Stadtgespräche im Oktober - Fliegende Blattkritik, Berlin Art Week und die Feierstunde der Unionsfraktion

Die Kanzlerin rügt das Titelbild eines Nachrichtenmagazins, ein Berliner Politiker will Zuzug verhindern – und Open Borders stoßen an ihre Grenzen

Unsere Stadtgespräche im Oktober

Vor Mauern stehen
IllustrationKunst ist Performance, Erlebnis und manchmal auch Parabel. Martin-Gropius-Bau, Eröffnung der Ausstellung „Durch Mauern gehen“ im Rahmen der Berlin Art Week. Alle Reden durchzieht die Rhetorik von Open Borders. Mauern und Grenzen fielen ohnehin „sooner or later“, sagt der Kurator unter wohlwollendem Beifall der Kunstgemeinde. Dann macht sich die Menge auf den Weg in den ersten Stock – und stößt nach wenigen Minuten auf eine verschlossene Tür, weil der Ausstellungsraum den Ansturm nicht bewältigt. Wenig später wird im Parterre eine weitere Barriere errichtet, schließlich noch eine Art Außengrenze vor dem Gebäude gezogen, vor der sich die Menschen bald bis zur Ecke Stresemannstraße stauen. Kunst als erlebte Wirklichkeit: Was will man mehr? Christoph Schwennicke

So isse, die Merkel
IllustrationIrgendwo über den Wolken zwischen Berlin und Biarritz: Im Regierungsjet absolviert die Kanzlerin ihre übliche Gesprächsrunde mit den mitreisenden Hauptstadtjournalisten; die Korrespondenten sitzen ihr beinahe auf dem Schoß. Der neue Spiegel ist gerade erschienen, auf der Titelseite ein schwarz-rot-goldenes Hütchen und die Zeile: „So isser, der Ossi“. Angela Merkel findet das Cover gar nicht witzig; demnächst komme dann wohl „So isser, der Türke“, sagt sie. Der mitfliegende Spiegel-Mann bekommt hinterher noch eine Privataudienz. Dem Vernehmen nach fragte er die Kanzlerin bei dieser Gelegenheit, ob sie denn auch die abwägende Titelgeschichte gelesen habe. Antwort nicht bekannt. Im Unterschied zu Helmut Kohl bekennt sich Merkel immerhin zur Spiegel-Lektüre. Christoph Schwennicke

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Johan Odeson | Sa, 28. September 2019 - 21:45

Hervorragendes Beispiel für das Orwellsche „doublethink“ oder Dopperdenk.
Durch dieses propagierte Denken, bei dem zwei widersprüchliche oder sich gegenseitig ausschließende Überzeugungen aufrechtzuerhalten und beide zu akzeptieren sind, setzt die herrschende Kaste die Gesetze der Logik außer Kraft. ( so Wikipedia). Die Gesetze der Logik gelten in Deutschland aber schon lange nicht mehr.