- „Die Wahl der AfD ist eine Form der Bestrafung westdeutscher Arroganz“
Dirk Zöllner und Tino Eisbrenner sind prägende Musiker ihrer Generation im Osten. Auf einer BSW-Veranstaltung sprechen sie im Interview über neuen Oststolz, die Folgen der Wiedervereinigung, die AfD und darüber, warum ostdeutsche Identität heute wieder eine größere Rolle spielt.
Dirk Zöllner ist Musiker, Sänger und Songwriter und wurde als Frontmann der Band Die Zöllner bekannt. 1988 wurde die Band von Musikkritikern zum „Newcomer des Jahres“ in der DDR gewählt. Kurz nach dem Mauerfall trat seine Band beim „Konzert für Deutschland“ unter anderem neben Joe Cocker, Nina Hagen und Udo Lindenberg auf. Seit den 1980er-Jahren prägt er die ostdeutsche Rock- und Musikszene und ist auch als Solokünstler aktiv.
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Nicht der Westen hat die DDR aufgesogen, sondern die DDR-Bürger haben im März 1990 klar und deutlich den Anschluss an die Bundesrepublik gewählt ("Allianz für Deutschland"). Dass man zuverlässige Wirtschaft und Hartgeld eher wählt, als neues gesellschaftspolitisches Experiment, ist ein natürlicher, evolutionärer Prozess.
Nix für ungut: Ihr Nachname erinnert mich an Ibrahim Böhme, von dem ich als damaliger Westberliner SPD-Genosse und Fan von Oskar Lafontaine hoffte, dass er die SDP/SPD in der besagten Wahl am 18.3.1990 zum Siege führen würde.
Wir gingen damals von einem langsameren Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten aus, um möglichst viele von der DDR-Betrieben zu retten. Aber "das Volk" wollte den schnellen Anschluss und bekam ihn dann auch.
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Das alles ist heute Schnee von gestern. Nur die konservative Grundströmung von 1990 ist geblieben, auch wenn gewisse Kulturbereiche etwas anderes, "Linkes" vorgegaukelt haben und auch heute noch immer noch irgendwie als "Identität" nostalgisch vorgaukeln.
Anders als Sie sehe ich heute im Westen und Osten nicht mehr, was Sie für 1990 mit "zuverlässige Wirtschaft und Hartgeld" beschrieben haben. Diese Hoffnung ist stark geschwunden, und im Osten wird der Frieden tatsächlich höher gehalten als im Westen.
Denn er wollte im vereinigten Deutschland zwei Armeen unterhalten. Das war mE. eine brandgefährliche Grundlage für einen Bürgerkrieg und habe erstmals in meinem Leben CDU gewählt.
Der wirtschaftliche Übergang hätte jedoch dezentraler ablaufen können. Die Beschäftigten der Unternehmen hätten entsprechend den Jahren, die sie in die Rentenkasse eingezahlt haben, anteilig die Unternehmen übernommen, einen Gesellschafterausschuss und der eine Geschäftsführung gewählt. Die Treuhand hätte denen Unternehmensberater zur Seite gestellt, die denen beigebracht hätten, wie man eine GmbH gründet und führt.
Es ist aber sehr fraglich, ob das funktioniert hätte. Denn die hätten zu D-Mark-Kosten produziert und wären bei ihren Handelspartnern in Osteuropa nicht mehr konkurrenzfähig gewesen. Ähnliches gilt für den Westhandel.
Ich denke: die D-Mark hat den Zusammenbruch der Ostwirtschaft bewirkt.
nichts mit Ost & West zu tun höchstens dahingehend, das die Alten ziemlich sensibel auf offenkundige Diskrepanzen zwischen einer offiziellen Staatsmeinung und dem Ist- Zustand des Landes reagieren und dies bereits seit Jahren. Ums genau zu sagen nach der Flutung der deutschen Sozialsystem durch unsere Goldstücke im Jahr 2015. Das dies i.ü. In der Zeit bis zum heutigen Tag zu den horrenden Problemen dieses Landes führten, dürfte inzwischen jedem Depp ob in Ost oder West mehr als klar sein.
MfG a d Erf. Republik
Die eigene Sicht ist aber trotzdem erstmal auch nur die eigene Sicht. "... dass sowohl der Mauerbau als auch die Gründung der DDR oder der NVA immer erst als Reaktion auf die Strategien des Westens geschahen."
Es ist erstmal der wirtschaftlich viel größere Erfolg des Westens: der basierte auch nicht zuerst darauf, billig Leistungen und Menschen aus dem Osten zu beziehen. Das ist eine schiefe Sicht. Klar haben viele Menschen vieles im Osten auch als attraktiv empfunden. Das gibt aber nicht das Recht dem Westen vorzuschreiben, wie er sich nicht entwickeln dürfe- und wenn das viele Menschen am Ende als attraktiver empfinden, dann ist das so.
Die DDR war auch nicht isoliert. Es ist gut, den Westen auch zu kritisieren, aber der expansive, menschenverachtende (jetzt verwende ich mal den von mir ungeliebten Ausdruck) Kurs Stalins verschwindet dadurch nicht.
Dass der Zusammenschluss mit der DDR mehr eine Übernahme als eine offene Vereinigung unter Diskussion gegenseitiger Vorlieben war, ist sicher so. Allerdings auch wieder nicht auf extreme oder brutale Weise.
Mit einem realistischen Blick auf die Welt würde ich sagen: Staatsgemeinschaften werden eigentlich nie durch gleichberechtigte Zusammenschlüsse und Aushandlungen erreicht. Das sind große Ausnahmen, ist wahrscheinlich auch prinzipiell nur in engen Grenzen möglich. Schon das tägliche Zusammenleben nur zweier Menschen braucht viel Zeit, Geduld, Kompromisse. Eine gleichberechtigte Fusion zwischen Staaten ist kaum denkbar.
Staatliche Rahmen werden eigentlich immer durch irgendwelche höheren Kräfte vorgegeben, und innerhalb dieser Rahmen versucht man dann demokratische (oder andere) Prinzipien umzusetzen - auch soweit es geht sich zusammen weiter zu entwickeln.
noch eine Mauer steht. Aber dieses mal war es der Westen, der sie errichtete. Arroganz trifft es sehr gut, aber ich glaube, dies ist nur ein Aspekt.
Siegmund wird, so meine Meinung, nicht nur deshalb gewählt, weil man dem arroganten Westen eins in den Hintern treten möchte, er wird gewählt, weil es, wie ich denke (als im Westen Westdeutschlands aufgewachsener) ein Teil der ostdeutschen Kultur ist, Dinge zu sehen wie sie sind und nicht wie andere es einem sagen.
Wenn ich im Vorfeld der Wahl hier im Westen höre, wie manche über die AfD denken, dann sehe ich: Hey, du hast keine Sekunde selbst darüber nachgedacht oder dich informiert, du hast es dir einfach vorsagen lassen.
Da werden Dinge genannt, bei denen einem die Haare zu Berge stehen.
Große Teile des Ostens haben das System West, welches Merkel aufbaute und ihre Nachfolger plus Systemmedien, etc. dienlichst weiter pflegten, durchschaut und möchte es nicht mehr.
Ich hoffe, die Westler durchschauen es auch irgendwann einmal.
Ich gehe nicht davon aus, dass es um West und Ost geht. Die Bundesrepublik hat sich gewaltig verändert. Die Veränderung wird nur vage wahrgenommen. Man will es nicht glauben. Die AfD ist keine Regionalpartei. Demokratische Wahlen sind keine ideologischen Revolutionen. Die AfD kann in vier Jahren in Sachsen-Anhalt auch auf fünfzehn Prozent abstürzen, weil deren Wahlversprechen nur Versprecher waren oder praktisch nicht umsetzbar. Niemand wählt heute, weil das Heute nicht wahrgenommen wird. Was manche Journalisten über den Osten schreiben, ist deren subjektive Wahrnehmung oder schlicht Propaganda. Bei Pressefreiheit also kein Weltuntergang.
sondern damit gepaart auch eine völlig verfehlte Politik, die mit Merkel verdeckt anfing und sich bis heute offen gegen das deutsche Volk wendet. Ja, Arroganz ist ein Merkmal, aber auch Dummheit, Realitätsverlust, schlichtweg Unwissenheit und vor allem Machterhaltungsansprüche sind weitere Symptome dieser Politiker. Wir sollten aufpassen und alles dafür tun, dieses Ossi-Wessi Denken endlich zu überwinden und das Volk zu einen und nicht immer wieder den einen gegen den anderen ausspielen lassen. Und nein, nicht die AFD spaltet, sondern diese links-grünen Faschisten, zu denen ich Teile der UNION bereits mitzähle.
Hallo Tino! "Ich beobachte Dich!" Vielem, was die beiden Popgrößen der DDR zur Wende, zur Nachwende und zur AfD sagen stimme ich zu. Ja, die Reaktionen vieler AfD-Wähler und Sympathisanten sind richtig beschrieben. Es ist auch, dem Westen mal so richtig die "Arschkarte" zeigen wegen deren Ignoranz und Arroganz. Das Ganze ist natürlich auch typisch kapitalistisch. Die DDR wurde behandelt wie ein erobertes Land und die Menschen darin wie eine neue Sklavenart. Lese gerade einige von Egon Krenz` Werken über die Wende, auch Markus Wolf und anderes. Haben sowas Westdeutsche je gelesen? Ignoranz. Wiewohl die Wahl jetzt in SA nichts verändern wird, es bleibt alles beim alten. Und die AfD wird, sollte sie regieren, am System scheitern. Aber es könnten Erschütterungen kommen, bis hin zu einem Krieg mit Russland, und dann, wenn wieder Not und Elend die Herrschaft übernehmen, dann könnte es Veränderungen geben, aber nur dann. Denn der Mensch wird nunmal nur durch Schaden klug. Aber später - s.o.
