Demo gegen Nazis
Nazi-Keule aus Pappe / picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Was leistet der Faschismusbegriff – und was nicht? - Das Gift in der Debatte

Deutschland hat sich im Faschismus-Vorwurf eingegraben. Der inflationäre Gebrauch eines Begriffs, der vor allem Zugehörigkeiten und Abgrenzungen markiert, führt zur Verunmöglichung der politischen Debatte.

Autoreninfo

Frauke Rostalski ist Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung an der Universität zu Köln. Sie ist Mitglied des Deutschen Ethikrats.

So erreichen Sie Frauke Rostalski:

In der Zeit, der Süddeutschen und der FAZ ist eine Debatte darüber entfacht, wie sinnhaft es ist, gesellschaftlichen Strömungen oder einzelnen Personen mehr oder weniger schnell den Stempel des Faschismus bzw. des Faschisten aufzudrücken. Den Anfang bildet ein Beitrag des Literatur- und Sozialwissenschaftlers Jan Philipp Reemtsma, der in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Gebrauch des Faschismusbegriffs als Akt „wechselseitige[r] Vergewisserung affektiver Zusammengehörigkeit“ beschrieb.

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Walter Bühler | So., 28. Juni 2026 - 09:15

... stand wohl am Anfang:

Wer glaubt, er selbst würde neben Gott auf dem Thron sitzen und er könne ihm exklusiv über die Schulter gucken, der sieht jeden Andersdenkenden fast zwangsweise auf dem Schoß des Teufels, des Diábolos sitzen, der für alles Böse in der Welt verantwortlich ist.
---
Verteufelung und Verschwörungstheorien sind daher die häufigsten Varianten der grassierenden Denkfaulheit.

Nur die Andersdenkenden können schuld sein ...

Ingo Frank | So., 28. Juni 2026 - 09:29

weder mit dem III. Reich, noch mit denen zu tun, die für die größte Katastrophe Deutschlands verantwortlich sind. Geschweige damit, das der Faschismus nie wieder Deutschland ins Elend stürzten soll.
Dieser Begriff „Faschist“ wurde doch von den Livestyle Politikern aller etablierter Parteien von Schwarz bis Dunkelrot inkl.. der willigen Medien allen voran dem ÖRR dafür genutzt, Andersdenkende auszugrenzen um ihre miserable Regierungspolitik der letzten 20 Jahre zu kaschieren und um jegliche Kritik an selbiger zu unterbinden. „Faschisten“ sind in deren Lesart alle „die nicht auf vorgegebener „Regierungslinie“ sind. Das damit nicht nur die „Freie Meinungsäußerung“ erheblich eingeschränkt ist, ist die eine Seite. Die Andere ist aber, dass jeglicher Diskurs, jede gesellschaftliche, politische selbst wirtschaftliche Diskussionen der „faschistoiden Gegner“ unterbunden wird, und dies zur Stagnation, Wohlstandsverlust und Niedergang dieses Landes führt. Es braucht eine Wende !
MfG a d Erf.Rep

Achim Koester | So., 28. Juni 2026 - 09:59

als terroristische Vereinigung eingestuft, das sollte man hier auch machen.

... wenn unsere Regierung, die Polizei und die Justiz der Antifa keine Sonderrolle mehr einräumen würde. Die "Aktionen", "Taten" und "Anschläge" von links müssten vom Staat endlich nach einheitlichen Maßstäben bewertet werden.
---
Wer wie "die Linke" heute noch den skurrilen und bösartigen Antifaschismus eines Erich Mielke zum Vorbild nimmt, müsste allerdings besonders kritisch beäugt werden.

Jürgen Goldack | So., 28. Juni 2026 - 10:36

Begriffe wie Faschismus wie auch Nazi sind mittlerweile so abgegriffen wie ein alter Putzlumpen. Es hört sich für viele, speziell links-woke Möchtegern-Politiker und ahnungslose Mit- u. Nachplapperer aus dem überideologisierten links-grün-rot-schwarzen "Dunstkreis" überflüssig werdender Parteien nur einfach toll an ein Wort zu benutzen, dessen sehr weitläufige bis heute undefinierte Bedeutung zumeist unklar ist. So kann man einer Partei auf Grund absoluter Unkenntnis des Sinnes dieses Wortes als faschistisch, was ja im aktuellen Mindset nichts anderes als rechtsradikal oder "Nazi" heißen soll, bezeichnen. Es geht total am Mussolini-Faschismus wie auch am NSDAP-Nazi-Unwesen vorbei. Das Wort wurde von linksorientierten Politikdarstellern nur in Umlauf gebracht, um eine bestimmte Partei, die AfD, desavouieren zu können. Faktisch haben genau diese bildungsarmen Gestalten die Beschimpfungsrhetorik gewählt, die zu 100% genau auf sie selber zutrifft! Geistig arme deutsche linke Politiker.

Jens Böhme | So., 28. Juni 2026 - 10:39

Mit Ende der DDR 1990 verschwand auch dort der Begriff Faschismus. Dass dieser weiterhin gepflegt wurde, ist den Linksextremen zu verdanken (inklusive Friedensfreund Putin in Russland). Also bleibt die Frage, warum oder wieso lässt sich die Gesellschaft auf linksextreme Begrifflichkeiten ein und fachsimpelt darüber?

Rainer Mrochen | So., 28. Juni 2026 - 10:49

"Was liegt am Ursprung bestimmter gesellschaftlicher Entwicklungen?" Genau darum geht es. Es ist wie mit dem Ursprung des Faschismus selbst. Die grundlegende Idee ist die, eine prägende, gesellschaftliche Norm zu etablieren. Dies führt zu bekannten Fehlentwicklungen da ein Korrektiv weder erwünscht, wenn nicht gar verunmöglicht wird. Entspricht dem Dogmatismus einer Ideologie. Wenn es also heute um den Faschismusbegriff geht, dann ist doch wohl zu konstatieren das auch hier ein Ursprung vorliegt. Dieser Ursprung liegt nach meinem Dafürhalten in einem Absolutheitsanspruch begründet, der in der "einzig gültigen" Sichtweise einer bestimmten, gesellschaftlichen Gruppe zu suchen ist. Was wir erleben ist eine antidemokratische und autoritäre politische Ideologie die aus dem vorgenannten Anspruch eine Sichtweise zu etablieren versucht die in sich selbst faschistisch ist. Sie fragen:" Wie lässt sich ihnen (dem) entgegenwirken? Gar nicht! Hier hilft nur Systemwechsel; hin zu wahrer Demokratie.

Urban Will | So., 28. Juni 2026 - 10:56

mus der Linken hat dazu geführt, dass der Begriff „Faschist“ jegliche ernsthafte Bedeutung verloren hat. Und somit unfassbare Menscheitsverbrechen verharmlost, ja sogar verniedlicht wurden.

Die Linken konnten eines nie: andere Meinungen akzeptieren. Und sie hassen die Freiheit wie der Teufel das Weihwasser.
Und daher nennen sie jeden „Faschist“, der ihre Meinung nicht teilt. Groteskerweise sogar die Union, obwohl diese seit Merkel die linkeste und grünste Politik der deutschen Geschichte gemacht hat.
„Faschismus“ ist das Zementieren linker Allmacht. Kein vernünftig denkender Mensch wird darauf herein fallen.

Ich selbst lache über jeden, der mich so nennt.
Dr. Kissler, einst beim CICERO, heute zum Glück woanders, da auch der CICERO munter drauf los zensiert, sagte: Ideologie frisst Hirn.
Mehr ist zu diesem Thema eigentlich nicht zu sagen.
Mögen er „Faschisten“ schreien,dieser linke Mob, seine Zeit läuft ab. Nächste Woche in Erfurt wird man sehen, was Faschismus wirklich bedeutet.

so ziemlich die am wenigsten des eigenen Denkend fähigen (= geistig beschränktesten) Menschen, die man sich vorstellen kann.
Ihr ganzes Gerede ist ideologischer Quark.
Man kann mit ihnen nicht diskutieren, und das wissen sie selber.
Deshalb wählen sie nicht den offenen Diskurs, um ihre Ideologie unter das Volk zu bringen, sondern sie greifen zum Mittel der Gewalt.
Da sie erfahrungsgemäß damit durchkommen, weil der deutsche Staat ihnen
seit zig Jahren eine Art von "Sonderschutz" gewährt, spielen sie ihre zerstörerische Rolle unangefochten weiter, und sie werden dafür von vielen Sympathisanten in der SPD, bei den Linken, den Grünen und bei Mitläufern im Volk sogar eifrig unterstützt - moralisch und finanziell.

Daß dies ein dauerhafter Riesen-Skandal ist, merken inzwischen immer mehr Bürger im Lande. Aber die Regierung hält weiterhin die Füße still.
Gut, daß die Amerikaner die "AntiFa" wenigstens richtig eingestuft haben!

bei den Unterstützern haben Sie eine Partei vergessen. Die Union. Und das ist der eigentliche Skandal. Man kann "traditionellen" Linksgrünen nicht böse sein, dass Sie ihresgleichen bei der Antifa unterstützen. Aber dass die einst bürgerlich-konservative, "Links ist vorbei!"-Partei, geführt vom unfähigsten, verlogensten und lächerlichsten Kanzler, den dieses Land je hatte, ebenfalls zum unterwürfigsten Antifa-Unterstützer geworden ist, das ist der eigentliche Skandal.
Und halt mit ein Grund, dass diese Verräterpartei bald unter 20 gehen wird.

Die Partei, welche die Hauptverantwortung trägt für die schlimmen Zustände in unserem Land, ist eindeutig die CDU/CSU.
Sie hat nur noch vorgetäuscht, bürgerlich-konservative (also vernünftige) Politik zu betreiben. In Wirklichkeit hat sie jedoch a l l e Kernüberzeugungen aufgegeben u. ist in unterwürfigster Weise den Grünen u. Linken mit ihren verkorksten Ideologien hinterher gerannt. So hat sie auch die AntiFa als
eine Art "Stoßtruppe des Fortschritts" geduldet und n i c h t s gegen diese
Verbrecher unternommen
Ihre Voraussage in Gottes Ohr, lieber Herr Will!
Daß die CDU unter 20 Prozent kommt, halte ich nicht für ausgemacht.
Sie vergessen, daß diese Partei in den Jahrzehnten ihres Bestehens .u. Erfolges
weitreichende Netzwerke aufgebaut hat, in denen sich die Beteiligten mit Anhang (!) gegenseitig Vorteile zugeschustert haben. Sie bestehen ja noch! Keiner der Profiteure möchte auf etwas verzichten. Also wird er alles tun, um die Kuh nicht zu töten, die er weiter merken will.

Detlef Spitzbart | So., 28. Juni 2026 - 11:02

Der Faschismusvorwurf ist natürlich Kritik. Aber welche Art von Kritik? Schlagen wir nach bei Karl Marx: "Sie (die Kritik) ist kein anatomisches Messer, sie ist eine Waffe. Ihr Gegenstand ist ihr Feind, den sie nicht widerlegen, sondern vernichten will. Denn der Geist jener Zustände ist widerlegt. An und für sich sind sie keine denkwürdigen Objekte, sondern ebenso verächtliche, als verachtete Existenzen. Die Kritik für sich bedarf nicht der Selbstverständigung mit diesem Gegenstand, denn sie ist mit sich im reinen. Sie gibt sich nicht mehr als Selbstzweck, sondern nur noch als Mittel. Ihr wesentliches Pathos ist die Indignation, ihre wesentliche Arbeit die Denunziation." Und wenig später: "Die Kritik ... ist die Kritik im Handgemenge, und im Handgemenge handelt es sich nicht darum, ob der Gegner ein edler, ebenbürtiger, ein interessanter Gegner ist, es handelt sich darum, ihn zu treffen." Die gewalttätigen Folgen dieser Sätze lassen sich vermutlich demnächst in Erfurt beobachten.

willst, bezichtige ihn der Tollwut. " (Moliere) Das Anschreien gegen die AfD wird ihr noch mehr Punkte verschaffen. Wie dumm. Niemand fragt. Warum es die AfD gibt. Es geht wohl eher darum, linke Macht zu demonstrieren - auch wenn sie Bussen herbeigeschafft.

Wolfgang Borchardt | So., 28. Juni 2026 - 11:17

eindeutig zu definieren. Maximilian Krah hat daher die Möglichkeit, ihn mit genau den bürgerlich-konservativen Inhalten zu hinterlegen, von denen CDU und FDP sich verabschiedet haben.

Markus Michaelis | So., 28. Juni 2026 - 14:40

"Faschismus" ist ja nur ein Begriff aus diesem Komplex, mit dem man sich selber seiner Fundamente versichern und Freund und Feind klarer trennen will. Auch Rassismus und andere negative Begriffe werden so verwendet, aber auch die positiv besetzten Begriffe werden so verwendet.

Wenn ich in politischen Diskussionen betone, dass "Wir" werteorientiert für Menschenrechte und Demokratie sind und dass der große Punkt ist, den man herausstellt, heißt dass, das die politischen Gegner Menschenfeinde sind, mit denen man in keiner Weise verkehren sollte. Wenn man dann noch Bezüge zum Nazitum einstreut, wird die Festigung der eigenen Werte und die klare Verurteilung der gegnerischen Positionen ins Extreme klargestellt: dort wird Auschwitz geplant, man selber kämpft für "DIE" (es kann nur eine geben!) universelle Menschlichkeit.

Von außen betrachtet ist Politik damit am Ende. Hier kämpfen unverhandelbares Misstrauen und Wertegegensätze gegeneinander.

Karl-Heinz Weiß | So., 28. Juni 2026 - 20:40

Lars Klingbeil und Saskia Esken bekannten sich in ihrer „politischen Findungsphase" zur Antifa und bewiesen damit genauso wenig politischen Sachverstand wie aktuell beim inflationären Gebrauch des Begriffs " Brandmauer ". Saskia Esken ist Geschichte, aber Lars Klingbeil übt eines der wichtigsten politischen Ämter in der Bundesrepublik aus. Und derjenige, der ihm politisch Paroli bieten sollte, ist nicht einmal Bärbel Bas gewachsen.

Ingbert Jüdt | So., 28. Juni 2026 - 20:44

Im Gebrauch der Faschismusvokabel »gegen Rechts« geht die Wahrnehmung unter, dass die eigentliche Herausforderung der Republik in einer Liberalismuskritik von rechts liegt, wie man sie kürzlich bei Höcke entdeckt hat. Das ist aus zwei Gründen von zentraler Relevanz:

Erstens, weil wir verlernt haben, zwischen ökonomischem und politischem Liberalismus zu unterscheiden, und der politische Liberalismus mittlerweile von den antidemokratischen Konsequenzen des ökonomischen Liberalismus aufgezehrt wird: wir haben Marktradikalismus plus kulturelle Repression.

Zweitens, weil die kulturelle Repression wesentlich von einer in die neoliberale Ordnung kooptierten Linken exekutiert wird, wie man am erwähnten Faschismusbegriff Eva von Redeckers sehen kann. Was uns am wichtigsten ist, die politische Freiheit, fällt auf diesem doppelten Wege einer Transformation der post-neoliberalen Welt in einen neofeudalen Totalitarismus zum Opfer, in der die Linke den oligarchischen Eliten ein Liedchen pfeift.