Trump und der Irankonflikt - „Du Hurensohn!“

US-Präsident Donald Trump hat den iranischen General Quasem Soleimani post mortem beschimpft. Es ist eine Sache, einen Feind zu töten. Aber mit leichtfertigen Schmähworten schürt er den Hass in Nahost

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Auch nach dem Tod gnadenlos: Donald Trump hetzt gegen Quasem Soleimani / picture alliance

Autoreninfo

Moritz Gathmann leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland

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Es gibt in der internationalen Politik immer wieder leichtfertig dahergesagte Äußerungen, die hängenbleiben. Vielleicht nicht bei denen, die sie gesagt haben. Aber bei denen, an die sie sich richteten. Und diese Sätze haben Folgen, die nicht im Interesse des Erfinders lagen.

Erinnern Sie sich an den 25. März 2014? Vermutlich nicht. Der damalige US-Präsident Barack Obama war an diesem Tag zu Gast in Den Haag. Grund war eigentlich ein Gipfel zur Atomsicherheit, aber natürlich ging es auch um die Krim-Krise, die sich gerade ein paar Flugstunden weiter östlich zuspitzte. „Russland ist eine Regionalmacht“, äußerte Obama da in leicht spöttischem Ton, „die einige seiner unmittelbaren Nachbarn bedroht – nicht aus Stärke, sondern aus Schwäche.“ 

Entgleisung auf diplomatischem Parkett 

Die Analyse entsprach zum damaligen Zeitpunkt durchaus der Wahrheit. Aber bei Wladimir Putin muss sie einen wunden Punkt getroffen haben, zumal sie aus dem Munde des amerikanischen Präsidenten kam. Ein gutes Jahr später griff Russland in den Syrienkrieg ein – heute muss mit Putin reden, wer in diesem Land etwas ausrichten will. Gleiches gilt inzwischen für Libyen: In Moskau trafen gerade der von Russland unterstützte General Haftar und der vom Westen protegierte Präsident des Landes Sarraj zusammen, um über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Nicht nur die Europäer sind in beiden Konflikten Beobachter, sondern inzwischen auch die USA. Die Hebel hat Russland – neben der Türkei – in der Hand. Und es hat damit bewiesen, dass es eben keine Regionalmacht ist.

Nun zu Donald Trump: „Soleimani war der König der am Straßenrand platzierten Bomben. Viele Menschen fehlen heute wegen dieses Hurensohns Arme oder Beine. Er hätte schon vor 20 Jahren getötet werden sollen.“ Das sagte der amerikanische Präsident am gestrigen Abend in Milwaukee, Wisconsin, vor tausenden begeisterten Unterstützern. Es brachte ihm großen Jubel ein, denn bei diesen Wahlkampf-Shows kommt es immer gut an, auf die Pauke zu hauen. Trump hat in den vergangenen Jahren schon den einen oder anderen Amerikaner als „son of a bitch“ bezeichnet, so ist er halt, und auf Englisch ist das Schimpfwort nur eines unter vielen. Aber es ist gut vorstellbar, dass diese Entgleisung auf internationalem Parkett eine ähnliche Wirkung haben könnte wie einst Obamas Spöttelei über die russische „Regionalmacht.“ Es ist eine Sache, einen Feind zu töten – die USA tun das regelmäßig. Aber muss man ihn post mortem als Sohn einer Hure bezeichnen?

Buhlen um Wählerstimmen 

„Hurensohn“, so schimpfen die türkisch- oder arabischstämmigen Halbstarken auf der Berliner Sonnenallee, wenn sie ihr Gegenüber maximal  provozieren wollen, meist wird daraus eine Schlägerei. Wo ein „Biodeutscher“ nur mit der Schulter zucken würde, flippen Menschen aus, die in archaischeren Gesellschaften sozialisiert sind, und das betrifft auch viele islamische Länder, gerade weil es die maximale Beleidigung der Person selbst und seiner Mutter ist.

Bei den Millionen Iranern, die in der vergangenen Woche an den Trauerfeiern für den – aus ihrer Sicht – Nationalhelden Soleimani teilgenommen haben, dürfte diese ehrverletzende Aussage des amerikanischen Präsidenten nur noch zum Hass auf die USA und den Westen im Allgemeinen beitragen – und Angriffe auf US-Amerikaner und deren Verbündete noch mehr als zuvor rechtfertigen. Aber selbst bei denjenigen Menschen in den Staaten des Nahen Ostens, die keine Fans von Soleimani sind, dürfte die Frage aufkommen: Was ist das für ein Führer der freien westlichen Welt, dem es nicht ausreicht, einen Feind zu töten, sondern der danach auch noch verbal auf sein Grab uriniert? Eingedenk aller Argumente für die Tötung von Qasem Soleimani – Trumps Verhalten ist eine Schande für das, was noch vom Westen übrig ist.

Ihm kann das egal sein. Donald Trump denkt an seine Wiederwahl.

Petra Führmann | Mi, 15. Januar 2020 - 15:02

Merkt der Mann denn nicht endlich, dass er weniger Feinde hätte, würde er sich gesittet benehmen und sich diplomatisch ausdrücken? Leidet er an Größenwahn? Empathie ist seine Sache nicht, Psychologie auch nicht. Politisch will ich mich jetzt gar nicht äußern, aber etwas mehr Lernfähigkeit hätte ich mir doch gewünscht.

Ein Teil seiner Fans liebt ihn gerade wegen seiner derben Sprüche. Sie nennt ihn selbst, mit Gusto, " s.o.b.". Zu Suleimani hat Trump ja nicht ganz unrecht. Ob und wie das im Iran ankommt ist sowohl Trump, als auch seinen Fans egal. Wenn man kein professioneller Psychiater ist, dann kann man immer die " Diagnose" - böswillig-narzisstische Persönlichkeitsstörung - aufrechterhalten. Kotzbrocken geht auch.

Bernd Windisch | Mi, 15. Januar 2020 - 15:58

Wenn man bedenkt mit welchen Attributen der Iran Amerika und sine Bürger, einschließlich Fahnenverbrennung, belegt befinden sich die Verbalinjurien der wieder streitenden Parteien aktuell geradeso auf Augenhöhe.

Weshalb ist der Holocaust Leugner Ali Chamenei keine Schande für die arabische Welt?

Alessandro LaPorta | Mi, 15. Januar 2020 - 17:31

In reply to by Gast

Herr Windisch, Ali Chamenei ist Iraner und kein Araber. Er wäre allenfalls eine Schande für Persien.

Hätte ich geahnt, dass in diesem Forum derart hochkarätige Ethnologen mitlesen hätte ich geschwiegen und wär Philosoph geblieben. Trotzdem, der Konjunktiv in Ihrem zweiten und letzten Satz würde ich weglassen. Aber trotzdem vielen Dank für den Hinweis und alles Gute!

Heidemarie Heim | Mi, 15. Januar 2020 - 16:21

Mit (diplomatischen) Trampeltieren müssten die Menschen in diesem Teil der Erde wahrscheinlich besser umgehen können als Mr. President mit dem berühmten Säbeltanz bei seinen Saudi-arabischen Freunden;-).
Doch ich gebe Herr Gathmann recht: So was tut man nicht! Nirgends! Das ist aus Sicht eines Offiziers, er (Trump) besuchte eine angesehene Militär-Akademie, untere Lade. Diplomatisch sowieso. Und ähnelt den Verunglimpfungen und
Ehrabschneidungen, der Instrumentalisierung im Kampf gegen den politischen Gegner, die wir bei uns doch auch erleben und beklagen. Was dem Einen seine Nazischlampe, Ziegenliebhaber, Drecksf... ist, ist dem anderen der offen angeordnet eliminierte Hurensohn? Wie weit möchten wir es noch treiben mit dem Getrampel auf den Gefühlen und Werten unserer Mitmenschen? Mehr hatte Herr Gathmann, so ich ihm politisch gesehen nicht immer folge;), nicht im Sinn mit seinem Beitrag. MfG

Sehr geehrte Frau Heim. Der Artikel "Militäraktionen der USA gegen den Iran" haben mich noch hinter her sehr beschäftigt & ich möchte diesen revidieren.
Nach vielen Diskussionen mit Freunden & Familie bin ich zur Überzeugung gelangt, dass absolut nichts die Handlungsweise der USA rechtfertigt, solange:
1. Ein offensichtlicher, für alle Völker nachweisbarer Beweis vor liegt
2. Eine komplexe Gefahr für unsere Zivilisation vorhanden ist
3. Das 2/3 der Völkergemeinschaft dies auch so sieht

Wenn dem nicht so wäre, könnte sonst jedes andere Land sich das gleiche Recht heraus nehmen, in dem man z. B. einen Finanzmongul über die "Klinge hüpfen lässt"
Mein persönlicher Gewissenskonflik: das fünfte Gebot Gottes:
Du sollst nicht morden.
Das Herr Tramp weiß, wie er sich zu bewegen & zu benehmen hat. Ich glaube, nur ein paar seiner "Liebsten" weiß, was er fühlt. Das andere ist Show & Business, um ihm Internationalen & Nationalen Mienenfeld zu überleben. Sonst wäre er Nachfolger von Kennedy. MfG

Willy Ehrlich | Mi, 15. Januar 2020 - 16:22

Auf typisch westlich-moralische Art wird hier wieder argumentiert. Das "Gehetze" von Präsident Trump interessiert den gemeinen Araber gar nicht, denn fehlende Beschimpfungen werden als "Schwäche" ausgelegt und Beleidigungen in so einem Falle als Provokation stillschweigend akzeptiert.

Kai Hügle | Mi, 15. Januar 2020 - 18:15

In reply to by Gast

Man kann hier im Forum viel lernen über den "gemeinen Araber", der in diesem Fall ja ein Iraner (also ein Perser!) ist! Würde ich nicht verwechseln an Ihrer Stelle; zumindest nicht, wenn Sie mal wieder in der Region sind. Und das sind Sie sicher häufig.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 15. Januar 2020 - 16:49

lieber Herr Gathmann. Ich stimme Ihrem Artikel insoweit zu. Eine solche Ausdrucksweise gehört sich einfach nicht. Das ist auch nicht akzeptabel.
Auch nicht im Wahlkampf. Auch wenn das ein beliebter "Beleidigungsspruch" arabischer Menschen ist, muss man sich eben gerade nicht sprachlich auf deren Ebene begeben.
Natürlich lösen solche Wörter bei den Betroffenen zusätzlich emotionale Ausraster aus. Da braucht es keine Glaskugel.
"Trumps Verhalten ist eine Schande für das, was noch vom Westen übrig ist." Er ist nicht der "Westen". Bei aller Kritik an Frau Merkel, so etwas habe ich bei ihr nie gehört.

Wenn auch nur 10% der Wahrheit entsprechen, was die
Medien alles über die Greueltaten dieses Menschen berichten,
dann ist "son of a bitch" bzw. das H-Wort von Mr. President
eher noch eine liebevolle Umschreibung, ein Euphemismus,
geradezu ein Kompliment. Das sollten sich alle Trumphasser
bewußt machen. Insofern sagen die Kommentare dieser
wohlanständigen Sprach- und Sprechheger mehr über sie
selbst aus, als über Trump.

Tork Poettschke | Mi, 15. Januar 2020 - 16:55

Er schimpfte ihn DU HURENSOHN.
Er war beleidigt und entsetzt.
Die nächste Krise komme schon,
hat er daraufhin geschätzt!
...
Beleidigungen versus Ost
sind selten zu empfehlen.
Denn jene sagen dann nur PROST
und lassen ihre Waffen stählen.
...
Er schimpfte ihn DU HURENSOHN
und war doch selbst der größte.
Beleidigt gibt es keinen Lohn.
WIR SCHICKEN IHN IN DIE WÜSTE ()
...

Tork Poettschke, Dortmund, *1980

Günter Johannsen | Mi, 15. Januar 2020 - 18:06

Hier hat einer sein Visier hochgeklappt und sein wahres Gesicht gezeigt? Amerikafeindlichkeit zeigte sich eigentlich bisher nur bei Links-und Rechtsextremisten … nicht zu vergessen die bestialischen Islamisten. Was soll ich denken …. ?!

Romuald Veselic | Mi, 15. Januar 2020 - 18:50

Postmortale Diagnose an Soleimani richtig. Soleimani verdient keine Achtung, kein Mitleid, er war ein Kriegsverbrecher. Wer mit Schwert kämpft...
Er ist er jetzt unter Seinesgleichen und muss keine Kälte mehr fühlen. Der Lichtbringer kümmert sich darum.

Tomas Poth | Mi, 15. Januar 2020 - 19:43

Der Hurensohn fällt unter die Kategorie verbaler Entgleisungen, so wie wir es leider immer wieder erleben müssen.
Ob hier ein grober Keil auf einen groben Klotz gehauen wird, darüber läßt sich wohlfeil streiten.
Nur meine ich, wenn wir auf dieser Führungsebene die Sprachkontrolle verlieren, wer will sich dann noch über Hetze und dergl. im Internet erregen??

Stefan Schlegel | Mi, 15. Januar 2020 - 21:55

In Deutschland wird „Soleimani“ bei den öffentlich-rechtlichen Radiosendern als TOP-General hofiert. Andere Medien vergleichen diesen Mörder mit „SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich“.
Die Entscheidung diesen Mann aus dem Verkehr zu ziehen, unterstütze ich zu 100%. Dieser Massenmörder hatte politisches Geschick, Intelligenz und er war skrupellos! Trumps Verhalten ist keine Schande, er formuliert auf den PUNKT (manchmal überspitzt). Das nennt man einfache Sprache, aber das verstehen ÜBERSTUDIERTE nicht, Islamisten hingegen schon!!! Es ist eine Schande, wenn Deutschland ein Terrorregime im IRAN hofiert und einen demokratisch gewählten Präsident ständig ans Bein pinkeln will. In unserem Land wird eh nur noch Wortklauberei im Sinne von „blabla“ betrieben.

W.D. Hohe | Do, 16. Januar 2020 - 10:29

Sehr geehrter Herr Gathmann,
Zitat Ihres Kommentars,
"Ihm kann das egal sein. Donald Trump denkt an seine Wiederwahl = Schande für den Westen"
Mit diesen Ihren "finalen" Sätzen haben Sie
- mindestens - Ihren Kommentar ziemlich entwertet.
MfG