Wie mir Carla Bruni den Mann ausspannte

Nach vier Jahren Ehe sitzen gelassen – eine literarische Abrechnung mit der Nebenbuhlerin

Sarkozy und Bruni in Südafrika
() Sarkozy und Bruni in Südafrika
Die Geschichte vom Scheitern einer Beziehung war in Frankreich ein Bestseller – insbesondere wegen ihres autobiografischen Hintergrunds. Justine Lévys Vater ist der Philosoph Bernard-Henri Lévy. Ihr Exmann ­Raphaël Enthoven (im Buch: Adrien) ist ebenfalls Philosoph, und ihre Nebenbuhlerin (Paula) ist die Sängerin und heutige Lebensgefährtin des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, Carla Bruni. Die ganze Geschichte noch mal aufrollen, von Anfang an, wie, warum, Paulas Ankunft mit Adriens Vater in Porquerolles, ihre Fröhlichkeit, ihr Schwung, sie sagte, der Mann meines Lebens, es sah aus, als würden die beiden sich lieben und miteinander lachen können, mich brachte sie am Anfang auch zum Lachen, wann habe ich begriffen, dass sie nach dem Vater den Sohn wollte und nur fröhlich tat, dass sie aber nur zerstören, möglichst viel Tragödie und Unheil anrichten wollte? (…) Ich war eifersüchtig auf dieses Mädchen, Paula, die mit seinem Vater ging und eines Morgens im Haus in Porquerolles aufgetaucht war, die Welt gehört mir und die Kerle auch. Er lag in der Badewanne. Er fand es lustig, dass ich eifersüchtig war. Liebling, das ist doch meine Stiefmutter, sagte er, du wirst doch nicht eifersüchtig auf meine Stiefmutter sein! Da musste ich lachen, aber eifersüchtig war ich trotzdem, ich fand, dass sie zu viel kokettierte, sie war mit seinem Vater zusammen, aber ich hatte gesehen, wie sie sich am Strand oder beim Essen im Café hervortat und die Naive spielte, posierte, alle Männer in der Gegend anmachte, oh, wie aufregend Sie sind, ah, wie verführerisch Sie sind, ich fand sie schön und gefährlich mit diesem reglosen Gesicht, wie in Wachs gegossen, wenn sie lächelte, bewegte sich ihr Kiefer und entblößte ihre Zähne, alle gleich, wie aus einem Guss, ich fand sie schön und bionisch, mit dem Blick einer Männerfresserin. Als ich fünfzehn war, war sie schon Model, ihr vollkommenes Gesicht faszinierte mich. Später habe ich erfahren, dass es gefälscht war, dass sie es sich mit ihrem Chirurgen am Computer ausgesucht hatte, also, wir erhöhen Ihre Wangenknochen mit Silikon, so, wir verkürzen die Nase und fügen ein wenig Kinn hinzu, für ein ausgeglichenes Profil, die Augen sind sehr schön, bei den Augen gibt es nichts zu ändern, aber wir können einen ganz winzigen Schnitt an den Schläfen machen, um den Brauenbogen zu heben, was halten Sie davon, und zum Schluss ein paar Botoxinjektionen, um das Ganze zu fixieren, wegen der Zähne reden Sie mit meinem Kollegen. Im Grunde gefiel es mir, dass man so über sein Gesicht entscheiden konnte, ich fand, das hatte Klasse. Adrien wusch sich die Haare, er hatte sich mit dem Shampoo eine komische Frisur gemacht, die Locken standen auf einer Seite ab, darüber musste ich lachen, du musst wirklich nicht eifersüchtig sein, hat er gesagt, du bist eine Milliarde Mal schöner als sie, sie ist total künstlich, total erstarrt, dieses Mädchen ist Terminator, weißt du, was sie am Flugplatz zu mir gesagt hat, als ich sie und Papa abgeholt habe und ihr den Koffer abnehmen wollte, sie hat gesagt: danke, ich brauche niemanden, ich kastriere jeden Mann mit einem Blick, und jetzt ist sie mit meinem Vater zusammen, da ist sie sowieso keine Frau mehr, sie ist ein Tabu, so ist es. Ich war beruhigt, es wäre ja dumm und bescheuert, eifersüchtig auf ein Tabu zu sein, und er würde mich nicht lieben, wenn ich dumm und bescheuert wäre. Liebst du mich, sag’s, liebst du mich? Er liebt mich, er sagt mir, dass er mich liebt, er zeigt es mir, er schwört es mir, er sagt, sieh mal, wir sind wie die zwei Finger einer Hand, so sind wir, schau her. Mist! Verdammter Flur, ich blinzle, ich habe ein Staubkorn im Auge, ich hätte misstrauisch werden müssen, ich bin nie misstrauisch. Diese Vertraulichkeit zwischen ihnen, die seinen Vater irgendwie beunruhigte, Schluss jetzt, ihr beiden, sagte er, wenn sie zu vertraulich taten oder wenn er sah, wie sie sich gegenseitig den Rücken eincremten oder nach dem Essen gemeinsam sangen. Ich lächelte nur darüber, ich lächelte gallig, aber ich lächelte trotzdem, nicht eifersüchtig, nicht eifersüchtig, er würde mich nicht lieben, wenn ich bescheuert wäre, ich war nicht bescheuert, ich war nicht eifersüchtig, wäre ich’s mal gewesen. (…) Ich habe ein beschissenes Staubkorn im Auge. Vielleicht, weil ich an dieses Mädchen denke, die einen auf Freundin machte und mich Superpo nannte, wie geht’s, Superpo? Einmal habe ich sie im Schwimmbad getroffen, sie hatte schon was mit Adrien, aber ich wusste es nicht, nicht eifersüchtig, nicht bescheuert, nicht eifersüchtig auf ein Tabu, sie hat mir mit ihrem Terminatorlächeln und ihrem Formalingesicht gesagt, die Leute sind gemein, das sind Arschlöcher, sie erzählen, dass ich mit deinem Mann geschlafen habe, ihr seid doch so niedlich alle beide, ihr seid so ein süßes Paar, man müsste wirklich hundsgemein sein, um so viel Glück zu zerstören, so ein Glück ist so selten. (…) Das Badezimmer, die Eifersucht, die mit Shampoo gestylte Tolle, die Klarstellung, die Freundlichkeit, der kleine Bär, das war alles vor zwei oder drei Jahren, es war gestern, und jetzt hat er ein Kind mit ihr, mit der wunderschönen, der bösen, der gebieterischen Paula. Das ist der schönste Tag meines Lebens, hat er mir am Telefon gesagt und nach dem Satz eine Pause gemacht, um meine Reaktion zu erleben. (…) Die Scheidung ging ganz schnell, ich hatte das Datum vergessen, ich vergesse jedes Datum, ich mag keine Daten, ich hasse das Datum meines Geburtstags, na und dann erst dieses, das Datum dieser billigen Scheidung von diesem billigen Typen, den ich so geliebt habe. Ich finde, man müsste das Recht haben, sich seinen Geburtstag auszusuchen, das ist sogar das Mindeste. Wie Paula ihr Gesicht. (…) Manchmal sage ich mir, dass er alles zerstört hat, dass er der Sklave dieser Blutsaugerin geworden ist, dass er sein Leben zerstört hat, nur um seinen Vater auszustechen, nur weil er dachte, dass er so seinem Vater ebenbürtig sein würde, und meinem Vater auch und allen Vätern, die ihn belasten und quälen. (…) Er würde Vater und Mutter töten, nur um zu gefallen. Seinen Vater hat er ja auch fast getötet, nur um einer Hexe zu gefallen, die es nicht ertrug, dass sich ein Vater und ein Sohn so gut verstanden. Armer Adrien. In so eine dumme Falle zu tappen. (…) Sie ist böse, deine Paula. Ich habe es dir gesagt, an jenem Tag, im Café. Ich habe dir sogar gesagt, dass sie eine Schlampe ist, ein richtiges Miststück, eine, die in den Ventilator kackt und zusieht, was passiert. (…) Ein richtiges Miststück! Eine die an Blattern zugrunde gehen wird wie Madame de Merteuil! Die ganze schonungslose Abrechnung von Justine Lévy ist nachzulesen in: „Nicht so tragisch“ (Kunstmann) Foto: Picture Alliance

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