Eine unbequeme Wahrheit

Wie Al Gore in seinem eigenen Haus Energie verschwendete...

Al Gore
() Al Gore
Für seine unermüdlichen Warnungen vor der Klimakatastrophe wurde kein Amerikaner mehr geehrt als Al Gore. In Hollywood erhielt er für seinen Film „An inconvenient truth“ (Eine unbequeme Wahrheit) den Oscar und wenig später in Oslo den Friedensnobelpreis. Umso schockierter reagierte die amerikanische Öffentlichkeit, als bekannt wurde, dass Gores Energieverbrauch in seiner 2,3 Millionen Dollar teuren Villa in Nashville 20 Mal über dem des durchschnittlichen US-Bürgers liegt. Aus Gore, dem Umweltretter, war plötzlich Gore, der Umweltsünder, geworden. Ein konservativer Thinktank in Gores Heimatstaat Tennessee hatte Gores Stromrechnungen eingesehen und herausgefunden, dass der Umweltaktivist in seinem 20-Zimmer-Haus monatlich 16000 Kilowattstunden verbrauchte. Ein durchschnittlicher Haushalt in der Stadt benötigt lediglich 1300 Kilowattstunden pro Monat. Jährlich soll Gore insgesamt 30000 Dollar für Stromrechnungen gezahlt haben. Ein beheiztes Schwimmbad, ein elektrisches Garagentor und eine beleuchtete Einfahrt wurden als die schlimmsten Energiesünden auf Gores Besitz aufgelistet. Der ehemalige Vize-Präsident der USA ließ das nicht auf sich sitzen, bezeichnete die Vorwürfe als unfair und sprach von einer politischen Kampagne der Klimawandel-Skeptiker: „Sie werden immer Leute finden, die den Überbringer unangenehmer Nachrichten angreifen, um die Botschaft zu zerstören.“ Aber selbst wenn die Enthüllungen politisch motiviert waren, so waren sie offenbar begründet. Denn: Einerseits dementierte Gore die Zahlen nicht, andererseits begann er, sein Anwesen umweltfreundlicher zu machen. Er installierte Solarzellen, baute ein Regenauffangbecken und ein geothermisches Heizsystem. Ferner ersetzte er alle Glühbirnen mit Sparbirnen und anderen umweltfreundlicheren Alternativen – selbst an seinem Weihnachtsbaum. Damit reduzierte er den Energieverbrauch offenbar um elf Prozent und erhielt von der ökologisch orientierten Baugemeinschaft US Green Building Council die zweitbeste Note. „Er hat fast alles verbessert, was er verbessern konnte, ohne das Haus niederzureißen und neu aufzubauen“, hieß es vonseiten des Councils. Die Energiekosten Al Gores bleiben dennoch über denen von anderen Häusern in der Region. Auch stammt der Strom, den die Gores nutzen, nicht aus erneuerbaren Energiequellen. Als Grund dafür nennt eine Sprecherin des Politikers Alter und Größe des Hauses. Doch um dieses Manko wettzumachen, unterstütze Gore Erzeuger erneuerbarer Energien. Damit wolle er 100 Prozent seines regulären Energieverbrauchs ausgleichen, teilt seine Sprecherin mit. Was sie allerdings nicht erwähnt, ist die unbequeme Wahrheit: Der gefeierte Klimaschützer Al Gore lebt privat weniger energieeffizient als der verhasste Umweltsünder George W. Bush. Foto: Picture Alliance

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