Börsencrash - Sorge ja, Panik nein

Der Kurssturz an den chinesischen Börsen hat die Aktienmärkte weltweit ins Wanken gebracht. Bei den Anlegern herrscht bereits Panik. Denn auch Chinas Regierung ist nicht mehr Herr der Lage. Doch von einer Finanzkrise zu sprechen, wäre verfrüht

Chinesische Aktienkurse fallen
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Til Knipper leitet das Cicero-Ressort Kapital. Vorher arbeitete er als Finanzredakteur beim Handelsblatt.

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Kursrutsch, Börsenbeben, Ausverkauf, Schockwellen, Börsenthriller, Schwarzer Montag – wer die Überschriften über das aktuelle Geschehen an den internationalen Finanzmärkten verfolgt, muss den Eindruck haben, dass es bei den professionellen Beobachtern eine gewisse Katastrophensehnsucht gibt.

Es stimmt ja, dass der Kurssturz an den chinesischen Börsen beeindruckend aussieht. Allein gestern verlor der chinesische Leitindex, der Shanghai Composite 8,5 Prozent seines Wertes, der höchste Tagesverlust seit acht Jahren. Und die Turbulenzen in China haben auch die Börsen weltweit angesteckt: Der Nikkei in Japan verlor 4,6 Prozent, die Börsen in Europa zwischen 4 und 5 Prozent.

Der Dow Jones in New York fiel zu Handelsbeginn gleich mal um 1000 Punkte und schloss mit mit einem Minus von 3,5 Prozent. Die Börsen in Frankfurt haben die größten Zweiwochenverluste erlebt seit dem Höhepunkt der Eurokrise 2011. Der Dax fiel dabei deutlich unter die 10000-Punktemarke. Wer Anfang des Jahres eingestiegen ist, hat somit seine Gewinne wieder verloren.

Manipulationen der Kommunistischen Partei ohne Erfolg
 

Besorgniserregend erscheint auch, dass die Kommunistische Partei die Krise nicht in den Griff bekommt. Dabei versucht sie alles. Sie hat Leerverkäufe untersagt, sie hat Börsengänge von Unternehmen gestoppt, um das Aktienangebot insgesamt zu verknappen. Sie hat Großaktionären verboten, ihre Aktien zu verkaufen, die Eigenkapitalvorschriften der Banken gelockert und staatlichen Pensionsfond erlaubt, Ihr Geld jetzt auch in Aktien anzulegen, wodurch theoretisch Mittel von etwa 100 Milliarden Dollar für den chinesischen Aktienmarkt zur Verfügung stünden. Nur bisher hat sie mit ihren massiven Interventionen keinen durchschlagenden Erfolg.

Aber Grund für eine Panik an den internationalen Finanzmärkten gibt es trotzdem nicht und eine neue Banken- und Wirtschaftskrise steht auch nicht vor der Tür. Denn auch nach drei Jahrzehnten gigantischen Wachstums und der der Entwicklung Chinas von einem Entwicklungsland zu einer der größten Wirtschaftsnationen ist der chinesische Aktienmarkt immer noch vergleichsweise klein und nach außen abgeschottet.

Kleinanleger können erst seit kurzem Aktien in größeren Mengen erwerben. Die Einstiegshürden für Ausländer sind nach wie vor hoch, so dass die Kursverluste in Schanghai und Shenzhen die Statik des internationalen Bankensystems kaum gefährden können.

Geschönte Konjunktur
 

Genau hingucken müssen gerade die Notenbanker aus Washington, Frankfurt und Tokio aber trotzdem, wie die Entwicklung in China weitergeht. Denn Chinas Wirtschaft ist verantwortlich für die Hälfte des weltweiten Wachstums und der Anteil der Chinesen an der Weltwirtschaft beträgt inzwischen 15 Prozent.

Für die deutsche Wirtschaft wird es gefährlich, wenn in China dauerhaft die Konjunktur einbricht. Noch verkündet die Kommunistische Partei, dass die chinesische Volkswirtschaft dieses Jahr um 7 Prozent wächst. Die Zahl könnte aber etwas geschönt sein, sagen neutralere Beobachter. Geht die chinesische Konjunktur weiter runter, werden das besonders VW, Mercedes, BMW und Audi zu spüren bekommen, für die China inzwischen einer der wichtigsten Absatzmärkte ist.

Insgesamt wäre es aber übertrieben, davon zu sprechen, dass Deutschlands Unternehmen von Chinas Wohlergehen abhängig sind. Deutschland exportiert zum Beispiel immer noch deutlich mehr Güter in die USA oder nach Großbritannien als nach China. In beiden Ländern wächst die Wirtschaft recht stabil.

Und last but not least: Zum jetzigen Zeitpunkt kann sich auch das Mitleid mit den chinesischen Kleinanlegern noch in Grenzen halten. Denn wer vor einem Jahr in den Shanghai Composite investiert hat, liegt mit seinem Portfolio noch immer mehr als 40 Prozent im Plus.

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