Grafik: Blaues Wappen mit offenem Buch und Schriftrolle „Lux et Veritas”.
„Licht und Wahrheit“ auf Hebräisch und Lateinisch: Das Wappen der Yale-Universität dürfte vielen Studenten heute als kolonialistisch gelten / picture alliance / imageBROKER | Logo Factory

Studies vs. Science - Elite-Unis als Orte westlicher Selbstzerfleischung

Der Fall Jason Arday verweist auf ein tieferes Dilemma der westlichen Spitzenuniversitäten: Wie lässt sich Exzellenz mit dem Anspruch auf Diversität verbinden? Der Versuch, diesen Widerspruch durch eine Politisierung der Wissenschaft zu überbrücken, untergräbt die Idee der Universität selbst.

Autoreninfo

Hans Martin Esser ist Diplom-Ökonom und Publizist. Im März 2023 erscheint sein Buch „Polemik. Ein philosophischer Beipackzettel“.

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Zurzeit wird viel über den ehemaligen Cambridge-Professor Jason Arday geschrieben und gesprochen. Allzu schnell ist man bei Vokabeln wie „woke“ und dergleichen. Das verkennt, was das eigentliche strukturelle Dilemma von Spitzenforschung ist. Man diskutiert in dem Fall allzu viel über kuriose Behauptungen innerhalb seines Lebenslaufs und schaut zu wenig aus der Vogelperspektive, wie es zu einem solchen Fall kommen konnte. 

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auch bereits einige, wenn ich mich an die 90er und die 2000-Nuller zurück erinnere..., da als arbeitete ich im universitären Bereich, allerdings nicht in Lehre und Forschung.

Nach meiner Erinnerung bedeuteten diese Initiativen idR, dass der Bund Geld an bestimmte Unis verteilte bzw. für bestimmte 'exzellente' Forschungen bereit stellte. Der Artikel macht aber u.a. auch deutlich, daß für wirkliche Exzellenz in FuE strukturell! mehr notwendig ist als 'nur' eine gute finanzielle Ausstattung (auch wenn die finanzielle Förderung nicht das Hauptthema des Artikrls ist...).

Wie der Stand heute! in Deutschland diesbezüglich ist weiß ich nicht (mehr)..., aber der Verweis des Autors auf das Shanghai-Ranking spricht ja Bände diesbezüglich... ... 🤔

>> "Europa und Deutschland: Starke Plätze belegen in Deutschland die Universität München (LMU), die TU München oder die Universität Heidelberg"

https://www.google.com/search?q=shanghai+ranking+universit%C3%A4ten

Theodor Lackner | Mi., 12. August 2026 - 10:21

Die "studies" sind in ihrer Methodik eher mit Kunsterstellung zu vergleichen, da sie nicht mit Anspruch von Objektivität die Realität untersuchen und abbilden, sondern "kreativ", aber mit Agenda bestimmte Deutungen produzieren. Das ist wohl auch mit Umdeutung von Kriterien und Begriffen gemeint.

Dementsprechend ist die Kernkompetenz von Absolventen der "studies" nicht das Fachwissen und gesammelte Praxiserfahrung, sondern die sprachliche und gestische Selbstdarstellung - also Theater.

Ihrer Einschätzung zum Wert der „Studies“ stimme ich zu, ich bin aber der Auffassung, daß sie wesentlich mehr sind als nur „Theater“.

„Studies“ sind als Wissenschaft getarnte Ideologie, sie sollen den Eindruck ermitteln, auf wissenschaftlichen Tatsachen zu basieren und so die Ideologie selbst legitimieren. Was die Wissenschaft bestätigt muß stimmen!

Sie werden von den Ideologen genutzt um Druck auf Politik, Gesellschaft und ganz wichtig, auch auf die echten Wissenschaften auszuüben. Stichwort zwei biologische Geschlechter vs. unendlich viele Geschlechter gem. Genderstudies!

Echte Wissenschaft wird durch Pseudowissenschaft in Form von „Studies“ ersetzt, das ist brisant und hochgefährlich.

Markus Michaelis | Mi., 12. August 2026 - 11:55

Unis als Spielplatz für in Gruppen organisierte Kränkungsempfindlichkeiten um gesellschaftliche Vorherrschaft - da ist sicher etwas dran. Vielen Akademikern geht es aber auch um "wahre Gerechtigkeit", Wahrheit frei von alten Einengung durch die Dominanz bisherig privilegierter Gruppen. Die Grenze zwischen beidem kann schwierig zu ziehen sein.

Generell würde ich einen problematischen Gegensatz sehen zwischen Wissenschaft und Werteorientierung. Wissenschaft soll per Definition beobachtend beschreiben, was ist. Werte sollen per Definition das eine, wahre Menschsein (links) oder die eine, wahre Natur einer bestimmten Gruppe (eher rechts) sicherstellen. Das beißt sich natürlich vom Prinzip her und muss immer austariert werden?

Neben dem Gegensatz Wissenschaft-Werte haben wir den Gegensatz innerhalb der Werte: rechte Werte ärgern, wenn Menschen von erfolgreichen Gruppen ausgeschlossen sind. Linke Werte ärgern, wenn absolut alle Menschen in das Eine Menschsein gepresst werden sollen.

S. Kaiser | Mi., 12. August 2026 - 12:00

Der Briefkopf einer Eliteuni auf dem „Studies“-Abschlusszeugnis ist das Pendant zum riesigen Designerlogo auf T-Shirt und Baseballcap und outet den Träger.
Interessanter Gedanke und nicht von der Hand zu weisen.
Die Motivation, warum das geschieht, ist in der Tat übertragbar: so findet eine Demokratisierung einer Eliteausbildung statt und der Absolvent gewinnt an Status. Dabei erweitert man den „Kundenstamm“, macht zusätzliche Marge und gewinnt an Popularität.
Ob das allerdings langfristig klug war, wird sich noch zeigen müssen. Die Skepsis der finanzstarken Eliten im nah- und fernöstlichen Raum scheint zu wachsen.

@S.Kaiser: "Die Skepsis der nah-und fernöstlichen Eliten scheint zu wachsen " - Sie sprechen den zentralen Gesichtspunkt an. Übersetzt auf die Wirtschaft: Porsche wollte perspektivisch seine jährliche Produktionsmenge verdoppelt. Das Ergebnis ist aktuell zu besichtigen. Durch den Aufstieg Chinas und Indiens sowie durch die Auswirkungen von KI ist das Geschäftsmodell dieser Traditions-Unis weggebrochen. Und den Rest besorgte in den USA der Präsident: Ausländer mit eigener Meinung unerwünscht !

Herr B. | Mi., 12. August 2026 - 13:27

Antwort auf von Karl-Heinz Weiß

Das ist das Bild das „unsere Medien“ gerne transportieren, man kann das aber auch anders sehen. D.T. hat längst überfällige Schritte gegen genau das in die Wege geleitet, was dieser Artikel nach meinem Verständnis zurecht kritisiert, nämlich den viel zu großen Einfluß der Grünlinkswoken auf die Universitäten! Es wäre mehr als wünschenswert, wenn das auch in Europa geschehen würde!

Die Skepsis der Asiaten bezieht sich nach meinem Verständnis viel mehr darauf, daß sich die Unis mit der Einführung der „Billiglinie“ der „Studies“ den eigenen Namen ruinieren. Sie verlieren dadurch ihren Elitestatus, gerade bei den Asiaten, bei denen die „woke“ Gesinnung weder Verbreitung noch Ansehen oder Verständnis genießt.

Sowohl das eine, wie auch das andere scheint zu zutreffen.
Wenn man die KI befragt, verzeichnet man in 2026 einen drastischen Einbruch der Einschreibezahlen (-24% aus Asien, -17% aus dem Nahen Osten).
Zu den harten Gründen zählen deutlich verschärfte Visabestimmungen unter der Trump-Administration. Aber auch weiche Faktoren spielen eine Rolle. Wohlhabende Familien in Asien wurden zunehmend kritisch, weil der Eindruck bestand, dass rein leistungsorientierte Kriterien aufgeweicht wurden. Das Verbot der Affirmative Action 2023 wurde wohl in vielen asiatischen Medien eher positiv oder erleichtert aufgenommen. Dazu hat sich das Angebot in Asien selbst verbessert.
Aktuell wirken sich die politischen Proteste rund um den Gaza-Konflikt an den Universitäten für das Lehrumfeld abschreckend aus, zumal viele konservative oder sicherheitsorientierte Familien aus Asien und dem Nahen Osten, sich primär in harten MINT-Fächern einschreiben, und an gesellschaftspolitische Debatten kein Interesse haben.

Herr B. | Mi., 12. August 2026 - 13:09

Die Aufgabe einer Universität ist nicht Breitenbildung auf niedrigem Niveau, sondern die Bildung der geistigen Eliten mit dem Ziel die Menschheit voranzubringen.

Es kann daher nur eine Lösung geben, wer an einer Universität studieren will, MUSS ein Mindestmaß an Wissen, Leistungswillen, Können, Neugierde und Interesse mitbringen. Hautfarbe, Religion & Geschlecht können und dürfen keinen Ausschlag geben. Alles andere führt, wie man z.B. in Deutschland eindrucksvoll sehen kann, zum Niedergang des Wissenschaftsstandorts und somit letztendlich auch der Gesellschaft, denn Wohlstand und Dominanz basieren primär auf Wissen!

Wohin „Affirmative Action“ führt sieht man eindrucksvoll an Südafrika, hier wurde es seit 1994 im großen Stil in allen gesellschaftlichen Bereichen umgesetzt, das Resultat ist insgesamt katastrophal!