Biermarken - Heute kein König

Am Tag des deutschen Bieres feiert die Branche sich selbst. Doch gerade die Absätze vieler großer Fernsehbiere brechen ein. Dabei könnte deren Geschäft profitabel bleiben. Würden sie sich am Erfolg kleiner und mittelgroßer Brauer orientieren

Nahaufnahme eines Glases Bier, im Hintergrund zwei Bierflaschen
Die Absätze berühmter Biersorten sind nicht mehr majestätisch / Luca Abbiento

Autoreninfo

Ferdinand Dyck schreibt über Essen und Trinken, zuhause braut er eigenes Bier

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Aufeinandergestapelt stehen die gängigen 20er-Bierkästen mit den 0,5-Liter-Flaschen in der Getränkeabteilung eines Berliner Supermarkts. Im obersten Kasten steckt eine Tafel; in fetter, roter Schrift ist eine Zahl darauf gedruckt: „9,99 €“ – eine Schnäppchenaktion, wie sie in vielen Supermärkten zu finden ist. Auf den Etiketten der Halbliterflaschen könnte statt Krombacher auch König Pilsener stehen. Oder Warsteiner. Oder Veltins. Oder Beck’s. Oder so.

„9,99 €“ – das sagt viel über die Krise des deutschen Industriebiers. „Sonderaktion“ nennt es der Lebensmitteleinzelhandel. Besonders aber ist an den Niedrigpreisen gar nichts mehr. Von Januar bis September 2017 wurden fast 75 Prozent aller 20-Flaschen-Kästen der großen deutschen Pilsener-Marken in „Aktionen“ verkauft, zum Durchschnittspreis von 10,03 Euro. Der gängige Wert einer Halbliterflasche „Premium-Pilsener“ beträgt damit noch 50 Cent. Der Deutschen liebstes Pils war nie ein Gourmetgetränk. Doch seit Jahren wird es geradezu verscherbelt. Die Supermärkte schätzen das Markenbier inzwischen als Lockartikel, wie Schokolade oder Waschmittel. Es soll Kunden anziehen, die dann hoffentlich Produkte mit höheren Gewinnmargen, etwa Shampoo der Eigenmarke, kaufen. Deutschland ist Billigbierland in Europa, nur einige ehemalige Ostblockstaaten wie Ungarn oder die Slowakei bieten es noch günstiger an. Und das kann nicht mehr lange gut gehen.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 13. März 2018 - 18:26

ziemlich Gesundes sein könnte, habe ich den Artikel mit Interesse gelesen.
Es gibt doch auch chinesisches Bier?
Ich mag nun mal im Prinzip keinen Alkohol, weil der, wenn ich nicht irre, noch einmal eine Steigerung des Zuckers ist.
Davon nehme ich genug.
Was assen und tranken denn die Europäer so früher, nicht etwa auch Biersuppe?
Die Werbung, die mich wirklich umgehauen hat, vom ästhetischen Standpunkt aus, war die mit Le Mans.
Wie da die Rennwagen aus der Kurve kommen.
Mir hat aber schon am Lausitzring der Lärm eines trainierenden Autos gereicht.
So gesehen sagt Werbung nicht ganz die Wahrheit?

Joachim Wittenbecher | Di, 13. März 2018 - 18:29

Sehr informativer Artikel von Herrn Dyck. Den genannten Gründen für den fallenden Bierkonsum möchte ich noch einige hinzufügen: Senkung der Promillegrenze für Autofahrer (ist aus Gründen der Verkehrssicherheit jedoch positiv zu bewerten), Änderung des traditionellen Konsumverhaltens (Rauchen/Biertrinken im Rückzug) und Sterben der traditionellen deutschen Gaststättenkultur. Bier verliert dadurch seinen Charakter als Nationalgetränk. Abhilfe wären - wie von Herrn Dyck beschrieben - die Wiedereinführung traditioneller Brauverfahren durch lokale Brauereien, die bei Erfolg nicht klein und lokal bleiben müssen; weitere Geschmacksverbesserung bei alkoholfreien Bieren.
Weg vom Pils-Hype in Gaststätten, wieder mehr süffigere Exportbiere anbieten.
In Mittel-und Großstädten kann man positiv beobachten, dass Brauereien vermehrt eigene zeitgemäße Gaststätten einrichten. Dies hebt sicher den Konsum des Bieres und steuert dem Sterben der deutscher Gaststättenkultur entgegen.

Karin Zeitz | Fr, 16. März 2018 - 17:33

wenn die kleinen Brauereien von den Großproduzenten übernommen werden dauert es leider nicht lange, bis Geschmack und Qualität der einheimischen Biere “verschlimmbessert“ wird. Dann suchen sich die Bierfreunde entweder eine andere einheimische Brauerei oder sie weichen gleich auf andere Getränke aus.