Gzuz auf der Bühne
Keine Musik für sensible Gemüter / picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt

Über die Kunstfreiheit - Wie moralisch muss Rap sein?

Im Interview mit dem Rapper Gzuz hätte der „Stern“ Rap gern politisch korrekt. Doch die Frage drängt sich auf: Wo lässt sich die Grenze zwischen Kunstfreiheit und Verantwortung ziehen?

Autoreninfo

Mirjam Epstein studiert Soziologie und hat redaktionelle Stationen an der Axel Springer Akademy (Welt), dem österreichischen Exxpress und bei Cicero absolviert.

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„Ich bin nicht dafür da, deine Kinder zu erziehen. Das ist deine Aufgabe“, zitiert das Magazin Stern den Rapper Gzuz in einem Porträt. Zugegebenermaßen: Seine Texte sind nicht jedermanns Sache. Es geht darin um Gewalt, Drogen, Exzesse – um seelische Abgründe, in die der Hamburger selbst zuweilen geblickt hat, bevor er reich und berühmt wurde. Gzuz, gebürtig Kristoffer Jonas Klauß, ist Teil der 187 Strassenbande – der Code für polizeilichen Mord in den USA. In den 2000er-Jahren hat sich die Gruppe, bestehend aus vier meist strafauffälligen Jugendlichen, zusammengeschlossen, um seither zahlreiche Chartplatzierungen in der Szene zu landen. 

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Christoph Kuhlmann | Sa., 2. August 2025 - 07:36

Devianz steht immer in bewusstem Gegensatz zum Mainstream. Es gab mal eine verklemmte Zeit, in der das Haupthaar der Männer eine bestimmte Länge nicht überschreiten durfte und Drogen kriminalisiert wurden bis zum geht nicht mehr. Außerdem war dieser Lärm aus den USA eine kulturelle Schande. Was kennzeichnete die deviante Jugend? Freie Liebe, lange Haare, Drogenkonsum und Rock'n Roll. So ist das bei den Rappern auch, sie mussten den Sexismus schon deutlich steigern, um noch gegen gesellschaftliche Konventionen zu verstoßen, inzwischen gepaart mit Gleichberechtigungsnormen, die es zu verletzen gilt, die Kriminalisierung der Konsumenten ist eigentlich gleich geblieben. Das Legal, Illegal, Scheißegal ist zur der demonstrativen Missachtung der Gesetze mit Zurschaustellung von materiellem Überfluss mutiert und die Barrieren zur Teilnahme an dem Ganzen ist durch Elektronik und weitgehenden Verzicht auf Melodien, deutlich gesunken. Der Elitarismus, der Gitarrenvirtuosen verschwindet.

Ernst-Günther Konrad | Sa., 2. August 2025 - 10:05

Nicht meine Musik. Nicht meine Texte. Nicht meine Generation. Und dennoch frage ich, egal wie man diese Texte einstuft, worüber wollen sich diese "Gutmenschen" noch alles aufregen? Ja, wenn es strafbare Inhalte sind, dann wie bei jedem anderen auch, juristische Prüfung und ggfls. mehr. Aber wo wollen die denn hin? Glaubt irgendjemand im Ernst, damit könnte man die Rapper-Szene den moralischen Vorstellungen einer Minderheit von Gutmenschen anpassen? Die es hören wollen, werden es sich anhören, wie die es spielen und singen, die wollen es ebenso. Es liegt doch am Zuhörer, ob er so etwas hören will oder nicht. Und ja. Kunst ist weit definierbar oder eben auch ganz eng. Je nach Betrachtungsweise und politischer Ausrichtung. Was diese "Musiker" texten, bildet auch ein Teil der Wahrheit ab, die man aber gerne verschweigt, verzerrt oder ignoriert. Aber wenn schon Kinderlieder und Bücher auf den Index kommen sollen, dann sind Rapper eben nicht weit. Dass wird nicht mehr lange gut gehen.