Zum Tod von Jürgen Habermas - Der doppelte Philosoph

Jürgen Habermas ist mit 96 Jahren verstorben. Seinen Einfluss erwarb er sich nicht allein mit philosophischen Werken. Habermas trat zugleich immer als politischer Intellektueller in Erscheinung. Nicht immer auf rühmliche Weise. Wesentlichen Fragen wich er dabei aus.

Jürgen Habermas / picture alliance / dpa | Simela Pantzartzi

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Mathias Brodkorb ist Cicero-Autor und war Kultus- und Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört der SPD an.

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Sein größter Coup gelang Jürgen Habermas im Jahr 1986 mit dem „Historikerstreit“. Er warf dem Historiker Ernst Nolte wortwörtlich die Leugnung der „Singularität“ von Auschwitz vor und löste eine jahrelang anhaltende Schlacht unter Deutschlands Intellektuellen aus. Am Ende der Debatte war Nolte sozial erledigt, und Habermas hatte gewonnen.

Dabei war Habermas’ Behauptung von Anfang an falsch. Er hatte Noltes Werk entweder nicht gründlich studiert oder wollte nicht wahrhaben, was in ihm stand. Bereits in dem FAZ-Beitrag, der 1986 den Historikerstreit auslöste, hatte Ernst Nolte klargestellt, dass der Holocaust „grauenvoller“ gewesen sei als alles, was die Bolschewiki in Sowjetrussland je getrieben hätten.