Mao und die Detektive

Mit Akribie und Abrissbirne: Die Rotgardistin und Bestseller-autorin Jung Chang („Wilde Schwäne“) hat zwölf Jahre geforscht, um den Götzen zu zertrümmern. Trotz 70 Millionen Toten – das Regime braucht ihn noch.

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Wie eine Gezeichnete wirkt sie nicht. In dem schönen Antlitz nach Spuren des Erlittenen zu suchen, wäre naiv. Auch ihr melancholisches Lächeln hat keine traumatischen Ursachen – es ist, wie Familienbilder bezeugen, vom Vater ererbt. Und warum sollte eine Davongekommene ihren wohlverdienten Luxus nicht genießen dürfen? Am Brunello im bauchigen Glas schnuppert die Chinesin kennerisch wie ein Sommelier. Die einmal durch die Hölle ging und seither hartnäckig Höllenforschung treibt, bleibt charmant und souverän, auch wenn das Gespräch immer wieder ihre Schmerzgrenzen berührt. Der Teenager vom Tiananmen-Platz: Tatsächlich, das ist sie, die elegante Frau, die gelegentlich aus London mit ihrem Mann nach Umbrien kommt. Jung Chang trägt auf dem alten Gruppenfoto eine graue Lenin-Jacke, ein rotes Halstuch, rote Armbinde und natürlich Maos Rotes Büchlein. Wie Millionen war sie 1966 aus der tiefen Provinz nach Beijing gepilgert, um einen Blick auf den Vorsitzenden zu erhaschen. Der hatte Chinas Jugend aufgerufen zum Kampf gegen den getarnten Klassenfeind, den kapitalistisch infizierten Volksschädling. Von ihren linientreuen Eltern war Jung zur Mao-Anbeterin erzogen worden: Mit 14 meldete sie sich in Chengdu zu den Roten Garden, trug begeistert die gebrauchten Armee-Klamotten, pinselte vage Hassparolen auf Plakate und Transparente. Wem sie galten, war ihr noch nicht klar. Bald wurde das Mädchen Jung Chang mitgenommen zu einem „Hausbesuch“. Eine Horde Rotgardisten schnappte sich ein paar Lastwagen, raste zu einem Wohnblock, stürmte ein Appartement. Nach und nach wurde die kleine Jung nach vorne geschoben, bis sie vollen Einblick hatte in die revolutionäre Aktion. Es stank nach Kot und Urin: Der Raum war durchwühlt und rituell besudelt worden. Eine Vierzigjährige kniete halbnackt am Fußboden, ihr Haar blutverklebt, die Augen aus den Höhlen tretend, und schrie verzweifelt: „Meister der Roten Garden! Ich schwöre es! Ich besitze kein Bild von Chiang Kai-shek!“ Sie schlug mit der Stirn rhythmisch gegen den Boden, ihr Rücken war von Messerstichen markiert, und wenn sich beim Kotau ihr Hinterteil hob, wurden Exkremente und Blut und dunkle Striemen sichtbar. Der 17-jährige Anführer der Quälgeister schwang spielerisch seinen Uniformgurt. Jung hatte ihn auf der Schule bis dahin ganz nett gefunden. Als das Foltern weiterging, konnte sie davonlaufen; die Schreie verfolgten sie auf der Straße. 38 Jahre später wendet die einstige Rotgardistin sich ihrem deutschen Tischnachbarn zu und plaudert – Orvieto und Arezzo sind nicht fern – von den Fresken Signorellis oder Piero della Francescas. Die Lasagna al tartufo nero ist den Gastgebern wunderbar knusprig geraten, wouldn’t you say? Unmöglich, sich diese schicke Person mit der schwingenden Haarpracht und der reizbewussten Körpersprache als eines jener schrillen, fuchtelnden, hysterisch verkrampften, wild dreinschlagenden Wesen vorzustellen, die damals ein Viertel der Menschheit terrorisierten. Der Veitstanz der Fanatiker hätte womöglich auch Jung Chang in die Täterrolle hineingerissen. Erlaubter öffentlicher Sadismus wirkte ansteckend. Doch bald nach der Beijinger Pilgerfahrt, auf der sie für einen Sekundenbruchteil Maos Hinterkopf erblicken durfte, schlug die Gewalt bei ihr zu Hause ein: Jungs Eltern wurden zur Denunzierung geschleppt. Die Mutter musste öffentlich auf Scherben niederknien und unflätige Beschimpfungen ertragen. Kreidebleich und blutend kam sie nach Hause. Tags darauf wurde sie mit einem Selbstbezichtigungs-Plakat durch die Straßen getrieben, zu Boden geprügelt, zum Kotau vor den Garden gezwungen. Der Vater, durch Folter nicht zu brechen, verfiel zeitweilig dem Wahnsinn. Seinen einzigen Besitz, eine Sammlung chinesischer Klassiker, musste er eigenhändig verbrennen. Als er vor einem riesigen Mao-Bild niederknien sollte, blieb er aufrecht: „Das sind Riten der Feudalzeit, eines Kommunisten unwürdig!“ Danach wurde er jeden Tag abgeschleppt. Als Jung ihn abholen durfte, war sein Kopf schwarz angeschwollen von den Schlägen. Per Einschreiben appellierte der Vater nach Beijing: „Vorsitzender Mao, von Kommunist zu Kommunist flehe ich Sie an, die Kulturrevolution zu beenden.“ Der Mutter gelang es, bis zu Zhou Enlai vorzudringen und von Chinas Regierungschef eine Art Persilschein zu erwirken. Das half nur kurz: Jung sah ihren Vater bald wieder auf einem Lastwagen stehend durch die Straßen rollen, die Arme rückwärts in die unerträgliche „Düsenjäger-Stellung“ gezerrt, die Mao so amüsant fand und zu empfehlen pflegte. Beim Nachtisch wägt Jung Chang ihre Worte: „Jedes Opfer hat Anspruch auf Vergeltung, aber mein Motiv ist das nicht.“ Auch ihr britischer Ehemann Jon Halliday, der Jung bei ihrem Welterfolg „Wilde Schwäne“ (1992) geholfen hatte und nun als Koautor zeichnet, schließt Ressentiment als Triebfeder aus: „Wir waren einfach gefesselt von der Figur Maos und der dämonischen Macht, die der Personenkult ihr verlieh.“ Aber kann das die ganze Wahrheit sein? Im Schrifttum über die Diktatoren des 20. Jahrhunderts gehört „Mao“ von Jung Chang und Jon Halliday fortan zur Artillerie schwersten Kalibers. Das Ziel dieser „dicken Berta“ der geschichtlichen Revision ist eine akribische Götzen- und Mythen-Zertrümmerung: die moralische, politische und historische Erledigung des Großen Vorsitzenden Mao Tse-tung. Jung und Jon waren ihm auf der Spur wie Detektive, sie wollten keinen Staatsmann porträtieren, sondern einen Verbrecher zur Strecke bringen. Nach der Lektüre ihrer Mao-Biografie gab der britische Historiker Simon Sebag Montefiore dem Vorsitzenden den Vortritt: Mao sei „das größte Ungeheuer von allen“. Der Superlativ überrascht, weil Sebag Montefiore in seinem eigenen "Stalin – Der Hof des roten Zaren" (Cicero, Juni 2005) die Messlatte des Monströsen bereits unerreichbar hoch gesetzt zu haben schien. Zwölf Jahre Knochenarbeit. Kein Vorwort, keine Schlussbetrachtung. Die Deutungshoheit erheben die puren Fakten, die in dem Wälzer das Wort führen. Von China abgesehen, wo Jung Chang sich natürlich als Fisch im Wasser bewegt, wurden Archive in zehn Ländern abgegrast – wobei die russischen Akten erstmals die Schlüsselrolle der Bolschewiken bei der Unterwerfung Chinas enthüllten. (Der junge Mao fing als kleiner, mäßig besoldeter Agent des Stalinismus an.) Die Liste der 415 Interview-Partner reicht von Henry Kissinger und George Bush dem Älteren bis Mobutu Sese Seko und Markus Wolf, von Maos Tochter Li Na und der Witwe Enver Hodschas bis zum Leibwächter Zhou Enlais. Auch die 93-jährige Li Xiu-shen taucht auf: Sie betrieb im Mai 1935 einen Tofu-Laden bei der Brücke von Luding. Und es war Maos Mär von der Erstürmung dieser uralten Hängebrücke, die dem Mythos des Langen Marsches erst die zündende Breitenwirkung verschaffte – in China und aller Welt. Ein Westler half dabei. Der junge US-Journalist Edgar Snow, von Kommunisten in Schanghai als Sympathisant angeworben, wurde von Mao drei Monate lang in Yenan bewirtet. An seinem „Gespräch“ mit dem Vorsitzenden arbeitete das halbe Politbüro mit. Snows Standardwerk „Roter Stern über China“ (1937) wurde von Mao redigiert und hat dessen symbolkräftige Bilder ideal umgesetzt. Snow hat die Brücken-Überquerung („das entscheidende Ereignis des Langen Marsches“) lebensprall beschrieben: wie Maos Truppen im Kugelhagel der Nationalisten auf den brennenden Brettern über dem Abgrund vordringen und in heroischer Hingabe das andere Ufer erobern. Jung Chang lächelt milde: alles Erfindung. Chiang Kai-shek hatte wegen der japanischen Invasion seine Truppen nach Nordosten verlegt, die Brücke aufgegeben; es war nun in seinem Interesse, dass Mao aus dem Herzen Chinas an den Rand Tibets entfloh. Die uralte Li Xiu-shen konnte sich gut an die damals bei ihr einquartierten Maoisten erinnern; von einer „Schlacht“ um die Brücke aber merkte sie nichts. Zhou Enlai wusste seinem Leibwächter von dem großen Drama nur zu berichten, dass ein Pferd spektakulär in den Fluss stürzte. Aber Legenden leben länger als ihre Erfinder, wenn sie fabuliert werden wie von Edgar Snow. Sein Stil erinnerte manchmal fast an den „rasenden Reporter“ Egon Erwin Kisch, der ein paar Jahre vor Snow in China war und über jene Gebiete rhapsodierte, „die friedlich ihren Aufbau vollziehen, ohne Imperialismus oder Kapitalismus, ohne Fremde, ohne Opium, ohne Privatbanken, ohne Kinderarbeit, ohne Missionare, ohne Gangster.“ Nachdem Mao auf Anweisung Moskaus 1931 sein Hauptquartier in Ruijin errichtet und pünktlich zum 14. Jahrestag der Oktober-Revolution eine Sowjetrepublik ausgerufen hatte, wusste Kisch von „acht Millionen Menschen“ zu berichten, „die nun lesen und schreiben gelernt haben“. Reif fürs literarische Kabarett war das Beispiel, mit dem der große Kisch die Blitz-Alphabetisierung veranschaulichte: „Wo Lenins ‚Staat und Revolution‘ wegen Papiermangels vergriffen war, kamen die Leute mit eigenhändig geschöpftem Papier in die Druckerei und zogen das Buch vom Letternsatz ab.“ Dass das heutige deutsche Reporter-Vorbild Egon Erwin Kisch solche Märchen geglaubt hat, ist unwahrscheinlich. „Egonek“ drang selber nie bis in die roten Gebiete vor – vermutlich, um dem Zwang zu monumentalen Realitätsfälschungen zu entgehen, die von ihm als Kommunisten erwartet worden wären. Zeitzeugen wie Snow und Kisch haben allerhand dazu beigetragen, dass Mao nach 1945 sogar vielen Leuten in Washington als chinesischer Abraham Lincoln erschien. Wie es wirklich zuging in Ruijin, haben Jung Chang und Jon Halliday krass dokumentiert. Eine Bauernrevolution? Maos wichtigste Waffe war von Anbeginn der Terror. Seine Fußsoldaten wurden mit vorgehaltenem Gewehr rekrutiert, Verweigerer auf der Stelle erschossen. Die Dörfer wurden in Gefangenenlager verwandelt; wer unerlaubt Besucher empfing, wurde zusammen mit diesen hingerichtet. Ganz im Geiste Josef Stalins, der 1931 in der Ukraine gerade die physische Vernichtung der Bauernklasse betrieb, berichtete Mao der KP-Zentrale in Schanghai: „Die Partei ist hier nur zu retten, wenn sie von Kulaken gesäubert wird.“ Säubern hieß: töten. Um Rivalen auszuschalten, die er als „AB“ (Antibolschewiken) denunzierte, hat Mao damals Zehntausende foltern und abschlachten lassen. Viele Mordbefehle sind schriftlich festgehalten, Folterungen bis ins scheußlichste Detail überliefert. Der sexuelle Sadismus gegen Frauen erinnert an die „Vergewaltigung von Nanking“ durch japanische Soldaten. Mao terrorisierte offenbar nicht nur aus Paranoia und zur Durchsetzung seiner Ziele, sondern zur Befriedigung seiner Instinkte. Allmachtsfantasien, die manche schon mit 17 oder 18 hinter sich haben, vertraute der 24-Jährige seinem Tagebuch an. Einiges davon hätte Wagners Siegfried von der Opernbühne schmettern können: „Wenn Große Helden ihren Trieben freien Lauf lassen, werden sie auf prachtvolle Weise mächtig, stürmisch, unbesiegbar.“ „Menschen wie ich sind nur sich selbst verpflichtet, niemandem sonst.“ Und, was China betrifft: „Dieses Land muss zerstört werden, ehe es verändert werden kann.“ Wie die Detektive Jung Chang und Jon Halliday herausfanden, entdeckte Mao seine Lust an der Gewalt mit 32, als in seiner Heimat Hunan Anarchie ausbrach. „Schlägertypen“ aus der untersten Schicht seien „nun die Herren und Meister“, notierte er. „Sie schlagen die Landbesitzer zu Boden und trampeln auf ihnen herum, hüpfen in die Elfenbeinbetten der Frauen, führen Menschen wie Tiere an Seilen herum. Nach solcher Behandlung sind die Leute gebrochen für immer.“ Als Parteifunktionär wurde Mao gefragt, ob man Klassenfeinde umbringen dürfe. Er erwiderte: „Einen oder zwei totschlagen, das ist nichts Besonderes.“ Es war seine erste ausdrückliche Anstifung zum Mord, und sie wurde tags darauf befolgt. Er habe in Hunan, schrieb Mao Jahre später, „eine Extase wie nie zuvor“ erlebt. Fürs Landvolk aber hatte dieser studierte Bauernsohn nichts übrig. „Zwei Schultern und ein Arsch“ nannte Mao seine Zwangsrekruten, weil sie zum Lastentragen taugten und ihr Kot als Düngemittel diente. Den Langen Marsch legte der Vorsitzende überwiegend in der Sänfte zurück. Die Menschenverachtung in Maos Jugend-Tagebuch harmonierte mit dem später aufgesogenen Leninismus. Wie Stalin und wie Hitler hat Mao seine (früh verstorbene) Mutter aufrichtig geliebt, seinen Vater gehasst. Für seine verschiedenen Frauen empfand der junge Mao nach dem ersten Gebrauch nicht mehr viel, auch nicht für deren Kinder. Chinas schiere Bevölkerungsmasse scheint sein Weltbild stärker geprägt zu haben als jede Ideologie. Mao fand nichts dabei, im Koreakrieg eine menschliche Welle nach der anderen in den Tod zu schicken; irgendwann würde den Amerikanern schon die Munition ausgehen. Wiederholt hat er die Welt wissen lassen, dass China einen Atomkrieg nicht fürchte, weil danach immer noch genug Chinesen übrig bleiben würden. Zum finnischen Botschafter bemerkte er 1955, die nukleare Vernichtung des Erdballs wäre „eine ziemliche Erschütterung für das Sonnensystem, für den Rest des Universums aber ohne Bedeutung“. Jung Chang und Jon Halliday beginnen ihr Buch mit der Behauptung: „Mao Tse-tung war verantwortlich für weit über 70 Millionen Tote in Friedenszeiten, also für mehr als jeder andere Führer des 20. Jahrhunderts.“ Mit dieser astronomisch anmutenden Schätzung stimmen China-Experten wie Philip Short überein – obwohl in der Weltgeschichte nur eine Opferzahl noch darüber liegt: die aller militärischen und zivilen Toten des Zweiten Weltkriegs in Europa und Asien zusammen. Doch gerade Philip Short („Mao – A Life“) und frühere Biografen wollten Mao ausdrücklich nicht auf eine Stufe mit Hitler und Stalin stellen. „Die überwältigende Mehrheit derer, die durch seine Politik umgekommen sind, waren unbeabsichtigte Hungeropfer“, resümierte Short. „Die übrigen drei oder vier Millionen waren der menschliche Schutt seines epischen Ringens um die Veränderung Chinas.“ Das stelle Mao auf eine höhere moralische Stufe als Hitler oder Stalin. Philip Short kommt bei Jung Chang und Jon Halliday nicht einmal in der Bibliografie vor. Vermutlich eine bewusste Kränkung: Aus der Opfer-Perspektive erscheint solch ein kalt abwägender Geist wohl als Apologet oder Relativist. Dass Abermillionen „unbeabsichtigt“ verhungert seien, ist freilich ein schwacher Trost. Anders als Stalin habe Mao, so Short, den Hunger aber nicht primär als Mordwaffe, nicht genozidal eingesetzt; für Chinas umwälzenden Sozialingenieur waren die Leichenberge demnach nur ein Kollateralschaden. Neue Weltgeltung für das Reich der Mitte war nicht umsonst zu haben: Sie wurde durch Zwangskollektivierung und Beschlagnahme der Ernten finanziert – und bezahlt mit der größten Hungersnot der Geschichte. Wenn jener „Große Sprung Vorwärts“ tatsächlich Chinas Aufstieg zur Atommacht bedingte, dann hat Maos Bombe ein Vielfaches der Todesopfer von Hiroshima und Nagasaki gekostet – meinen die Detektive Jung und Jon. Wird das Ekel mit den roten Bäckchen und dem sanften Lächeln, das immer noch in allen Klassenzimmern hängt, auch über allen Stadien schweben, wenn das Olympische Feuer im Jahr 2008 nach Beijing kommt? Auch wenn diese Biografie in China nur im Untergrund gelesen werden dürfte: Jung Chang hofft, dass ihre Demontage das Regime zu schnellerer Distanzierung von seinem Gründervater und Massenmörder zwingt. Hinter dem verkrampften Widerstreben, mit dem die Kommunisten die offizielle Götzendämmerung hinauszögern, könnte auch Furcht vor einer Generalabrechnung stecken. Kein anderes Monster des 20. Jahrhunderts hat die Volksmassen so intensiv an den eigenen Verbrechen beteiligt wie er – und der letzte große Exzess, die Kulturrevolution, fand ihre mehr oder weniger willigen Vollstrecker in der Generation, die heute in der Partei den Ton angibt. Zhou Enlai, den Henry Kissinger für einen großen Staatsmann hielt und der zeitlebens nur ein erpressbarer Handlanger Maos war, wurde bei einem Besuch in Paris über seine Meinung zur Französischen Revolution befragt. Zhous Antwort, die natürlich als weise und zutiefst ironisch aufgefasst wurde, lautete: „Es ist für ein solches Urteil noch zu früh.“ Mag sein, dass dahinter weder Weisheit noch Ironie steckten, sondern nur ängstliche Abwehr: Das Urteil der Geschichte möge lieber unterbleiben.

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