Johannes Wallacher
Hochschulpräsident Johannes Wallacher bleibt zu dem Vorfall kurz angebunden / picture alliance / SZ Photo | Robert Haas

Vortrag des Philosophen Sebastian Ostritsch abgesagt - Cancel Culture an Jesuiten-Hochschule

An der katholischen Hochschule für Philosophie München wurde nach Protesten von Studenten ein Vortrag des Philosophen Sebastian Ostritsch gecancelt. Die Verantwortlichen schweigen. Der Vorgang folgt einem inzwischen gut bekannten Muster.

Leven

Autoreninfo

Benjamin Leven, promovierter Theologe und Journalist, ist Redaktionsleiter Online der katholischen Zeitschrift Communio

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Sebastian Ostritsch ist Katholik – und er ist nicht links. Der Philosoph und Publizist hat das Anbringen von Regenbogenflaggen an Kirchen kritisiert, weil die Kirche damit ihren eigenen Lehren über Ehe und Sexualität widerspreche. Er hält Abtreibungen für moralisch unzulässig und bestreitet, dass es ein Recht auf Suizid gibt. Er meint: „Es ist die moralische Pflicht des Staates, seine Bürger vor möglichen negativen Konsequenzen der Einwanderung zu schützen.“ Und er ist überzeugt, ein „Erhalt der gemeinsamen europäischen Kultur“ sei nur durch eine Erneuerung des christlichen Glaubens möglich.

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IngoFrank | Do., 27. November 2025 - 13:58

Nachwuchses geht: weg von Gott hin zum Götzenbild Klimaschutz und deren Hohenpriestern Habeck,Baerbock, , Dröge, Hasselmann & Co.
Beim letzten Kirchentag habe ich mir einen Bericht davon auf Phönix angesehen.
Ich dachte, ich sehe & höre einen Bericht vom „Freiluftparteitag der Grünen Sekte“ ohne überhaupt Erwähnung der Worte. Gott & Glauben ……Die Kirchen machen das, was sie immer getan haben, ihre Fahnen in Richtung Wind der jeweils Herrschenden zu halten nach dem Motto: die weltliche Macht macht das Volk arm, die Kirchliche Mach macht’s arm. Umgedreht funktioniert das heute auch.
MfG a d Erfurter Republik

Maria Arenz | Do., 27. November 2025 - 14:19

Mit abgesagten Vorträgen von nicht links-genugen Professoren fing es an, inzwischen werden den Mißliebigen Tagungsräume, Mietverträge, Hotelzimmer und Bodenseerundfahrten gekündigt. Und neuerdings muß ich mich wohl erst als AFD-Gegner outen, wenn ich unbespuckt in einen Drogeriemarkt will, der es an der von "Omas gegen Rechts" geforderten Botmäßigkeit fehlen ließ. Ich wiederhole mich: dieser Meinungsterror einer widerwärtig unzivilen"Zivilgesellschaft" folgt nicht etwa dem Druck einer Diktatur (mit prügelnden Sturmabteilungen, Gestapo, KZ und von oben gelenkten Gerichten) sondern steigert sich ganz von selbst immer mehr in einen "gesinnungsethisch" begründeten Machtwahn hinein, der keine rechtsstaatlichen Grenzen mehr kennt. So langsam glaube ich, daß das genetisch ist- ein erschreckend großer Teil der Deutschen braucht das offenbar, das Marschieren im Gleichschritt und immer neue "Juden", an denen man seinen miesen kleinen inneren Schweinehund sein Pipi abschlagen lassen kann.

Elisa Laubeth | Do., 27. November 2025 - 14:44

Die jesuitische Ausbildung ist auch nicht mehr das, was sie mal war - eine Elitenausbildung, eine Erziehung zum kritischen, offenen Geist. Was ist aus dem ignatianischen Ideal geworden?
Bildungskatastrophe intellektuelle Limitiertheit, wohin man auch blickt.

@Elisa Laubeth, "Zur größeren Ehre Gottes", das ist der Leitspruch der Jesuiten. Ja, Intellektuelle Limitiertheit, beginnend bei der Hochschulleitung. Jesus hätte wahrscheinlich sämtliche Tische dieser bornierten Lehranstalt umgeworfen.

Rainer Mrochen | Do., 27. November 2025 - 14:54

..sind eben nicht zwei Seiten der gleichen Medaille. Die Haltung derer, die sich heute für die Aufrechten halten sind die Moralprediger einer dogmatischen Antihaltung.
Die, die Haltung hätten gewinnen können, nämlich die Leitung der Schule, taten erst symbolisch beim Boykott mit und vollzogen ihn dann ganz. "So werden aus Studierenden, die akademische Freiheit bekämpfen, und Verantwortlichen, die vor ihnen einknicken, gemeinsam die perfekte Anti-Universität: eine Allianz gegen genau das, was sie vorgeben zu verkörpern." Eine Grundhaltung, die von Werten, Überzeugungen und Einstellungen geprägt ist, lässt sich in so einem Verhalten nicht erkennen. Eine derartige Rückgratlosigkeit schein die neue Form von Haltung zu sein, für die sich der "moderne" Wissenschaftsbetrieb wahrscheinlich auch selbst auf die Schultern klopft. Diese Leute dürfen sich ihre Form von "Haltung bewahren"
gern bewahren, wenn sie zukünftig nicht mehr ernst genommen werden wollen. Man verliert ja glatt die Contenance.

.. m. W. durchaus auf den Hlg. Thomas berufen. Er fand es richtig, wenn die weltliche Obrigkeit auf Verlangen der Papstkirche Ketzer zum Tode verurteilt. In Staaten, in denen Priester und Theologen herrschten, ging und geht es bis heute nur selten tolerant zu.

Das christliche Gebot der Feindesliebe hat leider nur eine geringe Rolle gespielt. Auchheute wird dieses Gebot wieder außer Kraft gesetzt, sobald jemand nicht dem rot-grünen Politik-Ideal des heutigen Klerus enstpricht.

Sünder sind also immer die anderen, und die müssen halt entschlossen bekämpft werden. Durchaus eine alte Melodie in der Kirchengeschichte.

Klaus Elbert | Do., 27. November 2025 - 15:00

Es ist immmer wieder das gleiche Muster: irgendwelche Schreihhälse posaunen irgendeinen, durch konkrete Fakten nicht unterlegten Schwachsinn hinaus. Das könnte man ja noch hinnehmen. Normal wäre aber dann, dass man diesen Herrschaften sagt, was Sache ist, wer hier die Entscheidungen trifft und sich nicht von außen diktieren lässt, wer zu einem bestimmten Thema seine Argumente vortragen darf. Zumal gerade in einem wissenschaftlichen Betrieb ein freier Diskurs unerlässlich sein muss. Das Einknicken der zuständigen Gremien ist ein einfach nur erbärmlich und regt zu weiteren Aktionen der offenbar übersensiblen, diskursunfähigen Studentenschaft an.

Walter Buehler | Do., 27. November 2025 - 17:04

... Lernfähigkeit ist für jeden überflüssig, der glaubt, er selbst sei tatsächlich im Besitz der ewigen Wahrheit.

Es gab in allen Kirchen solche Menschen,

- obwohl wir doch wissen müssten, dass wir alle allzumal Sünder sind.

Dass solche Leute aber ein christliches Theologie-Examen bestehen können, das ist schon sehr, sehr traurig.

Christa Wallau | Do., 27. November 2025 - 19:15

in Deutschland geblieben?
Es gibt sie nämlich faktisch nicht mehr, wie dieses Beispiel wieder beweist.

Was hat Herr Ostritsch "verbrochen", daß er deshalb einen geplanten und angekündigten Vortrag an der katholischen Hochschule für Philosophie in München nicht (mehr) halten darf?
Hat er gestohlen, betrogen, eine Frau vergewaltigt, den Papst o. andere Würdenträger der katholischen Kirche beleidigt oder angegriffen?
Vertritt er geistige Positionen, die gegen die Lehre der Kirche verstoßen oder gegen das allgemeine Sittengesetz?
Ihn wegen seiner bloß "anderen" Ansichten als den üblichen wieder auszuladen, das darf man einer Hochschule nicht durchgehen lassen; denn das verstößt gegen das Gebot der Gedanken- und Meinungsfreiheit, welches jeder Lehranstalt heilig sein sollte.

Allerdings wird wohl kaum etwas
Wirkungsvolles gegen dieses üblich gewordene
sog. "Canceln" unternommen werden.
Der Unterdrückungs-Furor der Linken gegen alles, was ihnen "rechts" vorkommt, wird weitergehen!

Wolfgang Borchardt | Do., 27. November 2025 - 20:17

Jetzt haben wir die absolute Wahrheit und sind viel glücklicher dabei. Sie schützt uns vor Aufwieglern und Störenfrieden. Auch kann die Demokratie nicht jedermann überlassen werden. Dafür sind ausgewählte Parteien und Organisationen zuständig, die sie auf das sorgfältigste verwalten. So können wir ruhig schlafen.

Gerhard Fiedler | Fr., 28. November 2025 - 12:27

wollt Ihr wirklich diesen Skandal an Eurer Hochschule durchgehen lassen? Wenn nein, dann wehrt Euch gefälligst und zeigt Mut! Was Linke und Grüne können, könnt Ihr doch auch! Jagt also im Namen von Ignatius von Loyola die linksgrünen Pharisäer aus dem „Tempel“, so wie es einst Jesus tat! Oder wollt Ihr zusehen, wie möglicherweise morgen schon unsere Staatskirche wieder „Scheiterhaufen“ errichtet, auf dem nach dem Fall der Wissenschaftsfreiheit Rechte „verbrannt“ werden können und damit auch der Philosoph Sebastian Ostritsch?