Marieluise Beck, ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen, kehrte am Vortag von einer Reise nach Kiew zurück / Screenshot

Ukraine-Krieg bei Anne Will - „Wären wir in der Lage, ein Gas-Embargo über zwei, drei Jahre durchzuhalten?“

Wie muss der Westen auf die Gräueltaten in Butscha reagieren? Und welchen Einfluss hätte ein sofortiger Lieferstopp von russischem Öl und Gas nach Deutschland auf Putins Angriffskrieg in der Ukraine? Über diese und weitere Fragen wurde am Sonntagabend bei Anne Will diskutiert. Zu Gast waren der SPD-Parteivorsitzende Lars Klingbeil, CSU-Chef Markus Söder, die Wirtschaftswissenschaftlerin Veronika Grimm, Marieluise Beck vom Zentrum Liberale Moderne sowie der Journalist Robin Alexander. Unterm Strich merkte man der Sendung an, dass in der Debatte um Sanktionen gegen Russland wohl alle Argumente ausgetauscht sind.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Redakteur bei Cicero. Er studierte Journalistik und lebt in München.

So erreichen Sie Ben Krischke:

„Die sehen das aber falsch. Und es ist tatsächlicherweise unverantwortlich, irgendwelche mathematischen Modelle zusammenzurechnen, die dann nicht wirklich funktionieren. Ich kenne in der Wirtschaft überhaupt niemanden, der nicht genau wüsste, dass das die Konsequenzen wären“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz vor einer Woche bei Anne Will und legte sich damit ungewohnt harsch mit dem einen oder anderen Wirtschaftswissenschaftler an, der in seinen Modellen errechnet haben will, dass ein sofortiger Importstopp von russischer Kohle sowie russischem Öl und Gas die Bundesrepublik nicht zurück in die Steinzeit katapultieren würde.

Die Ampel-Regierung sorgt sich dabei wohl weniger um den Ottonormal-Verbraucher, der der Gauck'schen Feudalismustheorie folgend ja auch mal frieren könnte für den Frieden, sondern insbesondere um die deutsche Industrie, da, so die Befürchtung, ganze Industriezweige ihre Tätigkeit einstellen müssten, wenn man von heute auf morgen auf russische Kohle, Öl und Gas verzichtet. Doch damit dringt man bei Teilen der Bevölkerung – vor allem jenen Teilen, die vor dem Bildschirm arbeiten statt am Fließband und die aus den gleichen Gründen nun die olle Kamelle vom Tempolimit 130 auf der Autobahn aufwärmen – nicht wirklich durch.

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
Bernd Windisch | Mo, 4. April 2022 - 07:35

Wir tun auch nicht alles um den Hunger in der Welt zu bekämpfen. So gesehen haben wir noch nie "alles" getan.

Ich bin sehr froh, dass Scholz und nicht mehr Merkel Kanzler/in ist. Merkel wäre mit Blick auf die hysterischen Forderungen der Medien schon längst eingeknickt.

Ungeprüft Bilder des ukrainischen Fernsehens zu übernehmen erfüllt keine journalistischen Mindeststandards. Weshalb dürfen keine Journalisten nach Butscha?

Seltsam, die Russen ziehen sich zurück und lassen die "Belege" ihrer Gräueltaten einfach liegen.

Für alle Hochmotivierten. Nein, ich kann Putin nicht verstehen und ich spreche auch kein Russisch!

Diesmal von Kriegsverbrechen, die Putins Mordbrenner sehr wahrscheinlich nicht nur in Mariupol oder Butscha begangen wurden.

Bilder des ukrainischen Fernsehens sind nicht geprüft - sie entsprechen daher nicht mal journalistischen Mindeststandards. Aha. Übersetzt soll das wohl heissen: Wer weiß, ob die nicht gefälscht sind! Wie es der Kreml behauptet!

Gestern konnte man entsprechende Bilder in den Nachrichten sehen. Die Leichen, die da rum lagen, waren wahrscheinlich alles nur Schauspieler. So wie die zerbombten Häuser nur Attrappen sind.

Andererseits: Dass die Russen sich zurückziehen - wie von der russischen Administration angekündigt - daran lassen Sie keinen Zweifel.

Und welche "hysterischen" Forderungen der Medien meinen Sie? Die nach weiteren Sanktionen?

Mein lieber Scholli - bei Ihnen leuchtet noch immer dermaßen viel "Putin-Ergebenheit" durch, man könnte meinen, Sie hoffen auf eine persönliche Auszeichnung für derart profunde Loyalität durch den Kreml-Mörder persönlich.

Herr Alexander Marguier schreibt heute im Cicero:

"Die Bilder der Kriegsgräuel aus einem Kiewer Vorort rütteln die Weltöffentlichkeit auf. Dennoch wäre es ein Fehler, ohne nähere Kenntnisse des Massakers jetzt sofort Konsequenzen zu ziehen." Und weiter: "Wer genau für das Massaker von Butscha verantwortlich ist, lässt sich – so viel Ehrlichkeit muss sein – nach derzeitigem Stand nicht sagen."

Zitat Windisch:
Ungeprüft Bilder des ukrainischen Fernsehens zu übernehmen erfüllt keine journalistischen Mindeststandards.

Zitat Lenz: Mein lieber Scholli - bei Ihnen leuchtet noch immer dermaßen viel "Putin-Ergebenheit" durch, man könnte meinen, Sie hoffen auf eine persönliche Auszeichnung für derart profunde Loyalität durch den Kreml-Mörder persönlich.

Über den lieben Scholli, werter Herr Lenz, freue ich mich ganz besonders. Ich merke da geht noch was. Bleiben Sie gesund!

Norbert Heyer | Mo, 4. April 2022 - 07:47

Wenn man die allgemeine Meinung als Grundlage nimmt, scheinen viele Deutschen bereit, alles was wir haben, zu opfern. Wenn wir auf Gas und Öl aus Russland verzichten, wird das den Krieg nicht um einen einzigen Tag, nicht um ein einziges Opfer verkürzen. Haben wir wirklich solche Experten, die einen Exitus in diesem gewaltigen Ausmaß gutheißen? Unsere Politiker haben -nur mal daran erinnert- Schaden vom Volk abzuwenden. Es ist nicht ihre Aufgabe, das Gegenteil durchzuführen. Wenn wir auf russische Energie verzichten, geht hier komplett das Licht aus. Ohne Gas und Öl wird die gesamte Industrie kollabieren -und das ziemlich schnell. Dann wird die jetzt schon bewusst gespaltene Gesellschaft komplett aus dem Ruder laufen. Warum haben wir so viele Unfähige mit Aufgaben betraut, die sie niemals zum Wohle des Volkes erledigen werden? Deutschland soll wieder einmal komplett von außen und innen zerstört werden. Vielleicht werden wir ja auch noch völlig naiv in Kriegshandlungen hineingezogen.

Ferdinand Schulze | Mo, 4. April 2022 - 07:50

Ich sehe es so, dass deutsche Politiker zuerst ihrem eigenen Volk verpflichtet sind, dann kommt vielleicht die EU, und danach kommt eine Weile gar nichts, und dann irgendwann kommt vielleicht die Ukraine, deren Regime noch vor nicht allzu langer Zeit als das korrupteste in Europa beschrieben wurde. Insofern können "anywheres" wie Frau Beck gern die Welt retten, aber bitte auf ihre eigenen ganz persönlichen Kosten. Ich bin gegen jede Waffenlieferung an die Ukraine, aber für eine bis an die Zähne bewaffnete Bundeswehr, die in die Lage versetzt werden muss, unser Land auch wirklich zu verteidigen. Mit Appellen und warmen Worten stoppt man keinen entschlossenen Aggressor.

Christoph Kuhlmann | Mo, 4. April 2022 - 08:19

A) Fracking undenkbar.
Deutschland sitzt auf einer Riesen Gasblase und fördert sie nicht obwohl kaum noch Chemikalien bei der Förderung von Fracking-Gas eingesetzt werden.

b) CO2 Abscheidung bei Kohlekraftwerken. Diese Technologie wurde in Deutschland leider nicht weiter entwickelt. Allerdings in einigen anderen europäischen Ländern.

c) Wenn Deutschland seine Ex- und Importe bei jedem Massaker neu ausrichten würde, sollte es lieber auf Subsistenzwirtshaft umschalten. Dieselben Kriterien wie bei der Ukraine müssten dann ja wohl überall angewendet werden. Ja wo war denn die Forderungen danach bei den Massakern in Syrien? Wo sind die Boykottaufrufe gegenüber Saud-Arabien, das schon seit Jahren einen noch grausameren Krieg im Jemen führt? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Achim Koester | Mo, 4. April 2022 - 08:53

Wenn man dieser Frau Beck von den Grünen zugehört hat, besonders bei ihren ständigen Unterbrechungen anderer Gesprächsteilnehmer, wäre nach deren Meinung ein sofortiger Einfuhrstopp russischer Energie dringend angebracht , auch wenn es die Industrie und den Otto Normalverbraucher mit voller Härte trifft. Eine solche Arroganz kennt man nur von Marie-Antoinette, die dem Volk empfohlen haben soll, Kuchen zu essen, wen es kein Brot hat. Und ja, Emotionen sind grundsätzlich nichts Falsches, aber als alleinige Richtlinie für die Politik eines Industrielandes völlig verfehlt, da sollte schon etwas Hirn beteiligt sein. Gut argumentiert haben Frau Grimm, Herr Klingbeil und Herr Söder, Robin Alexander fand ich enttäuschend.

Wobei Frau Grimm auf die entscheidende Frage von Frau Will nicht einging, ob ihre zuletzt aufgrund kindischer Makro-Rechenmodelle unterstellte Rezession von nur einigen Prozentpunkten hier zutrifft. Es würde einen verheerenden Wirtschaftseinbruch geben, wenn man Frau Becks Vorschlag folgen würde. Aber Tausende Arbeitslose bedrücken die nicht.

hat auch ein wichtiges Detail unerwähnt gelassen.

"Ungeachtet des Krieges lässt die Ukraine russisches Gas über eigenes Territorium Richtung Westen fließen. Dafür kassiert sie eine Milliardensumme vom staatlichen russischen Gasversorger Gazprom."
https://www.focus.de/finanzen/news/ukraine-leitet-russisches-gas-nach-w…

Hat das Selenskyj bisher abgelehnt?

Urban Will | Mo, 4. April 2022 - 09:15

„moralischen“ Gründen kein Wasser abkaufe, schade ich nicht ihm, sondern mir selbst. Deutschland ist nicht „verpflichtet“, für diesen Krieg die Existenz vieler aufs Spiel zu setzen.
Die Bilder aus Butscha sind schrecklich, aber auch wenn es in diesen Tagen politisch nicht korrekt ist und im Schwange moralischer Überhitzung zu Geschrei und Stigmatisierung führt, es gilt auch hier die Unschuldsvermutung bis klare Beweise vorliegen, dass es wirklich die Russen waren.
In Zeiten, wo Bilder mehr bewirken als Kanonen, ist dies umso wichtiger.

Dieser Krieg soll militärisch bis zum Ende ausgefochten werden, dass ist wohl entschieden.
Wer dies entscheidet, nimmt in Kauf, dass dies ein dreckiger Krieg werden wird, dass die Russen angeschlagen und gedemütigt nach sicher geglaubtem Sieg abrücken.
Das ist keine Entschuldigung für Gräueltaten, aber eine Erklärung.
Und es hilft den Massakrierten nicht mehr, wenn alle Welt mit Empörung auf das schaut, was man sehenden Auges erwarten konnte.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 4. April 2022 - 09:29

Erst kommt das Volk, von dem die Parteien gewählt wurden und dem Sie verpflichtet sind, dem Sie ihren Amtseid abgeleistet haben, Schaden von ihm abzuwenden. Ich bin zwar gegen Waffenlieferungen, akzeptiere aber durchaus, wenn es anders entschieden wurde. Dann aber richtig und nicht so, wie es Frau Lambrecht macht, die endlich ausgetauscht gehört. Und ja, auch wenn ich Ampelkritiker bin, muss ich Klingbeil recht geben. Ein Boykott würde nichts bewirken. Das der BK plötzlich nichts vom Modellieren hält ist verwunderlich. Bei Corona ging das zwei Jahre lang. Und ja, der Fiesling aus Bayern sagt das richtige. Erst denken und dann handeln. Auch für ihn sicher eine neue Erfahrung. Nur eines steht für mich fest. Man kann niemandem erklären, wie man durch ein Gasannahmeembargo und dem Risiko, am Ende selbst unterzugehen, faktisch Putin in die Hände spielt, neben der Ukraine auch gleich noch die viertstärkste Wirtschaftsmacht ruiniert zu haben und das ganz so nebenbei ohne eine Bombe auf D.

Karl-Heinz Weiß | Mo, 4. April 2022 - 09:45

Deutschland hat für die Energiewende voll auf Gas als Zwischen-Technologie gesetzt. Herr Habeck ist so konsequent und argumentiert deshalb gegen ein Gas-Embargo. Dass Frau Beck als ehemalige Amtsträgerin dies ignoriert und beim Thema Ausstieg vom Ausstieg heftigst mit dem Kopf schüttelt, ist hochgradig inkonsequent. Sogar Frau Grimm ist hier bei der Anerkennung der Faktenlage schon weiter. Herr Alexander profiliert sich verstärkt als Lauterbach II. Das liegt wohl am Gestühl bei Markus Lanz.

Romuald Veselic | Mo, 4. April 2022 - 09:51

sah ich es erst in der Mediathek, als ich das Thema checkte.

Eins muss ich sagen, bei aller Abneigung gg. die Greens, die Frau Marieluise Beck hat auf ganzer Linie recht gehabt u. ich unterstütze ihre richtige Haltung u. ihr Tun. Meine Anerkennung f. Herrn Robin Alexander u. Frau Veronika Grimm, die endlich schonungslos Klartext redeten.

Der SPD Chefideologe Lars Klingbeil könnte sich zum Schluss gerettet fühlen, denn es wurde die Person des realen Trojaners v. Gerhard Schröder, nicht thematisiert u. dadurch die ganze Rotpartei nicht bloßgestellt. Wenn Thilo Sarrazin wg. seinen Schriften aus der SPD ausgeschlossen wurde, was sollte dann mit Gerhard Sch geschehen?
Man sollte ihm mindestens die D-Staatsangehörigkeit aberkennen, samt Kanzlerrente.

Die D-Regierung schustert das 5-te Embargo zusammen. 😆 Wie viele Embargos gibt's eigentlich? Die 100 D-Embargos interessieren den Kremlherrscher nicht. Er will UA zum verbrannten Acker verwandeln!

gabriele bondzio | Mo, 4. April 2022 - 10:23

Wie ich gerade lesen konnte: "USA erhöhen Import von russischem Öl um über 40% und heben einige Russland-Sanktionen auf."
Die Düngemittel und andere Waren betreffen.

Hätten Sie einen Beleg für Ihre Aussage („USA erhöhen Import von russischem Öl um über 40% und heben einige Russland-Sanktionen auf")?
Richtig ist, dass die USA bereits 2019 und 2020 (also unter Trump) mehr russisches Öl importierten als vorher, so auch 2021 (unter Biden).

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1295089/umfrage/usa-impo…

Mit Beginn des russischen Angriffskrieges aber hat Präsident Biden den Öl- und Gasimport aus Russland in die USA gestoppt. Von daher weiß ich nicht, wovon Sie reden (ähnlich wie im November 2020, als Sie fälschlicherweise behaupteten, Trump habe Arizona und Georgia gewonnen).
Was die Sanktionen angeht: Die USA weiten diese auch auf andere Sektoren aus!

https://www.nytimes.com/2022/03/31/world/europe/us-sanctions-russia.html

https://www.washingtonpost.com/us-policy/2022/04/03/bucha-sanctions-rus…

gabriele bondzio | Di, 5. April 2022 - 09:46

In reply to by Kai Hügle

als Sie fälschlicherweise behaupteten, Trump habe Arizona und Georgia gewonnen)."

Wüde sie bitten, Herr Hügle, mich für diesen, das x-Mal, verwendeten Satz, im Zusammenhang zum Artikel zu zitieren, um den es damals ging.

Und darüber nachzudenken, inwieweit aus der heutigen Situation, eine Aussage (keine Behauptung) aus 2020 eine Rolle spielt.
Ich bin kein Politiker, könnte ihnen aber Unzählige aufzählen, die sich laufend verbessern. Und weit aus intensiver in der Materie unterwegs sind.

Sie können gerne anderer Meinung sein und mich fair angreifen, wenn es ihnen möglich ist.

Sie schrieben: „Wie ich gerade lesen konnte…“ Dadurch entsteht natürlich der Eindruck, als handele es sich um eine aktuelle Entwicklung. Insofern halte ich Ihren Hinweis bestenfalls für irreführend; was vielleicht erklärt, warum Sie keine Quelle angegeben haben..

Zu den US-Wahlen schrieben Sie am 12. November 2020:

„Gestern ist North Carolina von Blau in einen Roten Staat gewechselt. Vor einem Tag wird [sic] Arizona wider [sic ] ein grauen [sic] Staat.“

https://www.cicero.de/aussenpolitik/meyers-blick-donald-trump-usa-joe-b…

Das sind gleich zwei Falschaussagen, denn NC war bereits 2016 rot und Arizona war Biden schon zugesprochen worden - auch von FOX!
Georgia hatten Sie nicht für Trump ausgerufen, das stimmt. Da hatten Sie nur große Hoffnungen auf die Neuauszählung gelegt. Der Ausgang ist bekannt. Sieger, auch hier: Joe Biden.

Bernd Windisch | Mo, 4. April 2022 - 10:24

Ähnlich wie aktuell in der Corona Pandemie läge jetzt Eigenverantwortung nahe. Alle die von jetzt auf gleich aus der russischen Gasversorgung aussteigen wollen können dies eigenverantwortlich und sofort tun. Heizung ausstellen, Konsumverzicht auf allen Ebenen üben und auf diese Weise für Umsatzverluste in der russischen Kriegskasse sorgen. Klingt ziemlich bescheuert? Ist es auch! Für die Kollektivlösung gilt übrigens das Gleiche.

Frau Beck, Anne Will und Robin Alexander können sich vermutlich schon jetzt kaum mehr die Fahrt im eigenen PKW zur Arbeitsstelle leisten und wollen trotzdem die wirtschaftliche Grundlage Deutschlands zur Disposition stellen. Respekt! Der Staat ist laut Frau Beck in solch einer Situation in der Fürsorgepflicht. Ob Frau Beck sich jemals gefragt hat wie Steueraufkommen generiert, Zeitungen bezahlt oder Rundfunkgebühren erwirtschaftet werden?

Armin Latell | Mo, 4. April 2022 - 10:47

stärken". Andere außer dem eigenen? Wo die Körper der Bürger zum Eigentum eines weit übergriffigen Staates werden sollen? Bevor ich mich für die Freiheit und Selbstbestimmung eines anderen Staates stark mache und Risiken eingehe, muss das zuerst für mich und den Staat, in dem ich lebe, gewährleitet sein. Davon entfernen wir uns täglich immer weiter. Solange der Angriff auf meine Gesundheit und mein Leben in diesem Land gesetzlich festgelegt werden soll, tut es mir leid, aber da ist mir das Hemd näher als die Jacke.

Detlev Bargatzky | Mo, 4. April 2022 - 10:57

... vielen Kommentaren in anderen Zeitungen und Medien wird eines immer deutlicher: Die Richtigkeit einer Aussage des ehemaligen deutschen Finanzinisters Eichel, der ins Visier der BILD geriet und die vielen Wendungen, Vorschläge und Forderungen des treibenden BILD-Journalisten sinngemäß abwehrte mit "Der Unterschied zwischen Medien und Politik besteht darin, dass Medien jeden Tag etwas Neues fordern können. Wenn die Politik das machen würde, wäre sie erledigt."

Und genau das passiert derzeit: Irgendwo in der Nachbarschaft geschieht etwas, das zu einem Aufreger aufgebauscht werden kann, die Medien fordern mit hohem moralischen Anspruch eine Reaktion der Politik und zwar ohne Rücksicht auf die Folgen und versuchen durch Stimmungsmache die Politik in ihrem Sinne zum "Jagen zu tragen".

Ich könnte mir vorstellen, dass eine Medien-Diät der Bevölkerung stark zur Versachlichung und Ernüchterung derselben führen würde.

In diesem Sinne empfehle ich jedem, schreiende Ukraine-News zu meiden.

Robert Hans Stein | Mo, 4. April 2022 - 11:02

verfehlte Energiepolitik nun auch mal bluten, kann ich durchaus etwas abgewinnen. Leider würde es nicht die treffen, die von dieser Politik am meisten profitiert haben, sondern wie immer die sogenannten kleinen Leute. Wobei, für diejenigen, die Putin immer noch für ihren Wohltäter und einen "lupenreinen Demokraten" halten, bliebe mein Bedauern überschaubar. Wie auch immer, keiner sollte behaupten, wir seien nicht gewarnt worden. In Gestalt von Abhängigkeiten rächt sich jetzt die außenpolitische Blindheit der Regierungen Schröder und Merkel. Auch die unersättliche Gier deutscher Unternehmen, die meinen, mit China ließe sich vorteilhaft kooperieren, wird ihre Quittung bekommen - da bin ich mir sicher.

Gerhard Fiedler | Mo, 4. April 2022 - 11:43

Vorsicht vor Berichten, die von Kriegsparteien stammen. Wie sind jene in Butscha ums Leben gekommen? Sind sie als menschliche Schutzschilde benutzt worden? Trugen sie Waffen? Waren sie Partisanen? Bekanntlich hat Selenskij auch Zivilisten zum Kämpfen aufgefordert und ihnen Waffen gegeben. Nichts wissen wir dazu. Krieg ist Krieg und immer grausam. Will nichts verharmlosen. Verstehe auch die Emotionen. Habe schließlich 44/45 viel Schreckliches erlebt. Einen abgeschossenen Piloten vor mir verbluten zu erleben, eine tote Hand aus den Trümmern zu ziehen, eine Vergewaltigung durch einen Sodaten mit anzusehen, und vieles dgl. mehr vergesse ich nie. Wer wurde da nicht alles schuldig, und dies auf beiden Seiten?
Die Sanktionen müssen zurückgenommen werden. Sie bringen nichts, nur Elend und Aufruhr in unserem Land. Wollen wir das denn auch noch? Frau Beck, deutsche Politiker sind zuerst ihrem Land verpflichtet, erst danach einer fremden Ukraine. Herr Klingbeil verhält sich richtig. Gut so!

Ich kann mich nur Herrn Fiedler anschließen, obwohl ich Jahrgang 46 bin. Habe aber noch genug Erinnerung an die Trümmer, in denen ich als Kind spielte.

Heute ist der Krieg halb gewonnen, wenn die zugehörige Propaganda-Schlacht in den Medien gewonnen wird. Dadurch haben die Journalisten eine ungeheure Macht erhalten, die größer ist als die Macht der meisten Politiker.

Die große, bange Frage ist für mich: sind die Journalisten dieser Verantwortung gewachsen? Oder betrachten sie Krieg in zynischer Weise einfach als einen Teil des Unterhaltungs- und Sensationsgeschäfts?

Ein Blick auf den Markt der Kinderspiele für meine Enkel zeigt: Je grausamer die Spielidee, desto größer der Marktanteil. Also: je mehr Gräuelpropaganda in den Medien, desto bösere Böse und desto bessere Helden - und desto mehr Leser.

In Zeiten, da es den Zeitungen schlecht geht, kann man schon in Versuchung geraten.

Sabine Jung | Mo, 4. April 2022 - 11:44

hätte wohl am liebsten gleich noch an diesem Abend das Gas+Öl abgestellt. Ich weiss nicht wie sie zu Hause heizt, ich hoffe doch sehr mit Wärmepumpen, Solar und Wind, aber so oft ins Wort zu fallen mit herzzerreissender Mine wegen der Ukraine, bei allen Respekt für die Ukraine, das habe ich lange nicht im deutschen Fernsehen gesehen. Ich hoffe auch, sie wird in Zukunft keine Gläser, Flaschen, Kosmetik, Verpackungen für Nahrungsmittel, Benzin fürs Auto, Strom zum Handy laden u.s.w.brauchen, denn das alles gibt es dann nicht mehr so, wie wir es jetzt kennen. Aber Hauptsache wir haben Putin die Energie abgedreht.....
Ich halte sonst nicht viel vom Herrn Söder, er aber agiert erst einmal mit kühlem Kopf, ebenso der Herr Klingbeil von der SPD.
Helfen für die Ukraine ja, aber nicht unser eigenes Volk ins wirtschaftliche Chaos stürzen, dafür haben wir unsere Volksvertreter nicht gewählt!

hermann klein | Mo, 4. April 2022 - 11:44

„Wir werden alle ärmer werden“, das ist so war wie das AMEN in der Kirche.
Wegen der gigantisch gestiegenen Energiekosten (erst der Anfang) befindet sich gerade unser grüner Klimastaat auf dem Weg zurück ins Mittelalter. Allerdings mit dazu beigetragen hat der alleinige Ausstieg unserer Klimafanatiker aus der Kernenergie und Kohleverstromung in eine Emissionsfreie Zukunft, während andere Industrienationen weiterhin Atomkraft- u. Kohlekraftwerke um die Wette bauen.
Deshalb müssten die Alarmglocken bei uns stündlich läuten damit wir wenigsten wieder auf Kernkraft und Kohle zurückgreifen könnten.
Völlig unverständliche derzeit Tarifforderungen bei einer zu erwartenden Massen-Arbeitslosigkeit, heute noch gar nicht absehbar.
Wir müssen uns damit abfinden, dass die Ukraine in Zukunft ein Pulverfass bleiben wird.
Das heißt sofort den Ausstieg aus Kernenergie u. Kohleverbrennung rückgängig machen und somit die unvermeidbare schmerzliche Armut ein wenig zu lindern.

hermann klein | Mo, 4. April 2022 - 11:46

Nur, die plötzliche Vertreibung aus dem sozialen Wohlfühlparadies - Deutschland - wird den Menschen schwer zu vermitteln sein.
Scheiden tut weh. Besonders wenn man sich aus einer luxuriösen, komfortablen Herberge,
wie dem deutschen Sozialstaat verabschieden muss.

Die das jetzt am lautesten fordern, sind nicht diejenigen, die verarmen und nicht mehr heizen können.
Insbesondere, die die von Staatsknete sehr komfortabel leben, haben gar nichts zu befürchten.
Emotional tiefbesorgte zerknitterte Gesichter, das scheint ja nun der letzte Schrei zu sein, so wie Ardern in Neuseeland und Trudeau in Kanada. Tatsächlich ist das alles eine ausgeklügelte Show. Echte Empathie haben die alle nicht, es geht nur um Gefühlsdarstellung.
Frau Beck ist doch wohlzu alt, um als "Young global leader" - warum übersetzt man das eigentlich nicht? - gecoacht zu sein.

Osvaldo Pugliese | Mo, 4. April 2022 - 13:17

Deutschland muss eine klare Einschätzung dazu finden, ob es sich im Krieg mit Russland befindet oder ob es darum geht, als Dritter der Ukraine in deren Verteidigungskrieg zu helfen. Entsprechend muss Deutschland den Hahn zudrehen oder offenlassen.

Werner Peters | Mo, 4. April 2022 - 13:22

In der FAZ schrieb der Feuilletonist Claudius Seidel, die Damen in der Talk-Runde hätten die besseren Argumente gehabt. Das ist typisch moralisierender Intellektuellen-Speech. Wo Moral draufsteht, muss Moral drin sein. Das ist das Narrativ, dass sie uns jetzt jeden Tag einhämmern. Dagegen hatten es die beiden Politiker in der Runde natürlich schwer. Sie müssen mit für Feuilletonisten so belanglosen Dingen wie schwere Wirtschaftskrise und Tausenden von Arbeitslosen argumentieren. Und die Ökonomen mit ihren in diesem Fall kindischen Makro-Rechenmodellen sind völlig neben der Spur. Hätte Herr Seidel doch mal in derselben Zeitung den Beitrag des BASF-Chefs gelesen, dann hätte er seinen Unsinn wohl nicht verzapft.

Heidemarie Heim | Mo, 4. April 2022 - 15:29

Sorry werter Herr Krischke! Meiner Ansicht nach noch lange nicht. Was ist, wenn wie so oft der Schein trügt? Denn wie schon ebenfalls oft von mir bemerkt, können Sie in diesem Format abgehandelten "Diskussionen" und die sich daraus ergebenden Erkenntnisgewinne für den Normalbürger getrost in die Tonne kloppen. In der Hinsicht ähnelt es sich hierbei um die selbe Katastrophenkommunikation wie wir sie seit speziell dem Thema Pandemie und die bis heute auch nicht annähernd erfassten bzw. verlautbarten Folgen für unsere Wirtschaft oder die Gesellschaft kennen. Wir wissen nichts, rien, nada! Ebenso erging es uns wenn wir wagten! nachzufragen in Sachen Migration oder Energiewende, wo wir uns mit einem legendären, versteckt imperativen "Wir schaffen das" oder bei den Grünen mit dem "schnelleren Ausbau von Windrädern und Solar" abspeisen ließen, obwohl jeder weiß, das allein die Genehmigung länger braucht während alle Energieträger außer Gas ausgeknipst werden. Ist wirklich alles gesagt? MfG

Gisela Fimiani | Mo, 4. April 2022 - 16:10

„……..der Gauck‘schen Feudalismustheorie folgend……“ ist der deutschen classe politique nicht um das Wohl der eigenen Bürger zu tun. Als „Beute der Parteien“, die den Schwächsten, jedoch besten Parteisoldaten, zu Amt und Ansehen verhalf, verwundert das Gefühlschaos nicht. Hier kann man nur „Gesinnungsethik“, die der jeweiligen Gefühlslage angepasst werden kann. Die Verantwortungsethik stellt eine andere, größere Herausforderung dar. Allem voran appelliert sie an das Gewissen derer, die „Politik machen“ wollen, die Verantwortung für das Wohl der Bürger, die sie ernähren, zu sorgen. Wie leicht ist es, die „richtige“ Gesinnung zu haben. Wieviel anstrengender, schwieriger und „postengefährdender“ ist es aber, verantwortungsbewusst, aufrichtig, gewissenhaft gegenüber den eigenen Bürgern zu handeln. So bemüht man lieber eine große „Weltgesinnung“, hinter der die Verantwortung einzelner Politiker verschwindet. Die utopistische Ideologie fordert nun der Bürger Eigenverantwortung: frieren etc

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Ebenfalls gelöscht werden ad-hominem-Kommentare, die lediglich zum Ziel haben, andere Foristen zu diskreditieren. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Generell gilt: Pro Artikel ist pro Nutzer ein Kommentar und eine Replik auf einen anderen Leserkommentar erlaubt. Kommentare, die Links zu zweifelhaften Webseiten enthalten, werden nicht veröffentlicht. Um die Freischaltung kümmert sich die Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.