Auswirkungen der Coronakrise auf die Wirtschaft - „Es wird auf jeden Fall zu einer Inflation kommen“

Die Aktienpreise haben sich erholt, aber auch die Preise für Lebensmittel ziehen an. Der Wirtschaftswissenschaftler Gunther Schnabl erklärt, warum wir eher mit einer Inflation als mit einer Deflation rechnen müssen und warum der Preisanstieg die Menschen im Norden Europas härter trifft als im Süden.

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Traditionell basiert die Inflationsmessung auf einem Warenkorb, der die Konsumgewohnheiten der Bürger abbildet / dpa

Autoreninfo

Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Bastian Brauns

Gunther Schnabl ist Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Leipzig. Er hat dort einen Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Internationale Wirtschaftsbeziehungen inne und leitet das Institut für Wirtschaftspolitik

Herr Schnabl, Sie forschen an Ihrem Institut insbesondere zum Thema Inflation. Müssen wir wegen der Coronakrise nun mit stark steigenden Preisen rechnen?
Es wird auf jeden Fall zu einer Inflation kommen. Die Frage ist nur, welches Gesicht sie haben wird. Einerseits zeigen die Vermögenspreise bereits wieder steil nach oben. Andererseits haben auch bei einigen Konsumgütern die Preise angezogen. 

In welchen Bereichen wird es denn nun zwangsläufig teurer? In welchen vielleicht sogar billiger?
Es zeichnet sich bereits ab, dass vor der Krise bestehende Trends sich fortsetzen werden. Die Aktienpreise haben sich schnell erholt, der Goldpreis steigt weiter, und auch auf dem Immobilienmarkt scheint die Flucht in das Betongold weiterzugehen. Auch bei einigen Gütern wie Lebensmitteln haben jüngst die Preise angezogen. Dieser Trend könnte sich verstärken. Wenn in Folge der Krise viele Gaststätten, Hotels oder Läden schließen müssen, können die Konkurrenten die Preise erhöhen. Auch wenn etwa Medikamente wieder im Inland statt im kostengünstigen Ausland produziert werden, steigen deren Preise. 

Einige Experten warnen hingegen davor, dass wir es mit einer Deflation zu tun haben werden. 
Den Menschen wurde durch den Lockdown und die Masken die Kauflaune verdorben. Wenn Geschäfte schließen müssen, wird es zunächst zu Ausverkäufen kommen. Auch die Löhne werden auf breiter Front unter Druck geraten. Das spricht für fallende Preise. 

Schnabl
Gunther Schnabl / privat

Warum wäre das überhaupt gefährlich?
Da in der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahre das Preisniveau in den USA stark gefallen ist, wird von vielen Rezession und Deflation gleichgesetzt. Das muss nicht so sein. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging unter dem Goldstandard hohes Wachstum mit fallenden Preisen einher. Fallende Preise erhöhen erfreulicherweise die Kaufkraft. Das Argument, dass die meisten Konsumenten ihre Kaufentscheidung vertagen, weil sie im Verlauf des kommenden Jahres eine Preissenkung von 1 Prozent bis 2 Prozent erwarten, halte ich nicht für stichhaltig.

Aber Sie sagen, Deflation sei unwahrscheinlich?
Ja, mittelfristig. In Reaktion auf den Lockdown der Regierungen haben alle Zentralbanken mit gigantischen Ankauf- und Kreditprogrammen reagiert. Die EZB wird dieses Jahr Anleihen im Umfang von 1,1 Billionen Euro kaufen und ihr Kreditvolumen an die Banken auf bis zu 3 Billionen Euro ausweiten. Gleichzeitig schrumpft das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum schätzungsweise um bis zu 10 Prozent. Viel mehr Liquidität jagt damit weniger Güter. Wo immer diese Liquiditätsschwemme aufschlägt, werden die Preise nach oben schießen. Es ist jedoch denkbar, dass die Vermögenspreise steigen, während hingegen die Konsumentenpreise niedrig bleiben, weil die Löhne zunehmend unter Druck geraten.

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Christa Wallau | Do, 28. Mai 2020 - 12:57

In absehbarer Zukunft dürfte es dazu kommen, daß die Löhne vieler Leute nicht mehr ausreichen, um die stark gestiegenen Mieten u. die sich verteuernden Produkte zu bezahlen, ganz zu schweigen von denen, die auf Grund des Wegfalls von Betrieben infolge der Corona-Situation arbeitslos werden. Das werden sich die betroffenen Menschen nicht einfach gefallen lassen. Politisch dürfte sich daher ein noch stärkerer Linksruck einstellen, als er jetzt schon in DE herrscht. Denn auf der anderen Seite stehen die Gewinner der jahrelangen Null-Zins-u.-geringe-Löhne-Politik: die Vermögenden, die sich am Aktienmarkt bereichert u. am Immobilienmarkt massiv investiert haben, so daß sie nur noch abkassieren müssen.
Ich sehe voraus, daß wir Regierungen bekommen, die sich nicht anders zu helfen wissen, als höhere Steuern auf Einnahmen aus Aktiengewinnen u. Vermietung zu erheben; denn woher soll das Geld sonst kommen, welches der Staat an die vielen
Hartz4-Bezieher verteilen muß, um Unruhen zu vermeiden?

bedeutet weiter steigende Mieten – die "Reform" der Grundsteuer steht schon dafür. Wie weit sollen Einkommen (sinkend) und Mieten (steigend) noch auseinander klaffen? Wird der Staat, der Steuerzahler, für all die, die dann kein Dach mehr über dem Kopf haben werden, Sozialwohnungen bauen? Wird Wohngeld dann auch für die gezahlt, die eigentlich eine zu teuere Wohnung (lt. Gesetzgeber) haben? Der BuPrä hielt zu Beginn der Pandemie eine Rede, in der er den Zusammenhalt in der Gesellschaft beschwor, und dass diese Krise das beste in uns hervorhebe (sinngemäß) – es geht aber jetzt schon los mit den Verteilungskämpfen und dem weiteren Auseinanderklaffen zwischen reich und arm. An ein Mietenstopp denkt aber niemand, denn die Rendite der Vermieter ist im GG festgelegt – Artikel 14 ist nur noch Makulatur.

...wir rechnen nur noch in Billionen.
Eine, für mich indirekte Inflation, empfinde ich bei Verpackungen, deren Preis kon-stant bleibt, jedoch geringerer Inhalt. Luft kaschiert die gängige Verpackungsgröße.
Und eben diese nutzlose Luft bläst uns, wohlberechnend, vdL kalt ins Gesicht.
Da fängt das Dilemma an. Die EU darf keine Schulden machen, das ist verboten.
Kredite dürfen vergeben werden. Dies sind Forderungen, aber keine Geschenke. Woher das erforderliche Geld und nicht stehlen? Die Hosentaschen der meisten Deutschen sind löchrig bis leer. Ein Blick nach Italien macht wütend. Dieses
Land, stellvertretend für hohe Staatsverschuldung und privaten Reichtum. Diese Regierung weigert sich ihn effektiv zu besteuern. Wo Reformen?
Die Druckerpressen laufen sich heiß. Die Südstaaten, Macrons Frankreich, brennen.
Uns droht eine Hyperinflation. Es entsteht eine laufende Geldentwertung, im Zuge allgemeiner Preissteigerungen.
Geldmengenausweitungen sind die wichtigsten Inflations-Ursachen.

Bernd Muhlack | Do, 28. Mai 2020 - 17:04

Ich las kürzlich, dass die BMW-Erben Klatten/Quandt in 2019 eine Dividende von ca. 500 Mios € erhielten. Ob das stimmt, wie das versteuert wurde will ich gar nicht wissen.
All das interessiert mich nicht, ich bin kein Neider, gehöre nicht der immer mehr um sich greifenden "Enteignet-Sie!"-Front an.
Dann kauft man eben eine Kiste japanisches Mineralwasser für 800 € und ersteigert einen Thun für 2,5 Mios für die vielen eigenen Restaurants.
Na und?

Ich bin kein Ökonom, immerhin absolvierte ich eine andere nützliche Fakultät.
Als Solo und Selbsteinkäufer habe ich im Gegensatz zu vielen "abgehobenen Welterklären-/rettern" einen täglichen Blick auf die Preisentwicklung.
Ich bin zwar flexibel, habe jedoch eine unerschütterliche Basis an must-haves.

"Teuer" ist bekanntlich relativ, das hängt vom Einkommen ab, vgl. oben.
Paprika, Erdbeeren, Frischfisch sind just "teuer", aus Sicht eines Hartzers etwa.
Andere kaufen per i-phone an der Käsetheke nebenbei ein Haus: okay, das nehme ich!

Ein BMW?