- Absturz in düsteres Raunen
Neunhundert Seiten, die kein Ende nehmen wollen: Uwe Tellkamps lange angekündigter Roman „Der Schlaf in den Uhren“ ist das redselige Dokument des literarischen Verstummens. Doch inmitten des endlosen Stroms düsteren Raunens finden sich auch einige starke Passagen.
Eine der schönsten Passagen dieser lange erwarteten Fortsetzung von Uwe Tellkamps Erfolgsroman „Der Turm“ ist die Begegnung mit der Welt des Dresdner Malers und Bildhauers Hermann Glöckner. Sie findet sich fast am Ende der 900 Seiten, die kein Ende nehmen wollen und auch den gutwilligsten Leser ertrinken lassen in einer Flut von Namen, Ortswechseln, Erinnerungsfetzen und apokryphen Zitaten, die sich nur selten zu einem Erzählstrom verbinden und über weite Strecken allenfalls eine vage Vorstellung davon hinterlassen, was der Autor damit denn will. „Lava“, wie der Roman ursprünglich hatte heißen sollen, wäre sicher der passendere Titel gewesen. „Schlaf in den Uhren“ heißt der Roman jetzt, was man sich ziemlich ungemütlich vorstellen muss, allein wegen der vielen Zahnräder und der ständigen Drehung im Uhrzeigersinn.
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Kein Zweifel, "Der Turm" ist das herausragende literarische Ereignis in Deutschland seit gut 30 Jahren. Seit seiner Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung 2018" schwadronieren jedoch sämtliche Rezensoren über Tellkamps Romane in Deutschland über einen "Absturz in düsteres Raunen", gemeint ist das allfällige neudeutsche Synonym "Schwurbeln", das Fischen im Trüben des braunen Sumpfes. Da ist sich ein ehemals ehrenwerter Traditionsverlag Suhrkamp nich zu schade, sich dem diffamieren-erpresserischen linksgrünen Geleitzug der Cancel Culture anzuschließen, so wie der ekelhafte Frankfurter Buchrummel. Da lob ich mir doch die goldenen Zeiten der IAA in Frankfurt. In der deutschen Sekundär- und Tertiärliteratur waren es immer wieder die schleimigen Opprtunisten, die den allgemeinen Ton und die Haltung vorgaben, nach denen die Epigonen zu kuschen hatten - wollten sie nicht dem gleichen Schicksal des "Absturzrs ins dunkle Schwurbeln" erleiden. Seit Heinrich Heine hat sich da nichts geändert.
