Hirnforschung beim Schreiben
Hier bin ich Mensch, hier schreib ich selbst / picture alliance/dpa | Christian Charisius

Was ist falsch daran, Texte von KI schreiben zu lassen? - Was du auch machst, mach’ es nicht selbst

Immer mehr Menschen greifen zur Verfertigung ihrer Texte auf große Sprachmodelle zurück. Dem immensen Zeitgewinn steht ein Interessen- und Resonanzverlust entgegen. Lohnt es sich also vielleicht doch, selbst zum Stift zu greifen?

Autoreninfo

Frauke Rostalski ist Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung an der Universität zu Köln. Sie ist Mitglied des Deutschen Ethikrats.

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Dieser Text ist nicht mit Künstlicher Intelligenz geschrieben. – Nicht sehr schlau, würden vermutlich viele meinen. Ob Politiker, Journalisten, Schüler oder Studenten: Die Zahl derer wächst, die in Anlehnung an einen früheren Titel der Band Tocotronic angesichts der enormen Fähigkeiten großer Sprachmodelle wie ChatGPT meinen: „Was du auch machst, mach’ es nicht selbst!“ Und so stammen immer mehr Beiträge in Zeitungen, Sonntagsreden, Seminararbeiten oder Präsentationsfolien nicht länger aus menschlicher Feder, sondern aus der des technischen Helfers. Selbst die Deutsche Forschungsgemeinschaft sieht keine Schwierigkeiten darin, KI bei der Erstellung von Forschungsanträgen zu verwenden: Nicht die Autorenschaft, sondern die Verantwortung für den eingereichten Text zähle. Daher die Sonntagsfrage: Was soll falsch daran sein, die KI unsere Texte schreiben zu lassen?

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IH | So., 12. Juli 2026 - 08:51

Diese Rostalskis fehlen allerorten. In der Politik gänzlich.

Allein die Vorstellung, ich würde einen Liebesbrief an Frau Rostalski verfassen, per KI, lässt mich in selbst kreierte Depression fallen. Und anders herum: würde ich einen an mich gerichteten Liebesbrief lesen, geschrieben von einer KI, im Auftrag einer Frau? Nein

Rainer Mrochen | So., 12. Juli 2026 - 09:13

Entspricht es nicht auch dem Trend der Zeit möglichst anstrengungslos das Leben zu "meistern"? Wer jemals Freude über das Resultat seiner eigenen Leistung empfunden hat, sowohl positiv wie negativ als Erfahrungsbeispiel, der weiss den Wert seiner Arbeit zu schätzen. Ich kann nur hoffen das es sich auch hier um einen zeitgeistigen Trend handelt. Wer allerdings seiner eigenen, möglichen Degeneration Vorschub leisten will; nur weiter so. Wenn die Menschheit heute an einem Punkt intellektueller Versiertheit angelangt ist, wie sie es ist auch positiv wie negativ bewertet und letztlich unter der Hervorbringung von KI, dann ist es Gedankenleistung zu verdanken. Mal sehen was die Zukunft bringt?

Die Konsumenten-Seite in uns allen will lästige Anstrengungen vermeiden und sie möglichst zuverlässigen Sklaven [oder Programmen] überlassen.
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Eine lästige Anstrengung ist z. B. die Stellung eines Förderantrags für ein wissenschaftliches Projekt.

Ein solcher Antrag wird von einer Stelle entschieden, die zur Arbeitsersparnis heute meist selbst schon einen (anderen) Sklaven [ein anderes Programm] verwendet, um die Entscheidung nach bestimmten tagesaktuellen politischen Kriterien "objektiv" zu treffen.

Daher wird der Antragsteller (A) und auch die genehmigende Institution (G) in idealer Weise entlastet, wenn die beiden Sklaven [Programme] von (A) und (G) die Arbeit ganz unter sich erledigen. Dazu muss des Antrags-Sklave nur den Text zusammenschustern, der die notwendigen Stich- oder Reizworte für (G) [für das Programm von (G)] enthält.

Dann muss der Sklavenhalter [der Mensch] in der Organisation (G) diesen Text nur noch an der richtigen Stelle abzeichnen, und alle sind glücklich.

... im Tal der Spree, des Rheins und der Elbe wieder neue Pyramiden errichten, riesige Wortpyramiden, bis in die Wolken, vor den die künftigen Archäologen sprachlos und voll Bewunderung stehen werden.

Ja, Sklavenhaltergesellschaft hat was für sich.
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Nix für ungut!

Maria Arenz | So., 12. Juli 2026 - 09:44

Wer Texte nur noch schreiben lässt, verliert ganz schnell die Fähigkeit, selber welche zu verfassen. Das wird bei noch herkömmlich Gebildeten etwas länger dauern, geht aber erschreckend schnell, wenn man sich jüngste Studien dazu anschaut. Was das Dummphon an Massen-Intelligenz und Wissen übrig gelassen hat, wird durch das unerwartet rasche Fortschreiten des KI-Einsatzes jetzt ganz schnell dem Ende zugeführt. KI wird eine so brutale Stratifizierung der Gesellschaft zur Folge haben, daß mir schlecht wird, wenn ich darüber nachdenke. Schöne neue Welt, in der die Masse der Bevölkerung mit Sojawaffeln ernährt wird und bespaßt mit Entertainment der untersten Liga. Aber vielleicht gerät der deutsche Klimawahn uns dann wieder zum Vorteil: Weil wir keinen Strom für all die Rechenzentren haben, bleiben wir auf mehr natürliche Intelligenz angewiesen und werden zur Arche Noah für den Neubeginn eienr Welt, die i.S. Zivilisation udn Kultur wieder ganz vorn anfangen muss.

Thomas Veit | So., 12. Juli 2026 - 10:11

Überschrift: "Dem immensen Zeitgewinn steht ein Interessen- und Resonanzverlust entgegen." -- und, nicht erwähnt, ein schleichender Intelligenzverlust, der eigenen... ..., wenn die 'Intelligenz' ausgelagert wird.

Jeder Depp kann dann zukünftig wie ein Professor schwätzen oder schreiben..., und in KI-Stufe 3 oder 4 auch einer werden..., ein 'KI-Professor' halt... ... 🤣

Grotesk!! Und DAS soll eine 'gute Entwicklung' sein, für die Menschheit...!?? - Na dann... ..., viel Glück!🍀

Angelika Sehnert | So., 12. Juli 2026 - 10:20

All das, was unsere westliche, aufgeklärte Zivilisation ausgemacht hat, steht zur Disposition. Man könnte es,kurz gefasst, auf den Kant‘schen Lehrsatz: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“,reduzieren. Es gehört Mut dazu, eine Seminararbeit, eine Dissertation,einen Artikel oder eine Rede zu verfassen.Aber wir sind eine mutlose, risikoaverse Gesellschaft geworden,die auf der anderen Seite aber einem Zwang zur Selbstoptimierung unterliegt. Man glaubt, diesen Anspruch an sich selbst an Maschinen auslagern zu können. Die Fähigkeit zu denken, in die Zukunft zu denken und im Idealfall sogar kritisch, im Dialog mit anderen, zu denken, ist das Kostbarste, was uns die Evolution mitgegeben hat. Wer das nicht mehr achtet, stellt letztlich die menschliche Evolution zur Disposition. Was sind wir denn noch, wenn wir die wichtigste Eigenschaft,die unserer Spezies ausmacht, nicht mehr selbst nutzen, sondern Maschinen überlassen? Maschinen, die in den Händen weniger sind?

...die welche wo zukünftig damit vorgeben können 'wie?' 'gedacht' und bewertet wird... ... - bei Backrezepten oder habdwerklich-technischen Fragen (Autorepatatur z.B.) vielleicht unbedenklich..., ABER wie sieht es bei gesellschaftlichen und politischen Fragen aus... z.B. 🤔?? Was sagt eine KI zukünftig unter 'Trump IV' z.B. WER? den Iran-Krieg 2026 'gewonnen' und wer 'verloren' hat... ... ...?? Vielleicht lebt ja sogar Erich Honecker dann noch, lt. KI, wenn 'Die Linke' z.B. die absolute Mehrheit erringt, mit Hilfe eines perfekten KI-gesteuerten multimedialen Wahlkampfes... ... - in 2033?? 🤔

Und sog. 'Bücher' braucht dann sowieso niemand mehr... ...!! 🤔 [habe jetzt! diese Diskussion real mit meinem Enkel, 17J Gymnasium, der prinzipiell 'Bücher' generell als ALTMODISCH überkommen ablehnt..., er benutzt praktisch nur noch KI, wo es geht... - kein Witz!]

...hat doch aber jetzt nix mit der besprochenen KI-Problematik zu tun..., oder sehen Sie das anders...?

Selbst wenn mein Enkel Mathe-Freak wäre, was er wohl nicht ist..., selbst als/für Wissenschaftler und Ingenieure ist die kommende KI-Dominanz (so sie wirklich kommt... ...?) berufsgefährdend..., im weitesten Sinne - mMn.

Mich würde interessiere, Frau Sehnert wie es in Zukunft, ob dieser Bedingungen, mit der freien Rede bestellt sein wird? Ach ich vergass, es gibt ja den Prompter.

Jens Böhme | So., 12. Juli 2026 - 11:05

Mit einer KI spart sich der Politiker den bezahlten Referenten/Redenschreiber ein, der Journalist kann länger seine Füße auf den Tisch legen usw. Die Leistungsentlohnung bleibt die Gleiche. Da kommt Freude auf.

Heidemarie Heim | So., 12. Juli 2026 - 11:38

Das gleiche unangenehme Gefühl beschleicht einen doch bei Reden, die nicht z.B. der Vortragende selbst, sondern von den guten alten Redenschreibern verfassen ließ. Wessen Gedankengängen lausche ich da bzw. spult der da vorne gerade ab?Steht er tatsächlich für das bzw. hinter dem, was er da vom Blatt abliest? Oder entstammt der Text auf der mir zugesandten Kondolenzkarte einer auf Empathie getrimmten KI, oder ist es echt empfundenes Beileid, was mir da übermittelt wird? Wo ist die Grenze zwischen Arbeitserleichterung, Assistenz und zwischenmenschlichen Minimalansprüchen, die man auch an sich selbst haben oder überdenken sollte. Ich persönlich bekomme immer noch beizeiten ein schlechtes Gewissen, weil ich anstatt wie früher handgeschriebene, sorgfältig ausgesuchte Grußkarten heute zu whats app-gifs greife und ratzfatz losschicke nachdem mich mein digitaler Kalender noch rechtzeitig "warnte" bloß nicht den Geburtstag von XYZ zu vergessen! Genau wie bald der eigene;)? MfG

Markus Michaelis | So., 12. Juli 2026 - 12:03

Über kurz oder lang ist aber auch der ausgebildete und langjährig tätige Rechtsanwalt nicht mehr in der Lage alle Aspekte und Argumente eines KI-Textes zu verstehen. Die Frage ist, warum Texte dann überhaupt noch einen menschlichen Ko-Autor haben sollten und ob Texte überhaupt noch in einer Sprache verfasst werden sollten, die Menschen verstehen? Die KI könnte ohne die erzwungene Ankopplung an Menschen eigene Sprachen entwickeln, mit abstrakteren Begriffen, oder schärferen Begriffen (die man aber auch kennen muss), effizienterer aber schwierigerer Grammatik etc. Dasselbe gilt natürlich auch für das Programmieren. Technische Dinge werden wir ab einem Punkt nur noch akzeptieren, wenn sie auf KI-Art zustande gekommen sind - einfach weil sie besser funktionieren. Die Frage ist, wie wir es bei juristischen, politischen, philosophischen, zeitgeistigen Themen halten wollen?

Wenn ich sie recht verstehe, Herr Michaelis sind sie der Meinung, daß das Neue zwangsläufig den Tod des Alten zur Folge hat. Sind sie sicher? Rein technisch betrachtet würde ich ihnen nicht widersprechen wollen. Allerdings die komplexen, neuronalen Prozesse der Grosshirnrinde sind bestimmt auch in Zukunft für einige Überraschungen gut, wenn sie denn entsprechend trainiert wird.

Wolfgang Borchardt | So., 12. Juli 2026 - 20:23

selbstverständlich benutzen darf. Aber die Verantwortung bleibt bei den Autoren. Vielleicht möchte man Worte verwenden, die KI nicht kennt, den Text anders ordnen u.a. KI verwendet Daten, die auch falsch oder widersprüchlich sein können. Zudem gibt es immer noch Menschen, die selbst kreativ sein und ihr Gehirn lebendig halten w o l l e n. KI ist nicht für dumme Leute, denen es an Kompetenz mangelt, die Ergebnisse zu beurteilen. "Wenn Sie den Stein der Weisen hätten, der Weise mangelte dem Stein" (Goethe)

Thomas Veit | So., 12. Juli 2026 - 22:27

verhindern kann ist -theoretisch!- KI.

Daraus folgt allerdings: WER? die KI-Macht de facto(!) also in der gelebten Realität hat (🇺🇸 🇨🇳 [🇪🇺?]), der dominiert genau deshalb zukünftig die Welt - zivil wie militärisch.