- Ein brückenbauender Radikaler und radikaler Brückenbauer
Der US-Podcaster und konservative Aktivist Charlie Kirk ist tot. Offenbar ermordet, weil er öffentlich seine Meinung sagte – und den Diskurs mit seinen politischen Gegnern suchte. Sein Tod ist eine doppelte Warnung. Ein Nachruf.
„When you stop arguing, bad things gonna happen“, sagte Charlie Kirk immer wieder. In unterschiedlichen Varianten. Und meist dann, wenn er gefragt wurde, warum er tut, was er tut. Für einen Autor der Zeit, der auch für die taz schreibt, war Kirk deshalb – und weil er stand, wofür er stand – ein rechter Ideologe, „der Amerikas Jugend radikalisiert“. Das schrieb dieser Autor im Juli dieses Jahres. Für diejenigen aber, die es ernstmeinen mit dem politischen Diskurs, der auch mal knackig und kompromisslos sein darf, machte Kirk vieles richtig.
Der Gründer der konservativen Jugendorganisation Turning Point USA sagte öffentlich seine Meinung – nicht nur irgendwelche Standpunkte, sondern eine echte Meinung mit echten Argumenten – und lud seine politischen Gegner ein, zu widersprechen. Solche Debatten fanden meist auf einem amerikanischen Uni-Campus statt, wo er auch Studenten, die nicht seiner Meinung waren, die Möglichkeit bot, ans Mikrofon zu treten und mit ihren Gegenargumenten ein Millionenpublikum zu erreichen. Auf Instagram folgen Kirk fast neun Millionen Menschen, über sieben Millionen auf Tiktok und über vier Millionen auf Youtube.
Brückenbauender Radikaler
Charlie Kirk, geboren 1993 in Illinois, unterstützte Donald Trump bei dessen Wahlkampf. Er stritt für christliche Werte als Teil der nationalen Identität der Vereinigten Staaten, für offene Märkte, für das Existenz- und Verteidigungsrecht Israels und gegen jene ideologischen Muster, die sich hinter dem Kürzel LGBTQ eben auch verbergen. Insbesondere, was das Thema Trans bei Kindern angeht. Kirk legte sich zudem mit „Black Lives Matter“ an, mit Wokisten im allgemeinen und mit dem, was konservative Amerikaner unter „Mainstream Media“ verstehen. Einer seiner letzten Posts auf X lautete:
„Wir wurden von Lügnern und Betrügern in den Medien propagandistisch beeinflusst, zu glauben, dass Amerika ein bösartiges, rassistisches Land ist und dass es ständig zu wahllosen Angriffen von Weißen auf Schwarze kommt. Aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Angriffe von Schwarzen auf Weiße kommen dreimal häufiger vor als Verbrechen von Weißen an Schwarzen, obwohl Schwarze nur 13 % der Bevölkerung ausmachen. Warum sagen die Medien nicht einfach die Wahrheit? Warum lügen sie, wenn diese Lügen zum Tod unschuldiger Menschen führen?“
Noch mehr als für Vorstöße wie diesen, solche der Marke „Kommando Attacke“, war Kirk aber bekannt für seine große Freude an der Rede- und Meinungsfreiheit. Das gefiel nicht jedem. Vor allem Amerikas Linksaußen nicht, wozu längst auch Teile der Demokraten zählen. Linksaußen gefiel nicht, dass Kirks konservative Ideen ein Millionenpublikum erreichen. Wohl dem irren Glauben anheimgefallen, „falsche Ideen“ könnten wie ein Virus von Kirk auf die Jugend überspringen. Dabei ging es auch Kirk immer um das bessere Argument. Und zu groß war wohl auch die Wut darüber, dass Kirk intellektuell fähig war, jene Dogmen, die sich die Linke selbst gegeben hat, auf einem hohen Niveau zu zertrümmern.
Und ja, Charlie Kirk war in mancher Hinsicht ein Radikaler, aber eben auch ein Brückenbauer. Ein radikaler Brückenbauer, wenn man so will. Oder auch ein brückenbauender Radikaler. Nicht derart, dass er Kompromisse gesucht hätte, wo offenkundig keine möglich waren, sondern nur Unterwerfung gewesen wäre. Oder derart, dass er sich mit seinen Überzeugungen zurückgehalten hätte, um bloß niemanden „zu verletzen“. Sondern derart, dass er sich vor Konflikten nicht versteckte, sie mehr noch provozierte. Wahrscheinlich, weil auch er wusste, dass sich der Kulturkampf nicht von alleine erledigt.
I am deeply disturbed by the shooting in Utah. Doug and I send our prayers to Charlie Kirk and his family.
Let me be clear: Political violence has no place in America. I condemn this act, and we all must work together to ensure this does not lead to more violence.— Kamala Harris (@KamalaHarris) September 10, 2025
Keine Angst vor einer Kugel
„We must pick up the baton where Charlie left it, fighting for the things he believed in so passionately. And we must fight for a better America – an America where good people can speak truth and debate passionately without fear of a bullet“, schrieb Kirks Weggefährte Ben Shapiro in Reaktion auf Kirks Tod auf X. Zu deutsch: „Wir müssen den Staffelstab dort aufnehmen, wo Charlie ihn hingelegt hat, und für die Dinge kämpfen, an die er so leidenschaftlich geglaubt hat. Und wir müssen für ein besseres Amerika kämpfen – ein Amerika, in dem gute Menschen die Wahrheit sagen und leidenschaftlich diskutieren können, ohne Angst vor einer Kugel zu haben.“
picture alliance
Man beachte, dass Shapiro nicht von Konservativen schreibt, die ihre Meinung ohne Angst artikulieren sollten, sondern von „guten Menschen“. Was – so die Interpretation des Autors dieser Zeilen – alle miteinschließen dürfte, die an die intellektuelle Kraft des Arguments glauben. Im Unterschied zur zerstörerischen Kraft einer Kugel. Doch eine solche traf Charlie Kirk vor wenigen Stunden während einer Veranstaltung auf einem Uni-Campus in Utah am Hals. Später erlag er seinen schweren Verletzungen.
Kirks Tod ist eine doppelte Warnung
Alles deutet auf ein Attentat hin. Von einem solchen sprechen auch die Behörden in Utah. Und Millionen Außenstehende fragen sich jetzt, was zur Hölle eigentlich schiefläuft in einer Gesellschaft, in der Familienväter ermordet werden, weil sie eine (kontroverse) Meinung haben. Zur Wahrheit gehört aber auch: Manche Linke freuen sich über Kirks Tod, in den USA und hierzulande. Mal ganz direkt, mal feige versteckt hinter einem dummen Witz. Die üblichen Verdächtigen in ihrer Wohlstandsverwahrlosung eben – und ohne die sittliche Reife, die große Tragik für das große Ganze zu sehen; für den demokratischen Streit.
Unabhängig davon, ob wir mit Charlie Kirk inhaltlich übereinstimmten, sollte sein Tod uns daher eine doppelte Warnung sein. Erstens und in seinen Worten: „When you stop arguing, bad things gonna happen.“ Aber auch zweitens und in den Worten des Autors dieser Zeilen: Eine demokratische Gesellschaft sollte diejenigen, die sich über den Tod eines Familienvaters freuen, weil sie seine Meinung nicht teilten, unbedingt im Auge behalten. Denn solche Leute sind an einem gewaltfreien Diskurs nicht interessiert. Anders als Charlie Kirk, der dafür mit seinem Leben bezahlte. Er starb am 10. September 2025 im amerikanischen Orem im Bundesstaat Utah. Er hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder.
Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.
und Lager scheint meist stärker als die Freude an Debatten und dem gemeinsame Ausloten (mit gegensätzlichen Standpunkten und Zielen) des Unverstandenen und der gegensätzlichen Entscheidungsmöglichkeiten des Menschen.
Gegensätzliche Standpunkte werden meist getrennt voneinander vorgetragen, jeder in seinen Artikeln und Büchern, aber die Freude an der direkten gemeinsamen Debatte, wenn man gegensätzliche und unverträgliche Sichtweisen und Ziele hat, die scheint es kaum zu geben.
Ihr letzter Absatz trifft es genau!
freuen sich über Kirks Tod, in den USA und hierzulande." - dabei handelt es sich um genau jenen Typus Mensch der auch gern nach einem Massaker wie in Israel am 7. Oktober Bonbons auf der Straße verteilt 6nd offen über derartige Grausamkeiten jubelt - auch hierzulande... - weil ihn Menschenleben und ein halbwegs friedliches Miteinander überhaupt nicht interessieren... - und schon garnicht der Respekt vor einer anderen Meinung geschweige denn ein offener demokratischer Diskurs.
Diese Leute gibt es auch hierzulande..., immer mehr. 🤔
Danke für den zur Situation sehr passenden Beitrag!
Herr Krischke, den Zeilen ist nichts hinzuzufügen!
Herr Krischke, warum nicht einfach die Fakten beim Namen nennen? Er wurde ermordet. Punkt.
Ich frage ja nur... 🤔
Absolut richtige Beschreibung. Aber warum verneigt sich dann ausgerechnet der Brückeneinreißer und Leute-Verächtlich-Macher Donald Trump vor dem Verstorbenen ? Zum politischen Diskurs gehört auch, diesen Widerspruch offen zu benennen.
Lesen Sie doch mal die Berichterstattung in den USA ohne Schaum vor‘m Mund, Herr Weiß! Vielleicht verstehen Sie dann, warum Trump reagiert, wie er reagiert!? Trump Bashing hat bei diesem Text nichts zu suchen.
🥺🥺
@Gisela Hachenberg, Ihre Anmerkung benennt genau das Problem: für Sie und Präsident Trump gibt es nur Entweder/Oder. Das ist der Unterschied zu Charlie Kirk.
auch der vor kurzem von Farbigen (USA) oder eben dem Iraker ermordeten Ukrainerinnen um diese Beispiele zu bringen, sind bezeichnend.
Jeder erinnert sich noch an die Ursache und dann die Auswirkung der Bewegung „Black lives matter.“ Welch ein Unterschied...In den Stadien vieler Ligen knieten die Fußballer am Boden und neigten die Köpfe... Und nun? Bei den beiden Ukrainerinnen kam: nichts. Kein Bedauern, keine Trauer, nicht mal darüber berichtet haben diese Schmierfinken.
Nun wird hinter vorgehaltener Hand gelacht, der „rechte Ideologe“ (was mittlerweile jeder ist, der nicht dem linken Mainstream hinterher rennt)also nach Sprech der linksgrünen Widerlinge „rechtsradikale“ Kirk ist tot. Tja. Pech.Und weiter?
Es widert einem nur noch an.
Aber so langsam weiß hoffentlich bald jeder Esel,wo wir dran sind mit den selbsternannten „ach so guten“ Linksgrünen:es sind Menschenverachter. Abscheuliche Ideologen.
Wenn das Opfer "passt": alles ok. Weitergehen, hier ist nichts zu sehen. Aber wehe...
Habe mir die Berichte in den Mainstreammedien und ÖR angesehen. Beschämend. Viele Posts auf Social Media sind beschämend.
All das zeigt die Entmenschlichung in Teilen unserer Gesellschaft.
Leider sind es immer die Linken. Und sie freuen sich über jede Gewalttat und Brutalität (möchte sogar sagen bis hin zu Mord), wenn es gegen Andersdenkende geht.
Es sind erbärmliche Wichte.
Zu Ihrem guten Artikel gibt es ansonsten nichts hinzuzufügen.
Frau Dunja Hayali mit u.a. folgender Einleitung auf die Ermordung Kirks ab: "Er setzte sich für den Besitz von Waffen ein, nun ist er selbst von einer Kugel getroffen..." - leicht süffisantes Lächeln.
>> Ich finde soetwas im ÖRR unerträglich!! (dagegen 'heult' Slomka fast, wenn sie die neuen 25% der AfD im ZDF-Politbarometer verkünden muss..., mit ernstverzerrtem Gesicht... ...; das Auftreten und auch die Gesprächsführung(en) im ÖRR sind mittlerweile politisiert tendenziös, Ausnahmen bestätigen die Regel...)
Aber wenn er wirklich ein Brückenbauer war, der zwar vehement seine Meinung vertrat, aber eben auch ala Voltaire dafür eintrat, anderen die Gelegenheit zu geben, mit ihm und ebenfalls öffentlich zu streiten, dann ist mit ihm nicht nur der Mensch, sondern auch ein Stück Demokratie wie es sich wahre Demokraten wünschen verloren gegangen. Das jemand, egal ob links oder rechts für seinen Standpunkt eintritt, ihn argumentativ -ob richtig oder nicht - verteidigt und auch mal sprachlich durchaus radikal formuliert, das sollten wir alle, egal wo man politisch steht, verteidigen und bewahren. Aber das, was jetzt die sog. Demokratiebewahrer machen und wenn es stimmt, dass es jemand aus dem linken politischen Lager war, der ideologisch verbrämt gehandelt hat, so ist zutiefst unmenschlich und antidemokratisch. Es gibt nicht nur die "eine" Wahrheit. Ich bin noch vorsichtig bei meinem Urteil ob das Attentat "nur" politisch motiviert war, auch wenn es so aussieht. Ich hoffe, sie kriegen in den Mörder
Vielen Dank, werter Herr Krischke, für diese bewegende Würdigung.
Auch ich habe die Reaktion von deutschen Linken, zum Beispiel dem Textschreiber von Jan Böhmermann, der sich El Hotzo nennt, gelesen. Es ist einfach nur widerwärtig. Es zeigt, auf welcher Stufe die Leute, die stets "Menschenfreundlichkeit" auf ihre Fahnen schreiben, in Wirklichkeit stehen. Diese Leute sind nicht der Fortschritt, sie sind Reaktionäre.
Wieder einmal die richtigen und bewegenden Worte gefunden, lieber Herr Krischke! Bravo! An diesem feigen Mord zeigt sich, wie die Linken, egal ob Presse oder „normale“ Bürger in Amerika, aber auch bei uns ticken. Ich bin entsetzt, wie brutal ein Teil der Gesellschaft geworden ist. Und die, die nicht wirklich informiert sind, lassen sich davon leider beeinflussen. Bei taz, Spiegel, Zeit und den üblich Verdächtigen wundert mich die Brutalität nicht. Aber dass die FAZ mitmacht… Ja, habe schon festgestellt, dass sich dort nach dem Abgang von Steltzner und den (z.T. dummen) Kommentaren von Kaube vieles verändert hat. Ich lese die FAZ inzwischen nur noch einmal in der Woche, werde aber wohl ganz damit aufhören. Ich bin froh, dass es einige mutige Journalisten beim Cicero gibt, die Wahrheiten aussprechen, was leider heutzutage nicht mehr so oft der Fall ist in diesem Land. Ganz aufrichtigen Dank, Herr Krischke!
Der Verfassungsschutz hätte Charlie Kirk als gesichert rechtsextrem eingestuft. Obwohl er lediglich sein Recht auf frei Meinungsäußerung wahrgenommen hat. Dieses Organ ist der Versuch die Bürger einzuschüchtern, durch Denunziation und Nachfrage beim Arbeitgeber politische missliebigen Menschen berufliche Nachteile zu bereiten, sowie Zensur und Rufmord bei den politischen Gegnern ihrer Dienstherren auszuüben wo immer das geht. Es ist im Sinne jedes aufrechten Demokraten, dass diese Behörde aufgelöst wird.
Extrem befremdlich ist zumindest für mich die Titulierung des Familienvaters Kirk durch die äußerst "qualifizierte" Moderatorin bei der vom Bürger finanzierten ÖRR Sendeanstalt ZDF Dunja Hayali als Rassisten, Sexisten und Menschenfeind! Zitat: "oftmals abscheulichen, rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen Aussagen"! Weiß diese Dame und wissen viele Redakteure von Spiegel, FAZ, ja an sich fast aller MSM, was sie da tun? Und dass sie das, was sie Kirk da zu Unrecht vorwerfen täglich selber tun? Hass und Hetze, darauf steht doch gemäß §130StGB Strafe! Aber das gilt für linke ÖRR-Sender, Medienblätter und ihre Moderatoren/Redakteure offensichtlich seit Merkel nicht mehr. Hier kann jeder sagen und "Bullshit" absondern solange er LINKS ist - im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung - versteht sich! (Zitat frei nach F.J. Degenhardt). Diese links ideologisierten Gestalten sind es doch, die die Demokratie scheibchenweise aber leider mit Erfolg sukzessive zerstören!
