Verschwommene Anzeigetafeln mit Börsenkursen und einer Kurvengrafik, Foto. Keine Personen erkennbar.
Frankfurter Börse / picture alliance / photothek.de | Juliane Sonntag

Der Fall Leopold Aschenbrenner - Hölle mit Hebel

Ein 25-jähriges KI-Wunderkind aus Berlin hat mit seinem Hedgefonds innerhalb weniger Tage rund 35 Milliarden Dollar verzockt. Was ist da schief gelaufen?

Michael Mross

Autoreninfo

Michael Mross ist Wirtschaftsjournalist, Bestseller-Autor und Börsenexperte. Angefangen bei WDR und RTL arbeitete er als Moderator bei n-tv (Telebörse), N24 und CNBC

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Leopold Aschenbrenner, 25, gilt als Wunderkind aus Berlin. Mit 15 legte er das Abitur ab, danach schwurbelte der Teenager bei den Grünen herum und ging anschließend in die USA. An der Columbia University schloss er im Alter von nur 21 Jahren als Jahrgangsbester (Valedictorian) mit den Fächern Economics und Mathematics/Statistics ab. Danach machte er schnell Karriere im KI-Bereich und arbeitete zuletzt bei OpenAI im Superalignment-Team, bedeutet: Er war dafür verantwortlich, die KI im Zaum zu halten, damit sie nicht außer Kontrolle gerät. Er wurde jedoch 2024 entlassen. 

Kurz darauf gründete er ein neues Projekt, das ebenfalls außer Kontrolle zu geraten drohte. Aschenbrenner eröffnete den Hedgefonds Situational Awareness („Situationsbewusstsein“). Hedgefonds gehen in der Regel hoch spekulative Wetten an den Finanzmärkten ein, die teilweise mit komplexen Gegenposition abgesichert sind. Die Zielgruppe sind nicht Kleinanleger, sondern professionelle Investoren, die große Summen zur Verfügung stellen.

Mit vorbörslichen Beteiligungen an KI-Unternehmen wie OpenAI und Anthropic begann das Abenteuer Aschenbrenner. Dazu sammelte er rund 10 Milliarden Dollar von Investoren ein. Sie vertrauten dem Wunderkind. Börsenerfahrung hatte das vermeintliche Genie aus Berlin gleichwohl nicht.

Trotzdem flossen die Milliarden in Strömen und die Assets under Management (Vermögen des Fonds) stiegen rasant: Anfang Juli 2026 verwaltete Aschenbrenner etwa 45 Milliarden Dollar. Allein im Jahr 2026 hatte der Fonds bis Ende Juni ein Plus von rund 439 Prozent erzielt. Das Portfolio konzentrierte sich stark auf KI- und Halbleiteraktien – darunter Namen wie Nvidia, Micron, Broadcom, Nebius, Sandisk, AMD, Intel und ASML.

Aschenbrenner investierte nicht nur mit Eigenkapital, sondern nutzte Kredite

Dann kam der Absturz. Ein Crash, der sehr viele KI-Aktien in den Abgrund zog. Betroffen: hauptsächlich Aktien, die Aschenbrenner in seinen Portfolio hatte. Große Unternehmen wie NVIDIA, Micron, Nebius verloren plötzlich bis zu 40 Prozent. Ein normaler Fonds würde diesen Absturz natürlich überleben, aber nicht das System Aschenbrenner!

Was war passiert? Aschenbrenner investierte nicht nur mit Eigenkapital, sondern nutzte in erheblichem Umfang Kredite – im Börsenjargon „Hebel“ oder Leverage genannt. Ein einfaches Beispiel: Man kauft für 1000 Dollar Nvidia-Aktien mit eigenem Geld und leiht sich weitere 1000 Dollar, um nochmals Aktien zu kaufen. Das ist Hebel 2. Problem: Fällt die Aktie um 50 Prozent, ist das gesamte eingesetzte Eigenkapital weg.

Berichten zufolge arbeitete Situational Awareness zeitweise mit deutlich höheren Hebeln – bis hin zu Hebel 4. Das bedeutet: Auf 1000 Dollar Eigenkapital kamen 3000 Dollar Fremdkapital. Aschenbrenner hantierte jedoch nicht mit Tausenden, sondern mit zig Milliarden Dollar.

Steigen die Kurse, vervierfachen sich die Gewinne. Fallen sie jedoch, schmilzt das Eigenkapital extrem schnell dahin. Bei Hebel 4 reicht bereits ein Kursrückgang von 25 Prozent, um das gesamte Eigenkapital zu vernichten.

Todesspirale mit Hebel

Genau das trat Anfang Juli ein. Die Kurse vieler KI- und Halbleiteraktien kollabierten. Gleichzeitig forderten die Banken (Prime Broker) wegen der fallenden Kurse zusätzliches Sicherheitskapital (Margin Calls) von Aschenbrenner.

Um die Kredite zu bedienen, musste Aschenbrenner seine Aktien zwangsverkaufen, ohne Limit, um jeden Preis, was den Abwärtstrend noch verstärkte. Es kam zu einer Zwangsexekution, wie man auf Börsen-Deutsch sagt. Die Geldgeber, die Banken, wollten ihr Geld zurück, das ist aber nicht da. Also müssen die Aktien verkauft werden.

An den Aktienmärkten verbreitete sich rasch Panik und Unsicherheit, was den Abwärtsstrudel noch beschleunigte. So waren in einer Woche rund 35 Milliarden Dollar futsch im Fonds von Leopold Aschenbrenner.

Typischer Anfängerfehler

Spekulieren auf Kredit ist eine der Todsünden an der Börse. Jeder erfahrene Börsianer weiß, dass man mit diesem Teufelszeug plötzlich und unkontrolliert in die Finanzhölle fahren kann. Am Ende droht die Pleite. Doch die Gier verleitet besonders unerfahrene Marktteilnehmer immer wieder dazu, trotzdem in den Giftschrank zu greifen und das Investment zu hebeln.

Viele Broker verleiten ihre Kundschaft ebenfalls dazu, mit Hebel, also mit Kredit, die Gewinnchancen zu erhöhen. Doch die Broker sind dazu verpflichtet, besonders die Kleinanleger auf die Gefahr hinzuweisen. Die eindringliche Warnung lautet: „Der Einsatz von Hebeln ist hochriskant, 98 Prozent der Anleger verlieren dadurch ihr gesamtes Geld.“

Genau in diese Falle tappte auch Leopold Aschenbrenner. Damit hat er im wahrsten Sinne seines Nachnamens ziemlich viel Asche verbrannt. Ausweislich eines Briefes an seine Investoren räumte er ein, dass sein Fonds innerhalb von wenigen Tagen 67 Prozent verlor. Aus 45 Milliarden wurden rund 10 Milliarden. Das ist in dieser kurzen Zeit rekordverdächtig!

Leopold Aschenbrenner mag zwar hochbegabt sein, aber zum Erfolg gehört eben auch Erfahrung. Mit einem typischen Anfängerfehler vernichtete er 35 Milliarden Dollar. Die Profi-Investoren werden es verkraften, Kleinanleger waren nicht betroffen. Und für Leopold Aschenbrenner gilt: Vielleicht ist er durch diesen Schaden ja noch ein bisschen klüger geworden.

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Toníček - CZ | Mo., 10. August 2026 - 13:02

. . . ich hab' zwar nichts für die Grünen übrig, aber Ihr Satz trifft eigentlich auf alle Parteien + Menschengattungen zu.-
Erstaunlich wie Herr Aschenbrenner so viel Asche auf einmal verbrennen konnte . . . Kann mir nicht passieren, ich habe keine Aktien u. auch keine Fonds und auch keine Ahnung von dem ganzen Kram . . .

Wolfram Fischer | Di., 11. August 2026 - 20:54

Wenn Du Geld brauchst, sag in der Bank nie - NIEMALS - "Ich bräuchte da mal 20TEuro". DA wird gedreht und gewendet bis zum Stillstand der Pupille!
Frag höflich, ob die Bank nicht z.B. 20Mio - gerne natürlich mehr! - in Dein Topinvestment mit Renditeerwartungen MINDESTEN 25% - p.a. natürlich!! - anlegen möchte. Einmalige Chsnce... ganz speziell für Deine Bank... dieses Angebot!
DAS funzt!
Der Fehler liegt im System - Gier ernährt sich tatsächlich von einer gewissen grauen Substanz - auch "Hirn" genannt (ja, das soll es vereinzelt geben!).
Und das führt - auf seine Art und Weise - zu einem erstaunlich stabilen Gleichgewichtszustand:
Je mehr "Gier", desto weniger "Hirn"...