Woody Allen - Der Hass auf den Stadtneurotiker

Woody Allen ist ins Visier der Metoo-Bewegung geraten. Seine Adoptivtochter wirft dem Regisseur vor, sie missbraucht zu haben. Der Fall ist seit Jahren bekannt, Allen konnte nichts nachgewiesen werden. Dennoch ist eine Kampagne entstanden, nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen das jüdische New York

Woody Allen und seine Ehefrau Soon-Yi
Woody Allen und seine Ehefrau Soon-Yi / picture alliance

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Eva C. Schweitzer arbeitet als freie Journalistin für verschiedene Zeitungen in New York und Berlin. Ihr neuestes Buch ist "Europa im Visier der USA"

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„Er betete New York an. Er vergötterte diese Stadt über alle Maßen. Nein, es muss heißen: Er idealisierte sie über alle Maßen. Welche Jahreszeit auch war, für ihn existierte diese Stadt in schwarzweiß und in ihr pulsierte das Leben im Rhythmus der unsterblichen Melodien von George Gershwin...“ So beginnt „Manhattan“, der Film, den Woody Allen seiner Stadt zu Füßen legte.

Hassobjekt im Mittleren Westen

Vor einigen Jahren unternahm ich eine Filmtour durch New York; es war eine dieser Busfahrten für Touristen, bei der einem erzählt wird, wo der Marshmallow Man aus „Ghostbusters“ entlanglief, wo „Crocodile Dundee“ in die U-Bahn kletterte und an welchem Hochhaus „Spiderman“ herumschwang. Filme, die bei der gesamten Busfahrt nicht vorkamen, waren die von Spike Lee, der bekannteste afro-amerikanische Filmemacher nicht nur von New York, sondern des ganzen Landes, und Woody Allen. „Ich verstehe Sie schon“, sagte die Tour-Leiterin. „Aber die meisten unserer Kunden sind Touristen aus dem Mittleren Westen, und die hassen Woody Allen.“

Im Moment liebt ihn auch New York nicht. Das ist erstaunlich, denn niemand hat die Stadt über viele Jahrzehnte so präzise und liebevoll abgebildet wie Allen. Nicht das imaginäre New York von „Crocodile Dundee“, sondern ein anderes New York, das der Standup Comedians wie Jackie Mason und Larry David, die zu Anfang ihrer Karriere schlüpfrige Witze in den Sommerhotels der Catskills rissen und sich bei „Carnegies Delicatessen“ zu Bagels mit Cream Cheese und Lox trafen, das der Upper-West-Side-Akademiker mit den schwierigen Beziehungen und den Psychotherapeuten, das der neurotischen Frauen und der Männer, die nur am Sonntag Auto fahren, kurz, das jüdische New York.

Seit #Metoo unter Beschuss

Mit der #Metoo-Bewegung, die Ronan Farrow mit losgetreten hat, der Sohn von Mia Farrow und Allen (oder vielleicht auch der von Frank Sinatra, von Farrow hört man da Widersprüchliches), der im New Yorker über Harvey Weinsteins Eskapaden schrieb, geriet auch Allen unter Beschuss. Allen, das ist bekannt, hat hinter dem Rücken seiner damaligen Freundin eine Affäre mit deren Adoptivtochter angefangen, Soon-Yi, die um Jahrzehnte jünger ist als er selbst. Die beiden sind nun seit langem verheiratet und haben zwei Kinder adoptiert. Viele haben dem Filmemacher das übel genommen, allen voran natürlich Mia Farrow, die Rache schwor, und tatsächlich war das alles ja auch ziemlich grenzwertig.

Allerdings nicht ungewöhnlich für Künstler. Pablo Picasso und Bertolt Brecht beuteten ihre Freundinnen aus. Charlie Chaplin heiratete ein Mädchen, das 36 Jahre jünger war als er. Heinrich Mann – auf den Marlene Dietrichs „Blauer Engel“ zurückgeht – traf seine zweite Frau, eine Bardame, während er noch mit der ersten verheiratet war. Kurt Tucholsky, ein erbitterter Streiter gegen das Schmutz- und Schundgesetz der Weimarer Republik, wurde von seiner Frau verlassen, die sich beklagte, sie müsse über seine Geliebten hinwegsteigen, um in ihr gemeinsames Bett zu kommen. Und Erich Kästner, dessen Bücher ebenfalls von den Nazis verbrannt wurden, hatte zwei Freundinnen in zwei Städten.

Kein Gerichtsverfahren, kein Urteil

Selbst die härtesten Feministinnen behaupten heute nicht mehr, dass Soon-Yi Allens Opfer sei. Heute geht es um Vorwürfe der jüngeren Adoptivtochter Dylan Farrow, er habe sie als Siebenjährige sexuell belästigt. Dies wurde bereits 2014 öffentlich, als Dylan und Mia Farrow mit Nicholas Kristof sprachen, einem New York Times-Reporter und (kleiner Interessenkonflikt) Freund der Familie. Nun spaltet der Fall New York in zwei verfeindete Lager: Die einen glauben Dylan Farrow, die anderen Woody Allen, der alles abstreitet. Beweise, Zeugen oder weitere Vorfälle gibt es nicht, eine ärztliche Untersuchung erbrachte kein Ergebnis, es gab kein Gerichtsverfahren, geschweige denn ein Urteil. Aber das nutzt Woody Allen nichts.

Mit den Vorwürfen gegen Harvey Weinstein kam der ganze Fall wieder hoch. Nur mit diesem Unterschied. Niemand wirft Allen vor, dass er Schauspielerinnen belästigt oder Rollen versprochen habe, falls ein Starlet mit ihm ins Bett geht. Ohnehin zahlt Allen Schauspielern stets nur die gewerkschaftliche Mindestgage von 5.000 Dollar. Er hat einigen jungen Schauspielerinnen nachgestellt, wie Mariel Hemingway, die in „Manhattan“ mitspielt, aber das ist nicht ungewöhnlich, und er hat ihr „Nein“ akzeptiert.

Sind Allens Filme unmoralisch?

Weil man Allen in seinem Privatleben heute eigentlich nichts vorwerfen kann, was neu oder gar unbekannt wäre, geraten nun seine Filme ins Visier. Die Kritik an Allen manifestiert sich in der Äußerung, „mir haben seine Filme noch nie gefallen, deshalb muss an den Vorwürfen etwas dran sein“. Seine Kritiker – in die sich kürzlich sogar New York Times-Filmrezensent A.O. Scott einreihte – gucken nun noch einmal genau hin. Sind seine Filme nicht unmoralisch? Dekadent? Handeln sie nicht oft von alten Männern, die jungen Frauen hinterhersteigen oder zwischen zwei Frauen schwanken, von Ehebrechern, Verbrechern und Prostituierten und, schlimmer noch, Autoren, die Texte stehlen? Wirklich? Merken seine Kritiker das erst heute? Den Begriff „entartete Kunst“ hat bisher noch keiner gebraucht, aber warten wir‘s ab. Der Reichsfilmkammer hätte Allens Oeuvre jedenfalls bestimmt nicht gefallen. Und den Filmkontrolleuren, die im Hollywood der dreißiger und vierziger Jahre für einen sauberen Lichtbildschirm sorgten, auch nicht. Allen hat selber schon in „Stardust Memories“ Leute persifliert, die sich beklagen, seine frühen Filme seien doch viel lustiger gewesen. Jetzt aber wird es ernst.

Ja, Woody Allens Frauenfiguren kommen oft nicht gut weg. Stark sind sie oft, aber nicht so niedlich wie Mary Jane in „Spiderman“. Seine Männerfiguren sind auch keine richtigen Helden. Meistens, weil schriftstellernde New Yorker mit Psychotherapeut nicht die burschikose Fröhlichkeit von „Crocodile Dundee“ haben oder die Superkräfte von „Spiderman“. Die meisten, die Allens Filme nicht mögen, haben seit „Manhattan“ keinen mehr gesehen, aber das hält niemanden davon ab, eine Meinung zu haben. 

Gegen alles, wofür Allens New York steht

Und mehr als das. Schauspielerinnen, die Allen gute Rollen oder Oscar-Nominierungen zu verdanken haben, distanzieren sich nun von ihm. Andere wollen ihre Gage spenden – die gewerkschaftliche Mindestgage von 5.000 Dollar wohlgemerkt. Kein einziger dieser Schauspieler hat Allen persönlich etwas vorzuwerfen, alle reagieren auf den Zeitgeist. Man hat das Gefühl, ein Mob rottet sich gerade zusammen, der neues Fleisch sucht, neue Beute. Der aus Leuten besteht, die vor allem gerne ihren Namen gedruckt sehen wollen. Das alles, natürlich, im Gewande des Guten. Man muss Allens Filme nicht mögen, um es widerlich zu finden, wie diese Meute über einen gebrechlichen, genialen, jüdischen 82-jährigen Filmemacher herfällt.

Eigentlich richtet sich diese Kampagne nicht nur gegen Allen, sondern gegen ganz New York, diese unmoralische Großstadt, in der man anonym sein darf und eine Geliebte haben kann. Woody Allens New York, Larry Davids New York, Spike Lees New York. Gegen all diese jüdischen oder atheistischen Künstler, die Witzereißer in den Catskills, die Prostituierten auf dem Times Square, die Psychotherapeuten, alles, was nicht suburban ist. Dass die New York Times dabei mitmacht, ist eine Schande. Reicht es den Spießern aus dem Mittleren Westen denn nicht, Donald Trump im Weißen Haus zu haben? Müssen sie auch noch entscheiden, was ins Kino kommt?

Stefan Bosel | Mi, 14. Februar 2018 - 11:52

Mich widern diese immer wieder aufflackernden Metoo-Debatten an. Das ist die Moral aus den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts. Aber die Medien verdienen daran, spekulieren mit dem Voyeurismus der Leser und mit deren Dummheit. Wirklich gute Künstler werden durch den Dreck gezogen - kleine und mittelmäßige mästen sich an dem "Mist". Eigentlich typisch für Amerika. Das Land der Heuchler und Spießer. Warum aber auch in Deutschland sowas losgetreten werden muss? Man sollte z.B. den Wedel künstlerisch kritisieren, da gäbe es genug Anlass. Alles andere ist für Leute mit Profilneurosen, will keine Namen nennen. Aber im Film und auf der Bühne spielt der Neid eine große Rolle. Woody Allan, Roman Polanski usw. das sind absolute Größen, die der Welt viel gegeben haben - lasst sie in Ruhe. Die "Zeit" lese ich nun nicht mehr, ist mir zu billig, was die sich geleistet haben.

"Eigentlich typisch für Amerika. Das Land der Heuchler und Spießer. Warum aber auch in Deutschland sowas losgetreten werden muss?"

Auch wenn Sexskandale in Amerika aufgrund der dort mitunter sehr rigiden Sexualmoral häufiger zustandekommen, dürfen wir nicht vergessen, dass wir Deutschen in Sachen moraltriefender Miesepeterei auch ganz gut mithalten können. Unsere Feministinnen sind bereits international ein Klischee (zumindest hier in Frankreich), und dass Deutschland ein Talent hat, alle zu vergraulen, die aus der Mittelmäßigkeit herausragen, ist auch kein Geheimnis.

Für mich spielt es keine Rolle, ob Leute der Welt "viel gegeben haben", wenn sie auf der anderen Seite übergriffig waren (und bei Polanski ist es ja beispielsweise erwiesen, daß er- wenn ich mich recht erinnere- eine 13-jährige mißbraucht hat. Was hat die "künstlerische Leistung" einerseits denn mit dem Mißbrauch andererseits zu tun?
Das sind doch zwei völlig verschiedene Dinge.
Sollen nach Ihrer Logik nur die Vergewaltiger verurteilt werden, die "künstlerisch nichts geleistet" haben?

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 15. Februar 2018 - 12:12

In reply to by Mathias Trostdorf

Bitte erinnern wir uns aber auch an zum Beispiel das Alter Julias und den Zwang, an dem ihre Liebe zu Romeo scheitert, aber in der Liebe selbst ist nichts von Zwang zu lesen, sonst wäre es wohl keine Weltliteratur.
Problematischer sehe ich de Sade und übrigens auch Lolita von Nabokov.
Oh doch, in der Kunst glauben manche über das Leben erhaben zu sein, ihm erst richtig nahezukommen.
Andere bedienen sich anderer Mittel.
Weshalb ich Debatte wichtig finde.
Ich hätte übrigens keine Lust, von einem schreienden aber begnadeten Regisseur abhängig zu sein.
In politischen Reden darf man vielleicht schreien, den besten Eindruck macht es aber meines Erachtens auch nicht, aber im Umgang geht es eben gar nicht.
Wir helfen Genies, auch welche zu bleiben.

Ich sehe es etwas anders: Getrennt. Egal ob genialer Filmemacher oder Gelegenheitsarbeiter aus der Bronx: wer eine Frau gegen ihren Willen benutzt, gehört *dafür* abgeurteilt.
Und wenn er - im schlimmsten Falle - wieder aus dem Gefängnis kommt, wird das künstlerische Werk nach dem künstlerischen Merit bewertet, und nicht nach der Gesetzestreue des Künstlers.
Ohne hier ein Extra-Fass aufmachen zu wollen: Ich erkenne da ausser der Moralinsäure auch noch Auswüchse eines ganz dumpfen Anti-Semitismus, und dass man jetzt 'endlich' einen Hebel gefunden hat, den auszuleben.

Stefan Bosel | Mi, 14. Februar 2018 - 11:52

Mich widern diese immer wieder aufflackernden Metoo-Debatten an. Das ist die Moral aus den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts. Aber die Medien verdienen daran, spekulieren mit dem Voyeurismus der Leser und mit deren Dummheit. Wirklich gute Künstler werden durch den Dreck gezogen - kleine und mittelmäßige mästen sich an dem "Mist". Eigentlich typisch für Amerika. Das Land der Heuchler und Spießer. Warum aber auch in Deutschland sowas losgetreten werden muss? Man sollte z.B. den Wedel künstlerisch kritisieren, da gäbe es genug Anlass. Alles andere ist für Leute mit Profilneurosen, will keine Namen nennen. Aber im Film und auf der Bühne spielt der Neid eine große Rolle. Woody Allan, Roman Polanski usw. das sind absolute Größen, die der Welt viel gegeben haben - lasst sie in Ruhe. Die "Zeit" lese ich nun nicht mehr, ist mir zu billig, was die sich geleistet haben.

wolfgang spremberg | Mi, 14. Februar 2018 - 12:02

Der Artikel liest sich nach zweierlei Maß, Freiheit, Großzügigkeit für die, die man mag...und für die, die man nicht mag `? Trump ? Rechte ? Ehemalige, uralte KZ Buchhalter ? Die volle Härte der moralischen Empörung ?
Soll ich auch mal ? Der "linke" Allen hat also nur Mindestlohn bezahlt ? Dann ist er sicher auch an der Ausbeutung von billigen Arbeitskräften aus Mexiko interessiert. Natürlich auch an Lohn und Sozialdumping. Ich denke wir unterstellen das einfach mal.
Ein Nein von jungen Schauspielerinnen hat er akzeptiert ? Super. Toller Typ. Und die, die nicht nein gesagt haben ?
Die fanden den Mann Allen begehrenswert ? Oder war das dann eher so etwas wie halbfreiwillige Prostitution ? Ich denke wir können Allen Missbrauch seiner gesellschaftlichen Macht unterstellen. Oder ? Und diese Macht hat er genutzt um Abhängige sexuell zu missbrauchen. Richtig ? Also los ihr Guten, prangert ihn an, macht ihn fertig.....
Übrigens, ich mag seine Filme.

Trump ? Na schauen Sie doch mal wie man Trump und die Spießer aus dem Mittelwesten angeht....Woody und Co. sind halt nicht spießig, die sind so schön "liberal" und irgendwie links.....darum sind sie ja auch die Guten...oder ?
Wie wir hier lesen können eben doch nicht....obwohl, das kann ja nicht sein, das darf nicht sein. Deshalb der Artikel, deshalb mein Spott. Grüßen Sie bitte Kardinal Mazarin.

Henryke Zimmer | Mi, 14. Februar 2018 - 12:08

"Dass die New York Times dabei mitmacht, ist eine Schande. Reicht es den Spießern aus dem Mittleren Westen denn nicht, Donald Trump im Weißen Haus zu haben? Müssen sie auch noch entscheiden, was ins Kino kommt?"
MOMENT MAL:
Haben die "Spießer aus dem Mittleren Westen #metoo angestoßen?

... der Autorin, die der Tatsache nicht in´s Auge sehen mag, dass es Teile des eigenen, "linken" Milieus in Medien und Politik sind, die diese Kampagnen angestoßen haben und befeuern. Da erscheint es leichter (und völlig abwegig), auch hier die Ursache bei "Trump" zu suchen. Dabei tritt Trump gerade gegen die Auswüchse der politischen Korrektheit an, die solchen Kampagnen zugrundeliegt.

Klaus Dittrich | Mi, 14. Februar 2018 - 12:09

„Man hat das Gefühl, ein Mob rottet sich gerade zusammen, der neues Fleisch sucht, neue Beute. Der aus Leuten besteht, die vor allem gerne ihren Namen gedruckt sehen wollen. Das alles, natürlich, im Gewande des Guten.“

Treffend auf den Punkt gebracht! Ausgehend von der realen moralisch-juristisch gerechtfertigten Verurteilung puren Sexismus a la Weinstein hat sich auf diesem Boden ein schwankender Turm meist hohler Verdächtigungen von – ich kann es nicht anders benennen; sehe mich aber auf einer Linie mit C. Deneuve – aufmerksamkeitsheischenden Wichtigtuerinnen aufgebaut. Dass dieser Turm nicht zusammenfällt, ist wohl vorrangig den Medien – „seriöse“ und Boulevard arbeiten Hand in Hand – zu „danken“.

Guido Proll | Mi, 14. Februar 2018 - 12:25

Währed der Lektüre geht mir Larry David schon im Kopf herum, das ist einfach zu nahe dran: Viele Künstler auf der #MeToo Täterliste. Aber Künstler sind genial und haben uns viel gegeben! Außerdem hatten die Nazis was gegen Künstler.

Als sein Name am Schluss explizit erwähnt wird, ist es klar: Frau Schweitzer, sie haben seinen Monolog bei "Saturday Night Live" wirklich hervorragend ins Deutsche übersetzt! Respekt.

Guten Tag Herr Proll, 

falls Sie diesen Monolog meinen, können wir da keine direkte Übersetzung erkennen. 

https://www.youtube.com/watch?v=NuGrIdZQ7Xc

VG
CW (Online-Redaktion)

Guido Proll | Mi, 14. Februar 2018 - 17:21

In reply to by Constantin Wissmann

Leider kann ich hier nicht auf Youtube zugreifen, wird's wohl sein. Es stimmt, das Wort "Übersetzung" trifft es nicht. Adaption? Vor allem aber: Das Lob war nicht sarkastisch gemeint. Ich hätte zum Beispiel normalerweise die etwas mit der Brechstange hergestellte Nazi-Verbindung bemängelt, aber das war ja bei Larry David nicht weniger Brechstange, also gut übertragen.

Wolfram Fischer | Mi, 14. Februar 2018 - 12:25

Was mich jeden Tag immer weiter erschüttert, ist die Entwicklung einer Paralleljustiz, genannt "meetoo" auf der eine vage Anklage erfolgt, ggf. auch so etwas wie eine „Verhandlung“ beigesteuert wird ("Zeugen" der Anklage treten auf, sind aber doch nur weitere Ankläger!) aber das Urteil steht fest: Schuldig, im Zweifel GEGEN den Angeklagten!
Hier werden OHNE einen Gerichtsprozess Menschen abgeurteilt – zwar manche eigentlich (!) zurecht, aber die unstrittige juristische Maxime "Im Zweifel FÜR den Angeklagten" wird hier komplett außer Kraft gesetzt!
Widerwärtig, illegitim und demokratiezersetzend, was hier passiert!

Michael Sander | Mi, 14. Februar 2018 - 12:29

Alles richtig, nur wurde die #metoo Kampagne ganz sicherlich nicht von den Spießern im mittleren Westen losgetreten, sondern von den PC-Spießern in Hollywood und New York.

"Political correctness is facism pretending to be good manners"

Wer braucht denn noch heute die Unschuldsvermutung, die Hexenjagd ist zurück gekehrt!

Genauso ist es, Herr Sanders.
Ich finde ja immer gut, wenn Leute mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden.
Ich glaube, denen, die sich heute als die "Guten" und "moralisch Überlegenen" empfinden, fehlt es vielfach nicht nur an Humor (wo angebracht), sondern immer wieder auch an Selbstreflektion und Selbstkritik.

Holger Stockinger | Mi, 14. Februar 2018 - 12:29

Außer "Der Stadtneurotiker" sollte Jesus aus Nazareth eigentlich auch in die Zielscheibe der Hetzkampagne gehören: Hat er nicht Maria Magdalena am Brunnen "belästigt"?

Ullrich Ramps | Mi, 14. Februar 2018 - 12:49

Was mich an metoo am meisten ärgert, sind diese dümmlichen Vorverurteilungen.
Letztlich stellt dieser Mist die schlimmste Form des Shitstorms dar, mit gesellschaftlicher und beruflicher Ächtung etc. pp. - letztlich etwas, was seit dem Mittelalter der Vergangenheit angehören sollte.
Zur Vermeidung von Missverständnissen - jeder, der Frauen gegen deren Willen Sex aufdrängt, gehört ins Gefängnis.
Aber metoo geht bei vielen weiblichen Nutznießern lächerlich zu weit, mit Mobbing, wenn auf Galas nicht schwarz getragen wird, Pauschalverurteilungen ohne jeden Beweis etc. pp.

Mathias Trostdorf | Mi, 14. Februar 2018 - 13:09

Ich kann jetzt aus dem Artikel nicht erkennen, warum sich die Kampagne gegen das "jüdische New York" richten soll?
Wenn jemand jemanden belästigt hat, ist es doch auch völlig egal ob der Übergreifer jüdisch oder nicht jüdisch ist?
Und wenn das "jüdische New York" niemanden belästigt hat, braucht es doch auch nichts zu fürchten. Der Zeitgeist, oder weil man "künstlerisch so wertvoll" sei, oder weil man ansonsten so beliebt ist- sowas sollte allerdings bei der Bewertung von Übergriffen keine Rolle spielen.

Monique Nilsen | Mi, 14. Februar 2018 - 13:27

schnitt ich aus einer Zeitung einen Artikel aus mit einem Bild von Woody Allen und seiner sehr alten Schreibmaschine, auf der er noch schreiben würde, stand da. Es ging auch um seine Art und Weise, seine Notizen auf Zetteln zu sammeln.
In der Nacht darauf träumte ich, dass ich auf einem Bahnhof eine Fahrkarte zöge, um Woody Allen besuchen zu können, aber statt dessen gab der Automat ein weißes Blatt heraus. Im Traum war das für mich ein Hinweis, in Zusammenarbeit mit Woody Allen dieses Blatt zu beschriften und ein gemeinsames Projekt zu starten.
Ich verdanke Woody Allen viele gute Stunden mit seinen Filmen und den Vor- und Nachgesprächen mit meinen Freunden.

Robert Müller | Mi, 14. Februar 2018 - 13:37

Da wird von einer Kampagne geschrieben, und die soll von den Trump-Anhängern ausgehen. Im Absatz davor und unter der selben Überschrift wird von Kollegen geschrieben, also von Schauspielern, die in seinen Filmen mitgespielt haben. Sind das die Trump-Anhänger, die ihn jetzt angehen? Ich weiß nicht? Entweder ist da ein Fehler in der Gliederung des Artikels oder ein Denkfehler. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Amerikaner, etwa im mittleren Westen, auf Twitter die #meetoo - Kampagne nutzen um Woody Allen anzugehen. Meine Vermutung ist eher, dass die Teilnehmer der #meToo-Kampange halt allen bekannten Vorwürfen nachgehen und da ist dann auch Woody Allen dabei. Warum sollte er auch einen Sonderbonus haben? Im übrigen ist Kritik immer notwendig, weil nur so sich zeigt was etwas taugt und was nicht. Ich denke, Woody Allan hält die Kritik aus, wenn nur das vorgefallen ist was im Artikel beschrieben wurde.

Karl Kuhn | Mi, 14. Februar 2018 - 13:46

"Reicht es den Spießern aus dem Mittleren Westen denn nicht, Donald Trump im Weißen Haus zu haben? Müssen sie auch noch entscheiden, was ins Kino kommt?"

... Sie wissen doch ganz genau, dass die 'Spießer aus dem Mittelwesten' für diese Hexenjagd am allerwenigsten verantwortlich sind und Woody Allen gegen diese feministischen Pharisäer sofort in Schutz nehmen würden.

Guten Tag Herr Derne, 

Sie haben Recht, wir bitten um Entschuldigung, die Familie Allen/Farrow ist ja recht kompliziert, trotzdem hätte das nicht passieren dürfen. 

Beste Grüße

CW (Online-Redaktion)

Ralf Schütz | Mi, 14. Februar 2018 - 14:58

Man kann darüber streiten, ob die Werke von Sexualstraftätern gezeigt werden sollen oder nicht. Ich meine: Ja. Das Publikum ist mündig und kann selbst entscheiden, ob es einen solchen Film sehen will oder nicht. Eine andere Frage ist, ob man die Vorwürfe gegen Woody Allen als erstens erledigt und zweitens als irgendwie nicht so wichtig abtut. Gegen Allen gibt es eine Menge Verdachtsmomente: Er war wegen "unangemessenen Verhaltens" der siebenjährigen Dylan gegenüber in Therapie. Er hatte behauptet, nie auf dem Dachboden gewesen zu sein, auf dem der mutmaßliche Missbrauch stattgefunden hat, bis dort Haare von ihm gefunden wurden. Und so weiter. Sexueller Missbrauch hat mit Spießigkeit nichts zu tun. Ein missbrauchtes und für sein Leben geschädigtes Kind ist keine Profilneurotikerin (wie mein Vorkommentator meint). Wir sprechen hier von einem Verbrechen. Von nichts weniger.

Simon Tanner | Mi, 14. Februar 2018 - 15:18

Kunst und Moral stehen seit jeher in einer spannungsgeladenen Wechselbeziehung. Moralapostel und Zensoren gab es zu allen Zeiten, wie auch Denunzianten. Was wirklich zwischen Wedel und diversen Mimen vorfiel, zwischen Allen und seiner Pflegetochter, wissen im Grunde nur die Beteiligten. Das hindert die selbsternannten Ankläger, Staatsanwälte und Richter, oft in Personalunion, natürlich nicht daran, ihre Vorwürfe öffentlich zu machen. Wichtig ist natürlich die Einbeziehung der Öffentlichkeit, denn das ist heute das Entscheidende. Man darf sich durchaus an eine "Hexenjagd" erinnert fühlen, denn irgendwas hängen bleibt immer, wie sich bei dem Wetterfrosch Kachelmann zeigte. Auch wenn die beschuldigten Männer sicherlich nicht über alle Zweifel erhaben sind, hinterlässt die Kampagne einen zweifelhaften Nachgeschmack. Die Unschuldsvermutung gilt offenbar nicht mehr. Man darf gespannt sein, wohin dies alles führen wird; sicher nicht zu mehr Freiheit, sondern verstärkt zu neuen Einschränkungen

Brigitte Miller | Mi, 14. Februar 2018 - 15:28

Dass sich die Kampagne gegen das "jüdische New York" richten soll.
Dylan hat ihre Aussagen lange vor der MeToo-Kampagne gemacht"Dylan hat diese Vorwürfe immer und immer wieder erhoben, zum ersten Mal als Siebenjährige im Jahr 1992" EMMA. Allen ist zweifellos ein grosser Künstler, was aber leider nicht ausschliesst, dass er Dylan missbraucht hat. Es ist eine unzulässige Vermischung von verschiedenen Inhalten, nämlich dass die MeeTooKampagne vermutlich weit über das Ziel hinaus schiesst und der Tatsache, dass es Missbrauch gab und gibt.

Christoph Ernst | Mi, 14. Februar 2018 - 15:47

Wunderbarer Artikel, herzlichen Dank, Frau Schweitzer. Ignazio Silone, der italienische Sozialist und Autor, den Mussolini ins Exil trieb, übrigens einer der frühen Warner vor Stalins ‚Säuberungen’, soll nach der Befreiung Italiens 1944 gesagt haben, das 'nächste Mal' käme der Faschismus im Gewand des Antifaschismus.
Daran muss ich bei "Me Too" oft denken, denn mitunter bestimmt die Form den Inhalt.
im Übrigen: Wie antisemitisch die angebliche 'Linke' ist, beeindruckt mich immer wieder, aber es korrespondiert hervorragend mit ihrer Stalin-Nostalgie und ihrem grenzenlosen Philo-Islamismus.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 14. Februar 2018 - 16:25

Amerikas bezogen auf den Bereich Film?
Der Artikel legt es nahe, weil, so liest es sich, gewisse sexuelle """Unschärfen""" jüdisch seien?
Das wäre natürlich ein Unding.
Mir erzählte jemand, dass 100 Millonen US-Amis europäische Wurzeln hätten.
Es werden doch nicht nur Puritaner sein?
Ich hoffe, dass die Amis einen modus vivendi finden.
Aber dass ich Sex mit großer Kunst zusammendenken soll, leuchtet mir nicht ein.
Heinrich der VIII changiert bei mir zwischen `Scheusal´ und eher beiläufig großer König. Er schuf die anglikanische Kirche, um sich wiederverheiraten zu können.
Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass Allen und Polanski große Regisseure sind, die auch problematische Seiten in ihrem Leben aufweisen?
Eine andere Sache ist, dass er nur die gewerkschaftliche Mindestgage bezahlte.
Das macht evtl. keine Freunde.
Man kann keine Götter einfordern und selbst die hatten
Schattenseiten.
Man kann aber sexuelle Anwürfe nicht beschränken, wie es beliebt - gegen Trump...

Martin Lederer | Mi, 14. Februar 2018 - 16:55

Mein Mitleid mit dem "liberalen" (nach US-Begriffen) Gutmenschen, zu denen ich auch Woody Allen zähle, hält sich in Grenzen.

David Nopotis | Mi, 14. Februar 2018 - 18:38

,,, wie sie schreiben, Frau Schweitzer. Als jahrzentelanger Fan von Woody schreiben sie mir aus dem Herzen

Romuald Veselic | Do, 15. Februar 2018 - 08:03

Woody Allen:
"Reicht es den Spießern aus dem Mittleren Westen denn nicht, Donald Trump im Weißen Haus zu haben? Müssen sie auch noch entscheiden, was ins Kino kommt?"
Ich möchte Sie nur daran erinnern, dass die Anzahl der Mittleren-Westen Spießer ist größer, als die Einwohnerzahl in Deutschland. Das Andere ist, dass die Person von Angela Merkel in meiner Wahrnehmung, als Erfinderin des Spießertum vorkommt. Die deutsche Filmindustrie und die angeschlossenen Medien, ist nur eine Bestätigung dafür.

Christoph Wirtz | Do, 15. Februar 2018 - 19:12

Frage an die Autorin, bezugnehmend auf die letzten beiden Sätze des Artikels: Sie meinen ernsthaft, da gäbe es eine Übereinstimmung hinsichtlich der Wählerschaft Trumps und des Milieus, das die widerliche Kampagne gegen Allen vorantreibt, und ihn sozial vernichten will? Wohl kaum, die heutige "moral majority" rekrutiert sich aus einem (pseudo)-feministischen, (pseudo)-moralischen, "linken" Milieu in Medien und Politik. Dass Trump-Wähler tendenziell eher keine Allen-Filme mögen, macht sie nicht zu den Urhebern der Kampagne.

Friederike Grasser | Fr, 16. Februar 2018 - 08:50

Spannend, spannend.
Metoo Keule vs. Antisemitismuskeule.
Bin gespannt welche dicker ist

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