Cicero im Juni - Der letzte Sommer des Rock´n´Roll

Die Juni-Ausgabe des Cicero feiert den letzten Sommer des Rock´n´Roll. Wie geht es mit dem Sound einer Generation weiter, wenn seine Väter weg sind?

Das Titelbild der Juni-Ausgabe des Cicero
Miriam Migliazzi, Mart Klein

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

So erreichen Sie Christoph Schwennicke:

Bircher Müsli. Tony Iommi hatte am Frühstücksbuffet Bircher Müsli genommen. Bleich, mit Kinnbärtchen und viel zu schwarzem Haar stand der Vater der schleppenden Gitarre da und lud sich Makrobiotisches auf den Teller. Irgendwie hätte ich eher Blutwurst erwartet. Oder einen doppelten Whisky. Ich hatte mir das Grand Hotel gegönnt für diese Tage des Montreux-Jazz-Festivals. Historischer Boden: In einem T-förmigen Hotelflur haben Deep Purple seinerzeit not­­gedrungen das Album „Machine Head“ eingespielt, dessen großes Riff bis heute zu Ian Gillans Gesang nachhallt: „We all came down to Montreux, on the Lake Geneva Shoreline ...“

Ein paar Jahre ist das her. Ronnie James Dio, der damals zu Iommis Gitarre gesungen hatte, lebt nicht mehr. Er fehlt wie J. J. Cale, Lou Reed, Jon Lord, der die schwere Hammond-Orgel spielte im Flur-T des Hotels. Tony Iommi hat seinen Krebs noch einmal zurückgedrängt und tritt weiter auf. Aber Malcolm Young von AC / DC kann nicht mehr Gitarre spielen. Diesen Sommer kommen sie wieder. Dylan, die Stones, Black Sabbath, Patti Smith. Und alle gehen noch mal hin. 50 Jahre geht das schon so. Rock ’n’ Roll als Illusion der Unsterblichkeit, der eigenen ewigen Jugend. Und als Nachweis, dass es diese ewige Jugend auch gibt, wenn man seinen Körper mit Drogen schindet. Dass diese ganze öde Askese Quatsch ist. Dass es auch ohne Bircher Müsli geht.

Aber sie bleiben eben doch nicht ewig. Sie sind keine griechischen Götter, die über die Musik Kontakt mit uns Sterblichen haben. Sie gehen auch.

Stirbt der Rock mit seinen Gründern? Oder steht er vor einer Zeitenwende wie die Klassik, als Mozart und Beethoven weg waren? Wer soll einen Lemmy Kilmister ersetzen, eine Patti Smith?

Thomas Winkler ist den lebenden Legenden und dieser Frage hinterhergefahren . Arne Willander, Vize-Chef des deutschen Rolling Stone, sagt uns, welche Gigs der Altmeister wir in den kommenden Wochen auf keinen Fall verpassen dürfen. Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg redet über die revolutionäre Kraft dieser Musik, die eine ganze Generation und unsere westliche Kultur geprägt hat.

„Is this the end of the beginning, or the beginning of the end?“, fragt Ozzy Osbourne zu Beginn des Albums „13“, mit dem sich Black Sabbath aus der Gruft zurückgemeldet haben. Ende vom Anfang oder Anfang vom Ende? Das, lieber Ozzy Osbourne, ist genau die Frage.

[[{"fid":"62325","view_mode":"copyright","type":"media","attributes":{"height":471,"width":345,"style":"float: left; margin-right: 10px; margin-left: 10px; width: 182px; height: 249px;","class":"media-element file-copyright"}}]]

Die Titelgeschichte zum Rock'n'Roll lesen Sie in der Juniausgabe des Cicero. Das gedruckte Magazin ist ab sofort am Kiosk und in unserem Online-Shop erhältlich. Das Magazin als ePaper, iPad-App und Kindle-App finden Sie hier.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Um die Freischaltung kümmert sich die kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.