Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg - Held ohne Geld

Auf das Skandalunternehmen Wirecard folgt nun der Essenslieferant Delivery Hero in den Dax. Das Start-up des Schweden Niklas Östberg wächst, erwirtschaftet aber noch immer keinen Gewinn. Aber ist Östbergs weltweit agierendes Unternehmen deshalb ähnlich kritisch zu sehen wie Wirecard?

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Niklas Östberg: „Da denken wir hier manchmal zu deutsch“ / Andreas Pein/Laif

Autoreninfo

Bettina Weiguny ist freie Wirtschaftsjournalistin und Kolumnistin der FAS.

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Bettina Weiguny

Von der Gründung in den Dax in neun Jahren – einen Aufstieg in diesem Tempo gab es noch nie. Dem Berliner Essenslieferanten Delivery Hero aber ist das gelungen. Ab dem 24. August wird das Tech-Unternehmen zu den 30 größten deutschen Aktiengesellschaften gehören und folgt der insolventen Skandalfirma Wirecard. Selbst die Delivery-Hero-Führung kann es kaum glauben. „Ich habe Rechnungswesen studiert,aber so eine Fallstudie ist mir in meinem Studium nicht untergekommen“, sagt Finanzchef Emmanuel Thomassin.

Der Mann der ersten Stunde ist Niklas Östberg. Der hagere Schwede, 40,steht ungern am Herd. Kochen ist für ihn eine Dienstleistung wie Putzen oder Bügeln,die man am besten outsourct. Ein erstes Essensportal gründet er – nach einem Ingenieurstudium und kurzer Zeit als Unternehmensberater – in Skandinavien. Dann zieht es ihn nach Berlin („The place to be“), wo er 2011 mit anderen Delivery Hero startet. In den Anfangswochen tippen studentische Hilfskräfte die Speisekarten von Hand in den Computer ein, manchmal schummeln sie und kopieren die Menüs von Webseiten des Mitbewerbers Pizza.de – das beschleunigt,wird aber juristisch geahndet.

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Manfred Bühring | Do, 20. August 2020 - 15:25

Der fundamentale Irrtum zu DH liegt schon im 3. Satz des Beitrags: DH schickt über ein Heer von Niedriglöhnern und Scheinselbständigen Essen ins Haus, was man per Internet bestellen kann! Wo bitte ist das ein Tech-Unternehmen? IKEA ist doch auch kein Tech-Unternehmen, nur wel ich Ware im Netz bestellen kann. Die "Neue Ökonomie" beruht auf ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen (Uber, Amazon etc.), die von den Nutzern (und den "Arbeitnehmern") auch noch als hipp glorifiziert werden. Schöne neue Welt!

Gerhard Lenz | Fr, 21. August 2020 - 10:48

In reply to by Manfred Bühring

Ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, das richtige Stichwort.

Nur: Aktionäre stört das nicht die Bohne, Kleinaktionäre erst recht nicht. Hauptsache, Dividenden und Kursgewinne stimmen.

Wie kommen Sie auf dieses pauschale Urteil? Es gibt ganz sicher sehr viele Kleinaktionäre – ich zähle mich dazu – die einer Firma, die sich nur durch Schaffung von Niedriglohn-Arbeitsplätzen halten kann, kein Geld geben würden. Und wenn doch welche dabei seien sollten – würde ich auch die nicht moralisch verurteilen, denn es soll Menschen geben, die niemals eine größere Summe erben werden und die deswegen "mitspielen".

Bernhard K. Kopp | Fr, 21. August 2020 - 11:21

In reply to by Manfred Bühring

Ich denke schon, dass DH als Tech-Unternehmen gelten soll, weil die Vermittlungsplattform genau das ist. Ähnlich wie bei Uber. Das Verwerfliche an dieser " Industrie " ist das Geschäftsmodell, das darauf baut, dass es genug Leute gibt, die bereit sind sich ohne seriöse Kostenkalkulation selbst auszubeuten. Ähnlich wie bei Uber ist die Vermittlungsprovision der Plattform überdimensional hoch, weshalb der angebliche Wert dieser Plattform-Firmen so gigantisch steigt, solange eine wachsende Zahl von Kunden die vermittelten Leistungen/Lieferungen abnimmt, und sich nicht darum kümmert, wie bei Paketboten auch, dass die persönliche Leistung des Boten nicht im Sinne unserer sozialen Ordnung fair bezahlt wird, dass die Front-Arbeiter weder ihre direkten Kosten, noch einen kontinuierlichen Lohn, noch eine Krankenversicherung oder eine Rentenversicherung aus der ihnen zugestandenen " Umsatzbeteiligung " erwirtschaften können. Deshalb wird die Fluktuation der Boten groß sein.

Jan Dutschmann | So, 23. August 2020 - 09:27

Ein Espresso oder eine Pizza wohin auch immer ist aus ökologischer Sicht wohl kaum vertretbar. Der Verein hat nichts zu bieten um die Welt ein stückweise besser zu machen.