Timmy
Wal Timmy mit Helfern / picture alliance/dpa | Marcus Golejewski

Was ist ein Wal wert? - Timmy in Schwierigkeiten

Die Bereitschaft ist hoch, enorme Summen für die Rettung eines Wals auszugeben. Währenddessen verschwinden ganze Arten still und leise für immer. Eine gute Gelegenheit für die Sonntagsfrage: Was ist ein Wal eigentlich wert?

Gregor Thüsing

Autoreninfo

Prof. Dr. Gregor Thüsing ist Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen, vielfacher Sachverständiger im Deutschen Bundestag und wurde 2024 in den Deutschen Ethikrat berufen.

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Ich bekenne freimütig: Der Titel der heutigen Kolumne ist geklaut. Das ist kein Kavaliersdelikt in Zeiten so vieler Plagiatsjäger on- und offline. So hieß ein Kinderbuch, das ich vor vielen Jahren meinen Sprösslingen der Reihe nach vorgelesen habe. Ich musste heute Morgen daran denken. Kein Thema dominierte die Meldungen der vergangenen Wochen so wie der gestrandete Ostseewahl: „Der Rettungsversuch des Wals – Timmy im Bild-Livestream“. Und: „Gibt es doch noch Hoffnung für Buckelwal Timmy? Zwei Multimillionäre finanzieren einen letzten Rettungsversuch.“ Der sterbende Seekoloss löste Emotionen aus. Das machte die Berichterstattung einfacher als technische Fragen wie Tankrabatt, Krankenkassenfinanzen und vielleicht auch Iran-Krise. Nicht wenige werden sich aber gefragt haben: Lohnt sich der Aufwand? Könnte – müsste – man das Geld nicht besser investieren?

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Wolfgang Borchardt | So., 26. April 2026 - 13:25

von der stets verschwiegenen Realität, dass nicht sich über ein vermeintlich erträgliches Maß hinaus ausbreitende Pflanzen oder Tiere, sondern der Mensch das invasivste Lebewesen auf diesem Planeten ist.

Jens Böhme | So., 26. April 2026 - 14:43

Der Tod eines Wal ist keine Umweltkatastrophe, wie die Ölpest durch die Exxon Valdez vor Alaska 1989.

Achim Koester | So., 26. April 2026 - 16:23

Die Abwägung menschlichen Lebens gegen materielle Werte scheint mir in einem wichtigen Punkt zu versagen: In der Geschichte bis heute werden junge Menschen von ihren Regierenden bedenkenlos in den Krieg geschickt. M.E. hat keine Regierung der Welt auch nur ansatzweise das Recht dazu.

A. Müller | So., 26. April 2026 - 21:36

Der Einwand des Autors, dass andere Tiere keine so große Lobby haben, wie dieser Wal stimmt schon. Aber jetzt Mal ehrlich: wir werfen so viel Geld zum Fenster heraus (für Bürokratie, für Rüstung, für die korrupte Oligarchen-Schicht in der Ukraine uva.) und für die Rettung eines festsitzenden Meeressäugers soll es nicht mehr reichen? Wir wollen ins All und auf den Mond fliegen und schaffen es nicht einmal, diesen Wal von einer Sandbank zu befreien, weil wir an unserer eigenen Bürokratie scheitern! Peinlich dieses ganze Gedöns und Gestreite. Wenn eine Rettung aussichtslos ist, dann muss man das Tier erlösen. Wenn sie Aussicht auf Erfolg hat, muss man es zügig durchziehen und nicht ewig diskutieren und auf Genehmigungen warten.