- Die Dandys sterben aus
Der Selbstanspruch, keinen Beitrag zur ästhetischen Umweltverschmutzung zu leisten, war hierzulande nie besonders ausgeprägt. Seit dem Ende der Corona-Pandemie ist aber nicht nur die Weltpolitik, sondern auch die modische Männerwelt vollkommen außer Kontrolle.
Auch die Mode ist nur eine Analogie auf die Gesellschaft und ihre wechselnden Aggregatzustände in Wirtschaft, Politik und Kultur. Die Kommerzialisierungswalze der globalen Modeindustrie macht alles platt, was nur ansatzweise nach individuellem Ausdruck strebt. Selbst Vintage (oder, profan gesagt, Second Hand) vermag keine überzeugende Antwort auf die schrille Ödnis des Mainstreams zu geben.
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nur wohlgelitten, aber "Selbstverliebtheit" braucht es vielleicht doch, um die Blicke anderer auf sich zu lenken?
Ich sehe Mode weniger unter dem Aspekt der Verhüllung als dem der Expressivität, des Schmuckes.
Mir persönlich geht "Selbstverliebtheit" völlig ab, ich neige eher zu auch körperlichem Sendungsbewußtsein, überhaupt Statement.
Man muss nicht gefallen, man darf erkennbar sein.
Ich finde Mode klasse, ohne dass ich mich daran beteiligen würde, so im Sinne von Körperwelten als Kunststück.
Wir mögen zwar 8 Milliarden Menschen sein, aber jeder* Einzelne kann ein Hingucker sein.
Wer nicht will, muss auch nicht.
Kommuniziert man darüber nicht auch in allen Formen mit seiner Umgebung und zwar sinnigerweise?
Kleidung als "Unterwerfung" wäre in meinen Augen traurig.
Meine Tante, die ihrem Mann zuliebe zum Islam übertrat, zog den Rock immer noch ein bisschen höher, wenn mein Onkel ihn devoter getragen sehen wollte.
Wie kann der Islam auf die Schönheit seiner Frauen verzichten
wollen?
In einer Zeit, wo nicht an jeder Ecke eine chemische Reinigung die neuesten Kreationen der Textilindustrie preiswert reinigt, ist das Kriterium der Maschinenwaschbarkeit ausschlaggebend. Ich nehme an, dass hat stark zum Aussterben des Dandys beigetragen.
Als Antidot sei eine Reise nach Italien empfohlen – eine Wohltat für die Augen.
Egal ob jung oder alt, man kann den Blick schweifen lassen und muss wenig Irritation befürchten. Kleine Jungs auf dem Spielplatz in beiger Hose und gestreiften Hemd – die Miniaturausgabe ihrer Väter. Ältere Herren, die noch zum Sakko greifen und nicht versucht scheinen, Windblousons im undefinierbaren greige und Kik-Optik zur Schau zu tragen. Selbst abends an der Strandpromenade wird die bella figura nicht einer nachlässigen Bequemlichkeit geopfert, die einen erschauern lassen könnte.
Ja, Corona gab den letzten Todesstoß der hierzulande eh schon dahinsiechenden Männermode.
Diesem Eindruck kann ich mich nur anschließen, werter Herr Kaiser. Das war in Italien schon immer so, persona eleganti wohin das Auge schaut. Der Gegenentwurf zum deutschen way of life könnte gegensätzlicher nicht ausfallen. Ob Männlein oder Weiblein, man kleidet sich in Schutt und Asche oder in XXXXL-bonbonfarbene Hosenanzüge, die aussehen, als hätte Karl(Gott hab ihn selig) einen modischen Schlaganfall gehabt. Da bekommt das legendäre Filmzitat aus "Der Pate" ("Lasse es aussehe wie eine Umfall") eine ganz neue Bedeutung;-)
In diesem Sinne, Kleider machen Leute, das war schon immer so, nur legt man im besten Deutschland das wir je hatten, zumindest nach den Wahnvorstellungen links-grüner Apologeten, absolut keinen Wert mehr darauf. Ganz im Gegenteil, je häßlicher, ungepflegter und abseitiger jemand daherkommt, umso mehr wird er vom sog. Mainstream abgefeiert. Das Grauen. Ich mache da nicht mit. Stil hat man oder eben auch nicht! Buona Sera, Ragazzi.
