Eine Kühlbox für eine Organspende steht in einem Transporter des Deutschen Roten Kreuzes
Eine Kühlbox für eine Organspende steht in einem Transporter des Deutschen Roten Kreuzes / picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Soll es eine Widerspruchslösung bei der Organentnahme geben? - Schubsen und der Zweck, der die Mittel heiligt

Sollte jeder Mensch automatisch als Organspender gelten – solange er nicht widerspricht? Über diese sogenannte Widerspruchslösung wird seit Jahren diskutiert. Zwischen Selbstbestimmung, Solidarität und Lebensrettung prallen juristische, ethische und religiöse Argumente aufeinander.

Gregor Thüsing

Autoreninfo

Prof. Dr. Gregor Thüsing ist Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen, vielfacher Sachverständiger im Deutschen Bundestag und wurde 2024 in den Deutschen Ethikrat berufen.

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Nächsten Dienstag darf ich den Auftaktimpuls zu einem – sperriges Wort – Parlamentarischen Orientierungsgespräch zur Widerspruchslösung bei Organspenden geben. Abgeordnete des Deutschen Bundestags wollen sich bei Mitgliedern des Deutschen Ethikrats zu den Argumenten informieren, die für und gegen eine Regelung sprechen, nach der im Todesfall grundsätzlich jeder als Organspender gelten würde, der nicht vorher widersprochen hat. Also genau das Gegenteil von der jetzigen Rechtslage: Wer sich nicht zum Organspender erklärt hat, der ist grundsätzlich auch keiner. Ist zu Lebezeiten keine Entscheidung getroffen, können die Angehörigen gefragt werden, ob sie einer Organspende in ihrem mutmaßlichen Sinne zustimmen oder nicht.

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Toni | So., 15. März 2026 - 09:24

Wer sich frühzeitig als Spender registriert hat, sollte bei Eigenbedarf gegenüber Nichtspendern bevorzugt werden. Das du die Spendenbereitschaft deutlich ankurbeln.

IngoFrank | So., 15. März 2026 - 10:02

Nicht aus ethischen oder religiösen Gründen sondern ehr aus kommerziellen Gesichtspunkten.
Die Organe sind in diese Gesellschafft ein „Produkt“ die dem Markt unterliegt und damit der „Bedarf“ den „Preis“ bestimmt was ich grundsätzlich für richtig halte, bis eben auf wenige Ausnahmen zu denen ich die Organspende zähle.
Natürlich ist es entsprechend gesetzlich geregelt, wie und zu welchem Zeitpunkt, Organe entnommen werden müssen. Dennoch begibt man sich auf Gedeih & Verderb in die Hände der „Götter in Weiß“ und ich kann mir als Angehöriger oder Spender nicht die Frage ersparen, ist alles menschenmögliche für mich getan wurden oder stehen dahinter Beziehungen und Geld bei denen, den geholfen werden sollen ?
Und diese Frage kann m M niemand plausibel erklären geschweige beantworten……
Letztlich ist’s eine Systemfrage in der heutigen „Bescheißer- Mentalität“ wo Lug & Trug Staatsräson ist.
Mit besten Gruß aus der Erfurter Republik

Jens Böhme | So., 15. März 2026 - 11:46

Bei Gesetzesrahmen für Organspende muss zwingend der Organhandel berücksichtigt werden, sonst endet dieses Gesetz wie beim Geschlechterwechelspielchengesetz

Gisela Hachenberg | So., 15. März 2026 - 22:58

Ja, es ist ein schwieriges Thema. Wie auch bei anderen Themen, denken viele Menschen immer „das betrifft ja andere, nicht mich“! Jeder, wirklich jeder kann in die Situation kommen, z.B. durch einen Unfall, dass er ein Spenderorgan braucht. Mein Mann, der schwer nierenkrank war, bekam eine Spenderniere. Nach 9 Jahren Dialyse, war es wie ein zweites, neues Leben. Im Krankenhaus, auf der Transplantations-Station habe ich mit vielen Menschen, auch sehr jungen, sprechen können, die auf ein Spenderorgan warteten. Einige sagten „wenn das Organ auch nur 1 Jahr hält, wäre es ein Segen. Ein Jahr ohne strengste, z.T. lebensbedrohende Einschränkungen, ein Traum. Vielleicht wäre es wünschenswert, wenn einige zweifelnde Menschen sich mal für ein paar Stunden auf eine T-Station begeben würden. Ja, ich weiß, es ist ein schwieriges Thema. Aber, wie gesagt, es kann jeden treffen. Nicht nur die anderen…

Bernhard Marquardt | Mo., 16. März 2026 - 14:24

Eine Mehrheit der Bürger wäre eigentlich zu einer Organspende bereit. Allein die Trägheit hindert sie, sich einen Organspendeausweis zuzulegen. Aber im Ernstfall möchten doch alle gerne ein Spenderorgan.
Jedem, der sich einmal näher mit illegalem Organhandel beschäftigt hat, kommt dabei das kalte Grausen.
Von frischen Leichen auf Bestellung in Russland oder China gar nicht zu reden.
Da werden den Ärmsten der Armen (oder Gefangenen) Organe für keines Geld abgekauft und unter unsäglichen Bedingungen entnommen, um nicht zu sagen entrissen.
Und zu immensen Preisen an Begüterte in aller Welt verkauft.
Bei einem ausreichenden Angebot infolge einer Widerspruchslösung würde dieser Organhandel umgehend zusammenbrechen. Und die Befürchtung einer vorschnellen Entnahme bei "nur Halbtoten" hinfällig.
Angesichts dieser Fakten treten m.E. alle Gegenargumente in den Hintergrund.
Und der Widerspruch bleibt ja jederzeit möglich.

Haimo Huhle | Mo., 16. März 2026 - 23:13

Ich habe seit x Jahren einen Organspenderausweis, selbstverständlich. Und wo bitte soll das Problem mit einer Widerspruchslösung sein? Der Deutsche darf doch bei fast allem widersprechen und viele tun es mit Inbrunst. Das wird also kaum eine Hürde sein. Und dennoch - hier die zweite Beobachtung - verzichten auch viele auf den Widerspruch, weil ihre Prioritäten woanders liegen. In Summe würde sich mE die Zahl der potentiellen Spender deutlich erhöhen, ohne dass es jemanden ernsthaft beeinträchtigt. Was mich hier stört, ist dass die Politiker sich hier unendlich mit Ethikfragen hervortun, wo es ihnen an anderer Stelle damit herzlich egal ist.