- Das Bundes-Rock-Maskottchen
Kaum ein Musiker hat so erfolgreich den schmalen Grat zwischen Rock und Schlager beschritten wie Udo Lindenberg. Mit imponierender Beharrlichkeit entwarf er eine sehr deutsche Kunstfigur irgendwo zwischen Authentizität und Lächerlichkeit.
Mit deutscher Popmusik ist das ja so eine Sache. Einerseits füllen Herbert Grönemeyer und die Scorpions riesige Hallen. Andererseits haftet dem Wind-of-Change-Kitsch und Mensch-bleibt-Mensch-Gejammer eine geradezu monströse Provinzialität an. Sieht man mal von Kraftwerk und den Jungs um das Avantgarde-Label Innovative Communication ab, hat die deutsche Musikszene allenfalls Durchschnittliches hervorgebracht. Gut, die sogenannte Deutsche Welle war jung, frisch, frech und anders. Allerdings wurde sie in kurzer Zeit gnadenlos kommerzialisiert. Was mit Ideal, Fehlfarben und DAF hoffnungsvoll begann, wurde mit Nena massentauglich beerdigt. Übrigens ein wiederkehrendes Muster, das man auch bei den Toten Hosen findet oder bei Westernhagen: Nach dem ersten bemerkenswerten Langspieler versumpft man im politisch korrekten musikalischen Nirwana.
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Udo Lindenberg blieb in den finsteren Zeiten englischsprachiger Texte ein Deutschmusiker. Auch, wenn er ab Ende der 1980er Jahre zunehmend sich dem Kampf gegen Rechts verschrieb, ist seine deutschsprachige Musik ein Leuchtturm in der englischsprachigen, deutschen Musikszene mit gutgemachten Milieustudien gewesen. NDW war Kinderkram und starb den schnellen Kindstod.
Was haben die 4 berühmtesten Deutschrocker Lindenberg, Grönemeyer, Westernhagen und Niedecken gemeinsam? Richtig! Sie können nicht singen.
Uns Udo ist eine Institution und ich wage es zu behaupten, auf seine Art eine ehrliche Haut. Freilich dreht er derzeit links. Es ist eine Künstlermode, die meisten tun´s auch. Lasst sie doch. Wenn ich bedenke wie wir damals im Boot hinaus auf den Rheinsberger See gerudert sind - ich war damals gerade zur Kur - um den "Sonderzug" ungestört anhören zu können. Tja, das waren noch Zeiten. Freilich heutzutage wirkt er ein wenig museal, aber immer noch besser als der Herbert Grölemeyer, der sein Linkssein gerade exzessiv und abstoßend auslebt. Da lebt er nun in seinem Hamburger Hotel und trinkt Eierliör. Lasst ihn doch. Das hat er sich verdient. Gut, malen muss er nun nicht noch und Kunst ist diese Kleckserei auch nicht. Aber Armin Müller Stahl und andere haben jeder für sich irgendwelche Marotten. Mir ist es egal. Künstler halt. Die sind alle ein bisschen Tüttelü. Ich bin ja auch nicht ganz normal. Jeder ist auf seine Weise verrückt - wer hat´s gesagt? Mark Twain oder der Pinselheinrich?
Ist für mich mein Lebensmotto !
Brillanter Text und ebenso fantastisch musikalisch umgesetzt…..
Mit besten Gruß a d Erfurter Republik
Die größte Lebensleistung des lässig lederbehosten Taumel-Tänzers mit patentiertem Nicht-Gesang ist m.E., dass er trotz seines langjährigen Konsums von Hochprozentigem noch immer unter den Lebenden weilt. Herr Grau hat in seiner groben Aufzählung Udos vielleicht bestes Werk übersehen: Die erste deutschsprachige Solo-LP "Daumen im Wind", die man auch Nicht-Fans schon aufgrund des für Udo Lindenberg ungewöhnlichen Stil-Mix (Folk, Liedermacher, Prog?) wärmstens empfehlen kann.
Lindenberg hat sich zweifellos um die Deutschsprachige Rockmusik verdient gemacht. Dafür gebührt ihm größter Respekt. Seine politischen Statements waren dagegen gerade auch in der Nachrüstungsdebatte oft naiv simplifizierend, bezüglich gesellschaftspolitischer Themen häufig auf unterkomplexe Art "politisch korrekt" - aber das ist im deutschen Kulturbetrieb gewiss kein Alleinstellungsmerkmal..
„Ich mach mein Ding, egal was die andern labern“ – ja, das merkt man. Vor allem daran, dass Udo Lindenberg musikalisch ungefähr alles streift außer Folk, Liedermacher oder gar Progressiven Rock. Dafür reicht die Pose locker bis zur Stadiondecke.
Mut hatte er allerdings schon. Für seine Dröhnland-Symphonie holte er sich damals Eric Burdon ins Programm – der ihn dann erwartungsgemäß derart an die Wand sang, dass vom „Ich bin der Udo, ne“ akustisch nur noch der Hut übrig blieb.
Ein grenzdebiler Schlagerfuzzi, der aus seiner antrainierten Rolle nicht mehr herausfindet. Furchtbar!
