Robert Habeck vor dem Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts / picture alliance

AKW-Laufzeitverlängerung - Habecks Atomkraft-Kehrtwende reicht nicht aus

Jetzt also doch. Wirtschaftsminister Robert Habeck will zumindest zwei Atomkraftwerke bis zum Frühjahr laufen lassen. Doch das wird nicht reichen. Deutschland braucht eine echte Kehrtwende in der Atompolitik und eine richtige Laufzeitverlängerung für mehrere Jahre. Für parteipolitische Taschenspielertricks ist die Lage zu ernst.

Daniel Gräber

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Daniel Gräber leitet das Ressort Kapital bei Cicero.

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Endlich. Wirtschaftsminister Robert Habeck hat sich dazu durchgerungen, das auszusprechen, was eigentlich längst klar war: Deutschland braucht seine Kernkraftwerke noch. Der 2011 beschlossene Atomausstieg bis Ende dieses Jahres muss verschoben werden. Mitten in einem Winter der Energieknappheit und der explodierenden Energiekosten, wie ihn Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt hat, auf drei voll funktionstüchtige und zuverlässige laufende Kraftwerke mit zusammen gut vier Gigawatt Leistung zu verzichten, ist eine an Wahnsinn grenzende Idee. Selbst überzeugte Atomkraftgegner haben das inzwischen eingesehen.

Grünen-Politiker Habeck fiel es dennoch schwer, die notwendige Laufzeitverlängerung anzugehen. Ob aus eigener Überzeugung oder aus Angst vor altlinken Anti-Atom-Fundis wie Jürgen Trittin, ist unklar. Monatelang verzögerten und verschleppten er und die grüne Führungsriege seines Ministeriums den aus Sicht seiner Partei schmerzhaften Schritt. Statt nach Lösungen zu suchen, wie die Bundesregierung gemeinsam mit den Betreibern der Kernkraftwerke die deutsche Stromversorgung über den Silvesterabend hinaus sichern kann, setzten Habecks Leute im fatalen Zusammenspiel mit dem für Nuklearsicherheit zuständigen Umweltministerium alles daran, Gründe zu finden, die gegen einen Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke sprechen.

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Christa Wallau | Mi., 28. September 2022 - 13:09

die gesicherte Kenntnisse besitzen, vor Jahren schon warnen und abraten -
Die Ideologen mit dem Wahlspruch: "Sofort raus aus der Atomkraft und der Kohle!" setzten sich durch!
Sie wurden in den Medien dafür bejubelt und von "woken" jungen Leuten begeistert gewählt. Ganz toll kamen sich alle dabei vor.

J e t z t , da die Realität sie einholt, brauchen die Grünen immer noch unendlich viel Zeit, bis ein kleiner Teil von ihnen begreift, daß wir unser Land vor die Wand fahren werden mit den Spinnereien von genug Energie o h n e Atomkraft, fossile Brennstoffe und nun auch ohne Gas, weil man ja dem Teufel Putin nichts mehr abkaufen darf.

Wer jetzt annimmt, einem von diesen Klimarettern fiele es ein, sich bei den Warnern zu entschuldigen, der ist schief gewickelt.
Der Wahnsinn geht weiter - nur etwas langsamer. Die Verschandelung der Landschaft mit Windrädern wird kommen - es sei denn, Deutschland ist pleite. Diese tolle Alternative haben wir noch, um nicht "verspargelt" zu werden.

die AfD hat schon immer gewußt, dass der geliebte Putin einen Krieg gegen das Brudervolk in der Ukraine vom Zaune brechen wird? Warum hat uns Dumme das niemand mitgeteilt? Parteigeheimnis?

Christa Wallau | Do., 29. September 2022 - 12:04

Antwort auf von Fritz Elvers

Leider reihen Sie sich ein in die Kleinst-Gruppe derer, die hier beim CICERO nicht sachlich argumentieren, sondern explizit ad personam stänkern.

Wo spreche ich in meinem Kommentar von der AfD???
Lesen Sie bitte nach. Sie werden feststellen, daß dort n u r von Warnern die Rede ist, von vernünftigen Leuten mit Fachkenntnissen. Solche hat es viele gegeben u. es gibt sie bis heute, sowohl in a l l e n Parteien (außer den Grünen) als auch in der Wissenschaft. Diese Menschen meine ich.

Wie kommen Sie dazu, bei der AfD als Gesamtpartei davon zu sprechen, daß in ihr Putin "geliebt" wird? Das ist lächerlich. Ein vernünftiger Politiker "liebt"
niemanden, sondern "schätzt ihn" ein als Partner beim wichtigen Austausch im gegenseitigen Interesse. Da gibt es eben unterschiedliche Meinungen, wobei in der AfD diese bekanntermaßen durchaus auseinandergehen.

Bitte nehmen Sie zur Kenntnis:
Ich schreibe als Privatbürger, nicht als AfD-Propagandist, wie Sie u. wenige andere hier immer insinuieren.

Bernhard Marquardt | Mi., 28. September 2022 - 13:10

Unter Niedersachsen und NRW lagern technisch förderbare Schiefergasressourcen von bis zu 2000 Mrd. m³ (Angabe 2022). https://www.cicero.de/wirtschaft/fracking-erdgas-vorkommen-niedersachsen (Der 10-fache Jahresverbrauch in D) In vier Monaten könnte das erste Gas aus der Erde geholt werden.
Nach einer fünfjährigen Studie kam die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe BGR 2015 zu dem Ergebnis, dass aus geowissenschaftlicher Sicht Fracking kontrolliert und sicher durchführbar ist.
Und mit den geltenden Umweltgesetzen vereinbar.
https://www.dirk-hottmann.com/fracking-vii-das-potenzial-von-schieferga…
Prompt wurde Fracking 2017 verboten.
Als Alternative gilt jetzt in der Not überwiegend mit Fracking gefördertes Flüssiggas aus den USA. Zu spät und ca. 4-mal so teuer.
Fazit: „Lieber grünrot als tot, sagte der Hummer, als er in den Kochtopf stieg.“

Heidemarie Heim | Mi., 28. September 2022 - 14:00

Dieser Ausruf ist mir noch lebhaft in Erinnerung aus meiner Stuttgarter Zeit inmitten wenig bis gar nicht vorhandener hochdeutscher Sprachkultur;)! Was mir als echte Pfälzerin trotz manch "dialektischer Kollisionen" so überhaupt nichts ausmachte, zumal man meiner Erfahrung nach bei den Schwaben wie bei den Bayern (wohnte auch schon in München;), den eigenen Dialekt verwendend besser gelitten war. Aber zurück zum Thema, welches mich zu dem o.g. Ausbruch veranlasste. Kann mir mal Einer logisch erklären oder erläutern warum wir uns scheinbar bis zum Erbrechen geduldig, von Regierenden, (die ich übrigens nicht gewählt habe, aber man ist ja Demokratin;)warum wir uns ein ums andere Mal hinter die Fichte führen lassen u.a. in Sachen Energiepolitik? Trotz Fakten das z.B. selbst proppenvolle Gasspeicher nur ca. 2,5-3 Monate reichen, wenn Atomstromimporte ausbleiben oder wir Netzüberlastungen/Schwankungen haben Ende Gelände ist? Und wenn grad einer Corona hat nix mehr tut von wegen Konferenz?
??

Heidemarie Heim | Do., 29. September 2022 - 10:42

Antwort auf von Michael Bender

Also lag ich mit meiner Vermutung von wegen "Fichte" also gar nicht so verkehrt geehrter Herr Bender! Zunächst vielen Dank für Ihren Hinweis! Ehrlich gesagt, meinem Bluthochdruck half der sehr deutlich formulierte Kommentar nicht gerade;)Denn sofort fallen einem dazu weitere politisch gewollte? Seltsamkeiten auf, bzw. bewusst? aufgestellte Stolpersteine, sei es einer überbordenden Bürokratie oder den Interessen irgend einer Lobby geschuldet. Beispielsweise die regelrechte Verhinderung der Inbetriebnahme einer kurioserweise noch geförderten PK-Anlage auf dem eigenen Dach, weil allein der Mensch vom Netzbetreiber Monate braucht um vorbei zu kommen und Netzeinspeisung usw. regelhaft zu erteilen. Oder der Biogasbetreiber, der sofort 20% mehr erzeugen könnte, so es ihm die Deckelung nicht verbieten würde. Was das Gebaren dieser und anderer Börsen betrifft, so denke ich gibt es, nachdem auch Spekulationen mit "Nahrungsmitteln" gang und gäbe sind, wohl keine moralische Hürden bzgl. Preise. FG

Hans Jürgen Wienroth | Mi., 28. September 2022 - 14:14

Noch ist der Traum von grüner Energieversorgung unseres Landes nicht für alle sichtbar geplatzt. Das geschieht erst, wenn ein großflächiger „Brownout“ zu Chaos und Plünderungen führt.
Wind und Sonne sind nicht in der Lage unsere Energieversorgung sicherzustellen. Darüber waren sich gestern im Niedersachsen-Triell der „kleinen Parteien“ FDP und AfD einig. Abgesehen von möglichen Risiken für unser Wetter /Klima (Wenig Wind durch Windkraft heißt Dürre und Starkregen – DIE ACHSE DES GUTEN. ACHGUT.COM), die nicht zur Sprache kamen. Als Ergebnis müssen wir in die angebl. günstigen, sog. Erneuerbaren investieren und brauchen noch als Back-up für Zeiten der Dunkelflaute andere Kraftwerke, die in der Lage sind, den schnellen Änderungen der Volatilen zu folgen.
Grüner Wasserstoff als Gasersatz ist dafür, wie ich las, mit Verlusten von > 80% kaum geeignet. Wasserstoff lässt sich allenfalls für industrielle Prozesse mit η ≥ 60 % nutzen. Nur wie speichern wir bezahlbar den zu viel erzeugten Strom?

Klaus Damert | Mi., 28. September 2022 - 14:22

Über diese Kurzsichtigkeit kann man sich nur wundern. Man hofft, irgendwie über dies
en Winter zu kommen! Soll das verantwortliche Politik sein? Es muss sofort eine klar erkennbare Perspektive eröffnet werden, wie das Nochindustrieland D seine Energieprobleme lösen will und es muss damit auch sofort begonnen werden. Möglich wäre: die vorhandenen AKW auch in Zukunft zu betreiben, moderne Braun- und Steinkohlekraftwerke reaktivieren, Fracking ernsthaft untersuchen und damit beginnen und vor allem: alle Belastungen, die sich aus der Klimahysterie ergeben, sofort streichen und Kohleausstieg stoppen. Also keinerlei Abgaben für CO2.
Wenn allerdings der ungehinderte Zuzug von illegalen Migranten nicht unterbunden wird, kann man sich alle diese Bemühungen sparen. Den Zustrom von jährlich 1 Mio illegalen Einwanderern kann nicht einmal ein wirtschaftlich funktionierendes D verkraften, ein infrastrukturell marodes noch viel weniger.
Aber wer traut sich an die Arbeit?

Helmut W. Hoffmann | Mi., 28. September 2022 - 14:34

wann wird dieser Versager endlich zum Teufel gejagt?

Günter Johannsen | Mi., 28. September 2022 - 15:23

macht das Scheibchenweise, damit seine Wenig-Kompetenz nicht so auffällt ... ?

Ingo Frank | Mi., 28. September 2022 - 15:47

der hoch fliegt, sich selbst überschätzend, sich ironischer Weise der Sonne immer mehr nähert, und dabei die Federn seiner Flügel verliert weil das Wachs schmilzt, und auf Grund seiner Überheblichkeit, Dummheit und Ignoranz beim Absturz zu Tode kommt.
Der einzige Unterschied den ich sehe, er, Habeck, wird nicht allein untergehen, er wird möglicherweise eine ganze Nation, mit der er eh nichts anfangen kann, mit in den Abgrund ziehen.
Aber, das Schlimme ist, dass im immer noch geteilten Land, in einem Teil gejubelt & weggesehen wird, und im anderen Teil immer mehr auf die Straße gehen und möglicherweise die falschen das Heft des Handelns an sich ziehen können. Sage niemand, es wurde nicht gewarnt!
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Ingo Frank | Mi., 28. September 2022 - 15:52

der hoch fliegt, sich selbst überschätzend, sich ironischer Weise der Sonne immer mehr nähert, und dabei die Federn seiner Flügel verliert weil das Wachs schmilzt, und auf Grund seiner Überheblichkeit, Dummheit und Ignoranz beim Absturz zu Tode kommt.
Der einzige Unterschied den ich sehe, er, Habeck, wird nicht allein untergehen, er wird möglicherweise eine ganze Nation, mit der er eh nichts anfangen kann, mit in den Abgrund ziehen.
Aber, das Schlimme ist, dass im immer noch geteilten Land, in einem Teil gejubelt & weggesehen wird, und im anderen Teil immer mehr auf die Straße gehen und möglicherweise die falschen das Heft des Handelns an sich ziehen können. Sage niemand, es wurde nicht gewarnt! Wohin soll das noch führen?
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Peter Sommerhalder | Mi., 28. September 2022 - 17:51

alle 3+3 Kernkraftwerke voll laufen lassen resp. wieder voll aktivieren und zwar sicher nicht nur für ein paar Monate...

Was gibt es denn da eigentlich noch zu überlegen/zu taktieren...?

Brigitte Simon | Mi., 28. September 2022 - 22:05

....oder doch? Wie heißt es ganz richtig im Spiegel:
"Wir sollten Europa nicht den Leyen überlassen".
Meine bescheidene Variation:
"Wir sollten die Energie nicht den Haböcken über-
lassen".

Alfred Simon | Mi., 28. September 2022 - 22:08

Hallo Herr Dannert,

kennen und trauern Sie doch dem früheren Arbei-
ter- und Bauernstaat nach.
Aus der Ukraine kommen sie schon längst, zwar
nicht zu helfen, aber Sozial-Euros abzugreifen.
Wer traut sich, denen noch mehr zu helfen, bis
daß es reicht?

Fritz Elvers | Mi., 28. September 2022 - 22:31

reale Notwendigkeiten letztendlich doch über Gründungsmythen der Grünen gestellt zu haben. Das macht AKWs nicht weniger gefährlich, insbesondere im Streck- oder besser Auslutschbetrieb bis zum letzten spaltbaren Isotop.

Für frische Brennelemente müssen alle Komponenten neu gerechnet werden. Allerdings nach "Stand der Technik". Da kann so einiges durchfallen und muss neu konstruiert, geprüft und hergestellt werden.

Jo, alles nicht so einfach, wie es sich das gemeine Großmaul vorstellt.

Sabine Lehmann | Do., 29. September 2022 - 17:27

Erwartet da noch jemand was? Er kann es nicht, daran wird sich auch nichts ändern. Wie auch? Denken Manche, Habeck bekäme eine wirtschaftspolitische Erleuchtung wie bei den Wundern in der Bibel? Als Kinderbuchautor? Wohl kaum.
9 Monate Geh-Ampel fühlt sich doch jetzt schon an wie ein nicht enden wollendes Martyrium. Eine Schwangerschaft dauert auch 9 Monate, das Ergebnis ist allerdings in der Regel erfreulich. Nun sehe ich die grassierende flächendeckende Inkompetenz, kombiniert mit einem gewissen Unwillen, gleichmäßig verteilt unter dem amtierenden Personal, FDP keine Ausnahme. Unrühmliche Beispiele Lindner und Buschmann. War wohl auch mehr Schein als Sein, Mantra: besser ganz schlecht regieren als gar nicht. Läuft!
Ausweg: Nix wie weg. Deutschland steht jetzt schon mit Abstand auf dem letzten Platz aller Industrienationen weltweit! Tendenz: schlimmer geht immer. Das Schiff ist schon abgesoffen, aber unsere Entourage sitz mit Rettungswesten auf der letzten Planke u. säuft Champagner.