Bundesregierung
Ministerriege Bas, Dobrindt, Klingbeil und Bundeskanzler Merz / picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr

Systemkrise als Strukturkrise - Das hilflose Agieren der politischen Akteure ist nicht die Ursache unserer Probleme

Unser politisches System steckt in einer tiefen Krise. Medien und Meinungsmacher erwecken den Eindruck, mit besserem Regierungshandwerk sei das alles in den Griff zu bekommen. Das ist naiv, weil hier Symptom und Ursache verwechselt wird.

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Zuletzt erschien von ihm „Die Zukunft des Protestantismus“ bei Claudius.

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Es stimmt ja: Der Kanzler kommuniziert und agiert unglücklich. Die CDU ist zerstritten. Die Brandmauer ist und war eine strategische Dummheit. Die SPD sucht ihr Heil in der Reformverweigerung. Die FDP gibt zur Unzeit ein jämmerliches Bild der Uneinigkeit ab. Die Linke schwelgt in Umverteilungsphantasien. Die linksliberale Blase in den Institutionen dieser Republik agiert weltfremd. Die AfD profitiert von dem ganzen Chaos und macht wahrscheinlich jeden Tag drei Kreuze, dass sie nicht in der Verantwortung steht. Deutschland gibt kein gutes Bild ab.

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Rainer Mrochen | Sa., 6. Juni 2026 - 11:49

"Der aufgeklärte Bürger ist gut beraten, sich darauf einzustellen." Und nicht nur sich darauf einzustellen sondern auch abzusichern. Wer in der Lage ist, auch und insbesondere Materiell, sich ein Stück Freiheit zu verschaffen, darf keinen Moment mehr zögern. Die wirklich Aufgeklärten haben sich längst darauf eingestellt; hoffentlich?

Wie soll sich der aufgeklärte Bürger materielle Freiheit verschaffen, wenn der völlig überdehnte Staat, der glaubt alles regeln zu können, dies gezielt mit astronomischen Steuern und Abgaben verhindert? Man kann nicht einmal mit seinem erarbeiteten Vermögen ohne Strafzahlungen das Land verlassen. Der aufgeklärte Bürger kann sich auf nichts anderes als auf weitere Enteignung einstellen- durch CO 2 Steuern, Sanierungskosten um Wärmepumpen einzubauen, Vermögensabgabe, am Ende kommt der Lastenausgleich. Alles für Gleichheit und Gerechtigkeit, dem immer wiedergekäuten Mantra der Linken, die das Land, ganz Europa fest im Griff haben.

Ingbert Jüdt | Sa., 6. Juni 2026 - 11:57

... eine kohärente Epochendiagnose! Denn was 2020, gar nicht zufällig mit »Corona«, zu Ende ging, war die Epoche der neoliberalen Weltordnung, Anfang der 80er auf den Weg und in der Globalisierung ab 1990 zum Durchbruch gebracht. Das Resultat war eine polit-ökonomische Oligarchenherrschaft von Big Tech und Big Money am oberen und ein ökonomisch stagnierendes Hamsterrad-Proletariat am unteren Ende der Sozialordnung. Bis 2008 das System als Ganzes ins Schleudern kam und 2020 unter dem Vorwand von »Corona« in einen Krisen-Keynesianismus überführt wurde.

Dieser Teil der Diagnose kommt aber (auch im »Cicero«) unter die Räder, weil zwar alle Welt auf den neuen Totalitarismus des Linksliberalismus zeigt, dabei aber Koch und Kellner verwechselt und nicht sehen mag, dass es die neoliberale Ordnung war, in welche sich diese Linke von 1990 an hat kooptieren lassen, und für welche sie das Muster der moralischen Selbstüberwachung des Individuums vom Ökonomischen ins Kulturelle transponiert hat.

... muss aber "für den Rest der Welt" nicht im gleichen Moment gelten. Wo war/ist "Neoliberalität" denn in Afrika, Indien, China, Indonesien, Malaysia, Russland usw. usf.? Da schütteln - wie hierzulande die meisten "Normalos" - wohl auch die dortigen "Eliten" nur die Köpfe über soviel verkopftes Ideologiegedöns.
Lt. der Kapitalanalyse von Marx, die ich entgegen seinen politischen Phantastereien und seinem Antisemitismus für bisher im Kern unübertroffen halte, entwickelt sich der alte, industrielle Kapitalismus notwendig zum Finanzkapitalismus, mit deren mächtigsten Vertretern letztlich direkt an der Macht, die fortgeschrittensten Länder diesbezüglich immer vorne dran. Kommt mir irgendwie bekannt vor.
Und Teil seiner Analyse ist auch, dass die Krisenhaftigkeit dieses weltweiten, ökonomischen Kampf-, Verdrängungs- und Konzentrationsprinzips dann zu Krieg(en) führt, wenn die Politik mit anderen Mitteln in diesem Prozess nicht mehr weiterkommt (wie´s Clausewitz - nur anders - formulierte).

Denn die Epoche der Globalisierung wurde ja geopolitisch im Sinne einer globalen westlichen Vorherrschaft unter amerikanischer Führung zu organisieren versucht. Für einen großen Teil der nichtwestlichen Welt trug das aber Züge von Neokolonialismus und Neoimperialismus.

Ich denke tatsächlich, dass es eben der Verlust der Fähigkeit war, in Kategorien einer »Kritik der politischen Ökonomie« zu denken (die Marx' eigentliches intellektuelles Erbe darstellt), der die politische Linke in ihr heutiges geistiges Elend geführt hat. Solche Kritik schien 1990 überholt. Die radikale Gesellschaftskritik ging verloren, stattdessen wurde Radikalität zum Lifestyle, den man sich mit obskuren Theorien aus dem postmodernen Fundus intellektuell geadelt hat.

Heute ist die vormals kritische Linke Bettvorleger und Straßenkampfmiliz einer neofeudalen, oligarchischen Elite und beschimpft jeden, der darauf hinweist, als »Verschwörungsideologen«.

Klaus Funke | Sa., 6. Juni 2026 - 12:30

In dem berühmten Film "Die Feuerzangenbowle" sagt einer der Lehrer, Professor Schnauz: "Ehnen fehlt de settliche Reife!" und nicht nur das fehlt unserer führenden politischen Klasse, nein, sie sind einfach zu dumm und zu lebensunerfahren für ihre Ämter. Nehmen wir den Finanzminister Lars Klingbeil, er hat nach dem Kanzler das zweitwichtigste Amt inne. Aber was kann der Mann? Was hat er gelernt, was studiert? Was hat für ein Leben neben dem Amt? Ein Finanzminister muss die makroökonomischen die Zusammenhänge aus dem Effeff beherrschen, er muss verstehen wie eine "Volkswirtschaft" funktioniert, wie die Struktur ist, wo die Schwerpunkte und wo die Schwachpunkte sind. Kann Herr Klingbeil das? Was weiß er von alledem? Ich denke, ohne ihm zu nahe zu treten, er weiß und beherrscht nicht viel. Der Machtwille und die Parteiinterna genügen nicht. Mit den anderen ist es nicht viel besser. Wer einen wie Herrn Wadephul zum Außenminister macht, muss sich nicht wundern, wenn die UN uns nicht will.

... ist bei aller sehr wahrscheinlichen Richtigkeit der von Ihnen diagnostizierten Mängel an diesen Personen doch unbedingt festzuhalten, dass meines Wissens JEDES Ministerium 2-3000 "Mitarbeitende" hat, darunter sogar ein Heer "echter" und hochbezahlter Spezialisten für die jeweilige Materie - das können doch nicht LAUTER Pflaumen sein? Was machen denn DIE? Was ist denn das für ein Staatsaufbau?
In Diktaturen und Semidiktaturen sagt "der CHef m/w/d" was "wahr und richtig" ist, und da isses nicht leicht bis manchmal schier unmöglich, dagegen zu sprechen. Aber in "unserer Demokratie"?! Und dann soll "man" für so ein seicht und unfähig gewordenes System notfalls in den Krieg ziehen (siehe oben meine Antwort auf Herrn Jüdt)? Wieso DAS denn?

Das Abstimmungsdesaster hat Wadephul nicht zu verantworten. Das war seine Vorgängerin, die den Stimmberechtigten, vor allem aus Afrika, derart auf den Zeiger ging, dass sie eben nicht für Deutschland gestimmt haben. Die Mitbewerber haben schon vor Jahren begonnen Stimmen zu sammeln. In einem Jahr konnte Wadephul, der ein ausgewiesener Außenpolitiker ist, nicht mehr viel reißen- zumal er mit einem seit langem links geprägten Ministerium und dem dort vorhandenen Humanpotential arbeiten muss.

Christa Wallau | Sa., 6. Juni 2026 - 12:31

ist tatsächlich an ihrem Ende angelangt. Das stimmt, lieber Herr Grau.
Doch diese Entwicklung erfolgte nicht zwangsläufig, sondern deshalb, weil die Hüter der Staatsordnung (Legislative, Jurisdiktion u. Exekutive) sie nicht durch entsprechend vernünftiges Handeln davor bewahrt haben, aus den Fugen zu geraten. Was heißt das?

1. Sie haben nicht darauf gepocht, daß jede Demokratie vom Gemeinschaftsgeist lebt u. aus Nehmen u n d Geben besteht. Sie hätten überzogenen Einzelinteressen früh genug Einhalt gebieten müssen! Kitas und Schulen mußten dafür die Grundlagen legen. Doch das unterblieb. Stattdessen stiegen die Erwartungen u. Forderungen der Einzelnen ins Unermeßliche u. wurden bedient.

2. Die verwöhnte deutsche Gesellschaft wurde zusätzlich fragmentiert durch die Massenimmigration Wildfremder, deren Einzelinteressen man zusätzlich in unverantwortlicher Weise Rechnung trug.

Aus dieser Lage herausführen kann nur noch eine charismatische Persönlichkeit, die nirgends in Sicht ist.

Karl-Heinz Weiß | Sa., 6. Juni 2026 - 12:35

"Die Rente ist sicher": in Anbetracht der bereits damals absehbaren demographischen Entwicklung war dieser Spruch schon 1986 falsch. Die aktuelle Debatte zur Pflegegeldreform ist erst der Anfang. Die richtig großen Verteilungskonflikte stehen erst noch an. Welche Behandlungskosten werden übernommen, und wenn ja, bis zu welchem Alter ? Solche Fragen haben das Potential, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sprengen. Und die aktuelle Politikerriege soll es richten und wird beim Hinweis auf die Grundlagen der Versicherungsmathematik ausgebuht. Die Vorgängerin schwelgt derweil in vergifteten Ratschlägen.

Walter Buehler | Sa., 6. Juni 2026 - 13:02

ich glaube, das ist das älteste Bild des Staates und der Politik.

In diesem Bild war immer die Gefahr des Untergangs mitgedacht: jedes Schiff kann sinken und jeder Staat kann untergehen, wenn es richtig schlecht läuft.

Aber wie Herr Funke aaO ganz richtig schreibt: "Und trotzdem hoffen wir immer wieder. Eine menschliche Grundeigenschaft ..."

Daher MÜSSEN wir Passagiere darauf achten, dass unsere Steuerleute und Kapitäne möglichst klug, tapfer und gebildet sind, auch wenn sie die drohende Gefahr letztlich nicht abwenden können.

Ein aufgeklärter Bürger ist gut beraten, sich nicht lethargisch in der Untergangsstimmung einzurichten, Herr Grau.

A Rusch | Sa., 6. Juni 2026 - 13:22

....klingt eher wie eine Kapitulation. Denn wenn sich zumindest der 'aufgeklärte' Bürger auf den Verlust von Stabilität und Berechenbarkeit einstellen soll/muss (der unaufgeklärte wird dann wohl zum ersten Opfer dieser neuen Anarchie), was soll er/sie dann eigentlich tun? Etwas aufbauen, für den Verlust der bisherigen Stabilität vorsorgen? Dann ist er/sie einfach nur erstes Ziel der in der zunehmenden Regellosigkeit entstehenden Begehrlichkeiten. Oder lieber anderswo das Glück suchen, da, wo eine gewisse Stabilität und Berechenbarkeit (noch) fester Teil des sozialen Grundkonsens sind? Genau dies tun ja immer mehr derjenigen, die eigentlich für einen Aufbruch in diesem Land dringend gebraucht würden. Man kann es ihnen nicht verdenken.
Im Risiko der klaren Standortbestimmung läge für wirklich dem Land dienen wollende Verantwortliche eine echte Chance. Sie kann aber auch den Verlust des Jobs bedeuten. Es erstaunt nicht, dass dann eben nicht-anecken-wollen das Hauptziel ist.

Markus Michaelis | Sa., 6. Juni 2026 - 13:23

Die Gesellschaften sind zu fragmentiert. Die alte staatstragende Mitte zerfällt und deren Welt- und Selbstsichten funktionieren nicht mehr. Eigentlich normal, man muss sich jetzt eben etwas neues, funktionierendes erarbeiten und schauen, wofür es in dieser neuen Welt Mehrheiten gibt Aber die alte Mitte tut noch so, als seien ihre Prinzipien alternativlos (obwohl sie sie selber laufend anpasst, nur ohne es zu sagen oder wollen).

Welt und Gesellschaft laufen nicht von alleine auf "DAS" Menschsein zu, dass die alte Mitte erkannt hätte. Da ist viel möglich, das Gegenteil meist auch, und man muss sich für realistische Wege entscheiden und diese dann machen, nicht unrealistische als alternativlos erklären.

Pigeldy | Sa., 6. Juni 2026 - 14:42

Die Diagnose ist sicher richtig, die Probleme sind struktureller Natur. Liegt es auch an den Strukturen, dass die Politik seit geraumer Zeit immer mehr unfähige Leute nach oben spült? Das gilt beileibe nicht für alle, ganz bestimmt nicht. Aber nehmen wir das aktuelle Beispiel Baerbock, die für das Scheitern der Deutschen Bewerbung um einen Sitz im Sicherheitsrat mitverantwortlich gemacht wird, begleitet u.a. durch entsprechende Kommentare afrikanischer Regierungschefs und ehemaliger Minister: was läuft falsch in einem System, in dem jemand derart inkompetentes Außenministerin des größten Landes in Europa werden kann?Solche Beispiele gibt es quer durch alle Parteien. Der Schein überstrahlt das Sein immer mehr und sorgt für immer weiter wachsenden Frust unter den Wählern. Leute wie Trump oder die AfD sind leider die logische Folge all dieser Entwicklungen.

Dirk N | Sa., 6. Juni 2026 - 14:43

Schauen wir uns mal Meloni in Italien an.
Sie hat es begriffen und macht das, was die Wähler von ihr erwarten.
Schauen wir nach Japan.
Die neue Ministerpräsidentin tut genau das, was die Wähler von ihr erwarten.
Tschechien
OK Ungarn müssen wir abwarten, ob sich dort die Vernunft durchsetzt, oder ob eine nicht gewählte Hexe aus Brüssel dort auch das Land zerstören will

Es geht mit Vernunft und Stringenz.
Man sollte dafür alle *ismen über Bord werfen

Es stimmt einfach nicht was in dem Artikel geschrieben steht.

Ich stimme grundsätzlich zu! Die Grundaussage des Artikels, dass es nie mehr so werden wird "wie früher", ist falsch. Dinge ändern sich. Neue Dinge finden sich.

Eine AfD-Regierung wird allerdings noch nicht der Durchbruch sein. Es wird mehrere Stufen und Schritte benötigen, bis sich alles wieder findet.

erscheint, so lässt er doch außer Acht, dass zwei der wichtigsten Probleme - Energie und Migration - an einer einzigen Person festzumachen sind. Und die hat sehr wohl allein und gegen den Markenkern ihrer Partei - aber dem Grünen Hype folgend - entschieden. Wenn es kluge Entscheidungen gewesen wären, wäre die Geschichte anders verlaufen. Dass trotz einer Unzahl von Staatsdienern Bildung und Infrastruktur am Boden liegen, ist menschengemacht und nicht den verwirrenden Umständen zuzuschreiben. Ein Wahlsystem, in dem sich Verlierer immer wieder zu völlig unproduktiven Siegern verbünden dürfen, um unliebsame Konkurrenten auszubooten, verhindert notwendige Veränderungen. Das Bürokratiemonster Brüssel lässt die Bürokratie auch in den EU-Staaten wachsen. Der als "ultrarechts" verunglimpfen Frau Meloni wird man Erfolge nicht abstreiten können. Sie führt und wird nicht von einem sogenannten "Koalitionspartner" in die Bedeutungslosigkeit geführt.

Peter William | Sa., 6. Juni 2026 - 15:17

in Zeiten des Multilateralismus ist ein Relikt, wer dafür einsteht nimmt die Zerstörung der eigenen produzierenden Industrie billigend in Kauf.

Meines Erachtens das Hauptproblem der FDP. Was für den Handel gut ist kann pures Gift für alle Erzeuger sein. In Europa produzierte Medikamente bei den Vorschriften, den Lohnkosten und der dümmsten Energiepolitik der Welt. Keine Chance unter Freihandelsbedingungen.
Da könnt ihr euch tot reformieren, schon alleine die Lohn und Lohnnebenkosten werden die Logistik locker ausgleichen, im negativem Sinn.

Die FDP ist tot unter dem ehemaligen und soweit ich weiß jetzigem Kurs.

Jens Böhme | Sa., 6. Juni 2026 - 16:41

Der Sozialismus öffnete den antifaschistischen Schutzwall, um die neoliberale Welt zu unterwandern. Auch, wenn Ersteres Satire ist, gilt Folgendes: Die Linken können schneller und besser die Zeichen der Zeit und die Welt erkennen und sich darauf einstellen und gestalten. Die Unterwanderung neoliberaler Gesellschaften (Marsch durch die Institutionen) ist sehr erfolgreich und kulminiert derzeit in einer politischen Brandmauer, mit der Demokraten sich arbeitsunfähig machen.

nicht ganz deutschfester Spruch:"Den Sozialismus hält in seinem Lauf weder Ochs noch Esel auf" nachträglich in seinen Grabstein zu meißeln. Ostdeutsche sind erschüttert, auf welch fruchtbaren Boden linksfaschistoides Gedankengut in Westdeutschland trifft, das sie nun zu einem weiteren Mal ereilt.

Urban Will | Sa., 6. Juni 2026 - 18:45

Zeiten von Social Media und fragmentierter Gesellschaft Persönlichkeiten, die diesem standhalten. Siehe Trump. Man möge zu ihm stehen wie man möchte, aber er wurde für eine Wende gewählt und hat diese Wende gemacht.

Unfähigkeit, wie hier im Artikel eher zweifelhaft diagnostiziert, trifft durchaus zu, aber noch viel mehr: Feigheit, Charakterlosigkeit und vor allem Ehrlosigkeit. Gegebene Worte werden gebrochen, Zusagen nicht eingehalten, es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Und hierfür kann man niemanden verantwortlich machen als denjenigen, der das Wort gab. Merz ist schlicht nicht Opfer des hier beschriebenen, durchaus vorhandenen gesellschaftlichen Wandels, er ist ein charakterloser, feiger Lügner. Er hat nur ein Ziel: Kanzler bleiben. Das Land kümmert ihn nicht. Diese Form von Politikern haben wir zuhauf.
Und genau das ist die Krise, nicht eine sich nun im digitalen Raum lauter und wechselhafter äußernde Gesellschaft.
Der aufgeklärte Bürger weiß das längst. Und wählt Blau.

Herr Will, ich kann Ihrem Beitrag in vielem zustimmen. Allerdings bin ich mir sicher, dass Sie mit blau wählen ihr blaues Wunder erleben werden.
Herr Grau versucht wieder einmal die Welt der Parteien und Politiker schönzureden, zeigt mit dem Finger auf andere Länder und umschifft das Problem.
Das Problem sind unsere Berufspolitiker und das es für die Parteien, die ja nicht nur das Personal für die Parlamente und die Regierungen auswählen, sondern auch das Spitzenpersonal in der Judikative und Exekutive. Und dabei und auch ihrem sonstigen Handeln keinerlei Kontrolle unterliegen. Und das wird mittlerweile rigoros und ohne Skrupel ausgenutzt und um die Gier richtig auszunutzen verkauft man sich auch noch an das Großkapital. Eine Demokratie lebt von Gewaltenteilung und die gibt es in Deutschland nicht.

Urban Will | Sa., 6. Juni 2026 - 20:53

Antwort auf von Sunstreet

längst ihre Chance bekommen haben.
Ich habe die Hoffnung, dass Weidel und andere, gestählt durch jahrelanges Dreckbewerfen seitens des linksgrünwoken, von der Union umgarnten Komplotts, stark genug sind, Dinge zu ändern.
Wo ich Bedenken habe, ist die Tatsache, dass dieser noch jungen und von der Mitgliederzahl her kleinen, in Polit-Betrieb sehr unerfahrenen Partei die Leute fehlen, um die all das umzusetzen, was nun getan werden müsste.
Aber wo sehen Sie die Lösung? Sie sehen – und da haben Sie durchaus recht – in Deutschland keine echte Demokratie mehr. Das sehe ich auch so. Wir spielen sie nur, das schreibe ich seit Jahren.
Angefangen hat der Zusammenbruch mit Merkel, die ich als die größte Katastrophe für dieses Land seit '45 sehe.
Und mit der Tatsache, dass der linksgrünwoke Komplott alle wesentlichen Institutionen (Medien, Kultur) durchsetzt hat.
Ja, uns fehlt eine echte Gewaltenteilung. Aber ein Ende dieser Entwicklung gibt es nur über eine fulminante politische Wende.

Ich bin bei Ihnen, aber eine wirkliche Lösung habe ich nicht. Ich bin nur sicher, dass die Parteien und ihre Berufspolitiker die Verursacher der Probleme in diesem Land sind und deshalb niemals die Lösung sein können und sein werden.

Dagmar Lubig | So., 7. Juni 2026 - 12:26

Antwort auf von Sunstreet

das Problem hierzulande sind die Berufspolitiker, um so mehr, wenn über längere Zeit die "vierte Macht im Staate" diesem Kreis unkritisch zur Seite steht, und sich gar an der Errichtung einer undemokratischen "Brandmauer" beteiligt, die alle Opponenten dieser verfehlten Politik ausschließen soll.
Übrigens, dieser Zustand dauert bereits viel zu lange, und ein Wille zur Umkehr ist nicht in sicht.

Da lobe ich mir Tschechien, wo die "wooke" Fiala- fünf Parteien Koalition,
trotz der "vierten Gewalt" an ihrer Seite, bereits nach 4 Jahren von den Wählern "in die Wüste" geschickt wurde, sprich, auf die wohverdiente Oppositionsbank, und nicht einmal dort macht sie eine annehmbare Figur!
Fazit: In der Politik sind immer unfähige Politiker das Hauptproblem.

Angelika Sehnert | So., 7. Juni 2026 - 14:00

Antwort auf von Dagmar Lubig

sind eher die Bürger, die den (vermeintlich?, tatsächlich?)Unfähigen die Politik überlassen haben. Warum sind all die klugen Kommentatoren nicht längst in einer Partei und übernehmen dort Verantwortung? Jeder Abgeordnete hat einmal in einem Ortsverein angefangen und sich dort zur Wahl gestellt.

haben Sie bereits vergessen, dass die AfD wegen Unzufriedenheit von Bürgern gegründet wurde, war sofort erfolgreich, und wird von bedeutenden Anteil der Bevölkerung gewählt, und das Ergebnis dürfte auch Ihnen hinreichend bekannt sein.
Nein, nein, im Fall "Deutschland", da taugt ihre These für den Papierkorb, aber beispielsweise in Tschechien eben nicht, dort wurde aus Unzufriedenheit, etwa zu selben Zeit, die ANO gegründet, und das Ergebnis ist ein ganz anderes!

Theo Lackner | Sa., 6. Juni 2026 - 18:52

Wenn Regieren i.S.v. Steuerung von gelellschaftlichen Entwicklungen nicht mehr oder kaum noch möglich ist,
weil die Interessen und Zielgruppen zersplittern,
weil die technische Entwicklung (Bsp. KI) sich weiter beschleunigt,
weil die Zahl der Akteure immer unübersichtlicher wird
usw.,

dann sollte man die Steuerung vielleicht auf untere, überschaubarere Ebenen übertragen, als Schwarmverhalten,
also das Individuum und seine Kleinguppe zum eigenen Handeln befähigen,
sich als Staat aber eher heraushalten (außer in akuten Krisen).

Das ist schwierig für Politiker, die sich per se für allzuständig halten und vom Wähler auch für alles in Anspruch genommen werden. Aber ihre Überforderung hilftniemandem und führt nur zur Frustration.

Basissicherung des Einzelnen und Förderung des Austauschs über Wege und Chancen, das wäre machbar und derzeit sinnvoll.

Sabine Lehmann | Sa., 6. Juni 2026 - 22:57

Die Analyse des Autors weist hinsichtlich der Personalien eine erhebliche, m.E. einzig entscheidende Lücke auf und das ist die unsägliche Ära Merkel. Diese Ära ist der Grund für fast alle deutschen, alle europäischen, alle westlichen Probleme.
Die Person hat über 20 Jahre agiert wie ein Popanz auf Urlaub in Absurdistan. Sie hat sämtliche westlichen Werte samt wirtschaftlich elementarer Regeln außer Kraft gesetzt. Sie hat ihre links-grün verpeilten Moralvorstellungen wie eine Seuche in ganz Europa verteilt. Dass sie dies nur mit großflächiger Unterstützung wirkmächtiger, teils globale Vernetzungen erreichen konnte, steht außer Frage. Sie hat durch ihre verwerfliche Einladungspolitik und falsch verstandener Toleranz einer Kultur die Türen geöffnet, die nur die Vorhut für unsere komplette Erosion und Zerstörung ist. Alle anderen Fehler sind hinlänglich bekannt. Die Fehler dieser 20 Jahre, die sind unumkehrbar und nie wieder zu beheben. Dieser Zug ist abgefahren! So viel zur Kausalität.

Doch das ist noch zu schwach formuliert. Merkel, durch ihren Vater kommunistisch sensibilisiert, ist eine die Macht wie eine Droge liebende außerordentlich intelligente Person. Gradmesser dafür ist, dass sie keine Kinder hat und auch nie wirklich wollte. Kinder contra Karriere. Und Männer sind für sie lediglich ein Sprungbrett zur Macht. Da sie intelligent ist und sogar eine Nase dafür hat, erkannte sie die Schwachstellen der Bonner Republik sehr schnell und nutzte sie gnadenlos aus. Sie erkletterte die Sprossen zur Macht, wer im Wege war, wurde ausgesondert. Aber sie hat dennoch, weil im Grunde skrupellos, die Spielregeln missachtet. Und natürlich ist sie in ihrem Wesen ein politischer Dilettant, aber das kümmert sie nicht. Ihre politischen Ansichten, geprägt von ihrem Elternhaus, tendieren zu einem grünen Urkommunismus. Die CDU war nur ihr Machtmittel. Dies alles ist das Fundament ihrer Ansichten. Und sie nahm Rache f.d. DDR, sie wollte zerstören

Dieter Schäfer | Sa., 6. Juni 2026 - 23:42

„Die Leute sind einfach unfähig.“ Das ist der einzigste vernünftige Satz in diesem Artikel. Alles andere ist genau das, was der Autor ansonsten selbst bemängelt: Sinnlose Zersplitterung im normalen Denken.

Sabine Lehmann | So., 7. Juni 2026 - 17:55

Antwort auf von Dieter Schäfer

In der Kürze liegt die Würze, Sie haben das zutreffend zusammen gefasst, lieber Herr Schäfer.
Die fast schon philosophische Betrachtung von Kausalitäten nach der Logik von Herrn Grau ist geradezu ein Persilschein für sämtliche Verantwortliche. Und diese sind, man höre und staune, aus Fleisch und Blut. Da hilft auch der hilflose und m.E. sinnlose Versuch nicht, es auf sogenannte "Strukturen" zu schieben. Denn aus was sind denn diese Strukturen? Aus toter Materie? Oder von Menschen besetzt? Da ich mal annehme, dass diese Strukturen(ich nenne das linken Filz) nicht von Aliens besetzt sind, sondern von der Spezies Homo Sapiens, Unterart Spezialdemokraten, gibt es auch dort Verantwortliche, Personen mit Namen und Adresse.
Also hören wir doch auf, Politik als etwas Schicksalhaftes zu betrachten, die Agierenden von jeder Verantwortung freizusprechen u. benennen Ross & Reiter. Derer gibt es zwar viele, sie sind aber in der Minderheit. Dass sie trotzdem so mächtig agieren, DAS ist das Problem!

Wolfgang Borchardt | So., 7. Juni 2026 - 10:20

zusammengehören, ist vielen Menschen unbekannt. Von der Politik wird dieser Sachverhalt gern geleugnet, weil sie die Ursachen nicht beseitigen können oder wollen. Es ist bequemer, sich feige und trotzdem gut bezahlt hinter Mauern zu verstecken. Wie leicht könnte dem Symptom "AfD" der Nährboden entzogen werden, wäre man bereit und in der Lage, sich den Ursachen zuzuwenden. Tankrabatt und 1000-€-Prämien (die andere zahlen sollen) lassen die Ursachen unberührt. Aber sie liefern dem politischen Gegner Punkte und Stimmen.

Klaus Funke | So., 7. Juni 2026 - 15:29

Das KI-generierte Zensurprogramm von CICERO erweist sich als ein Instrument zur Verbannung der Meinungsfreiheit. Langsam neigt sich meine Geduld mit diesem Magazin seinem Ende zu. Damit wird das Online-Portal ähnlich fragwürdig wie das von SPON. Pfui Schande!

Nein, ich ertrage es nicht mehr. Sollen sie sich doch in ihrem vorgekochten Meinungseinheitsbrei wälzen, die Marguiers & Co. Und diesmal wird es für länger oder gar für ewig sein. Sie sollte sich schämen, Sie Redakteure dieses Magazins für "politische Schönheit" Pardon "für politische Kultur", was auch immer das ist. Die einstigen Macher des CICERO werden sich schütteln oder, wenn sie gestorben sind, im Grabe herumdrehen. Es gibt nun fast keinen Unterschied mehr zu älteren politischen Magazinen aus der DDR-Zeit. Mielke & Co hätten sich gefreut, wenn sie über solche KI-generierten Werkzeuge verfügt hätten. Nein, ich kann tatsächlich nur noch Abscheu empfinden. Erbärmlich, das Verhalten dieses einst freiheitlichen Magazins, welches jetzt aber fest in den Händen der Meinungsmacher vom Schlage SPD und den Grünen zu sein scheint. Mich ekelt vor Euch. Pfui!!

Michael Klein | So., 7. Juni 2026 - 18:58

Antwort auf von Klaus Funke

Eines der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe. Wenn der Autor doch in seinen hier veröffentlichten Kommentaren ebenso menschlich und sensibel herüber käme ......

Indes, ich greife mal etwas höher, wissen Sie. was für Typen Beethoven und Mozart im Privaten waren??? Oder Fallada? Oder ach, greifen Sie irgendjemanden heraus. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum der Leser oder Zuhörer, dass die Dichter oder Komponisten immer so sein müssten wie in ihren Büchern oder Musikwerken. Sie sind Menschen wie Du und ich, mit ihren Macken und Fehlern. So auch ich. Mein Novellenband über Clara Schumann hat mir viel Lob eingebracht, angefangen von Frau Heidenreich oder Schauspielern wie Katja Riemann oder Annekatrin Bürger und vielen anderen. Trotzdem lebe ich in dieser beschissenen und unvollkommenen Welt und ärgere mich über Borniertheit und Dummheit. Ich antworte Ihnen auf Ihren Hinweis zu meinem Buch, nehme aber nichts von dem, was ich hier sonst noch geäußert habe, zurück.

Ich erlaube mir dennoch einen kleinen Widerspruch, lieber Herr Funke. Denn ebenso wie von meinem Vorredner empfunden, gehört Ihr Buch "Am Ende ist alles Musik" auch für mich mit zu dem Schönsten was ich je gelesen habe. Und ich bin sicher, dass niemand so etwas erschaffen und zu Papier bringen kann, dem nicht selbst ein solcher Zauber innewohnt.......von daher......;-)
Ihren Zorn hingegen kann ich verstehen, erging es mir(und ergeht mir noch) doch genauso. Die Cicero-Redaktion täte m.E. mittlerweile gut daran, in eigener Sache einen Artikel bzw. eine Stellungnahme zu diesem heiß diskutierten Thema KI und Zensur abzugeben. In diesem Sinne, ich würde Sie schon vermissen hier, lieber Herr Funke. Vielleicht rauchen wir ja mal eine Friedenspfeife zusammen;-) Dabei kann man dann mal so richtig Dampf ablassen....oder Rauch....oder einfach nur Quatsch;-)

Klaus Funke | So., 7. Juni 2026 - 22:31

Antwort auf von Sabine Lehmann

Ja gut, aber wir haben doch gar keinen Krieg miteinander? Dampf ablassen ist immer gut, aber wo denn und wie? Wohnen Sir denn weit weg von meinem beschaulichen Sachsen? Oder machen wir das alles bloß symbolisch? Lesen Sie mal meine anderen Faber-Bücher, "den "Teufel in Dresden" oder "Zeit für Unsterblichkeit", meine große Liebe zur russischen Musik und Literatur, ach und dann Karl May nicht zu vergessen "Die Geistesbrüder", ja, ja, die Literatur ist mir immer ein großer Trost gewesen. Aber leider derzeit ist mir alles zu weit weg. Private, familiäre Verwerfungen hindern mich. Da ist der CICERO nur ein winziges Randproblem. Tja, das Leben - ein weites Feld, wie der alte Fontane zu sagen pflegte. Einstweilen gute Nacht, ich bin müde, unendlich müde.