.

Heidemarie Heim | Do, 30. Dezember 2021 - 15:07

Eine alles verschlingende Macht, die immer mehr Opfer fordert und in dem scheinbar jeder und alles versinkt. Kein Entrinnen, keine Ausnahmen aus diesem Irrgarten irdischer Regelungswut. Auf die hilflosen und m.E. utopischen Versuche der Ampel, insbesondere der Grünen ihren eigens geknüpften Fallstricken in Sachen Umweltregularien zu entrinnen, darf man gespannt sein. Wie man sich überhaupt wundern muss, wie man bei all diesem Irrsinn noch die Stellung als viertgrößtes Industrieland halten konnte. Doch scheint in anderen Ländern mit ähnlichen Strukturen/Gebilden was Staats-Landes-o. Kommunalbedienstete sowie Behörden und Institutionen betreffs das gleiche Elend zu herrschen. In sogenannten Bananenrepubliken dauern solche Prozesse nur so lange, wie der Antragssteller braucht anstatt der Wagenladung Aktenordner anzukarren einen netten kleinen Umschlag an den Mann/Frau zu bringen;). Ups, ich gerate auf gedankliche Abwege;). Sorry! Ich vergaß, warum einfach wenn`s auch kompliziert geht?

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