Deutsche Bank - Von Gier und Unersättlichkeit zerfressen

Bei der Deutschen Bank gilt die Gewinnerzielung als Maß aller Dinge, kriminelle Energie und Zinsmanipulationen eingeschlosen. Mit dem Personal an der Spitze ist eine Änderung der Unternehmenskultur unmöglich – so bleibt sie ein Risiko für Deutschland

Die Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain, lachen während der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens in Frankfurt am Main
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Autoreninfo

Ludwig Poullain war viele Jahre Chef der WestLB und Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.

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Die Gründer der Bank haben, als sie 1870 für ihr Gebilde einen rechten Namen suchten, sich mit Bedacht für „Deutsche Bank“ entschieden. Ich denke, sie haben ihn zu ihrer Auszeichnung gewollt. Sie wollten sich und ihr Geldhaus damit schmücken. Gleichzeitig müssen sie sich der ethischen Verpflichtung bewusst gewesen sein, die sie mit dieser Namenswahl all ihren Nachfolgern aufbürdeten. Mit der Einflechtung des Wortes „Deutsche“ in den Namen der Bank verpflichteten sie sie ausdrücklich zum redlichen Tun.

Bis 1989 Alfred Herrhausen durch ein Attentat ermordet wurde, sind meines Wissens alle Vorstände dieser Verpflichtung stets gerecht geworden. Nicht nur, dass sie den Namen ihrer Bank immer sauber gehalten haben, bis dahin haben sie auch, wenn dies im Interesse des Landes lag, auf manches lukrative Geschäft freiwillig verzichtet.

Hoch entwickelte Raffmentalität


Die Bombe, die Alfred Herrhausen getötet hat, war zugleich der Auftakt zur Zerstörung dieser besonderen Kultur, die sich die Bank im Laufe ihres langen Bestehens angeeignet hatte. Herrhausens Epigonen strichen sie ersatzlos und bildeten an deren Stelle eine hoch entwickelte Raffmentalität aus. Von nun an diente diesen Herren der einstmals stolze Name nur noch als Vehikel für die Anbahnung und Durchführung zweifelhafter Aktionen auf den globalen Märkten.

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Es liegt im Wesen der Banker, bei der Rechtfertigung ihres Tuns stets den bequemsten Weg zu gehen. Ich weiß dies, weil ich einmal selbst zu dieser Gilde gezählt habe. So wird man mir vorwerfen, ich würfe mit dicken Steinen aus einem Glashaus, wenn ich die Banker von heute kritisiere. Das mit dem Steinewerfen stimmt, aber ich schleudere sie auf freiem Feld. So leicht kann man meine Worte nicht beiseitewischen, weil ich mir in Bezug auf das Verhalten meiner Zunft nie das Wort habe verbieten lassen.

Die Deutsche Bank lässt mich nicht los. Sie tut aber auch alles in ihren Kräften Stehende, um sich im Gerede zu halten. Im steten Fluss dringen aus den finanzpolitischen Zentren der westlichen Welt Einzelheiten über Biestereien, an denen neben anderen Übeltäterbanken eben auch Deutschlands größtes Bankhaus beteiligt sein soll. Gerade erst hat die EU-Kommission die Deutsche Bank dazu verdonnert, eine Strafe von 725 Millionen Euro wegen der Beteiligung an Zinsmanipulationen zu zahlen. Zahlreiche andere Verfahren sind anhängig. Es fällt mir schwer zu glauben, dass diese Sünden auf Eigenmächtigkeiten regionaler Feudalherren der Bank zurückzuführen sind. Vieles deutet auf Methode und Systematik hin.

Gier und Unersättlichkeit


Als nach dem Abtritt Josef Ackermanns, dem Herrn mit dem unpassend bodenständigen Namen, mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen zwei recht blass erscheinende Nachfolger als zweieiige Zwillinge an die Spitze berufen wurden, dachten sie, mit einem eiligst verkündeten Kulturwandel das Geschehene verblassen und eine neue Epoche hervorzaubern zu können.
Kulturwandel, welch hehrer Begriff für den Versuch, ihr von Betrügereien verseuchtes Haus aus den Schlagzeilen zu bekommen. Spöttisch ließe sich anmerken, dass es zunächst einer Kultur bedarf, so man sie dann ändern will. Doch bisher sind in puncto Wandel nur zaghafte Ansätze in den peripheren Bereichen der Bank zu erkennen. Dass man nicht zum Kern des Übels vordringt, mag auch daran liegen, dass die beiden Kulturschaffenden in der Zeit, als diese Frevel geschahen, bereits in Leitungsfunktionen tätig waren, oder weil die Seuche von Gier und Unersättlichkeit sich wie Fäulnis ins Bankeninnere gefressen hat.

Da Jain und Fitschen Teil des Problems sind, können sie für dessen Lösung keine überzeugenden Konzepte anbieten. Wie soll es einen Kulturwandel geben, wenn in den Führungsgremien der Bank nach wie vor dieselben Leute sitzen? Nicht nur Jain und Fitschen selbst, sondern auch ein großer Teil des aktuellen Führungskaders der Bank hat sich über Jahre an die süchtig machende süße Speise der Boni gewöhnt, auf die sie nun freiwillig nur ungern verzichten wollen. Nur Zwänge können sie hierzu bringen.

Doch unter Zwang lässt sich nun mal keine strategisch gedachte Unternehmenspolitik gestalten. Dies vermögen nur freie Geister zu schaffen und nicht solche, die, nehme ich das Wort des Kulturwandels als Eingeständnis für eine bis heute herrschende Unkultur, an deren Errichtung beteiligt waren.

Allzu ernst scheint es den Obersten der Bank mit dem Kulturwandel auch nicht zu sein, guckt man sich Jürgen ­Fitschens öffentliche Äußerungen der vergangenen Wochen noch mal an. Anmaßend, rechthaberisch und alles besser wissend trat er auf. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warf Fitschen „populistische“ Kommentare vor und fügte hinzu: „Es kann nicht sein, dass sich jemand hinstellt und sagt, es muss mehr reguliert werden.“ Forderungen nach noch mehr Sicherheit gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Banken. Weitere Einmischung der Politik ins eigene Geschäft verbittet man sich in Frankfurt, mit teils skurrilen Begründungen. Investmentbanking und das traditionelle Kredit- und Kundengeschäft will Fitschen auch in Zukunft nicht getrennt wissen, weil die Bank dann nicht mehr in der Lage wäre, die Gewinne aus dem Investmentbanking zur Verbesserung der Konditionen im Kundengeschäft einzusetzen. Allein mir fehlt der Glaube, hat es eine solche Quersubventionierung in der Vergangenheit doch nie gegeben. Stattdessen flossen die einst sprudelnden Erträge der Investmentbanker in Boni und die Eigenkapitalrendite der Bank. Auch in der Größe seines Instituts sieht Fitschen kein Problem, im Gegenteil, sie verleihe der Bank erst die Stabilität, die alle vom Finanzsektor fordern. „Too big to fail“ hält er für Unsinn, „too big to jail“ erst recht.

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Dabei lebt die Deutsche Bank über ihre, aber auch über die Verhältnisse des Landes, von dem sie sich den Namen lieh. Derweil die deutsche Realwirtschaft, die Werte für ihre Landsleute schafft, sich im Rahmen, den ihr Deutschland vorgibt, bewegt, bei allen Expansionen in die neuen, von ihnen erschlossenen Märkte, bodenständig geblieben ist, musste ausgerechnet die Deutsche Bank diese Grenzen sprengen, sich zum Global Player aufspielen. Sie plusterte sich damit als nicht zerstörbar auf, um somit für die steuerzahlenden Bürger zu einem nicht mehr kalkulierbaren Risiko zu werden. Das in der Ära Ackermann entwickelte Geschäftsmodell ist ebenso verwegen (für die Steuerpflichtigen) wie zukunftssicher (für die Bankvorstände): Man mache die Bank so groß, dass ihr die Politik zum Vasall wird und für jedes Risiko einsteht. Die von der Europäischen Kommission zu Recht abgeschaffte Gewährträgerhaftung für die Sparkassen ist durch die Hintertür in einem unvergleichbar größeren Umfang für die Deutsche Bank wieder eingeführt worden.

So intransparent wie der Heilige Stuhl


Fast scheinen die glitzernden Türme der Bank aus hellem Metall und widerspiegelndem Glas an der Frankfurter Taunusanlage als Sinnbild ihres Auftretens in der Welt: mal schillernd und glitzernd, mal fadenscheinig glänzend. Doch es ist stets nur die Fassade, die da blinkt oder lange Schatten wirft. Ihr Inneres verbirgt die Deutsche Bank ebenso gekonnt wie konsequent, wie dies schon seit Jahrhunderten der Heilige Stuhl tut.

Auch dort hat Papst Franziskus in Rom für seine die Welt umspannende Kirche eine Wende vom Prunk zur Armut und von der Allwissenheit zur Demut ausgerufen. Und so verwegen seine Botschaft klingen mag, eher traue ich der traditionsschwangeren Kirche die ihr von ihrem neuen Pontifex auferlegte Wandlung zu als der Deutschen Bank eine Kehrtwende. Trotz der wohlklingenden Worte, die die Doppelspitze als nachhaltige Veränderung verkaufen will, wird sie von ihrer Maxime, der Gewinnerzielung als Maß aller Dinge, nicht lassen. Damit ist sie uns, den Bürgern des Landes, dessen Namen sie wohl bis zu ihrem seligen Ende tragen wird, endgültig abhandengekommen. Vielleicht hilft auch hier nur ein echter Neuanfang mit neuem Personal an der Spitze oder frei nach Willy Brandt: Wandel durch Entfernung.

 

 

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