- Das Spiel mit der Glaskugel
Trendreports versprechen, die Zukunft sichtbar zu machen – nicht als exakte Prognose, sondern als interpretierte Entwicklungslinie. Sie bündeln dazu schwache Signale aus Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie. Doch Entwicklungen folgen selten klaren Linien.
Trendreports leben vom Spiel mit der Glaskugel. Sie verkaufen nicht einfach Informationen, sondern eine plausible Deutung von Zukunft. Was heute als schwaches Signal, gesellschaftliche Stimmung oder technologische Nische erscheint, wird im Trendreport bereits als möglicher Strukturwandel beschrieben. Genau darin liegt der ökonomische Kern dieses Geschäfts: Unsicherheit wird in interpretierbare Entwicklungslinien übersetzt. Für Unternehmen, Investoren, Medien und politische Akteure entsteht dadurch ein scheinbares Navigationsinstrument für eine unübersichtliche Zukunft.
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Wenn man die Megatrendreporte über die Jahre miteinander vergleicht, stellt man fest, dass viele Trends doch nicht so mega waren, und die Autoren oft falsch lagen. Andere Trends hat man nicht gesehen, obwohl ssie kurz bevor standen.
Die Politik nutzt anscheinend die Marketing-Werkzeuge der Trendforschung aus partei-taktischen Gründen - dementsprechend die Akzente auf Themen, die die meisten Bürger kaum berühren. Die Ergebnisse von Umfragen hängen viel damit zusammen wen man fragt, wo gefragt wird (z.B. Stadt/Land) und vor allem wie die Frage formuliert ist bzw. welche Antwortmöglichkeiten es gibt.
Vergleicht man die Werbeblöcke mit den Parteiprogrammen, wird man große Ähnlichkeiten in den Themen (z.B. die Ära der Regenbogenflaggen oder Klimaschutz) bemerken. Sind wohl immer die gleichen Trendforschungs-Institute, die die unterschiedlichen Kunden mit den immer selben Prognosen beraten. Und ja, Glaskugel trifft es ganz gut.
