Meyers Blick auf... - ...die Gelbwesten

Der Schweizer Journalist, Medienberater und Cicero-Kolumnist Frank A. Meyer spricht mit Cicero-Redakteur Alexander Kissler über die gegen Emmanuel Macron protestierenden Gelbwesten in Frankreich

Ein Phänomen wie die Gelbwesten gehört zu Frankreich, sagt Frank A. Meyer

Dimtri Gales | Fr, 4. Januar 2019 - 16:41

zutreffend. Ob vorrevolutionäre Situation oder eine schleichende Entwicklung hin zu bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen - das wird sich zeigen. Ruhen wird der jetzige Konflikt nicht, denn das Kernproblem ist die soziale Frage, nicht so sehr die politische Struktur Frankreichs - das ist nachrangig, wenngleich auch wichtig. Eine grosses Problem: in Rhetorik war Macron immer gut, das zeigte auch wieder seine Neujahrsansprache. Aber gut konstruierte, polierte Rhetorik und politisches Handeln sind zweierlei paar Schuhe. Macron hat sich anscheinend für eine autoritäre, zumindest ausgesprochen direktive Vorgehensweise entschieden. Das Feuilleton Gelbwesten wird also weitergehen, zumal man jetzt der wärmeren Jahreszeit entgegengeht, was Strassenaktionen immer begünstigt hat; im Mai 68 war gutes, warmes Wetter.

Christa Wallau | Fr, 4. Januar 2019 - 19:09

... ist bei den Franzosen an ein Ende gekommen.
Es funktioniert nicht mehr (wenn auch bisher schon nur mit Ach und Krach), sondern ruft Aufruhr hervor.
Da stimme ich Herrn Meyer zu.
Die Menschen in den unterschiedlichsten Teilen des großen Landes Frankreich sind es endgültig leid, abgehängt und von Paris aus lediglich als Wähler- und Verfügungsmasse betrachtet zu werden.

Dieselbe innere Abkehr von einer immer stärker
gewordenen und nach noch mehr Macht gierenden Entscheidungszentrale in Brüssel vollzieht sich in fast allen Ländern der EU.

Man darf den Bogen eben nicht überspannen.
Sonst reißt er, und alles fliegt einem um die Ohren.
Kleinere staatliche Einheiten sind für das Funktionieren wirklicher Demokratie und damit für die Zufriedenheit der Bürger i m m e r besser als große. Diese Binsenweisheit ist aus dem
Bewußtsein sehr vieler Politiker (ob Theoretiker oder Praktiker) leider verschwunden.
Aktuell werden sie von der Realität wieder drauf gestoßen. Gut so!

Tomas Poth | Fr, 4. Januar 2019 - 21:22

Zuordnungen des Hr. Meyer! Es sind die linken Geister die gewalttätig "gegen den Staat", die Obrigkeit vorgehen, wie es hier zur Zeit in Frankreich geschieht. Autos anzünden, Plünderungen ist ein spezifisches Merkmal linker autonomer Geister, sh.auch G20 Hamburg.

Fritz Gessler | Sa, 5. Januar 2019 - 10:44

... aber im fall der gelbwesten nur allzu bekannt aus dem arabichen frühling, den bunten revolutionen in ex-sowjetrepubliken. mr. soros reitet wieder: alles historisch unverdaute kommt dem p.t. volkskörper aus dem magen hoch.
gelbwesten: links- und rechtsradikale plünderer und krawallbrüder selig vereint. hier gibt es allerdings wesentliche gemeinsamkeiten und historische traditionen. nicht nur in frankreich.

Robert Müller | Sa, 5. Januar 2019 - 18:07

Dezentralisierung als Lösung für Frankreich? Ich fürchte derartige Vorschläge spiegeln die eigene Erfahrung wieder und nicht das was Frankreich braucht. Ist es nicht eher so, dass ein zentralistisches Frankreich mit einer zentralistischen Lösung besser fahren würde? Auch deshalb schon, weil diese sofort greifen würde, während das Dezentralisieren nicht innerhalb von Monaten oder 1, 2 Jahren zu machen wäre. Im übrigen glaube ich, dass die Reformen in Frankreich schon getätigt sind, nur sieht man die Wirkung noch nicht in der Breite. Wie lange hat das in Deutschland gebraucht? Nach 5 Jahren war klar, dass es der richtige Weg war und heute haben wir mit die niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU. Aktuell haben wir in der EU einen wirtschaftlichen Durchhänger. Hoffentlich ist das nicht von Dauer, denn dann hätten die Nachzügler Frankreich und Italien den gesamten Aufschwung dank ihrer Reform-Müdigkeit verpasst und erst beim nächsten Aufschwung wären sie dann wieder dabei.

Bernd Stöver | So, 6. Januar 2019 - 10:54

Leider den Kern des "Problems" Gelbwesten nicht erkannt. Hier handelt es sich um "Unmutsäußerungen" deren Ursache in der ganzen westlichen Welt zu verorten sind. Eine Spaltung der Gesellschaften, auf der einen Seite die selbsternannten Eliten, bestehend aus Politiker, Medien, Kunstschaffenden etc., auf der anderen Seite Menschen, die kaum noch von Ihrer Arbeit leben können, dabei oft Gruppen, die den Wohlstrand der "Eliten" erst durch Ihre wertschöpfenden Tätigkeiten ermöglicht haben.