Charlottenburg
Wohngebäude in Berlin / picture alliance / Joko | Joko

Was ist eine gerechte Miete? - Vertragsfreiheit und Freibeuter

In Berlin wird mal wieder über Mietpreise gestritten. Und die Vorschläge werden immer ambitionierter – manche sagen restriktiver. Aber wann ist eine Miete überhaupt „gerecht“? Tatsächlich ist die Suche nach dem gerechten Preis so alt wie die Philosophie selbst.

Gregor Thüsing

Autoreninfo

Prof. Dr. Gregor Thüsing ist Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen, vielfacher Sachverständiger im Deutschen Bundestag und wurde 2024 in den Deutschen Ethikrat berufen.

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In der aktuellen Berliner Diskussion um Mietpreisbegrenzungen scheinen sich die verschiedenen Parteien mit Regulierungsvorschlägen überbieten zu wollen: „Das grüne Bezahlbare-Mieten-Gesetz schafft bezahlbaren Wohnraum für alle – statt nur für Menschen mit viel Geld.“ Und bei den Linken heißt es: „Wir stellen die Frage ,Wem gehört die Stadt?‘ in den Mittelpunkt unserer Mietenpolitik.“ Deshalb wolle man „den Mietenwahnsinn eindämmen“. Die SPD zieht nach, wird konkret und fordert unter anderem, „dass die Möglichkeit für Mieterhöhungen zukünftig dauerhaft eingeschränkt wird. Statt bis zu 5 Prozent jährlich wären dann maximal noch 3 Prozent jährlich gesetzlich möglich“.

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Jens Böhme | So., 15. Februar 2026 - 09:36

Immer wenn mit Gerechtigkeit argumentiert wird, wird es ideologisch. Gerechtigkeit ist eine humanistische Utopie, die nie Wirklichkeit wird. Die Sonne strahlt nicht gerecht. Die Planetenbahnen sind nicht gerecht. Im Regenwald wachsen die Pflanzen nicht gerecht. Tiere jagen Tiere und fressen sie lebendig. Jeder Mensch hat eine eigene Gerechtigkeitsvorstellung, die mit anderer Gerechtigkeitsvorstellung kollidiert. Die Kindererziehung ist nicht gerecht, weil das Kind die Rechte eines Volljährigen nicht haben kann. Müssen Wissen, Dummheit oder Gleichgültigkeit gerecht verteilt sein?

IngoFrank | So., 15. Februar 2026 - 10:06

war ein „Heuratsgrund“ in der DDR überhaupt an eine eigene Wohnung zu kommen. Einen Wohnungsmarkt gab es nicht nur eine Abteilung „Wohnungsvergabe“ ansässig in den jeweiligen Kommunen bei denen der Wohnungsbedarf angemeldet werden mußte. Eine „Zuweisung“ erfolgte nach der „Familiengröße“ mit einer staatlich regulierten Miete einem heutigen Mietendeckel gleichgesetzt. Für eine Altbauwohnung mit WZ, KZ, Küche & Bad, SZ schlugen 35 OM zu Buche, gleiches mit Fernheizung 85 OM.
Allerdings kostete 1 Sack Zement 7 OM
Die Folgen:
Jahrelange Wartelisten auf eine Wohnung
Katastrophaler Zustand der Bausubstanz im Altbaubereich
Reperatur und Modernisierungsstau bei Fenstern, Fassaden, Elektrik, Sanität Heizung
Zerfall ganzer Innenstadtbereiche, vor allen in den Städten mit relativ wenigen Schäden aus dem II. WK.
Kein Gewerbe für Reparaturen und Erneuerung
in allen Gewerken = nur in „Schwarzarbeit“ möglich …..
d h wenn keine Rendite erwirtschaftet wird führt das zum Wohnungsmangel ala DDR

Staatliche Regularien funktionieren nicht, weder in der DDR, noch in der heutigen BRD.
Sicher ist die Marktwitschaft nicht vollkommen, jedoch bringt sie für die übergroße Mehrheit der Bevölkerung mehr Wohlstand als es eine Planwirtschaft je konnte & kann. Das sind lediglich sozialistisch kommunistische feuchte Träume der Regulierung, die letztlich jegliche Freuheit = Eigeninitiative = Investitionen hemmt und schlussendlich zur Massenverelendung, Gesinnungsterror und Entzug jeglicher freier Meinungsäußerung führt ….. schlicht die Demokratie wie sie in diesem Land bis 2015 war, abschafft.
Es stimmt der Slogan heute mehr denn je:
Freihet ( des Marktes) statt Sozialismus 👍
Das sollte noch angemerkt werden.
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Angelika Sehnert | So., 15. Februar 2026 - 10:20

Über den gerechten Preis kann man tatsächlich trefflich philosophieren, nur taugt gerade der Mietpreis wenig dazu.
Weder Vermieter noch Mieter können frei handeln. Es ist der Staat, der falsch handelt.
Würden wenigstens die schädlichsten Regulierungen abgeschafft, mehr Bauland zur Verfügung gestellt und vielleicht noch steuerliche Anreize für Kleinanleger, Stichwort Altersvorsorge, geschaffen- was es übrigens schon mal gab, sogar mit einer zeitlich begrenzten Mietendeckelung- würden ziemlich schnell viele Wohnungen gebaut. Derzeit liegt der Gestehungspreis bei mind. 15€/qm= 20€ Miete ,die Höhe der Nebenkosten wird auch vom Staat getrieben.
Der Zustand des Wohnungsmarkts ist das klassischen Beispiel einer Interventionsspirale. Der Staat schafft durch Eingriffe in den freien Markt über Gesetze ein Problem, deren negative, nicht bedachte Folgen durch weitere Eingriffe behoben werden sollen, was wiederum neue Probleme schafft. Das Grundproblem aber bleibt: es gibt zu wenige Wohnungen.

Peter William | So., 15. Februar 2026 - 12:05

Die Parteien wollen gewählt werden um dem Staat Geld abnehmen zu können in Form von Diäten, Parteien- und Forschungsfinanzierungen und mittlerweile vergeben diese großzügig Geld an irgendwelche (N)GO.

Die Parteien sind nicht mehr als Zusammenkunft von Volksvertretern gleicher Ansichten zu betrachten, sondern verstehen sich als "Wirtschaftsvertreter" die Jobs schaffen, dass ist nicht eure Aufgabe! Geht in die Wirtschaft wenn ihr wirtschaften wollt. Letzte Woche erst gesehen, Heidi Reichinnek wie sie 10 Milliarden Euro als Risikokapital gefordert hat, was sie großzügig verteilen will nach der BaWü Wahl...

Die Mieten sind zum Politikum geworden. Restriktionslose Einwanderung, attraktive Städte und sterbende Dörfer in denen ohne Auto nicht gelebt werden kann, die aber keine Jobs zu bieten haben um welche zu finanzieren.

Habt ihr toll gemacht! Mehr Windräder und Einwanderung wird das Problem lösen,genauso wie ein sozialistischer Mietendeckel. Gab's schon in der DDR,Verfall war die Folge.

Ernst-Günther Konrad | So., 15. Februar 2026 - 12:12

Ausreichend Wohnraum schaffen durch sozialen Wohnungsbau und der Markt wird das Problem von selber lösen. Wobei? Die Berliner haben das Elend ja gewählt, sollen sie es auch erleben und aushalten. Und sie stellen zu Recht fest. *Es gibt kein Grundrecht auf Wohnen in der Innenstadt. Weder der Staat noch erst recht der private Vermieter ist hier in der Pflicht.*
Das scheint die Parteien nicht zu interessieren.