Moral-Kampagne geht nach hinten los Krieg gegen P(ropag)anda-Apotheke Wer Kunden wegen ihrer politischen Gesinnung zurückweist, sollte sich über Gegenwind nicht wundern. Die Bielefelder Apothekerin Elisabeth Kutter und der BMW-Konzern zeigen, wie schnell Gratismut zum geschäftlichen Risiko werden kann. Der Apothekerin drohen sogar berufsständische Konsequenzen. VON MATHIAS BRODKORB
Gesellschaftlicher Zusammenhalt : Wie viel Vielfalt hält eine Demokratie aus? „Vielfalt ist unsere Stärke“ – doch was, wenn eine Gesellschaft ihre Gemeinsamkeiten verliert? Das Berliner Wahlergebnis verweist auf getrennte Lebenswelten und schwindendes Vertrauen. Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie viel Zusammenhalt braucht die Freiheit? VON JAN UPHOFF
Die Freiheit zur Bindung und der Wert des Denkens : „Ich kann den Menschen nicht ohne Abgrund denken“ Philosophin Svenja Flaßpöhler schreibt über Bindung in einer Zeit, die ständig neue Optionen verspricht. Im Gespräch erklärt sie, warum sie KI beim Denken misstraut, was Langzeitbeziehungen zusammenhält – und weshalb die Freiheit zur Bindung auch eine gesellschaftliche Tugend sein kann. SVENJA FLASSPÖHLER IM GESPRÄCH
Die strukturelle Asymmetrie deutscher Zuschreibungen : Schuld, Schwäche und das Böse Eine moralische Asymmetrie prägt den deutschen Diskurs: Das Eigene wird psychologisiert und verurteilt, das Fremde erklärt und entlastet. Dahinter wirkt eine tief sitzende Angst vor der eigenen Stärke – und ein Schuldkomplex, der längst selbst zur moralischen Macht geworden ist. VON AGLAJA STIRN UND WOLFGANG BALZER
Humanismus vs. Transhumanismus : Würde lässt sich nicht automatisieren Künstliche Intelligenz stellt immer mehr menschliche Fähigkeiten in den Schatten – und zwingt uns damit zu fragen, worauf der Wert des Menschen eigentlich beruht. Wer ihn nach Leistung, Nutzen und Ersetzbarkeit beurteilt, hat die entscheidende Frage bereits falsch gestellt. VON MARC SPRANGER
Warum genügt es nicht, über die Risiken von Social Media zu sprechen? : Chancen und Risiken der Digitalisierung Wie viele andere Länder diskutiert Deutschland über ein Social-Media-Verbot. Dabei ist die intensive Nutzung von Instagram und Co. allenfalls ein kleiner Ausschnitt aus dem Risikofeld, in dem wir uns hier bewegen. Es lautet: Digitalisierung. KOLUMNE: DIE SONNTAGSFRAGE
Jürgen Klopps Worte zum Nationalstolz : Wer sind eigentlich „die Falschen“? Bundestrainer Jürgen Klopp möchte Nationalstolz nicht den Falschen überlassen. Damit hat er eine Chance vertan. Statt zu einen und zu versöhnen, treibt er einen rhetorischen Keil in die Gesellschaft: hier die Richtigen, dort die Falschen. Ein ungutes Signal. KOLUMNE: GRAUZONE
Schluss mit falscher Rücksichtnahme : Aufruf zu einem Kulturkampf für die Freiheit Freiheit stirbt nicht erst, wenn der Staat sie abschafft. Sie schwindet, wenn Bürger ihre Einschränkung hinnehmen. Freiheitsräume werden preisgegeben, der Freiheitsbegriff wird umgedeutet – und das bürgerlich-liberale Lager schaut zu. Zeit, das zu ändern. KOLUMNE: UNGEFILTERT VON WOLFGANG KUBICKI
100. Geburtstag von Michel Foucault : Die rote Pille Vor hundert Jahren wurde Michel Foucault geboren. Bis heute untergräbt sein Werk die vermeintlichen Gewissheiten unserer Gesellschaft. Wer war dieser Eigenbrötler und „Mikrophysiker der Macht“ – und warum sind seine Analysen von Wahrheit, Kontrolle und gesellschaftlicher Disziplin heute aktuell? VON ALEXANDER GRAU
Film der Woche „100 Tage Autark“ : Ausstieg mit Anschluss Die auf einer YouTube-Serie basierende Doku „100 Tage Autark“ bietet leicht konsumierbare Konsumkritik. Unfreiwillig entlarvt der Film sich selbst und die kitschige Sehnsucht moderner Gesellschaften nach dem authentischen Leben als verlogenen Selbstbetrug. VON ALEXANDER GRAU
Brandmauer-Debatte : Offenheit beweist sich nicht im Umgang mit Gleichgesinnten Die Vorteile der Brandmauer liegen auf der Hand: Sie reduziert Komplexität, erspart Selbstreflexion und beseitigt Ambiguität. Doch die Brandmauer erlaubt auch etwas, das unter gewöhnlichen Umständen verboten wäre – das hemmungslose Ausleben von Aggression. VON AGLAJA STIRN UND WOLFGANG BALZER
Ein Kampfbegriff nicht nur vor Wahlen : Keiner will Demokratie Ausgerechnet im Namen der Demokratie spitzt sich der politische Meinungsstreit zu unversöhnlicher Feindschaft zu. Die Vorstellungen von der Herrschaft des Volkes sind vernebelt. Demokratie ist ein Kampfbegriff geworden, hinter dem der simple Wille zur Macht steht. VON JÖRG PHIL FRIEDRICH
Political Correctness auf der Wiesn : A bisserl Kabul an der Isar Die Gleichstellungsstelle der Stadt München setzt verdiente Schausteller unter Druck, ihre Fahrgeschäfte politisch korrekt zu gestalten. Das ist nicht nur hochgradig übergriffig. Es zeigt auch ein Ausmaß an ideologischer Selbstermächtigung, das sogar den Grünen zu krass ist. VON BEN KRISCHKE
Die Mitte und die Brandmauer : Das Pendel muss durchschwingen Die politische Mitte steckt in der Defensive – und reagiert darauf mit dem Ruf nach Stabilität. Doch statt Konflikte zu scheuen, muss das bürgerliche Lager den Mut finden, eigene Positionen durchzusetzen und gesellschaftliche Machtverschiebungen nicht länger zu fürchten. VON WOLFGANG BALZER UND AGLAJA STIRN
Kampagne gegen Grüne wegen Nazivergangenheit ihres Ehemannes : Das zweierlei Maß „unserer Demokratie“ Demokratie heißt auch, Menschen Veränderung zuzugestehen. Der Fall des Ehemanns der Grünen Susan Sziborra-Seidlitz zeigt, wie sehr bei rechtsextremen Biografien mit zweierlei Maß gemessen wird. VON MATHIAS BRODKORB