tiktok
Tiktok-Logo und Blick in den Plenarsaal des Bundestages / Montage: cicero.de / picture alliance/dpa/Revierfoto | Revierfoto

Soziale Medien in der Politik - Die TikTokisierung der Institutionen

Die Bundestagsinstitutionen passen sich zunehmend der Logik von TikTok an – sie kommunizieren nicht mehr nur, sie inszenieren sich selbst. Sichtbarkeit wird wichtiger als Würde. Und Bürgernähe droht zur Klickstrategie zu werden.

Florian Hartleb

Autoreninfo

Dr. Florian Hartleb ist Professor für International Relations an der Modul-Universität Wien sowie Autor des im Herbst 2025 erschienenen Buchs „Teenager-Terroristen. Wie unsere Kinder radikalisiert werden – und wie wir sie schützen können“.

 

So erreichen Sie Florian Hartleb:

Kürzlich erschien auf der Internetseite des Deutschen Bundestags eine Stellenanzeige, die mehr über den Zustand der Demokratie erzählt als manche Grundsatzrede. Gesucht wird ein Referent für TikTok, angesiedelt bei der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, gut dotiert, strategisch relevant, mit Perspektive. Auf den ersten Blick ist das nur ein Vorgang zeitgemäßer Öffentlichkeitsarbeit. Auf den zweiten ist es ein Symptom. Denn hier geht es nicht mehr bloß darum, dass Politik digital wird. Hier beginnen die Institutionen selbst, sich nach der Logik einer Plattform zu formatieren, deren innerstes Prinzip nicht Urteil, sondern Aufmerksamkeit ist.

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Frieda Frey | Mo., 30. März 2026 - 13:30

Meine Meinung seit vielen Jahren ist, dass Amtsträger und Mandatsinhaber weder auf Social Media noch in Talk Shows präsent sein sollten. Es gibt die offiziellen Pressestellen über die sie kommunizieren können, wenn's denn was zu sagen gibt. So wird ständig zu allem Möglichen eine Meinung kund getan, als würden sie dafür ihre vom Steuerzahler finanzierten Saläre bekommen. Es entwürdigt die Ämter und Mandate und lässt neue Kosten durch Fahrten, Stilisten, Content Manager, etc. entstehen.

Ich teile Ihre Meinung durchaus, möchte jedoch anmerken, dass die Tiktokisierung die logische Konsequenz der spätestens in den 90ern begonnenen Talkisierung regierender Protagonisten darstellt.
Mit der Etablierung der "Sozialen Medien" wurde fast
zwangsläufig eine weitere zu nutzende Bühne eröffnet.
Welche ich ekelhafter finde, sei dahingestellt.

Ein Berufspolitiker kämpft ununterbrochen um seinen (möglichst aussichtsreichen) Platz auf der Kandidatenliste seiner Partei. Man darf wohl schätzen, dass er für diesen Kampf etwa 50% bis 80% seiner Arbeitszeit aufbringt.

Ich denke, liebe Frau Frey, das ist der Hauptgrund, warum Amtsträger und Mandatsinhaber sich nicht mit den offiziellen Pressestellen begnügen können. Die Pflege der berufstypischen Freund- und Seilschaften steht normalerweise im Zentrum ihrer beruflichen Tätigkeit.

In ihrer Blase bei Tiktol & Co finden sie schließlic auch die Dosis Schmeichelei, die sie zur Bewältigung des Alltags benötigen.
---
Und überhaupt: Politiker untersccheiden sich wohl nicht wesentlich von den Kinder in ihren Sofa-Ecken oder von den Erwachsenen in der U-Bahn - jeder beamt sich gerne aus seinem tristen Alltag in eine Traumwelt weg.

Nix für ungut.