Fidel Castro mit Zigarre und Luxus-Uhr / dpa

Verteidigung des Überflusses - Luxus zwischen Lust und Verdammnis

Die Industrie der Luxusgüter polarisiert. Für die einen ist Luxus die obszöne Zurschaustellung materieller Ungleichheit, für die anderen legitimer Ausdruck von Status, persönlichem Verdienst und individuellem Stilempfinden. Wer hat Recht? Eine historische Betrachtung.

Autoreninfo

Dr. phil. Dominik Pietzcker studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik. Von 1996 bis 2011 in leitender Funktion in der Kommunikationsbranche tätig, u.a. für die Europäische Kommission, Bundesministerien und das Bundespräsidialamt. Seit 2012 Professur für Kommunikation an der Macromedia University of Applied Sciences, Hamburg. Seit 2015 Lehraufträge an chinesischen Universitäten.

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Wie der Krieg und die Liebe, die Arbeit und der Tod, die Kunst und die Schönheit, ist auch der Luxus zugleich ein gesellschaftliches, historisches und anthropologisches Phänomen. Zu allen Zeiten und in allen bekannten Gesellschaftsformen wird der Hang zum Luxuriösen – verstanden als das menschliche Bedürfnis, sich mit artifiziellen, primär nutzlosen, aber als kostbar empfundenen Objekten zu umgeben – mehr oder weniger exzessiv ausgelebt. Luxus ist das Gegenteil von harter Arbeit und dient ausnahmslos dem sozialen und ästhetischen Inszenierungsbedürfnis einer gesellschaftlichen Minderheit. Er ist – und bleibt – ein unverdientes Privileg, welches sich zwar ökonomisch gut erklären, aber moralisch nur schlecht, wenn überhaupt, rechtfertigen lässt.

Heloten schürfen in den Bergwerken das Erz, aus denen die unsterblichen Bronzeskulpturen gegossen werden, und Sklaven erbauen die Paläste, in deren Hallen die Optimaten ihre Gastmähler feiern. In Mittelklassegesellschaften wird diese soziale Dichotomie zwar ideologisch verwässert, sie bleibt aber im Kern bestehen. „Manche freilich müssen drunten sterben“, schreibt Hugo von Hofmannsthal in einem bekannten Gedicht, „Andre wohnen bei dem Steuer droben, Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne“. Ungleichheit ist eine schwer hinnehmbare, dennoch grundlegende gesellschaftliche Realität. Alle Versuche, sie zu eliminieren, sind historisch sämtlich gescheitert.

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Gero v. Lichtenberg | Di., 18. Juni 2024 - 09:17

Erben ist ein Problem, wenn es in zu viel Kumulation mündet. Mit der Erbschaftssteuer haben wir einen Mechanismus, der Teile des Lebensgewinn wieder der Gesellschaft zuführt. Staatliche Verschwendung gibt es sicherlich viel, aber selbst wenn "faule Verwaltungsbeamte" sich damit ihren Audi finanzieren, haben dann der Audihändler, der Betrieb und die Zulieferer wieder etwas vom Vermögen, das sonst irgendwo auf einem Konto liegt - und geben es wieder aus.
Der Grund, warum egalitärere (nicht komplett egalitäre!) Gesellschaften den Wohlstand maximieren, ist der Fakt, dass die breiteste Schicht der Bevölkerung ein Mittelstand ist. Meine Familie gilt laut SPD als "reich", aber ich kann weder aus dem Stand eine Rolex kaufen noch besitze ich Rennpferde oder Yachten. Letzteres vielleicht irgendwann mal, aber eher bescheiden. :-)
Der Punkt ist, mir geht es grundsätzlich sehr, sehr gut, und ich kann gut damit leben, dass jemand 10 Ferraris besitzt. Das ändert für mich ja nicht.

S. Kaiser | Di., 18. Juni 2024 - 09:34

Es hat und es wird immer ein Distinktionsbedürfnis unter den Menschen geben, welches meistens dann doch materiell ausgelebt wird. Selbst bei denen, die es verleugnen. Aller Gleichheitsgeschwätzigkeit zum Trotz.
Nicht umsonst heißt es: „Zu viele Leute geben Geld aus, das sie nicht haben, um Dinge zu kaufen, die sie nicht wollen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen.“

Norbert Heyer | Di., 18. Juni 2024 - 11:02

Wer in unserer sozialen Marktwirtschaft durch Können, Einsatz und Fleiß zu großem Reichtum gelangt, hat auch entsprechend viele Neider. Er kennt aber die Härte seines Aufstieges im Gegensatz zum Kind reicher Eltern, das lediglich den Reichtum verwalten muss - und vielleicht auch alles durch Dummheit und Beratungsresistenz verliert. Viele Politiker verordnen den Bürgern Armut, der für sie selbst nicht gilt. Sie haben oft zwei Staatsbürgerschaften, ihre Kinder besuchen Eliteschulen, sie wohnen weit weg vom „Pack“ und werden nachts durch Leibwächter geschützt. Sie leben in ihrer Parallelwelt ohne Bezug auf die harte Realität. Der Kommunismus wollte die Gleichheit, aber am Ende des Tages sind ihre Anführer nicht anders orientiert als die verhassten Kaitalisten. Wir in D hatten eine soziale Marktwirtschaft, der Staat gab Regeln vor, die Umsetzung erfolgte durch fleißige und findige Köpfe. Diese gute Wirtschaftsform wird von grün-roten Idioten geradezu lustvoll mit voller Absicht abgeschafft

Romuald Veselic | Di., 18. Juni 2024 - 11:35

dafür, wie die "Revolutionäre" selbst, verlogen sind, mit Accessoires wie Davidoff-Zigarre u CH-Armbanduhr. Sie sind keine Asketen, die jeden Tag Reis mit Bohnen fressen.

Die revolutionäre Eliten sind genauso schlimm, wie die aktuellen aktivistischen Eliten-Protagonisten Made in Germany. Sie enden auf der Müllhalde der Geschichte.

Die Kims in N-Korea, sind das beste Beispiel dafür, mit ihrem Pharaonen-Kult.

Ronald Lehmann | Di., 18. Juni 2024 - 12:48

Auf meinem Balkon z. B. blühen mehr Blumen als in meinem damaligen Garten

& das schöne daran war & ist
wir genießen alles viel mehr
weil vorher immer VERPFLICHTUNG/ZIEL war

statt WERT ZU SCHÄTZEN

das Leben, die Gesundheit
& bei allen Wehwehchen
egal was

auch mal nach unten blicken
& nicht nur nach oben

nach MEHR >> Höher - Weiter

damit man eben das Wert-schätzen nicht verlernt

eben normale Alltags-Dinge
die aber nicht unbedingt normal
selbst-verständlich sind

>> die deutsche Sprache ist so intensiv, einfach mal die Wörtersilben einzeln nehmen & ihr werdet die tiefe Bedeutung/Ausdruck zu ersehen, zur Erkenntnis bekommen/gelangen
wie z.B.
Reich- tum
Unter-nehmer
Selbst-ständig &&&

weil Wertschätzung Genuss, Freude, Spaß, Demut &&& sind

also wo die Kinder & Enkelkinder der LIEBE zu Tage kommen

die LIEBE
die Jesus Christus als EINZIGE RELIGION verkündete

& das Leben so richtig Lebens-& Liebenswert machen

was Politik & seine Begleiter wie das Orwell-Fernsehen in sehr vielen Fällen nicht kan

Karl-Heinz Weiß | Di., 18. Juni 2024 - 13:30

Interessanter Aspekt: die Bewohner früherer Kolonien bewundern die Luxusgüter ihrer früheren europäischen Kolonialherrn und wollen diese (zu meist horrenden) Preisen kaufen. Gerät da nicht die Anti-Kolonialbewegung in arge Erklärungsnöte ? Chinesen, Inder und Südamerikaner lebten in Hochkulturen, als bei uns die Germanen sprichwörtlich noch auf den Bäumen saßen. Bleibt zu hoffen, dass die Rückbesinnung in den früheren Kolonialländern noch einige Zeit auf sich warten lässt.

Heidrun Schuppan | Di., 18. Juni 2024 - 13:41

und wird es immer geben, gab es sogar in der DDR (die da oben und wir da unten). Als ungerecht empfinde ich, wenn eine Partei, nennen wir sie SPD, dem ukraninischen Fahnenflüchtigen seinen SUV lässt und zusätzlich mit Bürgergeld seinen Lebensunterhalt finanziert, während hier z.B. ein arbeitslos gewordener AN zuerst sein Erspartes aufbrauchen muss bevor er Unterstützung erhält. Zusätzlich für Angespartes zehn Jahre lang doppelte Krankenkassenbeiträge zahlen muss, weil die Krankenkassen eben Geld brauchen und die regelmäßigen Erhöhungen der Beiträge einfach nicht mehr reichen. Das hat alles nichts mit dem philosophischen Geplänkel über Rolex-Uhren und Yachten zu tun – laut Wahlplakate will die Linke diesen Reichtum umverteilen – an wen und wie viel für Jeden? Selbst in staatlicher Hand würde dieses Geld versickern – dann doch lieber einigen wenigen die Sause an der Ostsee lassen.

Peter Sommerhalder | Di., 18. Juni 2024 - 13:56

Ist mir doch egal, wenn jemand Geld hat und es sogar nötig hat dies zu zeigen.

Muss handkehrum zugeben, dass ich schon auch gerne selber gerne Geld hätte. Nicht um mir Luxus anzuschaffen zu können, sondern einfach wegen der Sicherheit...

Es würde mich ja z.B. halt schon wundernehmen, um wieviele Prozent Selensky's Vermögen seit dem Ukraine-Krieg zugenommen hat, oder z.B. wieviele Millionen Scholz schon veruntreut hat...