Cicero im September - Für immer frei?

Was passiert, wenn Künstliche Intelligenz unsere eigene übersteigt? Müssen wir dann nie wieder arbeiten? Bekommen wir die Maschinen fortan nicht mehr in den Griff? Diesen Fragen widmen wir uns in der September-Ausgabe des Cicero

Wie lange dauert es noch, bis die KI unsere Intelligenz überholt? / picture alliance

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Vor 90 Jahren hielt der britische Ökonom John Maynard Keynes einen Vortrag im Political Economy Club von Cambridge. Der Grandseigneur der Volkswirtschaft meinte, dass aufgrund des Fortschritts, der immer höheren Produktivität und des steigenden Vermögens die Menschen im Jahre 2030 von ihren „drückenden wirtschaftlichen Sorgen erlöst sein“ würden. Ihr größtes Problem werde darin liegen, wie die Freizeit auszufüllen sei, wenn drei Stunden Arbeit am Tag reichten, um die Lebensbedürfnisse zu befriedigen.

Damals lachten viele. Heute schreibt der Bestsellerautor David Graeber, dass die Keynes-These nur deshalb noch nicht greife, weil der Mensch so fantasievoll war, dieser Tendenz mit „Bullshit Jobs“, wie Graeber sie nennt, entgegenzuwirken: mit Jobs, die keiner braucht. Der erste Computer sollte erst gute 50 Jahre nach Keynes in den Arbeitszimmern der westlichen Haushalte stehen, und von einem Roboter, der selbstverständlich seinen englischen Rasen mähen könnte, ahnte er vermutlich auch nichts. Inzwischen aber nehmen Maschinen dem Menschen nicht nur das mechanische, sondern auch das intellektuelle Arbeiten ab. Der Computerexperte Ray Kurzweil nennt abermals das Jahr 2030 als dasjenige, an dem die Künstliche Intelligenz (KI) die menschliche eingeholt haben wird und ihr fortan enteilt. 

Keine Furcht vor KI

Nur noch zwölf Jahre bis dahin. Haben wir dann für immer frei? Bekommen wir die Maschine fortan nicht mehr in den Griff? Am Beispiel von Emma, Max und Paula beschreibt unser Titelautor Frank Riemensperger, wie wir uns ein Leben mit KI im Jahre 2030 vorstellen müssen – und warum uns nicht bang sein muss. Riemensperger ist Chef einer Unternehmensberatung und will Deutschland zum Vorreiter der KI machen. Im Interview ergänzt Wolfgang Wahlster, Deutschlands führender Forscher auf dem Gebiet der KI und Mitglied des Nobelpreiskomitees, weshalb wir die Konkurrenz nicht fürchten müssen – und weshalb seine Hochachtung vor der vielschichtigen Intelligenz des Menschen und dessen „alltäglichen Intelligenzleistungen“ im Laufe der Jahrzehnte seiner Forschung größer und nicht kleiner geworden ist. Selber Denken bleibt also unersetzlich.

 

Dieser Text stammt aus der September-Ausgabe des Cicero, die Sie ab morgen am Kiosk oder heute schon in unserem Onlineshop erhalten

Außerdem in dieser Ausgabe:

 - Eine Analyse über die Angst der hessischen CDU vor dem Wahlkampf in Bayern von Chrsitoph Schwennicke und Christoph Seils

 - Eine Reportage über die Umsetzung der Verfassung in Island

 - Warum Protektionismus und Nationalismus deutschen Großkonzernen schaden

 - Eine Reportage über Schachboxen: Wird es olympisch?