Rainer Maria Rilke
Rainer Maria Rilke (4. Dezember 1875 in Prag, Österreich-Ungarn; † Dezember 1926) / Fotos: Granger/Shutterstock / dpa / interfoto

Zum 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke - Der Tanz um die Mitte

Vor 150 Jahren wurde der Dichter Rainer Maria Rilke geboren. Einst mit Skepsis versehen, erleben seine Gedichte eine Renaissance. Sein Versuch, mit der Sprache zu den Dingen selbst zurückzukehren, wirkt wie ein Rettungsring für unsere weltverlorene Gegenwart.

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. In Kürze erscheint von ihm „Die Zukunft des Protestantismus“ bei Claudius.

So erreichen Sie Alexander Grau:

Kein deutschsprachiger Dichter ist so sehr in der Popkultur verankert wie Rainer Maria Rilke. Das „Rilke Projekt“ der Musikproduzenten Richard Schönherz und Angelica Fleer gilt als die erfolgreichste Vertonung moderner Lyrik. Rilkes Verse und Konterfei schmücken zahlreiche Devotionalien. Und als Lieferant für Trauersprüche hat er der Bibel fast den Rang abgelaufen. Zeilen wie „Vergangen nicht, verwandelt ist was war“, gehören zu den einschlägigen Standards. 

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Dorothee Sehrt-Irrek | So., 7. Dezember 2025 - 11:34

gewissermaßen neu ist, dann aber doch sehr vertraut klingt, bedanke ich mich ganz herzlich für diesen wunderschönen Versuch über einen großen Menschen.
So sehr Mensch, er war immerhin Ehemann und Vater, dass er unbedingt den Tod wollte, mir selbst und ganz vielen ebenfalls wohl bekannt. Was sind wir im Angesicht unserer Kinder? Rilkes Mutter hat vielleicht nur das Kind dann doch zum Leben wenden wollen, statt einzig ihrer Erinnerung?
Das Scheidungsersuchen seiner Frau könnte ihm "den Rest gegeben haben" und damit wieder den Zugang zu seiner Mitte, Kraftquelle, seinem Lieben und der letzten Kraft?
Wie hätte er zu seiner Zeit bürgerlich aus eigener Kraft leben können? Er hätte sich doch selbst verkauft?
Daher vlt. seine Neigung zur Räterepublik in München. Er war auch Arbeiter?
Sah jetzt den arte-Beitrag und auch Frau Richters verständlichen Irrtum über "Jimin".
Sie selbst, eine sehr schöne Frau, hätte ich auch mindestens 10 Jahre jünger geschätzt.
Wir sind so reich..
Ich bin dankbar.

Bernd Windisch | So., 7. Dezember 2025 - 13:13

Vielen Dank für diesen profunden Blick auf das Leben von Rainer Maria Rilke!

Es fühlt sich gut an von Rilkes genialer Lyrik berührt zu werden. Mir ist dies nach der Geburt unserer Töchter zu Teil geworden.

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke, 8.1.1898, Berlin-Wilmersdorf

Zum Weinen schön!

Maria Fischer | So., 7. Dezember 2025 - 15:10

Danke, Herr Grau. Es war ein Genuss, Ihren Text zu lesen.
Zartheit und Schönheit in Vollendung:
Orpheus. Eurydike. Hermes.