„Man hat an diesem Silvester gemerkt, wie viel Lust die Leute am Feuerwerk haben“: München begrüßt das Jahr 2023 / dpa

Böllerverbot und Silvesterausschreitungen - Feuerwerkhersteller: „Unsere Branche muss als Sündenbock herhalten“

Politiker fordern ein Böllerverbot, weil sie die eigentlichen Ursachen der Probleme nicht angehen möchten, sagt der Chef des Feuerwerkherstellers Weco, Thomas Schreiber. Und er freut sich über gute Geschäfte: Die Deutschen hätten dieses Silvester mehr Knallkörper und Raketen gekauft als vor der Pandemie.

Daniel Gräber

Autoreninfo

Daniel Gräber leitet das Ressort Kapital bei Cicero.

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Thomas Schreiber ist geschäftsführender Gesellschafter des Feuerwerkherstellers Weco aus Eitorf in Nordrhein-Westfalen.

Herr Schreiber, für Ihr Unternehmen waren die Feuerwerkverkaufsverbote während der Corona-Pandemie existenzbedrohend. Kaum laufen die Geschäfte an Silvester wieder, diskutiert Deutschland nun über ein generelles Böllerverbot. Wie geht es Ihnen?

Als ich die Bilder aus der Silvesternacht gesehen habe, von den Ausschreitungen in Berlin und anderen Großstädten, war ich darauf vorbereitet, dass es zu einer solchen Diskussion kommen wird. Inzwischen bin ich etwas erleichtert. Denn es setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass das Problem nicht beim Feuerwerk liegt. 

Haben Sie auf den Videos denn Ihre Produkte erkannt? Es wurden Silvesterraketen gezielt auf Polizisten und Feuerwehrleute abgefeuert, angezündete Böller auf sie geschmissen.

Welche Produkte das im Einzelnen waren, sieht man bei diesen Aufnahmen nicht. Da kam einiges zum Einsatz, auch illegales Feuerwerk aus dem Ausland. Da wir Marktführer sind und alle großen Einzelhändler in Deutschland beliefern, ist davon auszugehen, dass auch unsere Produkte mit dabei waren. Aber darum geht es doch nicht. Sehen Sie: Es wurden auch Molotowcocktails und Pflastersteine geworfen. Kommt deshalb irgendjemand auf die Idee, Pflastersteine oder Glasflaschen zu verbieten?

Wenn ein Produkt missbräuchlich verwendet wird, kann doch der Produzent nichts dafür. Jeder unserer Packungen liegt ein Zettel mit eindeutigen Sicherheitshinweisen und Warnungen bei, wie die Feuerwerkskörper zu verwenden sind. Wir können doch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass sich ein sehr keiner Teil unserer Kundschaft nicht daran hält.

 

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Was ist dann Ihre Erklärung? Warum fordern manche Politiker das Böllerverbot?

Weil es so schön einfach ist. Unsere Branche dient als Bauernopfer. Das hat man schon bei Corona gesehen. Zweimal hintereinander, im Dezember 2020 und im Dezember 2021, hat die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern kurzfristig ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper beschlossen. Die Begründung, man wolle eine Überlastung der Intensivstationen verhindern, war an den Haaren herbeigezogen. Der Politik ging es einfach nur darum, ein Zeichen zu setzen. Sie wollte den Bürgern vermitteln: Wir tun was.

Wie sehr haben diese Verbote Ihr Unternehmen getroffen?

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Thomas Schreiber / Weco Feuerwerk

Es war ein schwerer Schlag. Wir machen 90 Prozent unseres Umsatzes in den drei Tagen vor dem Jahreswechsel, an denen Feuerwerk normalerweise verkauft werden darf. Als im ersten Corona-Jahr das Verbot beschlossen wurde, hatten wir alles fertig produziert und importiert, einen Großteil auch schon an den Einzelhandel ausgeliefert. Sämtliche Kosten waren also schon entstanden, aber die Einnahmen fielen dann aus.

Im Jahr darauf wiederholte sich das. Die Ware, die jetzt vor Silvester verkauft wurde, stammt aus 2020. Unsere Logistikmitarbeiter haben sie jetzt zum dritten Mal im Lager gepackt und versandfertig gemacht. Zum Glück hat es diesmal geklappt, dass wir sie verkaufen konnten.

Wie war denn der Umsatz im Vergleich zu der Zeit vor Corona? 
 
Genaue Zahlen haben wir noch nicht. Aber er lag auf jeden Fall darüber. Man hat an diesem Silvester gemerkt, wie viel Lust die Leute am Feuerwerk haben. Es gab einen Nachhol- oder Trotzeffekt. Das haben uns auch einige Kunden geschrieben. Nach zwei Jahren Verkaufsverbot dachten sie sich: Jetzt erst recht.

Welchen wirtschaftlichen Schaden haben die Verkaufsverbote in Ihrem Unternehmen angerichtet?

Wir mussten Überbrückungskredite in Anspruch nehmen, um zahlungsfähig zu bleiben, und haben unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Insgesamt beziffern wir den finanziellen Schaden auf etwa 30 Millionen Euro. Diese Summe fordern wir als Schadensersatz von der Bundesregierung. Unsere Klage läuft noch.

Über ein generelles Feuerwerksverbot wird immer wieder mal diskutiert. Mit wechselnden Begründungen.

Ja, das ist schon erstaunlich. Unsere Branche ist an drei Tagen im Jahr präsent, unsere Produkte werden an einem Tag verwendet. Aber wir sollen an nahezu allen Umweltproblemen und Naturkatastrophen Schuld sein: von Feinstaub bis Klimawandel oder dafür, dass Haustiere Asthma bekommen. Man will es sich einfach machen. Unsere Branche muss als Sündenbock herhalten, um die eigentlichen Ursachen der Probleme nicht angehen zu müssen.

Wobei Sie ja durchaus versuchen, die Umweltprobleme zu minimieren.

Selbstverständlich. Ein Ziel ist die Vermeidung von Kunststoffmüll. Alle Feuerwerkskörper, die wir selbst herstellen, sind zu 100 Prozent plastikfrei. Raketen hatten früher eine Spitze aus Kunststoff, dafür nutzen wir nun Pappe. Auch die Schutzhülse über der Zündschnur ist inzwischen aus Pappe. Und bei den Verpackungen stellen wir von PVC-Beuteln auf Kartons um. Wir beschäftigen uns mit diesen Themen und haben die vergangenen zwei Jahre nicht ungenutzt verstreichen lassen, sondern in die Weiterentwicklung unserer Produkte investiert.

Das Gespräch führte Daniel Gräber.

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Georg Kammer | Mi., 4. Januar 2023 - 14:00

Schuld sind immer die Anderen, jetzt die Böller - Industrie.
Fr. Faeser, treten sie unverzüglich zurück, denn deutsche Bundesbürger können und wollen sie gar nicht schützen.
Ihr Ziel ist es, mit Hr. Haldenwang, die AfD und andere Konservative Gruppen mundtot zu machen.
Um was anderes geht es ihnen Beiden nicht, nur um dieses eine links - grüne Ziel.
Doch genau das Gegenteil wird im Osten und auch hier eintreten!
Die verfaulten zum Himmel stinkenden Ursachen, werden wie immer schon seit vor 2015, nicht benannt.
Es sollen unter den Tätern, 45 Deutsche sein!
Leider hat die links - grün verseuchte Presse und die uns täglich zu lullenden Lügen - TV Sender eins vergessen.
45 Deutsche mit Migrationshintergrund!
Das ist die Wahrheit.
Die schaffen es auch noch, dem deutschen Wahlvieh, Reichsbürger, AfD Wähler und Nazis als mutmassliche Tatverdächtige zu präsentieren.
Da wette ich einen Kasten gutes polnisches Bier drauf.
Zitat, Schwab:
2030 werdet ihr nichts mehr besitzen aber glücklich sein.
Zitat Ende.
Ich kann nur hoffen, das bis dahin, jeder Deutsche, ohne Migrationshintergrund, über genug Verteidigungsmaterial und Kisten weise Böller und Knallfrösche verfügt!

Stefan Jarzombek | Mi., 4. Januar 2023 - 14:01

"Wer waren die Täter? Sobald es um Gewalt und Migration geht, wird abgewiegelt. Besonders in Berlin. Das ist Gift für die Demokratie." Das schreibt die FAZ und es stimmt auch, denn seit den Vorfällen meldet sich die Regierung tatsächlich eher halbherzig zu Wort und versucht das Geschehen zu relativieren. Wo ist Frau Faeser jetzt ??? Ihr kurzes Statement zu diesem Thema im TV ist nicht genug. Es herrscht ein massiver Handlungsbedarf und der besteht nicht darin, dem rechtschaffenen Bürger das Knallen zu verbieten.

Wer Augen im Kopf hat, konnte sehr klar erkennen, wer die Täter waren. Für unsere Politdarsteller und Journalisten sollten sich diesbezüglich keine Fragen mehr ergeben. Obwohl der Innenminister von Niedersachsen (SPD) Herr Pistorius konnte eine Mehrzahl junger Männer aus dem rechtsextremen Milieu erkennen. Ich konnte nur junge arabische Männer erkennen, die mal so richtig die Sau rausgelassen haben. Die Migranten, die in Untersuchungshaft waren sind natürlich alle wieder auf freien Fuß. Man staunt, wenn man einen Feuerlöscher gegen einen Rettungswagen schmeißt, ist das keine Sachbeschädigung sondern versuchter Mord bzw. Totschlag. Aber dafür haben wir ja eine unabhängige Justiz, gell.

Achim Koester | Mi., 4. Januar 2023 - 14:31

so halte ich doch ein Verbot für die denkbar schlechteste Lösung. Man vernichtet damit eine ganze Branche, ohne dass diese eine Schuld an den Ausschreitungen hat. Mit gleicher Argumentation müsste man dann auch Autos, Messer, Gartenwerkzeuge und vieles Andere verbieten, mit dem man Jemanden verletzen oder gar töten könnte. Auch für die Unfälle, die durch leichtsinnige Handhabung, Alkohol usw. im Zusammenhang mit dem Feuerwerk entstehen, ist nicht der Hersteller, sondern der Benutzer verantwortlich. Da machen sich Politiker die Sache zu einfach, jeder Mediziner weiß, dass man nicht die Symptome, sondern die Krankheitsursache bekämpfen muss.

Tomas Poth | Mi., 4. Januar 2023 - 14:44

Es gibt nur einen Sündenbock und das ist die bundesdeutsche Migrationspolitik und deren Befürworter!
Man kann diese Politik auch als Delegitimierung des Staates bezeichnen, Hr. Haldenwang!
Die Böller und Raketen entzünden sich nicht von allein und fliegen nicht von allein gezielt auf Polizei, Feuerwehr und andere Rettungsdienste!
Es sind Menschen die dies tun und es sind jene aus dem Migrationsmilieu.
Letztlich läßt sich alles auf Merkel und ihre Unterlassungen zurückzuführen und natürlich jene die sie in dieser Politik unterstützten und diese auch weiterführen.
Was muß noch alles passieren, bis diese Mischpoke in Politik und Medien endlich aufwacht?

Enka Hein | Mi., 4. Januar 2023 - 14:49

..zu den Argumenten von Herrn Schreiber.
Warum sind nicht spätesten seit 2015 Messer verboten worden.
Weil dies in bestimmten Kulturkreisen zur Folklore Grundausstattung gehört.
Aber seit dem zig Tote zu beklagen sind.
Oder Anhängerkupplungen. Vor 2015 habe ich noch nie gehört, das diese missbräuchlich zum "Abschleppen" von als minderwertig anzusehenden Personen, im speziellen, Frauen genutzt wurde.
Danke für die klaren Worte von Herrn Schreiber und Cicero sollte diese Diskussion nicht versiegen lassen.
Bzgl. der 45 "Deutschen" die in Berlin als Krawallmacher identifiziert wurden, wäre es doch einfach an die Namensliste zu kommen. Nur die Vornamen. Geht doch sonst auch. Z.B. Täter Jochen M. etc.
Und ich Wette 100€ es ist eher einem Namenregister aus AFG, Syrien oder sonstwo vergleichbar, als einer Namensvorschlagliste aus D.
Wenn Vornamen wie Karl Friedrich oder Klaus Dieter auftauchen sollten, leg ich nochmal 100 € drauf.
Wer hält dagegen?
Aber die Vornamen könnten verunsichern.

Heidemarie Heim | Mi., 4. Januar 2023 - 15:57

Den Ausführungen Herrn Schreibers ist eigentlich nichts hinzu zufügen. Zumal auch seine Branche als ein sogenannter Kollateralschadensfall zu werten ist. Was uns wieder zu dem Punkt und dem vehement diskutierten bzw. strittigen Thema führt, inwieweit die Politik versucht Methoden der Einschränkung aus der Vergangenheit in Gegenwart und Zukunft zur Anwendung zu bringen. Das mehrere Fliegen mit einer Klatsche-Prinzip würde auch dahingehend erfüllt, als auch andere Regierungsnähere? Institutionen wie Natur-Tier-Umwelt-Klimaverbände usw. diese Forderungen schon länger auf ihre Agenda gesetzt haben? Passt doch! MfG

Brigitte Miller | Mi., 4. Januar 2023 - 18:01

ist die Regel, nicht nur in diesem Zusammenhang. Wer trägt eigentlich wirklich Verantwortung für irgend etwas?

Ingo Frank | Mi., 4. Januar 2023 - 20:40

Klar doch, die Hersteller von Feuerwerk sind verantwortlich für die Zerstörung von Geschäften, Fassaden, Ausrüstung von Feuerwehr + Polizei u.ä. Und der Staatfunk in Form der Tagesschau „läßt“ mit einem Interview 04.01.23. 20.15 Uhr alles relativieren. Ja wir verurteilen ….. aber durch mangelnde Integration……Innenminister*in Aufarbeitung ohne Rassismus ….. Hallo, wenn ich „zu Gast“ bin und und begehe Straftaten, die zwischen 1/2 Jahr mehreren Jahren Gefängnis geahndet werden können, (siehe heutigen Artikel) habe ich das gegebene Gastrecht verwirkt egal was
mich in meinem Herkunftsland erwartet. Und da diese Straftäter genau wissen, das das nicht passiert und sie mit äußerst milden od. Keinen Strafen belegt werden, wird’s im Buntland bunt weiter gehen. Politisches Versagen ist ausgeschlossen, ungebremste unkontrollierte Einwanderung ebenfalls, die dagegen sind, sind Nazis ,und Schuld an allem sind die „Raketenmacher“. Alles i.O. & weiter so!
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Repub

Ernst-Günther Konrad | Do., 5. Januar 2023 - 10:54

Setzen Sie alle Hebel in Bewegung, dass Ihre Branche am Ende nicht wieder dafür verantwortlich gemacht wird, was die Politik und eine gescheiterte Integrationspolitik verursacht hat.
Es muss über die Täter gesprochen werden und nicht über die vermeintlichen Werkzeuge ihrer schändlichen Taten.
Ich wünsche Ihrer Klage, auch wenn es wieder Steuergelder kosten wird, sollte Ihr Schadensersatz durchkommen, jeden erdenklichen Erfolg. Dieser Staat mit Corona und seiner desaströsen Politik insgesamt ohnehin bislang nur Schaden angerichtet.
Das Geld für den Schadenersatz könnten die Böller Verbrecher aus der Silvesternacht erarbeiten.