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Ein pauschales Social-Media-Verbot erzeugt Umgehungsstrategien, Grauzonen und ein Ausweichen in „dunklere“ Räume / / picture alliance / imageBROKER | Oleksandr Latkun

Zwischen Jugendschutz und Zensur - Social-Media-Verbote lösen kein Problem

Radikalisierung und Desinformation hängen an Mechaniken wie Empfehlungsalgorithmen, Geschäftsmodellen und fehlender Regulierung. Die entscheidende Frage ist nicht, welche Social-Media-Plattform verboten wird – sondern welche Regeln für alle gelten.

Florian Hartleb

Autoreninfo

Dr. Florian Hartleb ist Professor für International Relations an der Modul-Universität Wien sowie Autor des im Herbst 2025 erschienenen Buchs „Teenager-Terroristen. Wie unsere Kinder radikalisiert werden – und wie wir sie schützen können“.

 

So erreichen Sie Florian Hartleb:

Ein Plattformverbot wirkt wie eine politische Beruhigungstablette: Es signalisiert Handlungsfähigkeit, ohne die Ursachen zu behandeln. Heute heißt der Sündenbock TikTok, morgen ist es X, übermorgen die nächste App. Das ist bequem – weil es einen Namen liefert. Aber Radikalisierung, Desinformation und Sogeffekte kleben nicht an Logos. Sie hängen an Mechaniken.

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Michael Bahr | Mo., 9. Februar 2026 - 13:37

Die Argumente des Autors sind sicher mehr als nur bedenkenswert, ich halte sie für sachlich absolut nachvollziehbar - und trotzdem müssen strikte Altersgrenzen für Social Media-Nutzung her - und zwar jetzt! Die Diskussionen, die des Autors Vorschläge in Politik, Medien und Gesellschaft auslösen, werden wieder Jahre brauchen, bis sie durchdiskutiert sind. Diese Zeit haben wir aber nicht! Warum noch weitere Jahrgänge junger Menschen schädigen? Warum nicht doppelgleisig fahren? Jetzt sofort die Verbote und danach dann die gesamtgesellschaftliche Diskussion zu den Forderungen des Autors? Und dabei müssen die Verbote natürlich auch flexibel sein, d.h. immer wieder an veränderte Situationen auf dem Social Media-Markt angepasst werden. Aber jetzt muss gehandelt werden, nicht endlos gelabert. Wir sind in Deutschland im Labern immer ganz groß, aber im Handeln oft so klein.

Ernst-Günther Konrad | Mo., 9. Februar 2026 - 16:40

Das sind doch nur vorgeschobene Gründe. Die wollen alle ausforschen, die wollen, dass jeder zwangsweise sich *ausweisen* und *enttarnen* muss, wenn er Social Media nutzt. Wie sonst will man unter 16 Jährige von Erwachsenen unterscheiden, wenn nicht alle Nutzer sich ausweisen und offenbaren müssen. Obwohl dieses Vorhaben mehr deutlich gegen Artikel 5 GG verstößt, wird man es wahrscheinlich versuchen, wenn die UNION das auf dem Parteitag beschließt. Da will man 16 Jährige wählen lassen, die dürfen sich aber nicht in den sozialen Medien vor der Wahl informieren. Bei der UNION ist noch immer nicht angekommen. Wir leben im Zeitalter von Computer, Handy, Internet. Jugendliche lesen keine Zeitungen aus Papier, die informieren sich im Netz, auf ihren Seiten, die sie für informativ halten. Wenn das durchkommt, sind wir in einer Meinungsdiktatur unterwegs. Diese CDU verfolgt inzwischen eindeutig das Ziel, diesen Staat auszuhöhlen und das alles nur aus Angst vor den Linken und AFD.