Jens Bisky (r), Marschierende Nazi-Anhänger am Tag der „Machtergreifung“ im Jahr 1933 in Berlin (l) / Fotos: Imago / dpa
Jens Bisky (l.); Nazi-Aufmarsch am 30. Januar 1933 / Gerhard Leber/Imago Images; Picture Alliance

Zwischen Weimarer Republik und Gegenwart - „Wir sollten nicht ständig das Ende der Demokratie ausrufen“

Seit dem Erstarken der politischen Ränder haben Vergleiche zwischen der Weimarer Republik und unserer Gegenwart Hochkonjunktur. Im Interview erklärt der Autor Jens Bisky, warum Rückgriffe auf das Jahr 1933 zu kurz greifen.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Future For Fridays?“ im Quadriga-Verlag (Bastei Lübbe).

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Jens Bisky wurde 1966 in Leipzig geboren. Er ist Kulturwissenschaftler und war lange Zeit Feuilletonredakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Seit 2021 arbeitet Bisky am Hamburger Institut für Sozialforschung. 

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Thomas Veit | Sa., 21. Februar 2026 - 15:32

behalten muss, welche die Demokratie zerstören wollen. Das sind die äußersten linken und rechten Ränder - gleichermaßen.

Das die AfD die Demokratie NICHT abschaffen will stellt Bisky ebenfalls fest, ebenso dass das rotgrünlinke Narrativ die AfD sei mit der NSDAP gleichzusetzen nicht zutrifft.

Mehr muss man eigentlich nicht wissen, dem Grunde nach. Historisch Interessierte werden sich dann sicher auch sein Buch kaufen..., und die Details von damals nachlesen - aus Biskys Sicht eben.

Werde ich eventuell auch machen...

Danke für ihren kurzen und klaren Kommentar, der auch meiner ist. Nein, noch ist die Demokratie nicht am Ende, aber sie ist in der Gefahr abgeschafft zu werden und davor sollten die wachen und klaren Köpfe in diesem Land warnen. Das es immer historische Parallelen gibt zu Vorkommnisse aus der Geschichte liegt in der Natur der Sache. Und ob die Sicht des Herrn Bisky auf die Geschichte damals eins zu eins zutreffen wird muss jeder selbst entscheiden, der sich sein Buch kauft.

H. Stellbrink | Sa., 21. Februar 2026 - 16:11

Je länger Hitler tot ist, desto entschlossener kämpfen die Deutschen gegen ihn. Wie Bisky ausführt, sind heute nicht die Voraussetzungen wie 1933 gegeben. Der Bezug auf den Nationalsozialismus ist ahistorischer Unsinn. Es fehlen eine breite gesellschaftliche Akzeptanz von Militarisierung, Führerkult und Kategorisierung des Wertes eines Menschen als wesentliche Voraussetzungen. Das Unheil kann aber sehr wohl auch von der wohlmeinenden Seite kommen, wenn diese Vorkehrungen trifft, die Demokratie durch Aushebelung demokratischer Prinzipien zu verteidigen. Die Verfolgung von Meinungsäußerungen, die Feind-Markierung des politischen Gegners und damit Preisgabe für Gewalt, eine (freiwillige) Gleichschaltung der Leitmedien und die Verfolgung Andersdenkender durch den Staat und private Akteure in seinem Auftrag sind Elemente einer möglichen zukünftigen Demokratur.
Eine antifaschistische Diktatur ist nämlich keinen Deut besser als eine rechte.

für eine antifaschistische Diktatur gedeihen heute in Deutschland bereits zusehends auf dem linksrotgrün bestellten Feld der einfältigen Narrative für den uninformierten Durchschnittsbürger, getarnt als gutbürgerliche (Die Grünen/SPD) oder revolutionäre (Die Linke) Weltenrettung.

Wer will da schon NEIN sagen - zur Weltenrettung? /😉

Ich will ja den Spruch von Ignazio Silone ( oder wer auch immer ihn geprägt hat) nicht überstrapazieren, deshalb lasse ich das. Aber egal, wie man es nennen möchte, die Parallelen zu dem, was Bisky nicht zu erkennen behauptet, sind eklatant. Jeder, der sich mit offenen Augen und Ohren und eingeschaltetem Gehirn in diesem Land bewegt, erkennt es! Da gibt es kein Relativieren.

von meinem Vorredner übernommen. Fine ihn aber passend..., nicht zuletzt in Bezug auf den von Ihnen erwähnten Ignazio Silone (oder wer auch immer ihn geprägt hat) - und natürlich schlicht und ergreifend auch bezogen auf die realen Fakten und Entwicklungen in unserem Land.

Bin also ganz mit Ihnen...👍

Armin Latell | Sa., 21. Februar 2026 - 17:00

sollte doch eher in der Vergangenheit bleiben und diese Zeit analysieren. Bei dem Versuch, das mit der Gegenwart zu tun, kommt irgendwie nur verklausulierter Bullshit heraus, also das, was uns die mainstreammedien täglich versuchen ins Hirn zu pressen. Übrigens: eine Partei ohne Rückgrat kann nicht zerbrechen, die cdu ist der beste Beweis dafür.

Urban Will | Sa., 21. Februar 2026 - 17:56

der mal bei der Alpen-Prawda geschrieben hat. Zwar hält er sich zurück, mit den Breitseiten gegen die Blauen, aber irgendwo in der Mitte redet er dann doch von den „fehlenden Strategien“ ggü den Nazis und direkt danach dann von der Gegenwart und den ebenfalls fehlenden Strategien gegen „Rechtspopulisten“, in diesem Lande ein sehr kontaminierter Begriff.
Es wäre angebracht gewesen, ein paar solcher Strategien zu nennen. Er hätte einfach mal die Martenstein-Rede hören sollen, der hat es treffend beschrieben: die AfD-Wähler wollen eigentlich nichts anderes als einen „neuen“ Helmut Schmidt, nennen wir es mal so: jemanden mit Verstand und gesundem Patriotismus, der anpacken kann und sich von linksgrünwoken Dummschwätzern nicht an der Nase herumführen lässt, keinen Schwächling, Feigling, Dampfplauderer und Lügner wie den Gockel Fritz.
Ein schwaches, wenig überzeugendes Interview, aber die Kernaussage bzgl. des Unsinns eines Vergleiches mit 1933 teile ich.

Das mit der „Alpen Prawda“ und „Historiker“ dachte ich mir auch gleich, lieber Herr Will. Irgendwie passt das für mich nicht zusammen. Aber die Aussagen zur AfD passen zur ehemaligen Arbeit bei der SZ. Er versucht zwar, ausgeglichen zu schreiben, aber… Außerdem, muss ich jetzt endlich mal loswerden: Warum sagen alle diese „klugen“ Leute und „Experten“ immer wieder, eine Zusammenarbeit mit der AfD würde die CDU zerreißen? Was macht denn die momentane Zusammenarbeit der SPD mit der CDU? Noch zerreißt es sie nicht, aber die Sozen arbeiten daran, dass es irgendwann dazu kommt!
Irgendwie komisch. Aber wenn man im Vorspann liest, wo ein Autor wirkt oder gewirkt hat, glaubt man zu wissen, was im Artikel kommt. Meistens ist es so. Leider! Wie auch teilweise in diesem Beitrag.

der (allerdings erst mal zu reformierenden CDU/CSU mit einer komplett neuen Führungsriege) Union und der AfD ist der Alptraum dieser „Eliten“. Denn es würde bedeuten, dass Linksgrünwoke über sehr viele Jahre nichts mehr zu melden hätte. Dass genau dies – also eine bürgerlich-konservative Politik – exakt der Wille der Wählermehrheit ist, schert die nicht.
Soviel zum Thema „Demokratie“. Wie ich schon sehr oft schrieb, ist sie in Deutschland nur gespielt, nicht aber gelebt.
In jedem Land der Welt wäre eine solche Zusammenarbeit eine Selbstverständlichkeit (zumal die AfD eh Fleisch vom Fleische der CDU ist und es nur eine Frage der Zeit wäre, bis die beiden Parteien wieder zu einer würden, aber das nur am Rande).
Wie gesagt ist Bisky fair genug, den von Linken immer wieder ins Feld geführte blödsinnigen Vergleich zw. 1933 und heute zu verneinen, nicht aber, doch eine gewisse Gemeinsamkeit zw. AfD und NSDAP anzudeuten. Das disqualifiziert ihn. Denn lesen sollte er können.

„Es fehlte in den letzten Jahren der Weimarer Republik nicht an Warnungen vor den Nationalsozialisten, aber an politischen Strategien, sie kleinzuhalten. Das scheint mir heute in manchem ähnlich. Aus guten Gründen wird seit wenigstens zehn Jahren vor Rechtspopulisten gewarnt, erfolgreiche Strategien gegen sie bleiben aber Mangelware."

Jens Böhme | Sa., 21. Februar 2026 - 17:56

Solange man das Vakuum in der politischen Mitte nicht erkennt, sind solche Interviews das geschmackgebende Salz in der Autoritarismussuppe die langsam weiter köchelt. Heute auf CDU-Parteitag hat die angebliche Mitte-Partei CDU beschlossen, eine parlamentarische Mehrheit zu suchen, die sich auf Internetregeln (beginnend bei Kindern) á la Russland, Iran oder China orientiert.

Thomas Veit | Sa., 21. Februar 2026 - 18:38

Antwort auf von Jens Böhme

was lernen können... - bei der aktiven Gestaltung der entwickelten Gesellschaft... ...!?? /🤣 [klingt irgendwie wie... ... 😉]

Das, was Die Grünen und Reichinnek's Linke schon immer wussten: man muss die Menschen zu ihrem Wohle/Glück 'nachdrücklich bewegen'..., oder eben ganz einfach zwingen...? (ohne ' ', zwingen...!) 🤔

IngoFrank | Sa., 21. Februar 2026 - 18:02

nämlich die Frage nach dem „Warum“ & „wer
trägt die Verantwortung“ bzw. welche Regierung, welcher Kanzler ?
Es ist weder in Europa im allgemeinen noch in Deutschland im Besonderen der „Linksruck“ der gesamten etablierten Parteien vom Himmel gefallen ! Und genau in diese sich aufgetane Lücke sind die sogenannten „Rechten“ gestoßen. Allerdings mit einem riesengroßen Unterschid zu den 30 iger Jahren : Die Demokratie, die Freiheit der Meinung und die Freiheit der Selbstbestimmtheit wollen die nach links gerückten Parteien abschaffen und niemand sonst.
Wir schaffen das, ja das stimmt uns selbst abzuschaffen, unsere Grundlagen auf denen unser Wohlstand einst aufgebaut wurde aufzugeben..
Und so lange diese ganzen Fehlentwicklungen nicht ehrlich benannt, analysiert und behoben werden, kurz gesagt, „links ist vorbei“ auch in die Alltagspolitik Einzug hält, dreht sich alles nur im Kreis.
Die soz. Marktwirtschaft ist nicht vollkommen, bringt für die Masse mehr Wohlstand als alles „Linke“
MfGadER

Markus Michaelis | Sa., 21. Februar 2026 - 18:23

Interessant. Was ich teile: Systeme können auch schnell zusammenbrechen, wenn eine Unterhöhlung fortgeschritten ist, die man aber nicht immer sieht, weil man nicht auf alle Stellen schauen kann. Man schaut vielleicht nur auf politische Gegner, aber tragende oder wegbrechende Säulen gibt es viele. Was ich auch teile: "kleine Leute" sind wichtig. Kurzfristig muss man auf die Eliten schauen. Längerfristig zählen auch Strömungen und Prägeräume, die aus der ganzen Gesellschaft kommen.

Ich glaube, dass die Angst vor dem Kommunismus eine größere Rolle gespielt hat, als der Artikel andeutet. Nicht zuerst vor der KPD, aber vor den Sowjets, anknüpfend an alte Russlandängste.

Hier wäre die Frage, ob zu forcierte Ängste vor zB dem Islam, den Rechten etc. heute auch zu übertriebenen und das System anknabbernden Reaktionen verleiten können.

Parallel scheint mir auch, dass alte Ordnungen (Kaiserreich, Europa gegen USA, heute Asien) wanken und für Verunsicherung durch unklare Richtungen sorgen.

Markus Michaelis | Sa., 21. Februar 2026 - 18:32

Mit Bezug auf Ängste vor Gefahren (Kommunismus, Islam, Russland, Klima, Covid, Rechts, Links, Kapitalismus etc.), die wichtig sind, aber eben immer auch selbst eine Gefahr darstellen, würde ich auch die Angst vor der Gefahr der Einschränkung von Grundrechten und Minderheitenrechten kritisch sehen.

Herr Bisky hebt diese Angst als berechtig hervor. Das soll auch nicht abgestritten werden, es ist gut darauf zu schauen. Es gibt aber eben auch die andere Seite: Grundrechte werden heute nicht als Abwehrrechte gegen den Staat verstanden, sondern in Gesellschaft und vom Verfassungsgericht sehr weit als eine Vorgabe, wie Menschen denken und leben sollten, was sie gegeneinander dürfen, müssen, nicht dürfen. Dazu gehört dann die Idee einer universellen Gesellschaft für alle. Jede Gruppe der Welt, die in der Gesellschaft sich noch nicht gleich gesehen fühlt, kann dann berechtigt ihre Grundrechte verletzt sehen. Das haben wir schon recht weit getrieben - aus meiner Sicht.

Thomas Veit | Sa., 21. Februar 2026 - 19:07

Antwort auf von Markus Michaelis

praktisch KEINE wirklichen Parallelen der heutigen gesellschaftlichen Situation und den Umständen aller Probleme die wir heute haben, zu der fast 100 Jahre zurückliegenden Weimarer Republik: Weltwirtschaftskrise, der verlorene Krieg bzw. der Versailler Vertrag - m.E. einer der Hauptgründe für das Erstarken der Nationalsozialisten seinerzeit, aber auch die wirtschaftliche Situation der breiten Massen - von allgemeinem Wohlstand kann man da wohl eher nicht sprechen..., das allgemeine Bildungsniveau, die Informationslandschaft/Medien - alles FUNDAMENTAL ANDERS GELAGERT als unsere Realitäten heute... ... 🤔

Dieser wieder seit längerem diffus kursierende 'Weimarer-Republik-Vergleich' gehört letztendlich nüchtern betrachtet in die Kategorie 'Kampf gegen Rechts!'... - von "unsere Demokratie" in die Welt gesetzt und mißbraucht als Teil ihrer Brandmauer-Strategie.

Das Historiker sich heute wieder!! verstärkt damit beschäftigen liegt in ihrer Profession - bedeutet aber nichts wirklich, mMn.