Welttag der Philosophie - Hört auf, die Philosophie zu missbrauchen!

Zum Welttag der Philosophie hat unser Gastautor einen Wunsch: Statt die Philosophen zu benutzen und für alles mögliche zu verwenden, sollte man viel häufiger selber philosophieren. So erst ergibt alles einen Sinn

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Karl-Marx-Musical in Plauen, 2013 / picture alliance

Autoreninfo

Daniel-Pascal Zorn ist Philosoph und Autor. Zuletzt ist von ihm bei Klett-Cotta das Buch erschienen: „Das Geheimnis der Gewalt. Warum wir ihr nicht entkommen und was wir trotzdem dagegen tun können.“

 

 

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Daniel-Pascal Zorn

Hört auf, Philosophie auf ein konsumierbares Produkt oder einen bildungsbürgerlichen Zeitvertreib zu reduzieren. Hört auf, sie als Vorwand zu nehmen, um Meinungen eine Plattform zu geben, die ihr als „Philosophie“ adelt, obwohl es nur Meinungen sind. Hört auf, Philosophie zu missbrauchen, um Veranstaltungen attraktiv zu machen, die Geld mit Debattensimulation verdienen. Hört auf, Philosophen als Projektionsfläche, Sockenpuppe oder Absprungschanze für die Bewerbung eigener weltanschaulicher Positionen zu instrumentalisieren. Hört auf, Philosophie mit Beliebigkeit zu verwechseln, und Appelle, über die man nachdenken und die man begründen muss, mit Vorschriften.

Fangt stattdessen an, philosophische Texte zu lesen. Ernsthaft. Gewissenhaft. Selbstkritisch. Neugierig. Diese Texte können sich nicht gegen Vereinnahmungen wehren. Aber sie haben sie immer überlebt. Sie achten Euch als Leser, indem sie sich unablässig verständlich machen. Erwidert diese Achtung, indem Ihr diese Texte der philosophischen Tradition nicht zum Steinbruch, zum Parteigänger oder zum heiligen Buch macht, sondern sie in ihrem Eigenrecht anerkennt. Nur weil das immer noch zu selten geschieht, gibt es dort immer noch noch so viel zu entdecken.

Schlecht begründete Urteile halten nicht lang

Habt den Mut zur Unsicherheit, zur prüfenden Lektüre, zu einem Verständnis, das sich selbst hinterfragt. Und habt den Mut, auch andere Leser danach zu beurteilen. Weder der Philosoph / die Philosophin, noch der Forscher / die Forscherin sind unhinterfragbare Lehrautoritäten. Sie sind Teilnehmer an einem Gespräch über die Philosophie, das wir miteinander führen. Aber wägt Eure Urteile und tut es sorgfältig. Schlecht begründete Urteile halten nicht lang.

Philosophie ist eine Praxis der Freiheit, die einen diese Praxis der Freiheit als eigene Praxis einsehen lässt. Nur wer sie radikal, ernsthaft, gewissenhaft betreibt, wird sie nicht dem eigenen Wissen, der eigenen Überzeugung, den eigenen Zwecken, der eigenen Weltanschauung unterordnen.

Feiert die Philosophie, indem Ihr philosophiert

Zum Welttag der Philosophie: Ignoriert die Feierlichkeiten für die Philosophie, die während dieser Feierlichkeiten von hunderten selbstgewissen, gedankenlosen Urteilen über sie erdrückt wird. Lest lieber einen philosophischen Text, alleine, mit anderen. Lest und trinkt und lebt und denkt. Wenn es sein muss: schreibt etwas auf.

Macht einen Spaziergang. Sprecht mit anderen über Philosophie, die ihr gelesen habt. Teilt Fragen, Thesen, Kritik. Feiert die Philosophie, indem Ihr philosophiert. Das und das vor allem anderen hält sie am Leben.

Tomas Poth | Do, 21. November 2019 - 16:30

Karl Murks-Festspiele, natürlich mit ein bißchen Dessous, Popo und Busen, sonst geht ja keiner hin.

Alessandro LaPorta | Do, 21. November 2019 - 19:43

In reply to by Tomas Poth

Nun ja Herr Poth, wenn man sich "Karl Murks" als Festspiel schon gibt, finde ich Dessous, Popo und Busen, als kleine Ablenkung fürs Auge ganz ok ;-).

Gerhard Lenz | Fr, 22. November 2019 - 10:04

In reply to by Tomas Poth

Gibt es nicht. Es gab ja nicht nur einen Marx, es gab auch einen Heidegger, mit nachgewiesenen Sympathien für NS-Ideologie.
Es gibt den eher linken Precht, und den AfDler Jongen. Philosophie, oder genauer die Philosophie, die ein Standesvertreter verbreitet, bezieht eben oft auch Stellung.

Philosophische Aussagen beinhalten nach der Lehre Prämissen und Konklusion.
Was, nichtsdestoweniger, zuweilen Philosophen nicht davon abhält, schlichte Meinung zu verbreiten, ohne sich um irgendeine argumentative Beweiskraft zu kümmern.

Soll man daraus schließen, dass Philosophen manchmal selbst der "Liebe zur Wahrheit" einen Bärendienst erweisen?

Dieter Freundlieb | Sa, 23. November 2019 - 09:43

In reply to by Gerhard Lenz

Mit Verlaub, aber ich kann in Ihrem Kommentar wenig Substantielles erkennen. Den Artikel selbst würde ich allerdings auch mehr als gut gemeint, denn als gehaltvoll bezeichnen.

Zu Ihrem Kommentar nur Folgendes:

Sie schreiben: "Philosophische Aussagen beinhalten nach der Lehre Prämissen und Konklusion."

Von welcher Lehre soll hier die Rede sein?

Als Charakterisierung von philosophischen Aussagen ist das jedenfalls völlig unzureichend. Ich wüsste auch nicht, aus welcher 'Lehre' das folgen sollte.

Sie scheinen hier simpelste Aussagenlogik mit Philosophie zu verwechseln.

gabriele bondzio | Do, 21. November 2019 - 18:53

Natürlich kann man Alles und Jeden hinterfragen,. Aber wenn man seine Weltanschauung in perfekt-gesetzten Worten trifft, beispielsweise in der Philosophie. Wäre es doch schade (für den Philosophen), Neues zu erfinden, statt an ihn mit einem Zitat zu erinnern.
Man muss dann nur noch klären, was „schlecht begründete Urteile“ sind. Da ja die Menschen, konfrontiert mit einem Sachverhalt, in völlig unterschiedliche Richtungen denken. Wem kommt dann das Richteramt zu, wenn der Urheber nicht mehr lebt?

Gisela Fimiani | Do, 21. November 2019 - 20:21

Danke für einen erfrischenden „philosophischen“ Appell! Ich erlaube mir Hugo von Hofmannsthal zu zitieren: „Die Philosophie ist die Richterin eines Zeitalters, es steht schlimm, wenn sie statt dessen sein Ausdruck ist.“ Niemals darf die Philosophie (der Philosoph) dem Zeitgeist Konzessionen machen. Schauen wir durch diese „Brille“ auf so manche „missbrauchte“ Philosophie und sie „missbrauchende“ Philosophen. Es grassieren Eitelkeit, Unbescheidenheit, Anmaßung....Feinde der Philosophie.

Günter Johannsen | Do, 21. November 2019 - 22:31

"Hört auf, Philosophie mit Beliebigkeit zu verwechseln, und Appelle, über die man nachdenken und die man begründen muss, mit Vorschriften. Fangt stattdessen an, philosophische Texte zu lesen. Ernsthaft. Gewissenhaft ..." Das können die Kommunisten aber nicht, weil denen eine Hirnwindung fehlt. Denn selbst der Antisemitismus ist den Marxisten nicht fremd. Schon ihr großer Vordenker Karl Marx schrieb in einem seiner Briefe an Friedrich Engels über den Juden Ferdinand Lasalle: „Es ist mir völlig klar, dass er, wie auch seine Kopfbildung
und sein Haarwuchs beweist, von den Negern abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlossen …. Diese Verbindung von Judentum und Germanentum mit der negerhaften Grundsubstanz müssen ein sonderbares Produkt hervorbringen … niggerhaft“ (nachzulesen in „Marx & Engels intim“, Random House Audio Verlag, München 2009). Palästinenser, Freunde der Linken skandierten auf der Demo in Berlin ungehindert: "Hamas, Hamas, Juden ins Gas!"